Der Community Reinforcement Approach als Teil der Sozialen Arbeit. Die Behandlung von Alkoholabhängigkeit


Akademische Arbeit, 2011
51 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Der Community Reinforcement Approach als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit ... 2

2 Die Schnittmenge des Community Reinforcement Approach und der Sozialen Arbeit ... 3

2.1 Community Reinforcement Approach und Lebensweltorientierung ... 3

2.2 Community Reinforcement Approach und Case Management ... 4

2.3 Community Reinforcement Approach und Empowerment ... 6

2.4 Community Reinforcement Approach und Beratung ... 8

3 Die Verortung der Sozialen Arbeit im Community Reinforcement Approach ... 11

4 Die Aufgaben der Sozialen Arbeit in der Behandlung alkoholabhängiger Menschen nach dem Community Reinforcement Approach ... 15

5 Fazit und Ausblick ... 19

6 Literatur- und Quellenverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur) ... 24

7 Abkürzungsverzeichnis ... 49

1 Der Community Reinforcement Approach als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit

In der folgenden Arbeit wird der Community Reinforcement Approach (CRA) als Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit näher beleuchtet. Hierbei wird der CRA nicht losgelöst von dem in Deutschland vorhandenen Suchthilfesystem verstanden, sondern eingebettet in diesem betrachtet. Es sind die Akteure in den Institutionen des Suchthilfe­systems, die den CRA umsetzen. Auch die Soziale Arbeit wird im Rahmen des Suchthilfesystems beschrieben und nicht unabhängig von diesem begriffen. Der CRA und die Soziale Arbeit treffen sich demnach im Kontext des Suchthilfesystems.

Die Eruierung der Passfähigkeit des CRA und der Sozialen Arbeit erfordert zunächst die Untersuchung der vorhandenen Schnittmenge. Die Schnittmenge wird anhand einer Gegenüberstellung erarbeitet. Es geht um die Schnittmenge des CRA zur Lebenswelt­orientierung, zum Case Management, zum Empowerment und zur Beratung. Weiterhin wird eine Verortung der Sozialen Arbeit im CRA vorgenommen, wobei der Blick auf unterschiedliche Grenzziehungen geworfen wird. Zum Abschluss werden die möglichen Aufgaben der Sozialen Arbeit im Rahmen der Behandlung nach dem CRA betrachtet, um auch anhand dieser Kenntnisse die Passfähigkeit des CRA und der Sozialen Arbeit prüfen zu können.

2 Die Schnittmenge des Community Reinforcement Approach und der Sozialen Arbeit

2.1 Community Reinforcement Approach und Lebensweltorientierung

Wird zunächst die Lebensweltorientierung als grundlegendes Konzept der Sozialen Arbeit untersucht, so kann dargestellt werden, dass sich die Grundannahmen des CRA mit denen der Sozialen Arbeit überlappen.

Die Soziale Arbeit wird dann tätig, wenn die Betroffenen „... aus ihren lebensweltlichen Bezügen herausgerissen worden und ... in Bezug auf den Wiedergewinn alltagsbezogener Balance zu unterstützen sind“ (Homfeldt 2002, S. 317). Diese Begebenheiten treffen auf viele alkoholabhängige Menschen zu, denn den meisten Betroffenen fällt es schwer, ein häufig fehlendes soziales Netz aus eigener Kraft aufzubauen. Die lebensweltorientierte Soziale Arbeit im Suchthilfesystem zielt auf die individuellen Lebensverhältnisse und die alltäglichen Erfahrungen der alkoholabhängigen Menschen ab und nimmt dabei die Ressourcen, Probleme und Hilfechancen in der heutigen Lebenswelt in den Fokus. (Vgl. Grunwald und Thiersch 2008, S. 27, 34, vgl. Spiegel 2008, S. 29f., vgl. Grunwald und Thiersch 2005, S. 1136 und vgl. Frank 2002, S. 609)

Bereits in Rekers Übersetzung des Terminus Community Reinforcement Approach mit „Verstärkende Intervention im sozialen Umfeld“ (2011a, S. 238) schwingt die Haltung der Lebensweltorientierung mit. Aufrechterhaltende Verstärkerprozesse und Trigger für Konsum­verhalten sind in der Regel Teil des Lebensalltages eines alkoholabhängigen Menschen. Die individuellen positiven Verstärker, die zur Abstinenz motivieren, werden in der Behandlung nach dem CRA überwiegend in den Bereichen der Partnerschaft, der Familie, des Wohnens, der Arbeit, der Freizeit, des Führerscheins und der Justiz, also in vielen unterschiedlichen Bereichen des sozialen, familiären und beruflichen alltäglichen Umfeldes des Individuums in der Kommune, gesucht. (Vgl. Reker 2011, S. 11ff., vgl. Meyers und Smith 2011, S. 16f. und vgl. Lange, Reker und Driessen 2008, S. 21, 29)

Sowohl der CRA als auch die Lebensweltorientierung nehmen zum Einen die individuellen Lebens­verhältnisse und die alltäglichen Erfahrungen der alkoholabhängigen Menschen und zum Anderen die kommunalen Strukturen in den Blick und streben diesbezüglich bedarfsgerechte sinnvolle Veränderungen an. Das Vorhaben der CRA-Counseler eine „gemeinsame kommunale konzeptionelle Orientierung“ (Lange, Reker und Driessen 2008, S. 29) zu erreichen, deckt sich mit einigen Strukturmaximen der Lebensweltorientierung:

– Dezentralisierung/Regionalisierung und Vernetzung: Präsenz von Hilfen vor Ort - eingepasst in die konkreten lokalen und regionalen Strukturen und in die lebensweltlichen Bedarfslagen, um soziale Gerechtigkeit über gleiche Zugangschancen zu sozialräumlichen Ressourcen zu schaffen.
– Alltagsnähe: Erreichbarkeit, Niedrigschwelligkeit und ganzheitliche Orientierung von Hilfen in der Lebenswelt der Adressaten.
– Partizipation: Beteiligung und Mitbestimmung, die über Rechte institutionell verankert und abgesichert ist – gleichberechtigte, offene Handlungsprozesse in der Planung und Realisierung von Hilfeprozessen und regionalen Planungen.
(Vgl. Grunwald und Thiersch 2008, S. 26, vgl. Spiegel 2008, S. 30 und vgl. Müller 2007, S. 389f.)

Die Förderung der Gesundheit stellt einen Kernbereich lebensweltorientierter Sozialer Arbeit dar (vgl. Homfeldt 2002, S. 323). Der CRA verknüpft die Förderung der Gesundheit neben der Verstärkung von alternativen Verhaltensweisen zum Alkoholkonsum, mit der Orientierung am sozialen Umfeld des Menschen (vgl. Soyka und Küfner 2008, S. 391). Die gleichfalls von der Sozialen Arbeit betonte soziale Dimension von Gesundheit im Alltag macht den CRA zu einem therapeutischen Vorgehen, bei dem der Mensch in seinem gesamten Umfeld wahrgenommen und unterstützt wird (vgl. Reker 2011a, S. 237). Spätestens an dieser Stelle wird die Schnittstelle des CRA und der Sozialen Arbeit bezogen auf das Konzept der Lebensweltorientierung deutlich. Sowohl die Soziale Arbeit als auch der CRA sehen die Alkoholabhängigkeit in engem Zusammenhang mit vielen Aspekten des Alltags in der Lebenswelt des betroffenen Menschen und beziehen demnach beide das individuelle Lebensumfeld ganz bewusst und vordringlich in die Behandlung mit ein.

2.2 Community Reinforcement Approach und Case Management

Wird die Methode der Sozialen Arbeit des Case Managements intensiver betrachtet, so werden auch hier Berührungspunkte zum CRA deutlich: Sowohl die Soziale Arbeit durch die Methode des Case Managements als auch der CRA mit der starken Orientierung am sozialen Umfeld des Patienten und dem Vorhaben einer Zusammenarbeit der Institutionen in der Kommune zielen auf eine verbesserte Vernetzung innerhalb und außerhalb des Suchthilfesystems ab. Diese angestrebte verbesserte Vernetzung und Kooperation soll das Schnittstellenproblem, der meist inhaltlich, wirtschaftlich, trägerbezogen und räumlich voneinander getrennten Institutionen im Suchthilfesystem verringern.

Die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans äußert im aktuellen Drogen- und Suchtbericht zum Thema der Schnittstellen im deutschen Suchthilfesystem folgendes:

Das Drogen- und Suchthilfesystem ist in Deutschland auf unterschiedliche Zuständigkeiten verteilt. An den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Hilfe- und Beratungsangeboten in der Suchthilfe, Jugendhilfe, Schule, Sozialverwaltung und dem Gesundheitssystem führt dies oft zu Reibungs­verlusten. Suchtkranke Menschen dürfen nicht zwischen den verschiedenen Zuständigkeiten hin und her geschoben werden. Es ist notwendig, dass eine bessere Vernetzung der verschiedenen Angebote stattfindet. Eine bewährte Form des Schnittstellenmanagements ist die Bildung von Netzwerken, die bereits in unterschiedlicher Form in Deutschland existieren und erfolgreich arbeiten. Damit solche Netzwerke flächendeckend wirken, muss Bildung und Ausbau solcher Netzwerke unterstützt werden. (Dyckmans 2011, S. 12)

Dieses angesprochene Schnittstellenmanagement impliziert in der Sozialen Arbeit die Methode des Case Managements. Gerade beim Übergang von der Entwöhnungsbehandlung in die Phase der Nachsorge treten „soziale(n) Nahtstellenkonflikte(n)“ (Wiegand 2000, S. 161) auf. Um diese zu verringern, geht es im Case Management einerseits um die individuelle Unterstützung in komplexen Problemlagen aus einer Hand und andererseits um die Anpassung des Hilfesystems auf die Bedürfnisse und Lebensführung Einzelner oder einer Zielgruppe. Die Bildung kooperierender Netzwerke zwischen den unterschiedlichen Professionen während des Behandlungsprozesses im Suchthilfesystem und darüber hinaus wird gefördert. (Vgl. Neuffer 2006, S. 45 und vgl. Wendt 2006, S. 4, 6f.) Case Management möchte eine Klammer zwischen den in den Betreuungsprozess eingebundenen Einrichtungen und Professionen bilden und widersprüchliche Zielorientierungen, Doppelarbeiten, überflüssige Mehrfachbetreuungen und Drehtüreffekte vermeiden helfen (vgl. Hansen 2006, S. 18 und vgl. Zeitler 2001, S. 325).

Bezogen auf den CRA schildern Meyers und Smith (vgl. 2011, S. 16, 42) sowie Lange, Reker und Driessen (vgl. 2008, S. 21), dass die benötigte Außenorientierung und Vernetzung für den Aufbau eines dauerhaft positiv verstärkenden Umfeldes häufig noch fehlt. Für die Umsetzung des CRA sind diese Vernetzungen im Suchthilfesystem und in der Kommune jedoch unabkömmlich und somit die Kooperations- und Vernetzungsbemühungen mit den entsprechenden Institutionen für die ausgebildeten Multiplikatoren von hoher Priorität (vgl. Reker 2007, S. 177).

[...]

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Der Community Reinforcement Approach als Teil der Sozialen Arbeit. Die Behandlung von Alkoholabhängigkeit
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Autor
Jahr
2011
Seiten
51
Katalognummer
V318903
ISBN (eBook)
9783668180048
ISBN (Buch)
9783668180055
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
community, reinforcement, approach, teil, sozialen, arbeit, behandlung, alkoholabhängigkeit
Arbeit zitieren
Dörthe Badenschier (Autor), 2011, Der Community Reinforcement Approach als Teil der Sozialen Arbeit. Die Behandlung von Alkoholabhängigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318903

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