Kunsttherapie bei Kindern mit diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS)


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,0

Nina Meyers (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Kindheit
2.1.1 Kindheit heute – Merkmale und Herausforderungen
2.2 Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens: ADHS / HKS
2.2.1 Kennzeichen und Folgen der Störung
2.2.2 Ursachen der Störung
2.2.3 Behandlungsansätze
2.3 Kunsttherapie
2.3.1 Kunsttherapie mit Kindern

3 Kunsttherapie bei Kindern mit diagnostiziertem ADHS nach Dagmar Wohler
3.1 Erscheinungsbild
3.2 Schwerpunkte der Kunsttherapie bei ADHS
3.3 Kunsttherapeutische Zielsetzungen

4 Bedeutung für die Soziale Arbeit
4.1 Kunst in der Sozialen Arbeit
4.2 Eigene Gedanken zur Verbindung von Kunst, Kunsttherapie bei Kindern mit ADHS und Sozialer Arbeit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Immer mehr Kinder in unserer Gesellschaft erhalten die Diagnose ADHS. Es handelt sich um die am häufigsten beschriebene psychische Störung des Kindes- und Jugendalters. Insbesondere für die Pharmaindustrie sind unruhige und zappelige Kinder zu einem enormen Gewinnfaktor geworden. In der Zeit vom Jahr 1993 bis zum Jahr 2003 ist Zahl der Ritalin-Verschreibungen – ein gängiges Medikament für die Behandlung von ADHS – um rund 270 Prozent gestiegen. Für betroffene Kinder, ihre Familien und auch ihr soziales Umfeld, z. B. im Kindergarten oder in der Schule, stellt die hyperkinetische Störung eine große Herausforderung dar. Die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, wie auch seine intellektuelle und soziale Entwicklung werden durch ADHS beeinträchtigt. Es kommt zu erheblichen Einflüssen auf alle Lebensbereiche des Betroffenen (vgl. Wohler o.J.; Wohler 2011: 175).

Der kunsttherapeutische Behandlungsansatz findet in diesem Bereich bisher nur wenig Beachtung. Forschungen in diesem Bereich fallen ebenso rar aus wie Literatur über Kunsttherapie bei Kindern mit diagnostizieren ADHS. Insbesondere Dagmar Wohler jedoch hat es sich in ihrer Dissertation und seither in einer Vielzahl anderer Veröffentlichungen zur Aufgabe gemacht die Vorteile von Kunsttherapie als Bestandteil des Behandlungskonzeptes bei Kindern mit ADHS zu erforschen und hervorzuheben. Für Kinder ist die Kunsttherapie ideal, weil sie sich hier ohne große Worte mitteilen können.

Lesehinweis

In der vorliegenden Arbeit wurde die männliche Schreibweise gewählt, um den Lesefluss zu verbessern. Es sei darauf hingewiesen, dass bei allen Textpassagen die weibliche Form ebenso miteingeschlossen ist, auch wenn dies nicht explizit aufgeführt wird. Ferner werden die Bezeichnungen Sozialarbeiter und Sozialpädagoge synonym verwendet.

2 Begriffsbestimmungen

2.1 Kindheit

Kindheit bezeichnet „in der Abfolge von Lebensabschnitten eine Phase“ (Hornstein / Thole 2013: 557), die sich von der Geburt bis zum Beginn der Jugend erstreckt. Sie wird unterteilt in die frühe Kindheit, die Kindergartenzeit und das Schulalter (vgl. ebd.; Meis 2012a: 93). Dem Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie dem Jugendgerichtsgesetz zufolge ist Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist (vgl. § 7 SGB VIII; §1 JGG). „Kindheit wird nicht als eine biologisch-genetische vorgegebene Größe verstanden, sondern als ein kulturgeschichtlich geprägtes Konstrukt“ (Lange 2011: 516). Bei der Herausbildung von Kindheit handelt es sich um einen historischen Prozess. Gab es bspw. im Mittelalter noch keinen für die Kinder von der Erwachsenenwelt abgetrennten Lebensbereich (gleiche Kleidung, gleiche Arbeit, usw.) änderte sich dies mit der Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Teilsysteme Ende des 19. Jahrhunderts. Insbesondere die Schule trennte die Welt der Erwachsenen von der der Kinder und hatte als Mittel der Erziehung das Ziel, einen spezifischen, auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Kinder zugeschnittenen Bereich zu schaffen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen Kinder schließlich im Fokus von Unterstützungs- und Schutzmaßnahmen der Erwachsenen (vgl. Hornstein / Thole 2013: 554-555).

„Kindheit ist [heute zum einen] gekennzeichnet durch Status (rechtliche Minderjährigkeit, privates Kindesverhältnis und Abhängigkeit von der elterlichen Sorge) und [zum anderen] durch Entwicklung (Prozess der körperlichen, kognitiven, affektiven und sozialen Entwicklung hin zur Autonomie des Erwachsenenalters)“ (Bundesamt für Gesundheit o.J.).

2.1.1 Kindheit heute – Merkmale und Herausforderungen

Noch immer haben Kinder keinen Anteil an der politischen, kulturellen und sozialen Gestaltung der Gesellschaft. Kindheit jedoch ist eine eigenständige Lebensphase, welche in gesellschaftliche Veränderungsprozesse eingebunden ist und von diesen geprägt wird sowie diese prägt (vgl. Hornstein / Thole 2013: 557). Erfahrungen, die der Mensch in diesen Lebensjahren macht, „sind für die psychosoziale und emotionale Entwicklung sowie für die kognitive Förderung von zentraler Bedeutung“ (Meis 2012a: 93).

Nicht zu unterschätzende Veränderungen und auch Risiken für Kinder bringt die gesellschaftliche Entwicklung in Form von geänderten Familienstrukturen, verschlechterten Umweltbedingungen sowie der stark zunehmenden Präsenz von elektronischen Medien im Alltag mit sich. Passives Konsumverhalten tritt immer mehr an die Stelle von sportlicher Betätigung, Aktivitäten in der Peergroup, Unternehmungen mit der Familie sowie Selbstständigkeit und Eigenaktivität (vgl. ebd.: 94). „‘Modernes‘ Spielzeug erfordert [außerdem] keine planende, bauende, konstruierende, schaffende oder experimentelle Tätigkeit mehr“ (ebd.). Bauklötze, Knetmasse sowie Kugel- und Eisenbahnen werden ersetzt durch Computer und Modelliermaschinen, aus denen fertig geformte Kugeln, Tiere und Herzen purzeln. Es handelt sich um eine Art des „Spielens auf Knopfdruck“. Die Entwicklung von Eigentätigkeit, Kreativität und Fantasie werden gehemmt. Weiterhin wird der Stolz auf die eigene Leistung, welcher die Grundlage für das Selbstwertgefühl darstellt, verwehrt (vgl. ebd.).

Auswirkungen dieser geänderten Lebensbedingungen werden auf der körperlichen, der räumlichen und der zeitlichen Ebene beobachtet. Da virtuelle Erfahrungen ein „ganzheitliches, leiblich-materielles Handeln“ (ebd.: 95) nicht ersetzen ist auf der körperlichen Ebene ein Rückgang des motorischen Leistungsvermögens bei Kindern zu beklagen. Die Einschränkung kindlicher Handlungsräume auf beengte Häuslichkeiten und digitale Räume zeichnet sich auf der räumlichen Ebene durch Unsicherheiten der Kinder aus, die aus fehlender Erfahrung resultieren. Damit der kindliche Orientierungssinn entwickelt und gefördert werden kann, muss die Raumwahrnehmung mit allen Sinnen und ganzkörperlich erlebt werden. Auf der zeitlichen Ebene schließlich wird bei vielen Kindern die Eigentätigkeit durch fremdbestimmte Durchtaktung ihrer Zeit erheblich eingeschränkt. Der Tag beginnt mit einem Stundenplan in der Schule und ist am Nachmittag durch genaue Tagesplanungen der Eltern gekennzeichnet. Bei anderen Kindern wird die Eigentätigkeit durch stundenlangen Fernseh- und Medienkonsum behindert (vgl. ebd.).

Die Folge „sind häufig Verhaltensauffälligkeiten, die sich sowohl im körperlichen und sozialen Verhalten als auch in der Leistungsbereitschaft und -fähigkeit der Kinder auswirken können“ (ebd.).

2.2 Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens: ADHS / HKS

Unter der Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS)1 wird ein Krankheitsbild beschrieben, „das durch eine Störung der Aufmerksamkeit, durch Hypermotorik und Impulsivität sowie durch Störungen der psychosozialen Anpassung gekennzeichnet ist“ (Wohler 2013: 51). Synonym verwendet wird der Begriff Hyperkinetische Störung (HKS)2. Es handelt sich um einen Zustand, „der den Menschen in seiner psychischen, emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung beeinträchtigt“ (Neuhaus 2011: 67).

2.2.1 Kennzeichen und Folgen der Störung

„ADHS liegt vor, wenn unaufmerksames und impulsives Verhalten, das mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist, nicht dem Alter und dem Entwicklungsstand entspricht und zu Störungen in den sozialen Bezugssystemen, der Wahrnehmung und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führt“ (Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin 2003 zit. n. Wohler 2013: 57; Herv. im Orig.)

Kernsymptome einer ADHS sind „massive Probleme bei der Konzentration (Aufmerksamkeitsdefizit), eine ausgeprägte motorische Unruhe (Hyperaktivität) und erhebliche Schwierigkeiten, das eigene Verhalten zu planen und zu steuern (Impulsivität)“ (Wohler 2013: 57; vgl. auch Gawrilow 2009: 9). Ein Aufmerksamkeitsdefizit ist gekennzeichnet durch die fehlende Ausdauer bei Beschäftigungen sowie der Tendenz zu sprunghaft wechselnden Tätigkeiten. Hyperaktivität, also motorische Unruhe, Ruhelosigkeit und unruhiges Verhalten tritt vor allem in Situationen in denen Ruhe verlangt wird in Form von nicht zu regulierender und ungeordneter motorischer Aktivität auf. Impulsivität äußert sich in der Missachtung sozialer Regeln. Abrupte motorische und verbal unpassende Aktionen sowie die eigene Aussetzung von Gefahren ohne die Berücksichtigung möglicher Konsequenzen sind typisch (vgl. Wohler 2013: 57 f.). Es handelt sich um eine der häufigsten Diagnosen im Kindes- und Jugendalter, wobei Jungen im Verhältnis 4:1 häufiger betroffen sind als Mädchen (vgl. Wohler 2011: 175).

Kinder mit ADHS leben meist in einem „permanenten Zustand der körperlichen Unruhe“ (Wohler o.J.). Sie haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und ihre Impulsivität zu steuern. Spontan und ohne nachzudenken reagieren sie auf ihre Umwelt. Beziehungen einzugehen fällt betroffenen Kindern schwer und oftmals sind sie nicht in der Lage sich empathisch auf ein Gegenüber einzustellen (vgl. ebd.). „Kinder mit ADHS sind in ihrer psychosozialen Entwicklung eingeschränkt“ (Wohler 2011: 176). Auftretende Verhaltensauffälligkeiten und Anpassungsschwierigkeiten betroffener Kinder gehen oftmals mit Erfahrungen sozialer Ausgrenzung und Beziehungsabbrüchen einher. Unbehandelt besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Komorbiditäten wie Depressionen und Angststörungen. Auch weisen diese Kinder später ein erhöhtes Suchtrisiko auf (vgl. ebd.; Wohler o.J.).

2.2.2 Ursachen der Störung

Obwohl die Ursachen der ADHS noch nicht ausreichend erforscht sind, wird zum heutigen Zeitpunkt von „einer hirnorganischen Verursachungshypothese, einer Funktionsstörung in der dopaminergen und noradrenergen Transmission ausgegangen“ (Wohler 2011: 176). Da es allerdings nicht möglich ist einen einzelnen Auslöser für das ADHS auszumachen, muss von einer Wechselwirkung zwischen genetischen und exogenen Faktoren ausgegangen werden. Anders ausgedrückt wird eine Interaktion biologischer und psychosozialer Faktoren vermutet (vgl. Gawrilow 2009: 19; Wohler 2011: 176).

[...]


1 Klassifikation nach DSM-IV

2 Klassifikation nach ICD-10

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kunsttherapie bei Kindern mit diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen  (Aachen)
Veranstaltung
Wahrnehmen und Gestalten - Die ästhetischen und kulturellen Dimensionen des Menschen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V318578
ISBN (eBook)
9783668178342
ISBN (Buch)
9783668178359
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Kunst, Kunsttherapie, ADHS
Arbeit zitieren
Nina Meyers (Autor), 2016, Kunsttherapie bei Kindern mit diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318578

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