Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die Prozesse der Wahrnehmung und der Aneignung von städtischem Raum durch Extremsportler. Anhand der hierfür gewählten Tätigkeit des Inlineskatings soll dargestellt werden, auf welche Weise die handelnden Individuen unter Verwendung dieser spezifischen Perspektive die Räume ihrer Umwelt wahrnehmen, welche Bewertungskriterien hierfür verwendet werden und wie der subjektive Wahrnehmungsprozess auf die Erschaffung von neuem Raum durch das Handeln der Inlineskater Einfluss nimmt.
Die bestehenden Wechselwirkungen der Wahrnehmung und der Aneignung von Raum werden im Zuge dieser Arbeit anhand des konkreten Beispiels der Inlineskater in München qualitativ erforscht, um so Erkenntnisse über die resultierenden Verhaltensmuster, die bestehenden Handlungsstrategien und die konkreten räumlichen Auswirkungen der stattfindenden Prozesse auf subjektiver und kollektiver Ebene gewinnen zu können.
Nach einer kurzen thematischen Einführung der beschriebenen Sportart wird die theoretische Grundlage der Arbeit anhand von wahrnehmungsgeographischen Ansätzen und einer modifizierten Version des Aneignungskonzeptes dargestellt, woraufhin eine Verbindung der theoretischen Überlegungen zwischen dem Konzept der Raumaneignung sowie der wahrnehmungstheoretischen Ansätze und der Tätigkeit des Inlineskatings vollzogen wird. Für die durch Inlineskating neu erschaffenen Räume wird die Bedeutung der medialen Reproduktion, sowie bestehende Konfliktpotentiale im öffentlichen Raum herausgearbeitet.
Die im Zuge einer qualitativen Multimethodik erhobenen Daten über die Prozesse der Wahrnehmung und Aneignung an den sogenannten „Skate Spots“ werden verglichen und im Bezug zur Forschungsfrage interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Fragestellung/ Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Ausgewählter Extremsport Inlineskating
2.1 Was ist Inlineskating?
2.2 Geschichte und Entwicklung des Inlineskatings
3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Raum
3.1.1 Der Begriff „Raum“
3.1.2 Das Raummodell von LÖW
3.1.3 Der öffentliche Raum
3.2 Raumaneignung
3.2.1 Das Aneignungskonzept
3.2.2 Modifikation des Aneignungskonzeptes nach LÖW
3.2.3 Gegenkultureller Raum
3.3 Raumwahrnehmung
3.3.1 Der Begriff „Wahrnehmung“
3.3.2 Geschichte der Wahrnehmungsgeographie
3.3.3 Geographische Wahrnehmungskonzepte
3.3.4 Mental Map
3.3.5 Kritik an der Wahrnehmungsgeographie
4 Raumaneignung durch Inlineskating
4.1 Das „Skater´s Eye“
4.2 Der „Skate Spot“
4.3 Handlungsursachen
4.4 Reproduktion des Raums
4.5 Konfliktpotential im öffentlichen Raum
5 Methodik
5.1 Qualitativer Forschungsansatz
5.2 Multimethodik
5.2.1 Teilnehmende Beobachtung
5.2.2 Mental Maps
5.2.3 Qualitative Interviews
5.2.4 Quellenanalyse
5.3 Auswertung und Analyse
5.4 Lokalisierung der Untersuchung
6 Wahrnehmung und Aneignung von „Skate Spots“ in München
6.1 Vorstellungsbilder von „Skate Spots“ in München
6.1.1 Objekte werden zu „Skate Spots“
6.1.2 Suchen und Finden von „Skate Spots“
6.1.3 Einfluss der medialen Reproduktion auf die Wahrnehmung
6.2 Münchener „Skate Spots“ als Produkte der Raumaneignung
6.2.1 Die „Hacker-Curbs“
6.2.2 Die „Wetterstein-Lowrails“
6.2.3 Wolfratshausen
6.2.4 Das Olympiagelände
7 Fazit
8 Forschungsausblick und Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Inlineskater ihre städtische Umwelt subjektiv wahrnehmen und durch ihre sportliche Aktivität, das sogenannte Streetskating, als neue Räume – sogenannte "Skate Spots" – aneignen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen Wahrnehmungsprozessen und Raumaneignung am Fallbeispiel München.
- Wahrnehmung von urbanem Raum durch Inlineskater
- Raumaneignung als kreativer, gegenkultureller Prozess
- Einfluss von Medien auf die Wahrnehmung und Spot-Wahl
- Konfliktpotentiale durch Nutzungskonkurrenz im öffentlichen Raum
- Methodische Erfassung durch Mental Maps und teilnehmende Beobachtung
Auszug aus dem Buch
4.1 Das „Skater´s Eye“
Wie bereits in Kapitel 3.3.3 angesprochen, kann nach LYNCH der Prozess der Wahrnehmung innerhalb von Gruppen auch kollektive Züge aufweisen. Auf fast identische Weise können so dieselben bestimmten Aspekte der Umwelt von unterschiedlichen Individuen wahrgenommen werden. Der zugewiesene Bedeutungsgrad des Wahrgenommenen bildet die Grundlage für ein subjekt- wie gruppenspezifisches Bild der Umwelt (in diesem Fall der Stadt) (FRÖHLICH 2007, S. 34).
Dieser Ansatz kann auch auf diverse raumwirksame Tätigkeiten übertragen werden. Bei Inlineskatern richtet sich die Aufmerksamkeit und damit verbunden die gezielte Wahrnehmung in der Regel auf Objekte der Stadtarchitektur, die zum Ausüben des Sports geeignet zu sein scheinen. Die Bezeichnung „Skater´s Eye“ wird zwar in der Literatur hauptsächlich für die Perspektive von Skateboardern verwendet, kann aber ohne Einschränkungen in der Bedeutung auch auf das Inlineskating übertragen werden. Bei beiden Tätigkeiten richtet sich der spezifische gruppeninterne Blickwinkel auf städtische Objekte und die Möglichkeit des aktiven Nutzens dieser Bauwerke im Zusammenhang mit dem jeweiligen Sportgerät (vgl. BORDEN 2001, S. 218).
„You´ll never walk by a set of stairs, or that perfect rail and not think „I´ve got that“[...] You´ll never ignore that waxed ledge on your way to work, or that natural transition you spot out of the train window on the way to school. Your perception is and always will be influenced by the rolling art form.“
JON ELLIOTT 2009
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Einleitung in die Thematik der subjektiven Wahrnehmung von urbanem Raum durch Extremsportler, insbesondere Inlineskater.
2 Ausgewählter Extremsport Inlineskating: Definition und geschichtlicher Abriss der Entwicklung des Inlineskatings, fokussiert auf den Aspekt des Streetskatings.
3 Theoretischer Hintergrund: Darstellung der raumsoziologischen und wahrnehmungsgeographischen Grundlagen, inklusive Raumaneignungskonzepte und Mental Maps.
4 Raumaneignung durch Inlineskating: Verknüpfung der theoretischen Ansätze mit der sportlichen Praxis, Erläuterung des "Skater's Eye" und der Konflikte im öffentlichen Raum.
5 Methodik: Beschreibung des qualitativen Forschungsdesigns mittels teilnehmender Beobachtung, Mental Maps, Interviews und Quellenanalyse.
6 Wahrnehmung und Aneignung von „Skate Spots“ in München: Empirische Untersuchung anhand von Fallbeispielen und Analyse der medialen Einflüsse auf das räumliche Handeln.
7 Fazit: Zusammenführende Bewertung der Prozesse der Raumwahrnehmung und Aneignung sowie Interpretation des raumwirksamen Verhaltens.
8 Forschungsausblick und Schlussbemerkung: Diskussion zukünftiger Forschungsaspekte und die Integration moderner, risikoorientierter Nutzungen in städtische Konzepte.
Schlüsselwörter
Inlineskating, Streetskating, Raumaneignung, Wahrnehmungsgeographie, Skate Spots, Mental Maps, urbane Raumnutzung, gegenkultureller Raum, Flow-Erlebnis, Raumwahrnehmung, Konfliktpotential, städtische Architektur, qualitative Sozialforschung, München, mediale Reproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die subjektive Wahrnehmung und Aneignung von urbanem Raum durch Inlineskater am Beispiel von München.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft raumtheoretische Konzepte wie Raumaneignung und Wahrnehmungsgeographie mit der praktischen Ausübung des Streetskatings und analysiert dabei soziale Interaktionen und Raumkonflikte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist festzustellen, wie Inlineskater ihre Umwelt wahrnehmen, welche "Skate Spots" sie für sich konstruieren und welche Verhaltensmuster und Handlungsstrategien daraus resultieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz verfolgt, der eine Multimethodik aus teilnehmender Beobachtung, Mental Maps der Sportler, qualitativen Interviews und einer Quellenanalyse umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Anwendung auf die Praxis des Inlineskatings, eine methodische Herleitung und die empirische Analyse von spezifischen "Skate Spots" in München.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inlineskating, Raumaneignung, Mental Maps, "Skate Spots", Wahrnehmungsgeographie, Flow-Erlebnis und Konfliktpotential im öffentlichen Raum.
Was ist das sogenannte "Skater's Eye"?
Es beschreibt einen spezifischen, kollektiven Wahrnehmungsfilter von Inlineskatern, der die städtische Umgebung primär nach befahrbaren Objekten und Nutzungspotentialen für Tricks durchsucht.
Welchen Einfluss haben Medien auf die Wahrnehmung der Sportler?
Mediale Reproduktionen, wie Fotos oder Videos, steigern oft die Attraktivität und den Bekanntheitsgrad bestimmter Orte und dienen als Impulsgeber für das Handeln der Skater.
- Quote paper
- Dipl. Geograph Univ. Mark Heuss (Author), 2010, Wahrnehmung und Aneignung von urbanem Raum von Extremsportlern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318690