In der vorliegenden Arbeit sollen drei italienische Pressetexte, die jeweils über das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 13. Juli 2014 in Rio De Janeiro (Maracana) berichtet haben, vergleichend analysiert werden.
Ziel der Korpusuntersuchung ist es herauszufinden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich zwischen den einzelnen Artikeln hinsichtlich ihrer Funktion und der Darstellung der Ereignisse finden lassen. Dafür ist zu untersuchen, nach welchen Prinzipien die Nachrichten ausgewählt und aufgebaut sind. Welche Fakten werden fokussiert, welche bleiben unberücksichtigt? Handelt es sich dabei um eine unparteiische objektive Darstellung der Ereignisse oder wird eine subjektive Wertung vorgenommen?
Bei Text A handelt es sich um einen Presseartikel aus der „Sport Mediaset“, deren Ausrichtung klar auf Sportberichterstattung spezialisiert ist. Text B ist einem Artikel aus der italienischen Tageszeitung „Il fatto Quotidiano“ entnommen. Text C schließlich stammt aus dem Onlineportal Datasport, der Sportrubrik der Tageszeitung „Il Messaggero“.
Im ersten Teil der Arbeit sollen dafür zunächst die formalen bzw. inhaltlichen Aspekte der Artikel untersucht werden. Dabei ist zu klären, wie hoch der Nachrichtenwert des Ereignisses einzustufen ist und welchen Gliederungskriterien die Texte in ihrem Aufbau folgen.
Im zweiten Teil sollen ferner die sprachlichen Besonderheiten beider Texte untersucht werden. Hierfür sollen zunächst die unterschiedlichen Bezeichnungen für beide Fußballteams sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgewertet werden. Ferner wird betrachtet, welche Isotopie-Netze und wiederkehrenden Metaphern sich in den Korpora identifizieren lassen und welchen Einfluss diese auf die Darstellung der Ereignisse haben. Bevor die Erkenntnisse der Arbeit in der Schlussfolgerung zusammengefasst werden wird untersucht. wie die Leistungen beider Mannschaften im Spiel, insbesondere aber der Sieg der deutschen Mannschaft dargestellt werden und welche Rückschlüsse dies auf das Deutschland- bzw. Argentinienbild der Autoren zulässt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Nachrichtenwert der Artikel
3 Funktion und Aufbau der Artikel
3.1 Text A
3.2 Text B
3.3 Text C
4 Bezeichnungen der Teams und Einzelspieler
5 Isotopien und Metaphern
6 Bewertung des WM-Siegs der Deutschen
7 Schlussfolgerung
8 Bibliographie
8.1 Primärquellen
8.2 Sekundärquellen
9 Anhang: Textkorpus
9.1 Text A
9.2 Text B
9.3 Text C
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine vergleichende Analyse dreier italienischer Pressetexte über das WM-Finale 2014, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung des Ereignisses sowie deren subjektive Bewertung durch die Autoren herauszuarbeiten.
- Analyse des Nachrichtenwerts von Sportberichterstattung
- Untersuchung der strukturellen und inhaltlichen Gliederungskriterien
- Qualitative und quantitative Auswertung von Team- und Spielerbezeichnungen
- Identifikation metaphorischer Isotopien und deren Bedeutungskontext
- Bewertung des Einflusses der Berichterstattung auf die Wahrnehmung des deutschen Nationalteams
Auszug aus dem Buch
3 Funktion und Aufbau der Artikel
Titel und Vorspann aller drei Artikel sind typographisch durch größere Schriftgröße, Fettdruck und Lehrzeile vom Hauptteil abgesetzt. Die Hauptteile der Artikel sind in je 5 Absätze (Text A), 4 Absätze (Text B) und 3 Absätze (Text C) untergliedert. Ihr Aufbau folgt mehrheitlich der Hierarchie harter Nachrichten, wonach die wichtigsten Informationen zuerst genannt werden. Je unwichtiger und detaillierter die Information, desto weiter hinten im Text befindet sie sich. Im Vorspann werden deshalb bereits die wichtigsten W-Fragen (Wer?, Wo?, Wann? etc.) komprimiert beantwortet. Eine Ausnahme dazu bildet hier allerdings der Vorspann zu Text B (vgl. Weischenberg, 2001: 84).
Auch in der Sprache zeigen sich in allen drei Artikeln Abweichungen von dem typischen Sprachstil harter Nachrichten. Zudem werden die Fakten nicht wertneutral präsentiert wie u.a. der Gebrauch zahlreicher Adverbien belegt. Es handelt sich bei den vorliegenden Texten daher um Hybrid-Formen zwischen harten und weichen Nachrichten, wofür sich der englische Begriff Feature eingebürgert hat. Laut Weischenberg (177) liegt die Funktion von Features darin: „mit Informationen auch zu unterhalten, hinter die Fakten schauen zu lassen, zu erklären und einzuordnen, Interpretations- und Orientierungshilfen zu geben, zu thematisieren und zu generalisieren“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand, bestehend aus drei italienischen Pressetexten zum WM-Finale 2014, und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der vergleichenden Analyse.
2 Nachrichtenwert der Artikel: Dieses Kapitel erörtert die Gründe für den hohen Nachrichtenwert der Spielberichte trotz vorhandener Aktualitätskonkurrenz und thematisiert die Bedeutung der anvisierten Leserschaft für die Gewichtung der Ereignisse.
3 Funktion und Aufbau der Artikel: Hier werden die strukturellen Eigenschaften der Texte analysiert und als Hybrid-Formen zwischen harter Nachricht und Feature eingeordnet, gefolgt von einer detaillierten Einzelbetrachtung der Texte A, B und C.
4 Bezeichnungen der Teams und Einzelspieler: Dieses Kapitel widmet sich der sprachlichen Kategorisierung der Akteure und weist nach, dass die Wahl der Bezeichnung die Wahrnehmung von Dominanz und Rolle der Teams maßgeblich beeinflusst.
5 Isotopien und Metaphern: Hier wird aufgezeigt, wie semantische Netzwerke, insbesondere aus den Bereichen Sport und Krieg, zur Kohärenz der Texte beitragen und eine bestimmte Wertung des Spielverlaufs transportieren.
6 Bewertung des WM-Siegs der Deutschen: Dieses Kapitel untersucht, wie die Autoren den deutschen Triumph in einen größeren historischen Kontext einbetten und welche Faktoren (wie Planung und Organisation) als Begründung für den Erfolg angeführt werden.
7 Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die untersuchten Pressetexte maßgeblich meinungsbildend wirken, indem sie das deutsche Team als überlegen und dessen Erfolg als logische Konsequenz darstellen.
Schlüsselwörter
Fußball-WM 2014, italienische Presse, Medienanalyse, Feature, Nachrichtenwert, Deutschland, Argentinien, Metaphorik, Sportberichterstattung, Mario Götze, Lionel Messi, Diskursanalyse, nationale Identität, Kulturelle Stereotype, Berichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert vergleichend drei italienische Pressetexte zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014, um zu untersuchen, wie das WM-Finale in der italienischen Berichterstattung dargestellt und bewertet wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die strukturelle Analyse der Artikel (Aufbau und Nachrichtenwert), die sprachliche Gestaltung durch Metaphern und Isotopien sowie die diskursive Konstruktion von Siegern und Verlierern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob die Artikel eine objektive Berichterstattung liefern oder eine subjektive Wertung vornehmen, und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede sich dabei hinsichtlich der Funktion der Texte zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte, vergleichende Medienanalyse durchgeführt, die formale Kriterien, quantitative Auswertungen (Frequenzanalysen) und qualitative, linguistische Methoden der Semantik und Stilistik kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Aufbaus und der Nachrichtenwerte, eine detaillierte Analyse der Benennungsstrategien für Akteure, die Untersuchung der eingesetzten Metaphorik (insbesondere militärischer Wortschatz) und die Auswertung der historischen Einbettung des Sieges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Medienanalyse, Sportberichterstattung, Fußball-WM 2014, Diskurs, nationale Identität sowie linguistische Strategien der Bewertung.
Warum wird das Bild des „Krieges“ in der Sportberichterstattung thematisiert?
Das Bild des Krieges dient laut Analyse dazu, die deutsche Mannschaft in die aktive, siegreiche Angreiferrolle zu drängen, während Argentinien als moralisch stärkerer, aber passiver Verlierer charakterisiert wird.
Welche besondere Bedeutung kommt dem Spieler Mario Götze in der Analyse zu?
Seine Leistung wird als zentrales Element der künstlerischen und schicksalhaften Überhöhung bewertet, wobei sein Tor als "Meisterwerk" dargestellt wird, das eine lange Aufbauphase der deutschen Mannschaft krönt.
- Arbeit zitieren
- Francesca Cavaliere (Autor:in), 2015, Der Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2014 im Spiegel der italienischen Presse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319020