Armut älterer Migranten in Deutschland. Ein Vergleich der ökonomischen Situation türkischer und deutscher Senioren


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,0

Mascha Matri (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Bezüge
2.1 Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland
2.2 Historische Entwicklung und Folgen der Arbeitsmigration

3. Vergleich der ökonomischen Situation türkischer und deutscher Senioren
3.1 Wohneigentum im Alter
3.2 Einkommen im Alter
3.3 Zufriedenheit mit der ökonomischen Situation

4. Ergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Derzeit weist Deutschland eine heterogene Gruppe von ca. 16 Millionen Migranten aus verschiedenen Herkunftsländern auf. Mit Migration wird ein Einschnitt im Leben eines Menschen, welcher verschiedene Veränderungen der Lebensumstände für die Betroffenen mit sich bringt, verbunden (vgl. Razum et al. 2008: 7). Der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergrund innerhalb der deutschen Bevölkerung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dieser Trend lässt sich teilweise durch den sinkenden Anteil an Migranten erklären, welche im Alter in ihre Herkunftsländer zurückkehren (vgl. Yildiz / Gutenberg 2010). Ältere Menschen mit Migrationshintergrund symbolisieren die zwei wichtigsten Entwicklungstendenzen der deutschen Bevölkerung. Zum einen die Alterung der Gesellschaft im Zuge des demographischen Wandels und zum anderen die Relevanz der Auseinandersetzung mit Folgen von Migration auf internationaler Ebene (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2012: 5). Auf dieser Grundlage bilden ausländische Senioren, welche mit ungünstigen Lebensumständen konfrontiert sind, eine wichtige Determinante politischer und wissenschaftlicher Diskurse in Deutschland (vgl. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut 2013).

Inwiefern kann man bezüglich der sozialen Lage älterer Migranten in Deutschland von einer positiven Entwicklung sprechen? Die folgende schriftliche Ausarbeitung des Gruppenreferats „Armut älterer Migranten in Deutschland am Beispiel ehemaliger Gastarbeiter“, beschäftigt sich hinsichtlich dieser Frage mit der sozioökonomischen Lage ausländischer Senioren in Deutschland. Bei der Ausarbeitung wird der Fokus auf die Gruppe der in Deutschland gebliebenen ehemaligen Gastarbeiter gelegt und anhand dieser die Ursachen und Folgen von Armut älterer Migranten aufgezeigt. Die Gruppe ehemaliger Gastarbeiter dient zur Repräsentation älterer Migranten in Deutschland, da diese hierzulande berufstätig waren und das deutsche Rentensystem die Grundlage ihrer Alterssicherung darstellt (vgl. Mika / Tucci 2006: 1). Diese Tatsache erleichtert einen Einkommensvergleich zwischen deutschen und ausländischen Senioren.

Die Einleitung der Gruppenarbeit dient mit einem kurzen Problemaufriss dazu, einen Überblick über die Bedeutsamkeit der Benachteiligung älterer Migranten in Deutschland zu skizzieren. Durch den Hauptteil wird mit Hilfe von theoretischen Bezügen und Studienergebnissen ein Vergleich zwischen der ökonomischen Situation türkischstämmiger und deutschstämmiger Senioren vorgenommen und somit versucht die Forschungsfrage zu beantworten. Im Fazit werden die Ergebnisse zusammenfassend kritisch beleuchtet und ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen des deutschen Rentensystems gegeben. Als Motivation für die Verfassung der vorliegenden Gruppenarbeit dient das Hervorheben der Relevanz des Themas „Armut älterer Migranten in Deutschland“. Dieses nimmt einen hohen Stellenwert für die Autoren ein, da beide einen Migrationshintergrund aufweisen und bereits im familiären Kontext mit dieser Problematik konfrontiert wurden.

2. Theoretische Bezüge

Im Folgenden wird zunächst auf die definitorische Festlegung von Menschen mit Migrationshintergrund eingegangen. Daraufhin wird die historische Entwicklung der Arbeitsmigration in Deutschland dargestellt und verstärkt auf die Auswirkungen von Arbeitsmigration auf die Lebensläufe der ehemaligen Gastarbeiten eingegangen, um einen Zusammenhang zwischen Migration und Arbeit herzustellen.

2.1 Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland

Seit der gezielten Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, die Ende der 1950er Jahre begann, hat sich Deutschland von einem sogenannten „Gastarbeiterland“ zu einem der bedeutendsten Einwanderungsländer der modernen Welt einwickelt (Lange 2007: 13). Dieser Wandel wird infolge der zunehmenden gesellschaftlichen Vielfalt vor allem in der Bevölkerungsstruktur ersichtlich (vgl. Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2014: 27). Um diese statistisch erfassen zu können, ist eine Kategorisierung nach deutschen und ausländischen Personen jedoch nicht ausreichend (vgl. Fuhr 2012: 550). Auf Basis heterogener Aspekte des Mikrozensus nutzt die amtliche Statistik seit dem Jahr 2005 das ,,Konzept des Migrationshintergrundes“ (Fuhr 2012: 55; Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2014: 27). Zu dieser Bevölkerungsgruppe gehört demnach nicht nur die erste Generation der Migranten, sondern auch deren Nachkommen (vgl. Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2014: 27) Unter der Prämisse, dass mindestens ein Elternteil zugewandert oder als Ausländer in Deutschland geboren ist, kann den in „Deutschland geborenen Deutschen“ ebenfalls ein Migrationshintergrund zugeschrieben werden (Statistisches Bundesamt 2011:6 zitiert nach: Fuhr 2012: 550). Laut Angaben des statistischen Bundesamtes weist damit mittlerweile jede fünfte Person in Deutschland einen Migrationshintergrund auf (vgl. Statistisches Bundesamt 2014). Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels und altersstruktureller Veränderungen ist insbesondere mit einem Anstieg der älteren Migranten zu rechnen. In diesem Zusammenhang nimmt die Frage nach ihrer jetzigen und zukünftigen Alterssicherung einen hohen Stellenwert ein (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2012: 19; 156).

2.2 Historische Entwicklung und Folgen der Arbeitsmigration

Mit dem Begriff „ehemalige Gastarbeiter“ wird im Folgenden aufgrund ihrer zahlenmäßigen Vertretung von „Staatsangehörigen der Türkei, der Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Italiens, Spaniens, Portugals oder Griechenlands“ ausgegangen, welche das 65. Lebensjahr vollendet haben. Ehemalige Gastarbeiter, welche die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben, werden ebenfalls zu der Zielgruppe gezählt (Höhne et al. 2014: 13). In dem Zeitraum von 1955 bis 1968 wurden zwischen Deutschland und ausgewählten Staaten Anwerbeverträge ausgehandelt, um den vom Krieg verursachten Arbeitskräftemangel in der deutschen Wirtschaft auszugleichen (vgl. Özcan / Seifert 2006: 2). Im Zuge der Anwerbeverträge reisten Arbeitskräfte unter anderem aus Italien, Griechenland und der Türkei nach Deutschland. Die Einreisenden wurden mit dem Begriff „Gastarbeiter“ betitelt, da für sie lediglich ein befristeter Aufenthalt von der deutschen Regierung vorgesehen wurde. Anfänglich galt Arbeitsmigration als Gewinn für die Sozialversicherungen und den Steuerstaat, da nicht einkalkuliert wurde, dass die Gastarbeiter bis in ihr Rentenalter in Deutschland bleiben könnten (ebd.). In den 1970er-Jahren lagen die durchschnittlichen Bruttogehälter der Gastarbeiter nur knapp unter denen der Deutschen, obwohl sie hauptsächlich in den untersten Lohngruppen vertreten waren (vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2014: 1). Die Höhe der Bruttogehälter resultierte aus der Bereitschaft Überstunden zu leisten und Schwerstarbeit anzunehmen. Diese Arbeitsbereitschaft der Gastarbeiter diente der Absicht, möglichst schnell viel Geld zu verdienen und zu ihren Familien in die Heimatländer zurückzukehren (vgl. Höhne et al. 2014: 9). Zudem waren sie anfänglich meist in Großunternehmen beschäftigt, welche überdurchschnittlich hohe Löhne zahlten (vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2014:1). Durch den Anwerbestopp im Jahr 1973 stieg die Arbeitslosenquote der Gastarbeiter. Ab diesem Zeitpunkt sank die Chance auf eine Anstellung in Großunternehmen und die Möglichkeit vermehrt Überstunden zu leisten. Nach wie vor verblieben die Gastarbeiter in den untersten Einkommensstufen. Als weitere Folge des Anwerbestopps kam es zu einem Nachzug der Ehepartner und Kinder, welcher durch die Ausländerpolitik der Bundesregierung gestattet wurde (vgl. Butterwegge 2005). Die jahrzehntelange Ausübung gering qualifizierter Arbeit und ein später Eintritt in das deutsche Sozialversicherungssystem äußern sich in niedrigen Rentenansprüchen für ehemalige Gastarbeiter (vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2014: 1; vgl. Köppe 2010: 247).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Armut älterer Migranten in Deutschland. Ein Vergleich der ökonomischen Situation türkischer und deutscher Senioren
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V318731
ISBN (eBook)
9783668179981
ISBN (Buch)
9783668179998
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seniorenarmut, Migranten, Gastarbeiter
Arbeit zitieren
Mascha Matri (Autor), 2015, Armut älterer Migranten in Deutschland. Ein Vergleich der ökonomischen Situation türkischer und deutscher Senioren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318731

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