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Martin Luthers Konzeption einer Judenmission. Eine kritische Betrachtung des gängigen Luther-Bildes zum Jubiläum der Veröffentlichung der 95 Thesen

Título: Martin Luthers Konzeption einer Judenmission. Eine kritische Betrachtung des gängigen Luther-Bildes zum Jubiläum der Veröffentlichung der 95 Thesen

Proyecto/Trabajo fin de carrera , 2015 , 62 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Florian Franz (Autor)

Teología - Teología histórica, historia eclesiástica
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Mit dem nahenden 500-jährigen Jubiläum der Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther am 31. Oktober 1517 darf man gespannt sein, welche Aspekte des Lebens des Reformators hervorgehoben werden. Werden Ausrichter und Referenten den Reformator Luther nicht nur als den großen Intellektuellen seiner Zeit beschreiben, welchem nicht nur die Wiederentdeckung des Evangeliums in seiner Ausdruckskraft sowie tiefe theologische Überlegungen zum Verhältnis zwischen Mensch und Gott in Hinblick auf die Rechtfertigung des Sünders gelangen, sondern auch als jemanden, welchem eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer gemeinsamen deutschen Sprache zukam? Oder wird man dessen Bibelübersetzung in die Sprache der Deutschen als einschneidenden Akt in der Ausbildung einer neuen unabhängigeren Religiosität betonen? Sicherlich werden alle diese Aspekte (zurecht) zu würdigen sein. Allen gemeinsam ist, dass es sich bei ihnen um von der Nachwelt als positiv gewertete Ereignisse handelt.

Bei aller Würdigung, welche Luther, sicherlich zu Recht, auch verdient hat, wäre eine Beleuchtung dieses dargestellten Luther lediglich einseitig. Denn es gab auch den anderen Luther, denjenigen, welcher von antijüdischer Polemik strotzende Schriften wie "Von den Juden und ihren Lügen" verfasste und dessen Verhältnis zum jüdischen Volk bis heute immer wieder zu Debatten Anlass gibt.

Wurde die vermeintliche Veränderung in der Haltung Luthers zu den Juden zwischen seinem frühen und späten Wirken immer wieder in der gängigen Fachliteratur thematisiert, so wurde der missionarische Eifer des Reformators und auf welche Art und Weise er sich eine Mission (nicht nur) unter Juden vorstellte, primär als Nebenhandlung in einer Darstellung seines Verhältnisses zu den Juden angesprochen. Diese Arbeit verfolgt das Ziel, Luthers Konzeption einer Judenmission zu beleuchten. Dabei soll analysiert werden, mit welchen (theologischen) Argumenten er dies anzustreben versuchte.

Aus dem Inhalt:
- Kritische Überlegungen zu Martin Luthers Vermächtnis
- Luthers Argumentation und Konzeption einer Judenmission
- Historische Einordnung
- Textanalyse und Auswirkungen Luthers Konzepts

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Juden und Judenmission im ausgehenden Mittelalter

2.1. Die gesellschaftliche Situation der Juden im späten Mittelalter

2.1.1. Der gesellschaftliche Umbruch

2.1.2. Der „antisemitische“ Zeitgeist

2.2. Judenmission in Hoch- und Spätmittelalter

2.2.1. Die Anfänge der Judenmission

2.2.2. Das Religionsgespräch als Mittel der Judenmission

2.2.3. Hebräisch als missionarische Notwendigkeit

2.2.4. Zur Problematik der Zwangstaufe

2.3. Zwischenfazit

3. Martin Luther und die Judenmission

3.1. Vorbemerkungen

3.2. Judenmission am Vorabend der Reformation

3.3. Missionarische Argumentation

3.3.1. Keine Zwangsmissionierung unter Juden

3.3.2. Kein Unterschied zwischen Juden und Christen

3.3.3. Die Befreiung der Juden aus der Gefangenschaft des Gesetzes

3.3.4. Solidarität mit den Juden

3.3.5. Gott als Missionar unter den Juden

3.3.6. Die Bezeichnung des Messias als „Gott“ bei Jeremia

3.3.7. Die Glaubenstaufe

4. Die „Missionsschrift“ – Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei

4.1. Entstehungskontext und Einordnung

4.2. Die missionarische Argumentation der Schrift – Teil 1

4.2.1. Freundlichkeit und Unterweisung durch die Schrift

4.2.2. Die alttestamentlichen Propheten waren Christen

4.2.3. Brüderlichkeit mit den Juden als Verantwortung der Christen

4.2.4. Die Jungfräulichkeit Marias als Beweis der Messianität Jesu

4.3. Zwischenfazit

4.4. Die missionarische Argumentation der Schrift – Teil 2

4.4.1. Der Messias ist bereits gekommen

4.4.2. In Daniel 9 wird auf Christus hingewiesen

4.4.3. Christus als leiblicher Tempel

4.4.4. Mission in Einzelschritten – keine Überforderung der Juden

4.5. Zwischenfazit

5. Judenmission nach 1523 – Ein Ausblick

5.1. Missionarische Akzente in Luthers Brief an Josel von Rosheim

5.2. Missionarische Akzente in Luthers späten „Judenschriften“

5.3. Relevanz von Luthers Missionskonzept für die Nachwelt

6. Judenmission im 21. Jahrhundert

7. Auswertung

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Konzeption Martin Luthers für eine Judenmission, primär fokussiert auf die Jahre 1513 bis 1526, unter besonderer Berücksichtigung seines Traktats Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei. Ziel ist es zu analysieren, mit welchen theologischen Argumenten und welcher methodischen Herangehensweise der Reformator eine Mission unter Juden zu etablieren versuchte und wie sich dieses Konzept im Verhältnis zu mittelalterlichen Ansätzen verortet.

  • Historischer Kontext der jüdischen Situation im ausgehenden Mittelalter
  • Entwicklung und Transformation von Luthers Haltung zur Judenmission
  • Analyse der Schrift Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei
  • Diskussion über "Freundlichkeit" und "Schriftunterweisung" als missionarische Instrumente
  • Untersuchung der langfristigen Relevanz und Auswirkungen von Luthers Missionskonzept

Auszug aus dem Buch

3.3.1. Keine Zwangsmissionierung unter Juden

Aus Luthers vereinzelten Äußerungen aus jener Zeit lässt sich erkennen, dass er im Grunde an der Haltung des Innozenz und des Thomas von Aquin festgehalten hat, eine Judenmission nicht durch Zwang umsetzen zu wollen. So verurteilt er in seiner zweiten Psalmenvorlesung (Operationes in Psalmos, 1519-21), im Rahmen einer Auslegung von Psalm 14,7, diejenigen Christen, denen es gefalle, die Juden mit großem Hass zu verfolgen. Dass es eben jene aggressive Haltung sei, welche die Missionsarbeit unter Juden mehr behindere als fördere, wird Luther dann auch nicht müde in seiner Schrift von 1523 zu betonen, doch dazu später.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Judenmission bei Martin Luther vor dem Hintergrund seines 500-jährigen Reformationsjubiläums.

2. Juden und Judenmission im ausgehenden Mittelalter: Darstellung der schwierigen Lebensbedingungen von Juden im späten Mittelalter sowie Analyse der kirchlichen Ansätze zur Judenmission durch Religionsgespräche und Zwangspredigten.

3. Martin Luther und die Judenmission: Untersuchung der theologischen Grundlagen von Luthers Auseinandersetzung mit der Judenfrage, insbesondere sein Festhalten an der Ablehnung von Zwangsmissionierung.

4. Die „Missionsschrift“ – Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei: Detaillierte Analyse des Traktats von 1523 als sowohl verteidigende als auch missionarische Schrift, mit Fokus auf Luthers Argumentation.

5. Judenmission nach 1523 – Ein Ausblick: Analyse von Luthers späteren Äußerungen, darunter Briefe an Josel von Rosheim, und der Relevanz seines Missionskonzepts für spätere Epochen.

6. Judenmission im 21. Jahrhundert: Einordnung der modernen Haltung der EKD zur Judenmission im Kontrast zu Luthers historischen Positionen.

7. Auswertung: Synthese der Ergebnisse zur missionarischen Methodik und dem Scheitern der praktischen Umsetzung von Luthers Konzept.

8. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Martin Luther, Judenmission, Reformation, Antisemitismus, Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei, Religionsgespräche, Zwangstaufe, Christologie, Schriftunterweisung, Judentum, Konversion, Theologie, Mittelalter, Missionsgedanke, Josel von Rosheim.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Martin Luthers Konzeption und theoretische Argumentation zur Missionierung des jüdischen Volkes, insbesondere basierend auf seinen Schriften aus der Zeit zwischen 1513 und 1526.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören das mittelalterliche Missionsverständnis, Luthers Abkehr von zwangsweisen Konversionsmethoden und die Analyse seines Traktats von 1523.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist die Beleuchtung der theologischen Argumente, mit denen Luther eine Judenmission anzustreben versuchte, sowie die Bewertung, ob sein Ansatz eine systematische Konzeption darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische Analyse und textkritische Auseinandersetzung mit Luthers primären Schriften und relevanten historischen Sekundärquellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Luthers missionarische Argumentationsmuster, seine Kritik an der mittelalterlichen Amtskirche und seine pädagogische Hinführung von Juden zum christlichen Glauben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Judenmission, Martin Luther, Reformation, Christologie, Zwangstaufe, Religionsgespräche und die Schrift von 1523.

Wie bewertet der Autor Luthers Haltung zur "Freundlichkeit" gegenüber Juden?

Der Autor ordnet Luthers Forderung nach "Freundlichkeit" im Kontext seiner Missionsabsichten ein und betont, dass sie nicht als soziale Reform, sondern als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Bekehrung zu verstehen ist.

Welche Rolle spielen die späteren "Judenschriften" Luthers für das Verständnis seiner Mission?

Die späten Schriften dienen als Kontrast, in denen Luthers Toleranzschwelle sinkt und die methodische Herangehensweise von tolerant-freundlich auf aggressiv-missionarisch umschlägt.

Final del extracto de 62 páginas  - subir

Detalles

Título
Martin Luthers Konzeption einer Judenmission. Eine kritische Betrachtung des gängigen Luther-Bildes zum Jubiläum der Veröffentlichung der 95 Thesen
Universidad
University of Cologne  (Institut für Evangelische Theologie)
Calificación
1,3
Autor
Florian Franz (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
62
No. de catálogo
V318585
ISBN (Ebook)
9783668185791
ISBN (Libro)
9783946458487
Idioma
Alemán
Etiqueta
martin luthers konzeption judenmission eine betrachtung luther-bildes jubiläum veröffentlichung thesen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Florian Franz (Autor), 2015, Martin Luthers Konzeption einer Judenmission. Eine kritische Betrachtung des gängigen Luther-Bildes zum Jubiläum der Veröffentlichung der 95 Thesen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318585
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