Kontrollmechanismen von Diskursen und die Abschottung der Diskursgesellschaften


Seminararbeit, 2016

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Diskurstheorie

2. Externe Prozeduren

3. Interne Prozeduren

4. Selektion unter den sprechenden Subjekten

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Diskurstheorie

Um die Kontrollmechanismen von Diskursen analysieren zu können, wird zunächst ein Überblick über die Diskurstheorie nach Michel Foucault gegeben. Im Anschluss werden auf dieser theoretischen Grundlage Thesen über Kontrollmechanismen gegenwärtiger Diskurse und die Abschottung der Diskursgesellschaften aufgestellt.

Der Diskurs ist die Gesamtheit aller zu einem Thema getroffenen Aussagen, mündlich wie schriftlich. Nach dem Begründer der Diskurstheorie Foucault ist ein Diskurs das in der Sprache aufscheinende Verständnis von Wirklichkeit in einer jeweiligen Epoche. Der Diskurs definiert für ein Wissensgebiet was sagbar ist, was gesagt werden soll, was nicht gesagt werden darf und von wem es in welcher Form gesagt werden darf. Die Wirklichkeit wird durch die Regeln des Diskurses bestimmt. Demzufolge wird die Ordnung der Wirklichkeit durch die Abfolge von Diskursen bestimmt. Diskurse bilden Gegenstände nicht ab, sondern bringen sie erst hervor. Diese Gegenstände werden durch Regeln konstituiert. Das bedeutet, dass nichts von außen in den Diskurs eingebracht werden kann, sondern dass der Diskurs selbst Dinge hervorbringt. Diskurse sind somit performativ, denn sie stellen etwas her und beschreiben es nicht nur. Linke versteht unter Diskurs „das Netz aller in einer Gesellschaft möglichen Aussagen zu einem bestimmten Thema“ (Linke 2004: 290). Der Diskurs berücksichtigt bei seiner Widerspiegelung des Wissens zu einem Thema die gesellschaftlichen Perspektiven, Normen, Interessen und Machtverhältnisse. Die kritische Diskursanalyse untersucht die Reglementierungen, denen Diskurse unterliegen. Diese Kontrollmechanismen nennt Foucault Prozeduren, die sich auf bestimmte Institutionen stützen (vgl. Foucault 1993, Linke 2004, Münkler 2013).

Der wissenschaftliche Diskurs ist argumentativ und performativ und zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nur wissenschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Relevanz besitzt. Jeder, der sich am wissenschaftlichen Diskurs beteiligt, unterstellt sich dem Veröffentlichungsgebot, dem Rezeptionsgebot und dem Kritikgebot (Weinrich 1995). Sobald neue Erkenntnisse aus der Forschung veröffentlicht werden, ist jeder Wissenschaftler angehalten, diese Erkenntnisse kritisch zu beleuchten und mittels einer Rezeption an der Verifikation dieser Erkenntnisse mitzuwirken. Damit einher geht das Kritikgebot, denn nur durch kritische Auseinandersetzung mit neuen Erkenntnissen und Behauptungen können diese verifiziert und weiterentwickelt werden (Ehlich 1993).

Obwohl das Veröffentlichungsgebot existiert, bleibt Wissen unter Verschluss und nicht jeder Mensch hat zu Diskursen Zutritt. Einerseits gibt es externe Barrieren, die meist nicht aus eigener Kraft, und andererseits innere Barrieren, die teilweise aus eigener Kraft überwunden werden können. So kann ein Mensch, der in einem Land lebt, dessen Sprache er nicht spricht, diese lernen, um so an den Diskursen teilnehmen zu können. Besitzt er jedoch nicht die Staatsangehörigkeit, kann er nicht an Wahlen teilnehmen und politische Ämter begleiten. Diese beiden Barrieren werden von Foucault als externe und interne Prozeduren bezeichnet und bilden zusammen mit der Selektion unter den sprechenden Subjekten die drei Kontrollmechanismen von Diskursen.

2. Externe Prozeduren

Externe Prozeduren oder Ausschließung sind nach Foucault das verbotene Wort, die Ausgrenzung des Wahnsinns und der Wille zur Wahrheit. Sie dienen zur Begrenzung der Macht des Diskurses und zeigen gleichzeitig das Zusammenspiel des Diskurses mit Macht und Begehren. Das verbotene Wort legt fest, dass nicht jeder über jedes Thema beliebig sprechen kann. Einige Themen werden in der Gesellschaft als Tabu angesehen, es gibt bestimmte Rituale der Umstände und unterschiedliche Rechte der sprechenden Subjekte, die berücksichtigt werden müssen. Die Ausgrenzung des Wahnsinns wurde vor allem im Mittelalter praktiziert. Der Diskurs des Wahnsinnigen durfte nicht zirkulieren, man erklärte ihn für nichtig und schenkte ihm weder Wahrheit noch Bedeutung. Dennoch wurde ihm Macht zugetraut. Man dachte, der Wahnsinnige könne die verborgene Wahrheit oder die Zukunft voraussagen. Diese ersten beiden Systeme, das verbotene Wort und die Ausgrenzung des Wahnsinns, wurden bis heute immer schwächer und das dritte System, der Wille zu Wahrheit immer stärker (vgl. Foucault 1993).

Der Wille zur Wahrheit stellt das Begehren nach Wahrheit der Aussagen dar und verändert sich in den verschiedenen Epochen. So glaubten griechische Dichter im 6. Jahrhundert, dass der wahre Diskurs Recht spricht und die Zukunft prophezeit. Im 7. Jahrhundert war es dann nicht nur wichtig, was der Diskurs ist, sondern was er tut und sagt. Ursprünglich lag die Wahrheit im ritualisierenden und gerechten Akt der Aussage. Jetzt liegt die Wahrheit in der Aussage selbst. Im 16. und 17. Jahrhundert entsteht der Wille zum Wissen, denn der Diskurs entwirft nun Ebenen von beobachtbaren und messbaren Gegenständen und weißt dem erkennenden Subjekt eine bestimmte Position und Funktion zu (vgl. Foucault 1993).

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kontrollmechanismen von Diskursen und die Abschottung der Diskursgesellschaften
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Germanistik)
Veranstaltung
Grundlagen des Wissenstransfers
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V318765
ISBN (eBook)
9783668179387
ISBN (Buch)
9783668179394
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kontrollmechanismen, diskursen, abschottung, diskursgesellschaften
Arbeit zitieren
Anne-Marie Schmidt (Autor:in), 2016, Kontrollmechanismen von Diskursen und die Abschottung der Diskursgesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318765

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