Wie verhalten sich Islam und Psyche? Zur psychischen Gesundheit muslimischer Migranten in Deutschland


Bachelorarbeit, 2015
53 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Migration?
2.1 Migranten in Deutschland
2.2 Muslimische Migranten in Deutschland

3 Erziehung, Sozialisation, Kultur und Identität
3.1 Der Kulturbegriff
3.2 Der Identitätsbegriff
3.3 Der Sozialisationsbegriff
3.4 Religiöse Sozialisation und Erziehung in muslimischen Familien
3.5 Identitätsfindung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Fallbeispiel
3.5.1 Familiäre Beziehung
3.5.2 Freundeskreis
3.5.3 Kultur
3.5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse des Interviews

4 Psychische Gesundheit- Definition

5 Migration und psychische Gesundheit
5.1 Macht Migration „krank“?
5.2 Welche Psychischen Probleme sind bei Migranten am häufigsten zu beobachten
5.2.1 Depressionen
5.2.2 Psychosomatische Störungen

6 Islam und Psychische Gesundheit
6.1 Menschen und Seelenbild im Islam
6.2 Einfluss der Religion auf die Psyche- Ergebnisse der Online Umfrage

7 Fazit

8 Literatur- und Quellenverzeichnis
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Internetquellenverzeichnis
8.3 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Psychische Gesundheit bei Migranten wird von sehr vielen Autoren aus dem medizinischen oder psychotherapeutischen Blinkwinkel betrachtet. Leider gibt es kaum Literaturen oder Quellen, die die Problematik aus der sozialenund erziehungswissenschaftlicher Perspektive behandeln beziehungsweise behandelt haben. Aufgrund dessen habe ich mich entschieden, die psychische Gesundheit der Migranten sowohl aus der sozialen als auch aus der erziehungswissenschaftlicher Sicht zu bearbeiten.

In Deutschland leben seit Jahrzehnten viele Menschen mit Migrationshinter- grund. Teilweise sind diese Menschen aus verschiedenen Ländern nach Deutschland zugezogen oder sind teilweise sogar schon hier geboren und auf- gewachsen. Es ist schwer abzugrenzen, welche Personen in die Gruppe der mit oder ohne Migrationshintergrund gehören, da das Wort Migration sehr komplex und weitdehnend ist. Viele der hier geborenen Kinder und Jugend- liche, deren Eltern aus einem anderen Land stammen, werden zum teils als ein Ausländer beziehungsweise Fremder betrachtet, wobei auf der anderen Seite auch manche als ein deutscher Mitbürger angesehen werden. Das Prob- lem zu entscheiden, zu welcher Gruppe eine Person gehört oder gehören soll, ist schwer zu lösen, da es keine Kriterien und Grenzen für die Zugehörigkei- ten der Gesellschaften existieren. Die Frage lässt sich leicht zu stellen: „Nach welchen Kriterien wird die Grenze zwischen den Vergleichsgruppen gezogen: Staatsbürgerschaft, ethnische Identität oder Abstammung? Zugespitzt ge- fragt: Wer zählt zum Bespiel in einem deutsch-türkischen Vergleich als Türke? Kann es für eine epidemiologische Fragestellung sinnvoll sein, den eingebürgerten Sohn einer Familie (Deutscher) seinen nicht eingebürgerten Eltern und Geschwistern in der ´türkischen´ Gruppe gegenüberzustellen?“1 Viele Migranten, die in Deutschland leben, sind aus der dritten oder sogar schon aus der vierten Generation. Für die erste Generation war es nicht leicht in einem fremden Land auszukommen. Nicht alle hatten ihre Familien, Ver- wandten oder Freunde bei sich. Sich in einem vollkommen neuen System ohne gute Sprechkenntnisse anzupassen ist so gut wie nicht möglich. Um die Sprache und das System des fremden Landes zu verstehen braucht der Mensch viel Geduld und Wille. Scheitert es in dem Punkt, kann es dazu füh- ren, dass der Mensch zu Alkohol oder Drogen greift, um zu versuchen, der Realität zu entkommen. Da die nachfolgenden Generationen zum größtenteils in dem „fremden“ Land geboren sind, ist die Sprache uns das System kein Erschwernis mehr für sie. Vielmehr stehen die Identitätskonflikte bei den nachfolgenden Generationen im Fokus. Viele der in einem „fremden“ Land aufgewachsene Kinder und Jugendliche stehen oftmals in ihrer Entwicklung zwischen zwei verschiedenen Kulturen.

In dem Zusammenhang steht im Mittelpunkt der Bachelorarbeit die Darstel- lung des psychischen Gesundheitszustands von Kindern und Jugendlichen, die zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen aufwachsen. Zu beachten ist, welche psychischen Probleme bei Kindern, Jugendlichen oder auch bei Er- wachsenen am häufigsten aufgrund des Migrationshintergrunds auftreten. Da sich die Gruppe der muslimischen Migranten von ihrer Kultur und Religion her stark von der deutschen Gesellschaft unterscheiden, begrenze ich mich auf die muslimischen Migranten, die nach Deutschland zugewandert sind o- der auch in der Bundesrepublik Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Die Arbeit ist in vier großen Kapiteln unterteilt.

Zu Beginn ist es notwendig, das Wort Migration näher zu definieren: Was bedeutet Migration und wer wird eigentlich als Migrant bezeichnet? Anschließend werde ich auf die oben genannte spezielle Migrantengruppe eingehen, die sich von ihrer Kultur und Religion her vollkommen der deutschen Gesellschaft unterscheiden- nämlich die Gruppe der muslimischen Migranten. Durch Miteinbeziehung der Zahlen und Fakten wiederspiegele ich die Anzahl der muslimischen Migranten in Deutschland.

Im zweiten großen Abschnitt gehe ich näher auf die muslimische Migranten ein und stelle die Erziehungsstile und die Sozialisationsinstanzen in Bezug auf die Religion dar. Um die Kultur und die Identität der muslimischen Mig- ranten verstehen zu können, definiere ich vorerst die zwei Begriffe aus der pädagogischen Sichtweise.

Im dritten Abschnitt erfolgt der Zusammenhang zwischen Migration und psychische Gesundheit mit der Berücksichtigung auf die Lebensphase der Jugendlichen Migranten. An den Beispielen der Depressionen und psychosomatischen Beschwerden werden die Problemkonstellationen bei psychischen Störungen von Migranten angesprochen. Wichtig ist hierbei die Berücksichtigung der sozialen und kulturellen Faktoren.

Im letzten Abschnitt wird das Verhältnis zwischen dem Islam und der Psyche behandelt. Zunächst einmal muss man das Menschen- und Seelenbild im Is- lam verstehen können, um sich einen Bild zu schaffen: Wie werden die Kin- der und Jugendliche in den muslimischen Familien erzogen und welche Stel- lung hat die Gesundheit beziehungsweise Psychische Gesundheit im Islam? Der Einfluss des Islam auf die Psyche wird mithilfe einer Online-Fragebogen, welches von muslimischen Jugendlichen ausgefüllt worden ist, deutlich ge- macht.

Zuletzt werde ich die gesamte Arbeit zusammenfassen, indem ich auf die wichtigsten Erkenntnisse eingehe.

2 Was ist Migration?

Das Wort Migration stammt aus dem lateinischen Wort „migratio“ und be- deutet so viel wie Wanderung, Auswanderung oder auch Umzug.2 Migration ist ein sehr komplexer und vieldeutiger Begriff, welches nicht eindeutig defi- niert werden kann. Als Migrant werden demnach alle Personen bezeichnet, die ihre Heimat freiwillig oder unter Zwang verlassen haben und somit ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlegen mussten. Hierzu zählen zum Beispiel die Auswanderer, Zuwanderer, Arbeitsmigranten (Gastarbeiter), Exilanten, Vertriebene, Kriegsflüchtlinge, Kontingentflüchtlinge, Asylsuchende, poli- tisch Verfolgte, illegale Zuwanderer oder auch die Gruppe der Remigranten. Nicht nur die erste Generation, die aus einem anderen Land zugezogen sind, werden als Migrant bezeichnet, sondern auch deren Kinder, die in dem Aus- wanderungsland geboren und aufgewachsen sind. Die Generationen der Mig- ranten werden somit als erste, zweite, dritte Generation und so weiter aufge- listet. „Zu den Menschen mit Migrationshintergrund (im weiteren Sinn) zäh- len nach der Definition im Mikrozensus alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland gebore- nen Elternteil.“3

Die Auswanderung kann man in der Migrationsebene als ein Ortwechsel von einzelnen Personen oder auch sozialen Gruppen verstehen, die dauerhaft oder für eine längere Zeit aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen und in ein anderes Land ziehen. In der Regel geschieht eine Wanderung erst dann, wenn die Erwartungen der Personen in den jeweiligen Gesellschaften nicht erfüllt worden sind beziehungsweise nicht erfüllt werden können. Die Gründe für eine Auswanderung bestehen aus verschiedenen Motiven und Erwartun- gen.4 Folgende Faktoren können zum Beispiel Auslöser einer Auswanderung sein:

Physische Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten:

Menschen in Kriegs- und Krisengebieten fühlen sich in ihrer Heimat nicht mehr wohl, da sie körperliche und psychische Befürchtungen haben, welches das Leben erschwert. Durch die Auswanderung erhoffen sie von der Gefahr in die Sicherheit zu gelangen.

Soziale Verhältnisse:

Durch die schlechte Wirtschaft wollen die Menschen in einem anderen Land ihre finanziellen Verhältnisse verbessern, sodass sie ihre materiellen Wünsche und Erwartungen erfüllen können.

Polotisch- Ideologisches System:

Personen, die aufgrund ihrer Lebensvorstellungen oder ihrer Religion diskriminiert oder gar ausgegrenzt werden, suchen in einem anderen Land die Sicherheit, womit sie ihre eigenen Normen und Werte beziehungsweise ihre Religion frei ausleben können, ohne dass sie verfolgt werden.5

Menschen, die mit Erwartungen und Wünschen in ein anderes Land auswan- dern, hoffen zwar dass diese dort in Erfüllung gehen, jedoch gibt es auch Fälle, in denen die Personen keine exakte Informationen zur Auswanderung bekommen und somit falsch aufgeklärt werden. Durch die ungenügenden o- der scheinbaren Informationen weisen die Personen zu hohe Erwartungen auf. Wenn diese Erwartungen in dem Fall gar nicht oder nur teilweise erfüllt werden, kann diese zu schwere Enttäuschung der einzelnen Personen oder Gruppen führen.6

2.1 Migranten in Deutschland

Zwischen den Jahren 1955 und 1973 kamen sehr viele ausländische Arbeits- kräfte- die sogenannten Gastarbeiter- aus den verschiedenen Mittelmeerlän- dern in die Bundesrepublik Deutschland. Sie haben Jahre lang in Deutschland gearbeitet und holten ihre Familien aus der Heimat zu sich oder gründeten im dem Einwanderungsland ihre Familie. Somit bilden die Gastarbeiter und ihre Familien bis heute die größte Gruppe der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.7 Mit ca. 2,8 Millionen stellen die Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei die größte ethnische Minderheit in Deutschland dar. Von den etwa 2,8 Millionen türkischer Migranten sind mehr als die Hälfte in Deutschland geboren und ca. 1,3 Millionen besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Bis heute wandern immer noch Menschen aus der Türkei und aus ver- schiedensten Ländern nach Deutschland aus. Erwähnenswert sind demnach die Ein-und Auswanderungsdaten in Deutschland. Seit 2006 sinkt die Zahl der Türkei stämmigen Migranten stetig. Laut dem Migrationsbericht des Bun- desamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kamen 26.400 Menschen aus der Türkei nach Deutschland, während dagegen 33.600 Menschen von Deutschland aus in die Türkei zurückwanderten. Die Zahlen sinken nicht nur durch die Zurückauswanderung, sondern durch die vielen eingebürgerten Migranten, die in der Statistik nicht mehr in die Kategorie der türkischen Mig- ranten eingeordnet werden, sondern als Deutsche auftauchen.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ausländische Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ein- und Auswanderungsdaten zwischen Deutschland und Türkei10

Nicht nur die Gruppe der türkischen Migranten bilden eine große Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund, sondern es gibt sehr viele Menschen aus verschiedenen Ländern, die ebenfalls aus ihrer Heimat nach Deutschland zugezogen sind. Da Deutschland ein Einwanderungsland ist und immer mehr Menschen in das Land einwandern, ist die Bundesrepublik Deutschland laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das zweitbeliebteste Zielland der Migranten weltweit. Die Zuwan- derung nach Deutschland im Jahre 2013 ist im Vergleich zum 2012 um drei- zehn Prozent gestiegen. Menschen, die in die Bundesrepublik Deutschland zuwandern, sind zum größtenteils auch aus verschiedenen europäischen Län- dern. Wie im Jahre 1996 war Polen auch in 2013 das europäische Haupther- kunftsland der Zuwanderer. Seit dem EU-Betritt von Rumänien und Bulga- rien, welches im Jahre 2007 geschah, stiegen auch die Anzahl der Zuwandere aus den beiden Ländern erheblich an. Hinzukommt, dass auch viele Men- schen aus Kroatien seit dem EU-Betritt im Jahre 2013 nach Deutschland zu- wandern. Neben den ausländischen Arbeitskräften und den Zuwanderern gibt es auch die Gruppen der Spätaussiedler, Flüchtlinge oder auch Studenten, die in Deutschland ein sicheres und friedliches Leben anfangen möchten oder die Erwartung haben, ihre Bildung in dem Land zu erweitern.11

2.2 Muslimische Migranten in Deutschland

In Deutschland leben etwa vier Millionen Menschen mit einem muslimischen Migrationshintergrund. Die Gruppe der türkischen Migranten bilden die weit- aus größte muslimische Gesellschaft in Deutschland. Ungefähr stammen 550.000 Muslime aus Südosteuropa und etwa 330.000 muslimischer Mig- ranten aus dem Nahen Osten. Des Weiteren sind auch Muslime aus dem Iran, Süd- und Zentralasien und aus den Ländern des Afrikas zu finden. Fast die Hälfte der muslimischen Migranten ist schon eingebürgert. Die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime ist sunnitisch. Die überra- gende Mehrheit der Muslime- etwa ein Drittel- leben in dem Bundesland Nordthein-Westfalen. Die hohe Anzahl der muslimischen Migranten in dem Bundesland ist auf die sogenannte „Gastarbeitergeneration“ zurückzuführen, da die Arbeitskräfte damals aus ihrer Heimat vor allem in die industriellen Ballungszentren wie Köln oder Bonn zogen.12

3 Erziehung, Sozialisation, Kultur und Identität

In einer vernetzten Welt leben heutzutage Religionen nicht mehr in abge- grenzten Kulturräumen. Nach der römisch-katholischen und den evangeli- schen Landeskirchen stehen die Muslime zahlenmäßig als drittgrößte Religi- onsgemeinschaft an der Spitze. Heute leben etwa vier Millionen muslimische Menschen in Deutschland.13 Die Kinder wachsen heutzutage immer selbst- verständlicher in einer multikulturellen Gesellschaft auf. In Kindergärten, Schulen, öffentlichen Einrichtungen oder auch in verschiedensten Vereinen findet das Zusammenleben verschiedener Kinder aus unterschiedlichsten Kulturen statt. Kleinkinder sind gegenüber alle Kindern aufgeschlossen und unvoreingenommen. Im Laufe der Zeit entwickeln die Kinder und Jugendli- chen Vorurteile und Wertigkeiten der Erwachsenen und erleben Diskriminie- rung und Rassismus als etwas Alltägliches.14

Vor allem in den westlichen Ländern hat sich die Lebensphase der Kinder und Jugendlichen erheblich verändert. Viele dieser Heranwachsenden sind den gleichen Anforderungen oder Belastungen wie die Erwachsenen ausge- setzt und begegnen mit ähnlichen psychischen Störungen oder gesundheitli- che Beeinträchtigungen die in der Regel bei Erwachsenen Menschen zu be- obachten sind.15

Sozialisation, Kultur und Identität sind unterschiedliche Begriffe die unter- schiedlich in verschiedenen Bereichen definiert werden können. Doch wie werden die oben genannten Begriffe im Bereich der Pädagogik verstanden? Wie wirkt die Erziehung auf die Persönlichkeit und welche Sozialisations- instanzen geben es? In Deutschland leben seit Jahren viele Menschen mit Migrationshintergrund die unterschiedliche Kulturen mit sich gebracht haben oder auch weiterhin mit sich bringen.

Ausschlaggebend sind die Gruppen der muslimischen Migranten, die sich von ihrer Religion und Kultur stark von der deutschen Gesellschaft unterscheiden. Was geschieht mit den jungen Erwachsenen, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen? Zu welcher Kultur gehört der Mensch, wenn es zwischen zwei unterschiedliche Kulturen aufwächst? Welche Auswirkungen hat das Leben zwischen zwei verschiedenen „Welten“ auf die Psyche der Kinder und Jugendliche? Ist dieser Prozess leicht zu überwinden oder kann die Identitätsbildung bei den Heranwachsenden scheitern?

3.1 Der Kulturbegriff

Das Wort Kultur stammt aus dem lateinischen Begriff „cultus“16 und bedeutet so viel wie bebaut, gepflegt oder bearbeitet. Kultur ist nicht eindeutig defi- nierbar und wird auf der soziologischen, anthropologischen oder auch in der philosophischen Ebene unterschiedlich verwendet. Es beinhaltet jegliche Tä- tigkeiten, Denk- und Handlungsmodelle sowie moralische Werte einer Ge- sellschaft oder einer Nation. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein ge- schlossenes System, welches die Gedanken und Handlungsweisen des Indi- viduums eindeutig auf Dauer bestimmt, sondern um ein offenes System, in- dem die Menschen im Laufe ihres Lebens durch Begegnungen und Erfahrun- gen von unterschiedlichen Kulturen beeinflusst werden können.17 Um das Wort Kultur besser verstehen und nachvollziehen zu können, gibt es sehr viele unterschiedliche Modelle wie Zwiebelmodell, Pyramidenmodell oder das Eisbergmodell die uns den Begriff Kultur näherbringen.

Als Beispiel werde ich anhand des Eisbergmodells die Kultur näher beschrei- ben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Eisbergmodell- Kultur18

Wie die Eisberge sind auch die Eigenschaften in jeglichen Kulturen nur ein sehr geringer Teil mit bloßem Auge erkennbar. Wenn man sich die Menschen aus unterschiedlichen Nationen oder Gesellschaften betrachtet, kann man nur die äußerlichen Unterschiede wie Kleidungen, Gerichte, Sprache oder Künste beobachten. Nicht zu vergessen ist jedoch, dass der Eisberg durch die unsicht- bare Schicht aufrechterhalten bleibt. In der Kultur sind die sichtbaren Unter- schiede der Eigenschaften ebenso nur ein sehr geringer Teil wogegen die un- sichtbare Schicht die wichtigste Hauptebene einer Kultur darstellt. Die un- sichtbaren Schichten der Kulturen umfassen alle Normen und Werte, Ritua- len, Glaubensvorstellungen und Grundannahmen der Menschen. Somit bil- den die sichtbaren und unsichtbaren Ebenen zusammen die Kultur einer Ge- sellschaft- oder einer Nation.

[...]


1 T. Noack, H. Fangerau, J.Vögele: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. Ur- ban & Fischer Verlag, 1. Auflage, München 2007, S. 39

2 vgl. Pons: http://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/latein-deutsch/migratio

3 BAMF: https://www.bamf.de/DE/Service/Left/Glossary/_func- tion/glossar.html?lv2=1364186&lv3=3198544

4 vgl. Gerd- Dieter Burchard: Erkrankungen bei Immigranten: Diagnostik, Therapie, Begutachtung. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1998, S.4

5 vgl. Migration- Eine Einführung: http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_up- load/handbuch_texte/pdf_Kroehnert_Migration_Einfuehrung.pdf

6 vgl. Gerd- Dieter Burchard: Erkrankungen bei Immigranten: Diagnostik, Therapie, Begutachtung, a.a.O. , S.4

7 vgl. bpb: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/56377/migrationspo- litik-in-der-brd?p=all

8 vgl. Mediendienst Integration: http://mediendienst-integration.de/migration/wer- kommt-wer-geht.html

9 bpb: http://www.bpb.de/cache/images/2/61632-1x2-article620.gif?4A287

10 Die Bundesregierung: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Arti- kel/2015/01/Bilder/07_wanderungen_zwischen_deutschland_und_der_tuer- kei_seit_1991.jpg?__blob=poster

11 vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: http://www.bamf.de/Shared- Docs/Anlagen/DE/Publikationen/Migrationsberichte/migrationsbericht-2013.html

12 vgl. Deutsche Islam Konferenz: http://www.deutsche-islam-konferenz.de/DIK/DE/Magazin/Lebenswelten/Zahl- MLD/daten-und-fakten1-hidden-node.html

13 vgl. F. Schweitzer, A. Biesinger, A. Edelbrock: Mein Gott -Dein Gott- Interkultu- relle und interreligiöse Bildung in Kindertagesstätten. Beltz Verlag, 1. Auflage, Weinheim und Basel 2008, S. 7

14 vgl. E. Burkhardt Montanari: Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen- Ein Ratge- ber. Brandes und Apsel Verlag, 1. Auflage, Frankfurt am Main 2000, S. 81

15 vgl. Klaus Hurrelmann: Kindheit, Jugend und Gesellschaft- Identität in Zeiten des schnellen sozialen Umbruchs: http://webcache.googleusercontent.com/se- arch?q=cache:yV8d2TY8J2MJ:www.opt2014.de/red_t

16 vgl. Pons: http://de.pons.com/%C3%BCbersetzung?q=cultus&l=dela&in=&lf=de

17 vgl. Kultur- eine Theorie: http://www.cultureforcompetence.com/tl_files/Doku- mente/Kulturtheorie.pdf

18 Kultur und Kulturmodelle: http://image.slidesharecdn.com/kulturundkulturmo- delletrainerhandbuch03-110126231906-phpapp02/95/kultur-und-kulturmodelle- 8-728.jpg?cb=1296084093

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Details

Titel
Wie verhalten sich Islam und Psyche? Zur psychischen Gesundheit muslimischer Migranten in Deutschland
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
53
Katalognummer
V318631
ISBN (eBook)
9783668178120
ISBN (Buch)
9783668178137
Dateigröße
1960 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Pädagogische Psychologie, Psyche Muslime, Muslime, Psychische Gesundheit, Erziehung, Sozialisation, Identität, Migranten, Muslimische Migranten, Islam Psychologie, Psyche Islam, Erziehung Islam
Arbeit zitieren
Tuba Yaldiz (Autor), 2015, Wie verhalten sich Islam und Psyche? Zur psychischen Gesundheit muslimischer Migranten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318631

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