Nach großen humanitären Krisen werden die Menschen weltweit dazu aufgerufen, die Hilfe vor Ort durch Spenden zu unterstützen. Auch die Regierungen verschiedener Staaten leisten in betroffenen Regionen und Ländern unschätzbare Hilfe, indem Rettungsteams, Nahrungsmittel und weitere Güter des täglichen Bedarfs zur Verfügung gestellt werden.
Doch insbesondere nach humanitären Notlagen muss die Resilienz der Bevölkerung gestärkt und bedrohte oder zerstörte Wirtschaftskreisläufe vor Ort wieder in Gang gebracht werden. Hier ist es wichtig, dass der lokalen Bevölkerung Unterstützung auch in Form von monetärer Hilfe gegeben wird. Dies kann durch die bekannten Akteure der humanitären Hilfe geleistet werden, aber auch durch den Geldtransfer von Emigranten in ihre Herkunftsländer.
In der hier vorliegenden Arbeit definiert der Verfasser zu Beginn die Begriffe ‚Migration‘ und ‚Fluchtlinge‘. Es wird weiterhin versucht, eine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen zu finden. Im weiteren Verlauf werden die unterschiedlichen Moglichkeiten und die gebrauchlichen Methoden von Geldtransfers in andere Staaten aufgezeigt. Anhand von Daten der Weltbank wird die Entwicklung der erfassten Auslandsuberweisungen in den letzten Jahren dargestellt.
Darauf aufbauend erfolgt eine Bewertung der Daten und eine Erorterung der Rolle von Ruckuberweisungen von Migranten und daruber, wofur dieses Geld ausgegeben wird. Der besondere Fokus der vorliegenden Arbeit liegt im Folgenden auf der Rolle der Ruckuberweisungen in der humanitaren Hilfe und in akuten humanitaren Krisen. In der abschliesenden Diskussion werden mogliche kritische Stimmen aufgegriffen, die das finanzielle Engagement in der humanitaren Hilfe durch institutionelle Geldgeber von der Hohe der transferierten Gelder abhangig machen mochten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgehensweise
3. Definitionen
3.1. Migration
3.2. Migrationsursachen
3.3. Flüchtling
3.4. Differenzierung Flüchtling / Migrant
3.5. Geldgeber der Rücküberweisungen
3.5.1. Von Privat zu Privat
3.5.2. Rücküberweisungen durch Migrantenorganisationen / Diaspora
4. Möglichkeiten des Geldtransfers
4.1. Banküberweisungen
4.2. Bargeldversand
4.3. Bargeldtransfer durch private Akteure
4.4. Geldtransfer
5. Entwicklungen und Rolle der Auslandsüberweisungen
5.1. Verwendungszweck von Rücküberweisungen
5.2. Kritik an Rücküberweisungen
6. Die Rolle von Rücküberweisungen in der humanitären Hilfe
7. Rücküberweisungen: Ein Ersatz für etablierte humanitäre Hilfe?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von privaten Rücküberweisungen von Migranten in ihre Herkunftsländer und analysiert kritisch deren Rolle sowie Potenzial im Kontext der humanitären Hilfe und Krisenbewältigung.
- Grundlagen der Migration und Abgrenzung zum Flüchtlingsbegriff
- Methoden und Wege des internationalen Geldtransfers
- Quantitative Entwicklung und ökonomische Bedeutung von Rücküberweisungen
- Kritische Analyse von Auswirkungen, insbesondere in humanitären Krisensituationen
Auszug aus dem Buch
3.5.2. Rücküberweisungen durch Migrantenorganisationen / Diaspora
Unter dem Begriff der Diasporaorganisation oder Migrantenorganisation wird der Zusammenschluss von Menschen gleicher Herkunft verstanden. Migranten schließen sich jedoch nicht nur aufgrund ihrer geographischen Herkunft zusammen, sondern auch aus politischen, sozialen oder kulturellen Gründen. Gemeinhin werden Diasporaorganisationen als sogenannte ‚Brückenbauer‘ zwischen den Herkunfts- und Aufnahmeländern betrachtet. Oftmals ist das Wissen um die lokalen Umstände für Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe größer als bei etablierten NROs. Diasporaorganisationen sehen ihre Arbeit nicht nur in der Entsendung von finanziellen Mitteln, sondern auch im Wissenstransfer in die Heimat und in der besseren Vernetzung mit etablierten NROs und staatlichen Akteuren der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit (vgl. Hertlein & Vadean 2006, S.5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung monetärer Unterstützung in Krisengebieten durch private Emigranten im Vergleich zu staatlichen Hilfsleistungen.
2. Vorgehensweise: Dieses Kapitel definiert die methodische Herangehensweise der Arbeit, einschließlich der Begriffsbestimmungen und der Datengrundlage aus Weltbank-Informationen.
3. Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe Migration, Migrationsursachen und Flüchtlingsstatus voneinander abgegrenzt und die Akteure von Rücküberweisungen identifiziert.
4. Möglichkeiten des Geldtransfers: Der Abschnitt erläutert verschiedene Kanäle für den Geldtransfer, von offiziellen Bankwegen bis hin zu informellen privaten Bargeldübergaben.
5. Entwicklungen und Rolle der Auslandsüberweisungen: Dieses Kapitel analysiert die quantitativen Trends bei Rücküberweisungen und diskutiert deren Verwendung sowie kritische Aspekte wie den Brain-Drain.
6. Die Rolle von Rücküberweisungen in der humanitären Hilfe: Der Autor untersucht hier die Funktion von Rücküberweisungen zur Resilienzstärkung und zur Krisenbewältigung in betroffenen Regionen.
7. Rücküberweisungen: Ein Ersatz für etablierte humanitäre Hilfe?: Die abschließende Diskussion erörtert, ob private Finanzströme die humanitäre Hilfe ergänzen oder ersetzen können und welche Herausforderungen dabei bestehen.
Schlüsselwörter
Rücküberweisungen, Migration, Humanitäre Hilfe, Diaspora, Finanztransfer, Remittances, Krisenbewältigung, Entwicklungszusammenarbeit, Weltbank, Geldtransfer, Resilienz, Braindrain, NRO, Flüchtlinge, Zahlungsverkehr
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Rücküberweisungen durch Migranten als Finanzquelle in Herkunftsländern, insbesondere mit Blick auf deren Funktion innerhalb der humanitären Hilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Migrationsbegriffen, die verschiedenen technischen Wege des Geldtransfers sowie die ökonomische und humanitäre Relevanz dieser Finanzflüsse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob und wie Rücküberweisungen die etablierte humanitäre Hilfe in Krisenzeiten ergänzen können, ohne dabei Abhängigkeiten zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Datenanalyse, wobei insbesondere Statistiken der Weltbank ausgewertet und mit bestehenden Fachdiskursen verknüpft werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Definition von Migration, die Darstellung der Transferwege, die Analyse der Datenentwicklung sowie eine kritische Bewertung der Rolle von Rücküberweisungen in Krisensituationen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Rücküberweisungen, Humanitäre Hilfe, Migration, Diaspora, Finanztransfer und Krisenresilienz.
Warum wird die Rolle der Diasporaorganisationen hervorgehoben?
Der Autor sieht in ihnen ‚Brückenbauer‘, die aufgrund ihres spezifischen lokalen Wissens Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit effektiver umsetzen können als große, etablierte Organisationen.
Wie bewertet der Autor das Risiko eines ‚Braindrain‘ durch Rücküberweisungen?
Er sieht kritisch, dass Rücküberweisungen, die Bildung finanzieren, langfristig zu einer Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften aus den Herkunftsländern beitragen können.
Können Rücküberweisungen die staatliche humanitäre Hilfe vollständig ersetzen?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass sie die etablierten Mechanismen nicht ersetzen können, da sie unkontrollierbar sind und eine sehr hohe Emigrationsquote voraussetzen würden, die selbst wieder zu sozialen Problemen führt.
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- Michael Meister (Author), 2016, Unerkannt und unterschätzt. Auslandsüberweisungen von Migranten in der humanitären Hilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318269