Einleitung in die Naturzustandskonzeptionen Hobbes und Rousseaus

Ein Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
15 Seiten, Note: 2.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionsversuch des Naturzustandes

3. Die Konzeption des Naturzustandes von Thomas Hobbes
3.1 Grundgedanken
3.2 Konfliktursachen
3.2.1 Juristische Ursachen
3.2.2 Psychologische Ursachen
3.3 Fazit Naturzustand bei Hobbes

4. Die Konzeption des Naturzustandes von Jean Jacques Rousseau im Vergleich zu Hobbes
4.1 Physische Gegebenheiten im Naturzustand von Rousseau verglichen mit Hobbes
4.2 Verhaltensweise des Menschen im Naturzustand bei Rousseau verglichen mit Hobbes

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Bellum omnium contra omnes“- der Mensch im Kriegszustand aller gegen alle: So wird der Mensch außerhalb einer gesellschaftlichen Form („extra societatem civilem“) in Hobbes Werk „De Cive“ aus einer rechtsphilosophische Sichtweise beschrieben (Hüning.2013:122).

Ein anderer berühmter Philosoph, Rousseau, sagt über das Menschengeschlecht aus: „() solange er [der Mensch] nicht dem inneren Drang zum Mitleid widersteht, wird er niemals einem anderen Menschen noch irgendeinem fühlenden Wesen Böses tun, außer in dem berechtigten Falle, wo es um seine eigene Erhaltung geht und er verpflichtet ist, zunächst an sich selbst zu denken“ (Rousseau.1989:201f). Bereits in diesen beiden Zitaten werden unterschiedliche Positionen der beiden Philosophen deutlich. Aus diesem Grund wird sich diese Arbeit mit dem Naturzustandsbeschreibungen beider Autoren beschäftigen. Insbesondere die Betrachtungsweisen, wie beide Autoren den Menschen sehen, worauf beide Autoren ihr Bild des Menschen stützen, werden dargestellt. Hierfür wird die Arbeit mit einer Definition des Naturzustandes beginnen, da man nur schlecht über etwas schreiben kann, was man nicht vorher greifbar gemacht hat. Danach wird Thomas Hobbes Vorstellung vom Naturzustand dargestellt und mit passenden Textnachweisen belegt. Interessant hierbei wird sein, die Argumentationsmuster genauer zu betrachten, das heißt der Frage nachzugehen: „ Wie kommt Hobbes zu seinem Menschenbild?“ Nachdem die Naturzustandskonzeption von Hobbes hinreichend erläutert worden ist, wird mit der gleichen Frage die Konzeption von Jean Jacques Rousseau untersucht und dargestellt. Es wird sehr aufschlussreich sein, wie unterschiedlich beide Konzeptionen aussehen und warum beide von einem unterschiedlichen Untersuchungsobjekt ausgehen. Während Hobbes den Naturzustand als "conditio hominum extra societatem civilem", also als einen Zustand des Menschen außerhalb eines staatlichen Konstrukts beschreibt, sieht Rousseau es als nötig an, auf einen Zustand des Menschen vor jeglicher Sozialisierung zurückzugehen (vgl. Herb.1989. 19).

Nachdem die Naturzustandsbeschreibung von Jean Jacques Rousseau erfolgt ist, wird ein kurzer Vergleich gemacht, indem die Konzeptionen gegenübergestellt werden. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf antagonistische Überlegungen beider Philosophen gelegt und diese dargestellt. Zum Schluss wird ein Fazit folgen, welches die Ergebnisse dieser Arbeit kurz resümiert.

2. Definitionsversuch des Naturzustandes

Unter dem Begriff des Naturzustandes versteht man in der Philosophie einen Zustand des Menschen, der zeitlich vor der Entstehung von Kultur positioniert werden kann. Es ist eine Vorstellung über das Wesen des Menschen, bevor es eine Art von staatlicher Organisation gibt, das heißt dem Menschen stehen lediglich seine naturgegebenen Anlagen zur Verfügung. In Pfisters Begriffslexikon wird der Naturzustand folgendermaßen definiert: „Begriff in der politischen Philosophie. Gedankenkonstrukt, um den Zustand zu beschreiben, in dem sich die Menschen befinden, bevor sie sich zu einer Gesellschaft zusammenschließen“ (Pfister.2011:293). Es gibt keinen Staat, es gibt keine niedergeschriebene Rechtsnorm, der Mensch untersteht nur dem ius naturale, dem Naturrecht.

Dies ist ein erster Versuch, den Begriff des Naturzustandes zu erklären. Jedoch haben viele Philosophen ihre eigene Vorstellung von einem Naturzustand. Somit ist dieser Versuch der kleinste gemeinsame Nenner der Vorstellungen der Anthropologen. Wenn man genauer sein möchte, ergeben sich mehrere Vorstellungen über den Naturzustand. Auf zwei wird hier näher eingegangen, da diese im späteren Verlauf der Arbeit im Mittelpunkt stehen werden.

Thomas Hobbes sieht den Naturzustand als einen Zustand, den es zu überwinden gilt, da er von Gewalt und Elend geprägt sei. Weil es nämlich keine Rechtsstaatlichkeit gibt, somit auch keine Regeln über Besitz und Eigentum, gehöre alles jedem. Dies wird als Grund dafür gesehen, warum es Elend und Gewalt gibt, denn durch die Eigenschaft der natürlichen Begierde möchte jeder mehr haben und es wird darum gestritten (vgl: Hobbes.1977:59). Als grundlegenden Unterschied zu Rousseau ist hier anzuführen, dass Hobbes den Menschen im Naturzustand in einem gesellschaftlichen Kontext sieht. In seinen Augen ist der Mensch ein Wesen, das zwar nicht aus Liebe zum Menschen Gesellschaft sucht, es jedoch trotzdem tut, weswegen es in ständiger Interaktion mit anderen Menschen ist. Rousseau ist hierbei ganz anderer Meinung. Er beschreibt den Naturzustand als einen Zustand, in dem jeder Mensch, der für sich alleine steht, frei ist von Zwängen. Es ist eine Lebensform, die der menschlichen Art am besten entspricht, und jede Form von Zivilisation ist eine Entartung des natürlichen Menschen. Zudem sieht Rousseau den Naturzustand als einen Zustand, der alle Bereiche des Menschen betrifft, während Hobbes diesen Zustand eher in einem rechtlichen Rahmen sieht. Hierfür gibt er auch einige Gründe an, mit denen sich im späteren Teil der Arbeit genauer beschäftigt wird. Obwohl über den gleichen Begriff, nämlich dem Naturzustand, gesprochen wird, wird er komplett unterschiedlich von den beiden Philosophen gedeutet und interpretiert. Im Folgenden wird genauer auf die Vorstellungen der beiden Autoren eingegangen.

3. Die Konzeption des Naturzustandes von Thomas Hobbes

3.1 Grundgedanken

Thomas Hobbes beschreibt den Naturzustand aus rechtsphilosophischer Perspektive und offenbart hierbei juristische Gefahren zwischen der Interaktion von Individuen. Der Naturzustand wird hier beschrieben als: „status hominum extra societatem civilem“ (Herb.1989:19) - der Mensch außerhalb von gesellschaftlicher Ordnung und staatlichen Konstrukten. Hierbei versucht Hobbes eine Beschreibung des Menschen unter Wegnahme der staatlichen, rechtlichen Ordnung. Aufgrund dieser Prämisse geht Hobbes von dem heutigen Menschen aus (was Rousseau u.a. kritisiert) und kritisiert weiter das Bild des „zoon politikon“, welches von Aristoteles geprägt worden ist. So suche der Mensch keine Gesellschaft der Liebe willen, sondern eher um einen persönlichen Vorteil dadurch zu erlangen. „Denn wenn die Menschen einander von der Natur, d.h. bloß weil sie Menschen sind, liebten, wäre es unerklärlich, weshalb nicht jeder einen jeden in gleichem Maße liebte, da sie ja alle in gleichem Maße Menschen sind; oder weshalb der Mensch lieber die Gesellschaft derer aufsucht, die mehr als den übrigen Ehre und Vorteil erweisen“ (Hobbes.1959:75f). Zwar geht auch Hobbes davon aus, dass der Mensch durchaus ein Wesen ist, welches man als „animal sociale“ bezeichnen könne, jedoch meint er, dass der Hauptgrund für eine soziale Gemeinschaft nicht die Liebe, sondern der persönliche Vorteil sei. „Der Mensch sucht also von Natur keine Gesellschaft um der Gesellschaft willen, sondern um von ihr Ehre und Vorteil zu erlangen; dies begehrt er zuerst, das andere nur an zweiter Stelle“ (Hobbes.1959:75). Dieses Zitat spiegelt auch die egoistische Ausprägung des menschlichen Wesens wider, die dem Menschen im Naturzustand von Hobbes attestiert wird. Denn das Individuum ist sich selbst erst einmal am nächsten und wird alles dafür tun, dass es ihm gut geht, und wenn möglich, besser als anderen Menschen. Hobbes beschreibt dies auch als eine Forderung der menschlichen Natur, nämlich als die Forderung der natürlichen Begierde; eine andere menschliche Natur ist die Forderung der natürlichen Vernunft, die jeden Menschen den Tod verabscheuen lässt (vgl. Hobbes. 1977:59). Vor allem die besagte Begierde ist einer der Hauptgründe dafür, dass Hobbes den Naturzustand als etwas Schreckliches sieht, als einen Zustand, dem man versuchen möchte zu entkommen, denn wenn es keine staatliche Ordnung gibt, keine Eigentumsrechte, dann gehört alles in der Natur allen. Das bedeutet: „Der Zustand, in dem Menschen von Natur aus, unter Abstraktion von allen positiv-rechtlichen Regelungen, leben, ist kein Zustand allgemeiner Harmonie und konfliktfreier Realisation individueller Freiheit und individuellen Glücks, sondern ein Zustand wechselseitiger Bedrohung und Negierung der Ansprüche auf lebenswichtige Güter, des Fehlens jeglicher Sicherheit der natürlichen Rechte und Pflichten und damit ein Zustand allgemeiner Gesetzlosigkeit“ (Herb.1989: 17). Hier beginnt das Dilemma, denn aufgrund der Begierde und des Rechts jedes Individuum möchte jeder am liebsten alles besitzen, was unweigerlich zu Streit, gegenseitigem Bekriegen und letztendlich zu Elend führt. Die Hauptursachen für den desolaten Naturzustand kann man unter drei Überschriften zusammenfassen.

3.2 Konfliktursachen bei Thomas Hobbes

3.2.1 Juristische Ursachen

Das „jus naturale“, das Naturrecht, sieht Hobbes als eine der Hauptursachen für einen Konflikt im Naturzustand an. Unter Naturrecht versteht Pfister beispielsweise: „Begriff in der politischen Philosophie. Recht, das nicht von Menschen gesetzt wird und unabhängig von aller menschlichen Autorität verbindlich ist“ (Pfister.2011.292).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Einleitung in die Naturzustandskonzeptionen Hobbes und Rousseaus
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich I - Philosophie)
Veranstaltung
Anthropologie der Aufklärung
Note
2.7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V319075
ISBN (eBook)
9783668182448
ISBN (Buch)
9783668182455
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Rousseau, Naturzustand, Vergleich, Aufklärung, Anthropologie
Arbeit zitieren
Mark Maurer (Autor), 2014, Einleitung in die Naturzustandskonzeptionen Hobbes und Rousseaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319075

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