Vor dem Hintergrund der "Millionengräber" Berliner Stadtentwicklungsgebiete analysiert diese Arbeit die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Land Berlin und seinen Entwicklungsträgern. Ansatzpunkt ist die ökonomische Vertragstheorie als Bestandteil der Neuen Institutionenökonomie.
Inhaltsverzeichnis
I. Exposé
I. 1 Problemaufriß
I. 2 Gang der Untersuchung
I. 3 Die Schritte im einzelnen
II. Das Modell der Neuen Institutionenökonomik
II. 1 Entstehung
II. 2 Begriffsklärung
II. 3 Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Entwicklungsträger als Organisation
II. 4 Verschiedene Ansätze
II. 4. 1 Transaktionskosten
II. 4. 2 Verträge aus wirtschaftstheoretischer Sicht
II. 4. 3 Vertragstheorien
III. Einordnung von Verträgen nach dem Baugesetzbuch in die Neue Institutionenökonomik
III. 1 Kriterien für die Einordnung der Verträge in die NIÖ
III. 2 Städtebaulicher Vertrag nach § 11 BauGB
III. 3 Durchführungsvertrag zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan nach § 12 BauGB
III. 4 Erschließungsvertrag nach § 124 BauGB
III. 5 Beauftragung eines Entwicklungsträgers nach § 167 BauGB - allgemein
III. 5. 1 klassisch oder relational?
III. 5. 2 Principal-Agent-Problematik
III. 6 Zusammenfassung
IV. Die Beziehung zwischen Berlin und dem Entwicklungsträger SES aus institutionenökonomischer Sicht
IV. 1 Das Entwicklungsgebiet „Alter Schlachthof“
IV. 1. 1 Festlegung des Entwicklungsbereichs, treuhänderischer Entwicklungsträger
IV. 1. 2 Entwicklungsziele, Umplanungen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen sowie derzeitiger Stand (1999)
IV. 1. 3 Zwischenergebnis
IV. 2 Einordnung als Principal-Agent-Beziehung
IV. 2. 1 Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Prinzipal, die SES als Agent
IV. 2. 2 Weitere Agenten
IV. 2. 3 Unwirtschaftliches Verhalten der SES
IV. 2. 4 Zwischenergebnis
IV. 3 Analyse des Entwicklungsträgervertrags
IV. 3. 1 Allgemeines
IV. 3. 2 klassisch, neoklassisch oder relational?
IV. 3. 3 Principal-Agent-Problematik
V. Welche Folgen hat die Gestaltung des Entwicklungsträgervertrags für den Städtebau?
V. 1 Entwicklungsgebiet Alter Schlachthof
V. 1. 1 Wirtschaftlichkeit
V. 1. 2 Qualität der Bauausführung
V. 1. 3 Zeitrahmen
V. 1. 4 Anpassung an sich ändernde Bedingungen
V. 1. 5 Zwischenergebnis
V. 2 Folgen der Vertragsart für den Städtebau
V. 2. 1 neoklassische Verträge
V. 2. 2 relationale Verträge
VI. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vertraglichen Beziehungen zwischen dem Land Berlin und einem seiner Entwicklungsträger, der Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße (SES), unter Anwendung der Neuen Institutionenökonomik. Ziel ist es zu analysieren, ob die finanziellen Probleme städtebaulicher Entwicklungsmaßnahmen lediglich auf externe Faktoren wie Nachfragerückgänge zurückzuführen sind, oder ob endogene Probleme in der Principal-Agent-Beziehung zwischen der Senatsverwaltung und dem Entwicklungsträger eine wesentliche Rolle spielen.
- Neue Institutionenökonomik und Vertragstheorien im Städtebau
- Einordnung städtebaulicher Verträge nach dem Baugesetzbuch
- Analyse der Principal-Agent-Beziehung zwischen Berlin und der SES
- Folgen der Vertragsgestaltung für Wirtschaftlichkeit, Bauqualität und Zeitrahmen
- Vergleich von neoklassischen und relationalen Verträgen in der Stadtplanung
Auszug aus dem Buch
II. 4. 1 Transaktionskosten
Transaktionskosten kann man als die Betriebskosten des Wirtschaftssystems auffassen. Sie sind mit dem Gebrauch des Preismechanismus verbunden und sollen durch die Zwischenschaltung von Institutionen minimiert werden. Auf der anderen Seite erfordert es Transaktionskosten, um Institutionen überhaupt erst zu schaffen, zu betreiben und die Einhaltung ihrer Regeln zu sichern. Ein Beispiel soll der Verdeutlichung dienen: der Wohnungsmarkt und die auf ihm agierenden Akteure. Zunächst wären Vermieter (=Anbieter) und Mieter (=Nachfrager) zu nennen. Beiden Seiten entstehen Transaktionskosten: So betreibt der Nachfrager einen erheblichen Zeitaufwand mit der Suche nach einer geeigneten Wohnung auf dem Wohnungsmarkt. Er recherchiert in Zeitungen, im Bekanntenkreis und im Internet; ihm entstehen Transaktionskosten in Form von Such- und Informationskosten.
Auch dem Vermieter entstehen Transaktionskosten, wenn er die Wohnung auf dem Wohnungsmarkt anbietet, indem er sie annonciert und etwa Besichtigungen durchführt, um geeignete Mieter zu finden. Auch hier nehmen die Transaktionskosten vornehmlich die Form von Suchkosten an. Diese Kosten, die auf beiden Seiten entstehen, kann man auch als Anbahnungskosten des Mietvertrags verstehen. Ist der Vertrag schließlich abgeschlossen, entstehen Transaktionskosten bei der Kontrolle und Durchsetzung der Vertragsbedingungen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Exposé: Einführung in die Problematik der Berliner Entwicklungsgebiete und Zielsetzung der Untersuchung.
II. Das Modell der Neuen Institutionenökonomik: Theoretische Grundlagen, insbesondere der Transaktionskostenansatz und die ökonomische Vertragstheorie.
III. Einordnung von Verträgen nach dem Baugesetzbuch in die Neue Institutionenökonomik: Systematisierung verschiedener Vertragstypen des BauGB im Kontext institutionenökonomischer Konzepte.
IV. Die Beziehung zwischen Berlin und dem Entwicklungsträger SES aus institutionenökonomischer Sicht: Detaillierte Analyse des Falls "Alter Schlachthof" und Anwendung der Principal-Agent-Theorie.
V. Welche Folgen hat die Gestaltung des Entwicklungsträgervertrags für den Städtebau?: Untersuchung der Auswirkungen vertraglicher Regelungen auf Städtebau, Wirtschaftlichkeit und Planungseffizienz.
VI. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bedeutung der Institutionenökonomik für die Stadtplanung.
Schlüsselwörter
Neue Institutionenökonomik, Städtebau, Entwicklungsträger, Principal-Agent-Theorie, Vertragstheorie, Transaktionskosten, Berlin, Alter Schlachthof, Baugesetzbuch, Immobilienmarkt, Vertragsgestaltung, Wirtschaftlichkeit, informelle Planung, Risikoverteilung, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen Berlins und die Rolle der beteiligten Entwicklungsträger aus der Perspektive der Neuen Institutionenökonomik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Vertragstheorien, die Einordnung von BauGB-Verträgen, die Principal-Agent-Problematik sowie die praktischen Folgen von Verträgen für den Städtebau.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die finanziellen Defizite der Entwicklungsmaßnahmen exogen durch den Markt oder endogen durch die spezifische Vertragsgestaltung und Agent-Beziehung verursacht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die ökonomische Vertragstheorie, den Transaktionskostenansatz und den Principal-Agent-Ansatz zur Analyse der vertraglichen Beziehungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das konkrete Beispiel des Entwicklungsgebiets "Alter Schlachthof" und vergleicht die vertragliche Konstruktion mit neoklassischen und relationalen Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Neue Institutionenökonomik, Städtebau, Entwicklungsträger, Principal-Agent-Theorie und Baugesetzbuch.
Warum wurde das Entwicklungsgebiet "Alter Schlachthof" als Fallbeispiel gewählt?
Es dient als repräsentatives Beispiel für Berliner Entwicklungsmaßnahmen, bei denen die Senatsverwaltung und der Entwicklungsträger SES in einer spezifischen Principal-Agent-Beziehung stehen.
Welche Bedeutung hat die "Risiko-Anreiz-Verteilung" für den Erfolg der Entwicklung?
Die Arbeit zeigt, dass eine für Berlin ungünstige Risikoverteilung, kombiniert mit pauschaler Vergütung, den Anreiz für den Entwicklungsträger reduziert, wirtschaftlich zu handeln.
- Quote paper
- Diplomingenieur Björn Seewald (Author), 2004, Institutionen und Planung - Die Beziehungen zwischen Berlin und seinen Entwicklungsträgern aus wirtschaftstheoretischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31878