Die strukturalistische Mythenanalyse von Claude Lévi-Strauss. Der Ödipusmythos


Seminararbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Mythos
2.1 Der Begriff des Mythos
2.2 Lévi-Strauss und der Mythos

3. Die Mythenanalyse
3.1 Der ethnologische Strukturalismus
3.2 Natur und Kultur
3.3 Die Mythenanalyse allgemein
3.4 Die Interpretation des Ödipusmythos mit Hilfe der Mythenanalyse

4. Kritik

5. Bibliographie

6. Anhang
6.1 Diagramm zur strukturalistischen Mythenanalyse
6.2 Zusammenfassung des Ödipusmythos

1.Einleitung

In dieser Hausarbeit soll aufgezeigt werden, was die strukturale Mythenanalyse von LèviStrauss ist. Diese beruht auf der Theorie des Strukturalismus, deswegen werde ich diesen näher erläutern. Um die Mythenanalyse besser zu verstehen zu können, werde ich diese weitgehend am Beispiel des Ödipusmythos erklären. Dazu wurde zu Anfang der Begriff des Mythos, nach dem Verständnis von Lévi-Strauss eingegrenzt. Von diesem gehe ich aus in dieser Hausarbeit ausgegangen wird.

Lèvi-Strauss Grundannahme ist, dass der Mensch Teil der Natur ist und dass er, deswegen seine Deutungen für menschliches Denken und Agieren auch nur in ihr finde. Der Mensch müsse im Zusammengang der Konditionen des biologisch gegebenen interpretiert werden. (De Ruijter 1991:22)

2. Der Mythos

2.1 Der Begriff des Mythos

Um die strukturale Mythenanalyse nach Lévi-Strauss verstehen zu können, ist es essentiell sich vorerst bewusst zu machen, was genau unter Mythos verstanden wird. Der Begriff hat in der Theologie zum Beispiel eine andere Bedeutung als beispielsweise im Volksmund, oder beispielsweise in der Ethnologie.

Der Mythos, als unzulänglich definierter Begriff, wird fälschlicher Weise gelegentlich mit falscher Geschichtsschreibung gleichgesetzt, also einer Geschichte der Vergangenheit, die erfahrungsgemäß falsch sei. Es wird demnach die Schlussfolgerung getroffen, dass „mythisch“ automatisch nie stattgefunden bedeute. Theologen verwenden den Begriff abweichend. So sei er für sie Kennzeichen religiösen Mysteriums - „Ausdruck unsichtbarer Wirklichkeiten in den Begriffen wahrnehmbarer Phänomene“. Nahezu gleichsam der Meinung der Anthropologen, welche glauben, Mythen seien „heilige Erzählungen“. Geht man von der letzten Definition aus, sei der Mythos nicht deshalb so besonders, weil er falsch sei, sondern, wegen seiner göttlichen Wahrheit für diejenigen die glauben und für jene die ihn für unwahr halten ein Märchen. Annähernd in jeder Gesellschaft sei eine Sammlung mit Überlieferungen aus der Vergangenheit zu finden, deshalb sei jede Unterscheidung, die davon ausgehe, dass Geschichte wahr sei und Mythos unwahr vollständig willkürlich. (vgl. Leach 1991:65-66) Es wird demgemäß davon ausgegangen, der Mythos sei eine lügenhafte

Geschichte, die subjektiv erzählt wird und demnach keine objektive Wahrheit mehr enthalte.

(Vogt 1989:10)

„Das Wort das sich nun auf die Wirklichkeit bezieht, ist das vernünftige, das Denken

repräsentierende Wort Logos. Mythos uns Logos stehen in einem unauflösbaren Widerspruch zueinander.“ (vgl. Vogt 1989:10)

Die meisten Überlieferungen beginnen, wie die Bibel mit einer Schöpfungsgeschichte, die ganz offensichtlich im Falle der Bibel mythisch sei. Das christliche neue Testament sei ein Beispiel für Geschichte und Mythos gleichermaßen. Den Schöpfungsgeschichten allerdings folgen Sagen von Menschen, deren Existenz nahezu bewiesen sei und deren Handlungen zumindest teilweise historisch als bewiesen gelten. Diese leiten uns letztendlich zu Vorkommnis Beschreibungen an denen so gut wie niemand zweifele, weil sie als völlig historisch akzeptiert gelten, da sie in einer anderen autonomen Quelle ebenso belegt seien. Es sei nicht immer möglich oder sinnvoll eine Trennung zwischen Mythos und Geschichte vorzunehmen. (Leach 1991:65-66) So erscheint es mir ebenso nicht sehr sinnvoll die Dinge die in einem Mythos Erzählt werden zu diskreditieren.

„Im Mythos ist nichts, was man ignorieren kann, nichts was man als bizarr oder absurd abtun darf, um einige große ewige Wahrheiten darin rein zu erhalten.“ (Lévi-Strauss 1980:195)

Es ist ein Irrglaube zu denken, dass Mythen ausschließlich die Geschichten von Göttern, Heroen, Dämonen und den Bewohnern der Unterwelt wiedergeben. Sie befassen sich in der Tat auch mit Ereignissen welche menschliche Wesenheit involviert. (vgl. Lévi-Strauss 1984: 35)

Mythen sind immer Gedächtnisüberlieferungen und Gegenwartswissen, da durch das wiederholte Erzählen der Mythen jedes Subjekt die Erzählung maßgeblich verändere, welches unvermeidbar in einem System der Wiederholungen sei. Nach Mauss existiere also kein Urtext einer mündlichen Überlieferung, sondern immer nur tausende Versionen, die im Umlauf seien. (vgl. Lévi-Strauss 1984:42)

2.2 Lévi-Strauss und der Mythos

Lévi-Strauss habe den Diskurs über Mythos und Geschichte übergangen, indem er sich hauptsächlich mit Völkern wie den[Geben Sie ein Zitat aus dem Dokument oder die

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Gesellschaften, in denen abgesehen von ihren weiteren Eigenschaften mündliche

Literaturgattungen sich am besten entwickelt haben, weisen oft die meisten mythischen Erzählungen auf. (vgl. Lévi-Strauss 1984:63)

Bevorzug befassen sich Mythen oft mit unlösbaren gesellschaftlichen Antinomien. (vgl. Herrmann 1983:377)

Nach Lévi-Strauss seien Mythen nicht nur Märchen, sondern enthalten auch eine Botschaft, von der durchaus unklar ist von wem diese gesendet wird, jedoch offensichtlich ist wer diese erhält. Jene Zugehörige einer Gesellschaft, welche einen Mythos zum ersten Mal hören, werden durch die enthaltene Nachricht des Mythos belehrt. Es könne also vermutet werden, dass diese Traditionen, jedenfalls theoretisch von einer Vielzahl verstorbener Ahnen überliefert wurde. (Leach 1991:71)

3. Die Mythenanalyse

3.1 Der ethnologische Strukturalismus

Unter der Prämisse, dass jeder Mensch die selbe physiologische und psychologische Beschaffenheit besitzt und man sich darüber bewusst ist, dass Kultur ein beträchtlicher problemlösender, sowie auch problemstellender Mechanismus sei, da er sich mit allerlei logischen Paradoxien und existentiellen Problemen auseinandersetze, könne auch hinter der Verschiedenheit der Ausdrucksformen der Kultur ein gemeingültiges Grundmuster erkannt werden. Dieses könne allerdings nur anhand einer speziellen Methode erkannt werden, nämlich der strukturalistischen Mythenanalyse, die Lévi-Strauss im Laufe seines Lebens entwickelt habe. (vgl. De Ruijter 1991:9)

Um die strukturalistische Mythenanalyse so gut wie möglich verstehen zu können, erscheint es mir wichtig, die grundlegenden Prinzipien des Strukturalismus verstehen. Claude Lévi Strauss interpretiere Mythen mit Hilfe der komplexen strukturalistischen Mythenanalyse. Er sei ebenfalls deren Begründer. (Clarke 1981:184) Obwohl der Begriff Strukturalismus, von dem Terminus Struktur abgeleitet wird, untersuche ein Ethnologe nicht einfach nur Strukturen. Strukturen sind in diversen Formen zu finden: System, Organisation, Norm, Anordnung von Fakten etc. Sie können in verschiedenen Bereichen oder Ebenen untersucht werden, dabei sei es von immenser Wichtigkeit zu welcher Erkenntnis sie führen sollen.

Ethnologische Strukturalisten untersuchen Strukturen im Hinblick auf deren Regelung des geistigen und sozialen Lebens. Sie gehen dabei von der Prämisse aus, dass die offenkundigen Fakten und Phänomene in einer Struktur (in einem Ordnungsprinzip) geordnet seien. Es sei erst möglich diese durch einen analysierenden Menschen zu erfassen, welcher sie heraus arbeite. Untersucht werden müssen sie mit Hilfe von Methoden, die wissenschaftliche Entwicklungen zur Grundlage haben. Wie viele bekannte Theorien und Arbeitsweisen habe sich auch der Strukturalismus, aus etlichen, bereits geläufigen „wissenschaftlichen Schulen“ zusammen gefügt. Die Methode des allzeit umstrittenen Funktionalismus komme der des Strukturalismus wohl am nächsten. Funktionalisten teilen die Auffassung, dass jegliche Einzelelemente wie Einstellungen, Ideen, Taten, soziales Verhalten, Geschehnisse und dergleichen Elemente eines gesamten Systems seien und nicht unabhängig voneinander betrachtet werden dürfen. (vgl. Amborn 1983:363-364)

Was den Strukturalismus angeht ließe sich Claude Lévi-Strauss von der Linguistik inspirieren und habe ihr Verfahren übernommen. Von der Linguistik habe Lévi-Strauss gelernt, dass die strukturale Methode der Analyse, die er in seinem Studium über die Verwandtschaft entwickelte, ebenfalls in Bezug auf alle kulturellen Phänomene angewendet werden könne, außerdem kommt er zu dem Schluss, dass hinter dem Sinn und der Kultur die strukturalistische Eigenschaft des menschlichen Unterbewusstseins liege. Diese beiden Annahmen, ließen ihn die strukturale Analyse der Mythen entwickeln. Er war getrieben von dem Wunsch, seine neue Methode auch auf nicht-linguistische kulturelle Phänomene anzuwenden, aber umso mehr noch von dem Glauben, durch das Studium symbolischer Systeme man einen Einblick in den menschlichen Verstand bekommen zu können. (vgl. Clarke 1981:184) Nach Schiwy habe Lévi-Strauss nicht nur als Begründer des Strukturalismus gegolten, sondern auch als Begründer des Panstrukturalismus, dessen wesentliches Thema die Ohnmacht des Individuums und seine Unterwerfung unter Strukturen sei, die im Grunde konstant seien. Es sei als von den Kräften eines gebieterischen Denk-und Sprachsystems beherrscht. (vgl. De Ruijter 1991:10)

Das neue Verfahren, sei nicht Überall auf An[Geben Sie ein Zitat aus dem Dokument oder die Zusammenfassung eines interessanten Punktes ein. Sie können das Textfeld an einer beliebigen Stelle im Dokument positionieren. Verwenden Sie die Registerkarte 'Textfeldtools', wenn Sie das Format des Textfelds 'Textzitat' ändern möchten.] klang gestoßen, da man um mit ihm zu arbeiten, Elemente eines einzelnen ethnischen Zusammenhangs mit Hilfe eines mathematischen Modells kodifizieren müsse. Zudem sei es mit dem ethisch-elementaren Selbstverständnis der Ethnologie unvereinbar, einen Menschen unter ein rationales, auf Emotionen keine Rücksicht nehmendes, angeblich eigenständiges System, das selbst vom System unabhängig sei unterzuordnen. Der strukturalistischen Arbeitsweise wurde vorgeworfen, sie verallgemeinere und vereinfache ethnische Identität, indem sie versuche sie in ein logisch-überprüfbares Modell zu pressen. Überdies, widerspreche der strukturalistische Ansatz einem noch aktuellen kulturrelativistischen, ethnologischen Selbstverständnis, welcher Elemente aus einem einzelnen ethnischen Zusammenhang reiße, sie mit Hilfe eines mathematischen Modells kodifiziere, um später erneut zu generalisieren. Lévi-Strauss Universalien Suche, ermögliche demnach kaum, dass Phänomene in ihrem Kontext betrachtet werden können. (vgl. Brügge 1998:198)

Lévi-Strauss wird im Bezug auf den Strukturalismus vorgeworfen, dass er immer das zu finden scheine, was er gerade benötige, um seine Aussagen zu rechtfertigen. Dazu komme, dass er den Leser mit seiner Art zu schreiben, überzeuge und dieser deswegen seine anfängliche Kritik sehr schnell vergesse. (vgl. Brügge 1998:199)

„Nicht nur, daß [Lévi-Strauss] fast immer zu finden scheine, was er gerade suche, auch jedes Faktum, das nicht in den Rahmen seiner theoretischen Überlegungen passe, werde entweder ignoriert oder mit großem rhetorischen Aufwand als bedeutungslos dargestellt“ (Kohl 1991:151) Ethnographische Fakten korrekt einzuordnen und auszuwählen ist jedoch essentiell für eine ethnologisch-strukturalistische Arbeit und ohnehin für wissenschaftliches Arbeiten im Allgemeinen.

Dies werden wir später bei der Erläuterung des kontroversen „strukturalen Diagramms“ zum Ödipusmythos noch einmal genauer beleuchten, in dem Lèvi-Strauss ebenfalls teilweise willkürlich vorgegangen sei. (vgl. Brügge 1998:199)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die strukturalistische Mythenanalyse von Claude Lévi-Strauss. Der Ödipusmythos
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Einfürhung in die Religionsethnologie
Note
1,7
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V319018
ISBN (eBook)
9783668181304
ISBN (Buch)
9783668181311
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethnologie, Claude Levi Strauss, Strukturalismus, Religionsethnologie, Kohl, Ödipus, Religion, Theorie
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Die strukturalistische Mythenanalyse von Claude Lévi-Strauss. Der Ödipusmythos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319018

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