Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, den Themenkomplex der Wirtschaftsethik besser zu verstehen und die Frage zu erörtern, wie sich faires und soziales Miteinander der Menschen mit dem Erreichen der Unternehmensziele und damit den notwendigen, wirtschaftlichen Erfolgen verträglich gestalten lassen. In diesem Zusammenhang werden im Verlauf des Essays die grundlegenden Begriffe der Wirtschaftsethik definiert. Die primäre Intention ist dabei, das Verhältnis zwischen Moral, Recht und Ökonomie schlüssig darzulegen, damit ein Verständnis für sittlich-moralisch gutes Handeln geschaffen werden kann. Die zentrale Fragestellung hierfür lautet deshalb, wie ein erfolgreiches und zugleich moralisch vertretbares Wirtschaften möglich ist.
In der heutigen Zeit kommt es immer häufiger vor, dass Institutionen, Politiker, Unternehmen oder deren Vorstände aufgrund moralischen Fehlverhaltens in die Schlagzeilen der Medien geraten. Sei es beispielsweise die Umleitung von Steuergeldern, korrupte Machenschaften oder jüngst der Abgas-Skandal von VW, um nur einige zu nennen. Somit wirft auch wirtschaftliches Handeln moralische Fragestellungen auf.
In den meisten Fällen geht es um die Nutzen- oder Gewinnmaximierung und Sittlichkeit und Werte verlieren an Bedeutung. Es stellt sich damit die Frage, ob Egoismus und Bereicherungssucht die erfolgreichen Motive der Zukunft sind. Die Antwort darauf muss „nein“ lauten, denn nicht nur aus moralischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen macht ethisch motiviertes Verhalten durchaus großen Sinn.
Aus wirtschaftsethischer Sicht wird der Mensch und nicht das Tier thematisiert. Es stellen sich hier also die Fragen, was den Menschen überhaupt ausmacht und was ihn vom Tier unterscheidet. Im Folgenden wird deshalb auf das Verständnis des Menschen als endliches Vernunft- und Freiheitswesen eingegangen. Danach erfolgt die nähere Betrachtung der Wirtschaftsethik selbst und deren Begrifflichkeiten im dritten Kapitel. Dabei werden die drei Prinzipien des Rechts, der Moral und der Ökonomie beleuchtet. Im Anschluss daran werden im letzten Kapitel diese drei Bereiche in ein Verhältnis zueinander gestellt, die Grenze der Ökonomie bzw. des wirtschaftlichen Handelns erörtert und ein Fazit daraus gezogen, um die oben stehende Frage zu beantworten, wie man erfolgreiches und zugleich moralisch vertretbares Wirtschaften miteinander vereinen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Der Mensch als endliches Vernunft- und Freiheitswesen
3 Einordnung der Wirtschaftsethik und deren Grundbegriffe
3.1. Ethik/Moral
3.2. Recht
3.3. Ökonomie
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Handeln und moralischer Verantwortung, mit dem Ziel, das Verhältnis von Moral, Recht und Ökonomie zu definieren, um erfolgreiches und moralisch vertretbares Wirtschaften zu ermöglichen.
- Das menschliche Wesen als endliches Vernunft- und Freiheitswesen
- Die Grundprinzipien von Ethik, Recht und Ökonomie
- Das Verhältnis zwischen Neigung (Gewinnmaximierung) und sittlicher Pflicht
- Die Notwendigkeit der rechtlichen Begrenzung ökonomischen Handelns
- Die Rolle der Corporate Social Responsibility in modernen Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.2. Recht
Neben dem Appell an die Moralität wird das Recht als weitere Instanz benötigt, um einen Beitrag zum moralischen Handeln zu leisten.
Jeder Mensch hat mit seinem Leib permanente physische Wechselwirkungen mit anderen Leibern. Der Wille des Menschen kann nicht alleine wirken und somit wirkt er mit dem Leib, welcher das physische Instrument des Wollens darstellt. Das bloße Wollen einer Person ist rechtlich gesehen nicht relevant, da sich das Recht nur auf das Wirken bzw. das Handeln einer Person erstreckt. Mit dieser Erkenntnis müssen folglich alle Wechselwirkungen innerhalb derselben Wirksphäre so beschaffen sein, dass sie miteinander vereinbar sind. Das heißt, jeder Mensch soll nach seinem Willen wirken können und mit seinem Leib alles dürfen, was mit der Bedingung vereinbar ist, dass alle anderen Menschen auch frei wirken können. Demnach ist beispielsweise ein Treuebruch in einer Partnerschaft nicht strafbar, denn die Wirkfreiheit der betrogenen Person wird hier nicht eingeschränkt. Eine Vergewaltigung hingegen ist strafbar, weil sie eine Wirkens und damit auch eine Freiheitsbeschränkung des Opfers darstellt.
Während der innere Wille nicht von außen eingeschränkt werden kann, ist zumindest die Wirkung des Willens, also die Handlung des Menschen beeinflussbar. Überall, wo Wechselbeziehungen zu anderen Wesen sind, gilt es, die Vereinbarkeit der Wirkungsfreiheiten aller Vernunftwesen zu vereinbaren, sodass jeder nach seinem Willen wirken kann. Das Vernunftrecht macht das möglich, denn es stellt den Inbegriff der Bedingungen dar, unter denen die Handlungsfreiheit aller Freiheitswesen vereinbar ist. Dagegen wird das positive Recht als Bedingung für den Rechtszustand definiert. Das Vernunftrecht selbst fordert jedoch seine Positivierung, da bei unrechten Handlungen nicht sanktioniert o.ä. kann, wenn kein Recht gesetzt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Diese Einleitung identifiziert die zunehmende Bedeutung moralischen Fehlverhaltens in der Wirtschaft und stellt die zentrale Frage nach der Vereinbarkeit von ökonomischem Erfolg und ethischer Vertretbarkeit.
2 Der Mensch als endliches Vernunft- und Freiheitswesen: Das Kapitel analysiert das Wesen des Menschen, wobei die Unterscheidung zwischen dem Handeln aus Neigung und dem Handeln aus sittlicher Pflicht als Grundlage für moralisches Verhalten herausgearbeitet wird.
3 Einordnung der Wirtschaftsethik und deren Grundbegriffe: Hier werden die drei Kernbereiche der Wirtschaftsethik – Ethik/Moral, Recht und Ökonomie – detailliert definiert und in ihre Wechselwirkung zueinander gesetzt.
4 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont, dass eine absolute Trennung der drei Prinzipien nicht möglich ist und die Ökonomie durch Recht und Moral begrenzt werden muss, um gesellschaftlich verträgliches Handeln zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Moral, Recht, Ökonomie, Vernunftwesen, Freiheitswesen, Gewinnmaximierung, Pflicht, Neigung, Handlungsfreiheit, Vernunftrecht, Positives Recht, Corporate Social Responsibility, Effizienzprinzip, Unternehmensethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den grundlegenden Prinzipien der Wirtschaftsethik und der Frage, wie Unternehmen und Akteure in der Wirtschaft ihr Handeln moralisch legitimieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild als Vernunft- und Freiheitswesen, die Begriffsdefinitionen von Moral, Recht und Ökonomie sowie deren notwendiges Zusammenspiel.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie lässt sich erfolgreiches und zugleich moralisch vertretbares Wirtschaften miteinander vereinen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen philosophisch-ethischen Ansatz unter Einbeziehung ökonomischer Prinzipien, um normative Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst das Wesen des Menschen als frei handelndes Wesen und erläutert anschließend, wie Recht und Moral als regulatorische Instanzen die Ökonomie beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wirtschaftsethik, Moral, Recht, Pflicht und Gewinnmaximierung charakterisiert.
Warum reicht das Effizienzprinzip allein nicht aus, um Wirtschaft zu begrenzen?
Das Effizienzprinzip ist laut Autor ein rein technisches Prinzip zur Mittelwahl und damit moralisch neutral; es kann somit nicht selbst entscheiden, ob ein Ziel moralisch vertretbar ist.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen Neigung und Pflicht?
Diese Unterscheidung ist entscheidend: Während Neigungen oft auf kurzfristige Gewinnmaximierung abzielen, fordert die sittliche Pflicht ein Handeln, das über den persönlichen Vorteil hinaus die Freiheit anderer respektiert.
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- Anonym (Autor:in), 2015, Eine Auseinandersetzung mit den Grundprinzipien der Wirtschaftsethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319049