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Die Situation demenzkranker türkischer Migranten in Deutschland. Darstellung und Analyse kultursensibler, pflegerischer Beratungskonzepte

Title: Die Situation demenzkranker türkischer Migranten in Deutschland. Darstellung und Analyse kultursensibler, pflegerischer Beratungskonzepte

Term Paper , 2015 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Klaus Schrage (Author)

Nursing Science - Miscellaneous
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Im Zentrum der vorliegenden Arbeit soll die Frage stehen, ob demenzkranke türkische Migranten vom deutschen Gesundheits- beziehungsweise Beratungssystemen allein gelassen oder aufgefangen werden. Es werden exemplarisch bereits in Deutschland vorhandene Konzepte der Beratung vorgestellt, abschließend wird nach einer Analyse ein Fazit gezogen.

Die Gruppe der älteren Menschen in Deutschland ist stetig wachsend. Die Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes prognostizieren, dass 2030 in Deutschland der Altenquotient bereits bei über 75 liegt, und 2050 auf 85 ansteigen wird. Damit verbunden ist auch ein Anstieg pflegebedürftiger Menschen. Ältere Ausländer sind die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Die türkischen Migranten stellen die zahlenmäßig größte Gruppe, mit 2,5 Mio. Menschen, dar.

Unter dem Begriff „Migrant“ sind jedoch „sehr unterschiedliche Lebensschicksale mit äußerst heterogenen Bedingungen, Motivationen und Erfahrungen zusammengefasst, die lediglich als dünne Gemeinsamkeit haben, nicht der Mehrheitsgesellschaft anzugehören, sondern primär aus einer anderen Region, einem anderen Land bzw. einem anderen kulturellen Umfeld zu kommen“. Einen Migrationshintergrund haben Ausländer, im Ausland Geborene und nach dem 1. Januar 1950 Zugewanderte, Eingebürgerte sowie Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil in eine der genannten Kategorien fällt.

In Deutschland liegen bisher keine genauen Schätzungen über die Prävalenz von Demenzen bei Menschen mit Migrationshintergrund vor. Infolgedessen müssen auch die Beratungskonzepte entsprechend angepasst werden, da diese als „Türöffner“ für eine kultur- und bedarfsangepasste Versorgung demenzerkrankter Menschen mit Migrationshintergrund bzw. türkischer Herkunft dienen. Dazu ist es erforderlich, Ursachen zu ermitteln, die eine Beratung und Betreuung von an Demenz erkrankten türkischen Migranten und deren Angehörigen erschweren oder entgegenstehen. Hilfreich ist es, Aspekte wie Kommunikationsprobleme (aufgrund einer möglichen Sprachbarriere), kulturell-geprägte Erklärungsmodelle für Erkrankungen (Krankheitskonzepte) und Behandlungserwartungen, mangelnde Aufklärung über Angebote der Gesundheits- und Beratungssysteme, strukturelle Rahmenbedingungen, Bildungsgrad und soziale Herkunft mit einzubeziehen. Fraglich ist, ob sich bereits vorhandene Beratungsstellen auf diese Hürden eingestellt haben, oder Nachbesserungsbedarf besteht.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Beratungsbedarf, Prävalenzrate

3. Barrieren

3.1 Familie, Religion, Scham

3.2 Krankheits- und Gesundheitsverständnis

3.3 Ängste

3.4 Informationsmangel, Zuständigkeit

3.5 Kommstruktur

3.6 Kommunikation, Diagnoseproblematik

3.7 Fehlende bedarfsgerechte Angebote

3.8 Kulturschock

3.9 Finanzielle Aspekte

3.10 Einzelfälle

4. Erste Modelprojekte

4.1 Migrantenambulanz der Rheinischen Kliniken Langenfeld

4.2 Demenz-Servicezentrum f. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte

4.3 IdeM-Projekt beim Sozialverband Vdk in Berlin

4.4 Institut für transkulturelle Betreuung e.V. Niedersachsen

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit demenzkranke türkische Migranten in Deutschland durch das bestehende Gesundheits- und Beratungssystem adäquat unterstützt werden oder ob sie aufgrund kultureller, sprachlicher und struktureller Hürden von der Versorgung ausgeschlossen sind. Ziel ist es, Defizite aufzuzeigen und Ansätze für eine kultursensible Pflegeberatung zu analysieren.

  • Kulturspezifische Barrieren und Wertesysteme
  • Die Rolle der Familie und Religion bei der Pflegeentscheidung
  • Defizite in Diagnostik und Informationsvermittlung
  • Analyse existierender Modellprojekte für Migranten
  • Notwendigkeit interkultureller Kompetenz in Beratungseinrichtungen

Auszug aus dem Buch

3.1 Familie, Religion, Scham

Ältere türkische Migranten sind eine sehr heterogene Gruppe bezogen auf ihre Religiosität, Bildungsstand und Migrationsgeschichte sowie auf ihr Wertesystem. In Befragungen dieser Gruppe stellen sich besonders als für sie wichtige Werte, Familie und Religion heraus. Besonders für türkische Migranten der ersten Generation ist ein kollektivistisches Gesellschaftssystem von großer Bedeutung und sogar noch stärker handlungsleitend als bei Türken in ihrem Heimatland (vgl. MATTER/PIECHOTTA-HENZE 2013: 49). Ursächlich dafür sind deren Migrationsgeschichte und der damit verbundenen Kampf um die eigene Identität in einem fremden Land. Die Familie spielt eine wesentlich bedeutendere Rolle als das Individuum. Konflikte und Schwierigkeiten werden im Familienrat diskutiert. Dabei werden Probleme und gesundheitliche Entscheidungen vorwiegend in der Familie gelöst, ein Scheitern gilt als Schande. Krankheiten werden außerhalb des familiären Systems tabuisiert (vgl. MATTER/PIECHOTTA-HENZE 49, 50). Unter türkischen Migranten, wie auch bei Türken in ihrem Heimatland, ist eine Art traditionelle Hierarchie verankert, die in der gesamten türkischen Gesellschaft bekannt ist, weitergegeben und geschätzt wird. Darunter ist der Respekt gegenüber Älteren (saygi) und ein gewisses nachsichtiges, behutsames Aufziehen der jüngeren Kinder (sevgi) gemeint. Ältere Menschen werden in entscheidenden Fragen um Rat gefragt (vgl. BOSE/TERPSTRA 2012: 62). Familie und Religion haben die gleich wichtige Bedeutung, und einen hohen Stellenwert im Wertesystem. Viele türkische Migranten sind gläubige Moslems.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den demografischen Wandel und die wachsende Gruppe älterer Migranten in Deutschland, wobei die Problematik der Unterversorgung demenzkranker türkischer Migranten eingeführt wird.

2. Beratungsbedarf, Prävalenzrate: Dieses Kapitel erörtert den schlechteren Gesundheitszustand älterer Migranten sowie die direkten und indirekten Belastungsfaktoren, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko zur Folge haben.

3. Barrieren: Hier werden die vielfältigen Hindernisse, wie kulturelle Tabus, Sprachbarrieren und fehlende kultursensible Informationsangebote, detailliert untersucht.

4. Erste Modelprojekte: Das Kapitel stellt praxisorientierte Ansätze wie Migrantenambulanzen und Fachstellen vor, die versuchen, die Versorgungslücke durch kulturspezifische Angebote zu schließen.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass türkische Demenzkranke ohne eine systematische interkulturelle Öffnung der Gesundheitssysteme weiterhin vom Versorgungssystem isoliert bleiben.

Schlüsselwörter

Demenz, türkische Migranten, kultursensible Beratung, Migrationshintergrund, Pflege, Gesundheitsversorgung, Barrieren, interkulturelle Öffnung, Angehörigenpflege, Diagnose, Sozialberatung, Beratungssystem, Familienstrukturen, Tabuisierung, Aufklärung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Versorgungssituation von demenzkranken türkischen Migranten in Deutschland und prüft, ob diese Personengruppe ausreichend Zugang zu adäquater pflegerischer und medizinischer Beratung erhält.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen kulturelle Wertesysteme, die Rolle der Familie bei der Pflege, Sprachbarrieren im Gesundheitssystem und die Analyse spezifischer Versorgungsdefizite.

Was ist die Kernfrage oder Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Frage lautet: „Werden demenzkranke türkische Migranten vom deutschen Gesundheits- bzw. Beratungssystemen allein gelassen oder aufgefangen?“

Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Studien und Forschungsergebnisse, ergänzt durch die Untersuchung beispielhafter Modellprojekte zur interkulturellen Pflegeberatung.

Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Barrieren (Kapitel 3) und die Vorstellung bereits existierender, kultursensibler Modellprojekte in Deutschland (Kapitel 4).

Welche Charakteristika definieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit zeichnet sich durch ihren Fokus auf kultursensible Ansätze, die Berücksichtigung migrationsspezifischer Lebensschicksale und die kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Regelversorgung aus.

Warum spielt die Religion eine wichtige Rolle bei der Demenzversorgung?

Religion beeinflusst das Krankheitsverständnis maßgeblich; viele Betroffene sehen Demenz als göttliche Prüfung, was die Inanspruchnahme deutscher, eher säkularer Hilfesysteme erschweren kann.

Was macht das „TRAKULA“-Instrument besonders?

Es handelt sich um ein Transkulturelles Assessment mentaler Leistung, das speziell für ältere türkische Migranten entwickelt wurde, um die Diagnoseproblematik bei herkömmlichen, bildungs- und sprachabhängigen Tests zu überwinden.

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Details

Title
Die Situation demenzkranker türkischer Migranten in Deutschland. Darstellung und Analyse kultursensibler, pflegerischer Beratungskonzepte
College
University of Applied Sciences Hamburg  (Pflegewissenschaften)
Grade
1,3
Author
Klaus Schrage (Author)
Publication Year
2015
Pages
28
Catalog Number
V318591
ISBN (eBook)
9783668177987
ISBN (Book)
9783668177994
Language
German
Tags
Demenz Migranten Integration Beratung türkisch Gesundheitssystem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Klaus Schrage (Author), 2015, Die Situation demenzkranker türkischer Migranten in Deutschland. Darstellung und Analyse kultursensibler, pflegerischer Beratungskonzepte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318591
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