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Gerhard Richters Bilderzyklus "18. Oktober 1977". Heldenverehrung oder Ideologiekritik?

Título: Gerhard Richters Bilderzyklus "18. Oktober 1977". Heldenverehrung oder Ideologiekritik?

Trabajo de Seminario , 2012 , 45 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Florian Bührer (Autor)

Arte - Arte alemán
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Gerhard Richters Bilderzyklus trägt den schlichten Namen "18. Oktober 1977". Der Titel verweist auf das Ende eines langen Konfliktes zwischen den staatlichen Autoritäten der BRD und der ersten Generation einer radikal militanten Vereinigung, der Roten Armee Fraktion. Die unmittelbare Konfrontation mit dem linken Terrorismus gehörte zu den prägendsten Ereignissen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Thematik ist bis heute wesentlich stärker mit Verboten, Scham und Angst besetzt als die Verbrechen des Dritten Reiches, mit denen sich viel zu viele längst psychisch und sozial arrangiert zu haben scheinen.

Durch die bis heute anhaltende politische Brisanz gehört der Zyklus zu den strittigsten Werken Richters. Kein anderes Kunstwerk des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist von der Kritik mit vergleichbarem Interesse aufgenommen oder ähnlich kontrovers diskutiert worden. Von vielen Seiten wurde Richter vorgeworfen, er verharmlose mit seinem Werk den Terror und seine Fokussierung auf die RAF-Täter stelle eine Pietätlosigkeit gegenüber den Opfern dar. Hilton Kramer warf Richter gar vor, er wolle die Erinnerung an die RAF romantisieren und erhebe die Baader-Meinhof-Bande zu politischen Heiligen. Dem Vorwurf der Heldenverehrung widerspricht diese Arbeit entschieden. Vielmehr stellt diese Arbeit die These auf, Richters Zyklus stellt es eine umfassende, allgemeine Kritik an ideologischen bzw. totalitären Denkmustern dar.

Um den Nachweis der Richtigkeit dieser These zu erbringen, erfolgt zunächst ein Exkurs zur RAF- Thematik. Ein chronologischer Ablauf der Ereignisse wäre dabei jedoch unsachgemäß, vielmehr soll das totalitäre Denken der RAF hier im Vordergrund stehen. Anschließend wird im weiteren Verlauf auf ausgewählte Werke des Zyklus eingegangen. Eine umfassende Untersuchung des gesamten Zyklus lässt der begrenzte Umfang dieser Arbeit nicht zu. Dass im Zyklus wichtige zeithistorische Motive nicht dargestellt wurden, ist hinsichtlich der Interpretation des Zyklus von Bedeutung. Hinsichtlich der These scheint es zudem angebracht, genauer auf frühere Werke Richters einzugehen. Der Film Volker Bradke und der Lichtdruck Mao sind nicht nur frühe Werke Richters, in denen er sich kritisch mit ideologischen Denkmustern auseinandersetzte, in beiden Arbeiten wurde auch das Prinzip der Unschärfe angewandt. Die Verifizierung der eingangs postulierten These erfolgt abschließend in einem kurzen Fazit.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sechs gegen 60 Millionen - die RAF

3. Der Bilderzyklus 18. Oktober 1977

3.1 Betrachtung einzelner Bilder des Zyklus

3.2 Auslassen einzelner Bildmotive

4. Ideologiekritik in früheren Werken Richters

5. Vom Umgang anderer Künstler mit der RAF-Thematik

5.1 Sigmar Polke: Ohne Titel (Dr. Bonn) und Sicherheitsverwahrung

5.2 Odd Nerdrum: Der Mord an Andreas Baader

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Gerhard Richters Bilderzyklus 18. Oktober 1977 mit dem Ziel, den Vorwurf der Heldenverehrung der RAF-Terroristen zu entkräften und stattdessen eine umfassende Ideologiekritik als zentrales Anliegen des Künstlers nachzuweisen.

  • Analyse des totalitären Denkens der RAF
  • Untersuchung zentraler Motive des Bilderzyklus
  • Vergleich mit Richters frühen, ideologiekritischen Arbeiten
  • Gegenüberstellung des künstlerischen Umgangs anderer Akteure mit der RAF-Thematik
  • Die Rolle der Unschärfe als ästhetisches Instrument der Kritik

Auszug aus dem Buch

3.1 Betrachtung einzelner Bilder des Zyklus

Jugendbildnis:

Für das Jugendbildnis der Ulrike Meinhof (Abb. 14) lag Richter ein konventionelles Brustbild, vermutlich ein Pressefoto (Abb. 16) zu Meinhofs Film Bambule vor. Es ist das einzige Motiv, was nicht aus der Zeit der RAF stammt. Richter veränderte die fotografische Vorlage nur geringfügig, indem er das Gemälde nur ganz leicht durch Verwischung in Unschärfe setzte. Meinhof wird hier als nachdenkliche, melancholische junge Frau dargestellt, ihr Blick wirkt unbelastet, er signalisiert träumerische Zuversicht. Ihr Haar verschmilzt nahezu mit dem dunklen Hintergrund und ist nur an wenigen Stellen durch Lichtreflexe strukturiert. Dieses Gemälde nimmt eine zentrale Funktion innerhalb des Zyklus ein. Es gibt kein anderes Motiv, von dem sich der Betrachter derart direkt angesprochen fühlt. Die Meinhof signalisiere eine Unmittelbarkeit, eine Direktheit, die nahezu einmalig zu sein scheint, wie es bereits Martin Henatsch formulierte.

Die meisten Betrachter werden bei dem Namen Ulrike Meinhof ein anderes Bild erwarten, als es Richter präsentierte. Er zeigt eine junge, unauffällige Frau, deren weiterer Werdegang sich kaum am Portrait ablesen lässt. Zum Zeitpunkt des Erscheinen des Originalfotos war Meinhof 36 Jahre alt, Richter portraitierte sie allerdings als ein etwa 20jähriges Mädchen. Gerade zu diesem Zeitpunkt entschloss sie sich der RAF anzuschließen und in die Illegalität zu gehen. Richter thematisierte im Falle der Meinhof die biografische Dimension des Terrorismus, indem er ein Jugendbildnis in die Bildergruppe integrierte und damit wohl die hoffnungsvolle Zukunft der Jugendlichen verdeutlichen wollte. Das Bild steht quasi für den Anfang der RAF sowie deren ideologischen Gesellschaftskonzeptes. In Gesprächen mit Richter merkte Jan-Thorn Prikker an, die rührende, harmlose Person müsse nicht unbedingt die Meinhof selbst darstellen. Vielmehr thematisiere Richter mit diesem Werk die Ideologieanfälligkeit jeder Person. Richter wolle keine Symphatiegefühle oder gar Solidarität beim Betrachter erwecken, eher die spezifische Einsicht, der Fanatismus, der Glaube an eine all umfassende Ideologie könne aus jeglicher bürgerlichen Normalität entspringen. Der sehnsuchtsvolle Blick der Meinhof lässt die fatale Konsequenz der RAF nahezu unbegreiflich erscheinen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Bilderzyklus in den historischen Kontext, definiert die Forschungsfrage bezüglich der Ideologiekritik und grenzt den Untersuchungsrahmen ab.

2. Sechs gegen 60 Millionen - die RAF: Dieses Kapitel beleuchtet das ideologische Fundament, die Entstehung und die Ziele der Roten Armee Fraktion, um das totalitäre Denken der Gruppe zu verdeutlichen.

3. Der Bilderzyklus 18. Oktober 1977: Der Zyklus wird formal und inhaltlich analysiert, wobei der Fokus auf ausgewählten Werken und der künstlerischen Technik der Verwischung liegt.

3.1 Betrachtung einzelner Bilder des Zyklus: Hier erfolgt eine detaillierte Interpretation spezifischer Motive, insbesondere des Jugendbildnisses der Ulrike Meinhof und der Festnahme-Bilder.

3.2 Auslassen einzelner Bildmotive: Dieses Kapitel erörtert, warum Richter bestimmte Motive, wie den toten Holger Meins, bewusst nicht in den Zyklus aufnahm und welche Wirkung dies auf die Rezeption hat.

4. Ideologiekritik in früheren Werken Richters: Es wird gezeigt, dass Richters kritische Haltung gegenüber Ideologien bereits in frühen Arbeiten wie dem Film Volker Bradke und dem Lichtdruck Mao angelegt war.

5. Vom Umgang anderer Künstler mit der RAF-Thematik: Dieses Kapitel kontrastiert Richters Vorgehen mit den Ansätzen anderer Künstler wie Sigmar Polke und Odd Nerdrum.

5.1 Sigmar Polke: Ohne Titel (Dr. Bonn) und Sicherheitsverwahrung: Polkes ironisch-kritische Auseinandersetzung mit der staatlichen Reaktion auf den Terrorismus wird hier analysiert.

5.2 Odd Nerdrum: Der Mord an Andreas Baader: Nerdrums dramatisches Gemälde wird als Beispiel für eine explizite Parteinahme zugunsten der Terroristen untersucht.

6. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass der Zyklus eine allgemeine Kritik an totalitären Denkmustern darstellt.

Schlüsselwörter

Gerhard Richter, 18. Oktober 1977, Rote Armee Fraktion, RAF, Ideologiekritik, Bildzyklus, Terrorismus, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Sigmar Polke, Odd Nerdrum, Unschärfe, Kunst der Moderne, Erinnerungskultur, Deutsches Herbst

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Gerhard Richters Bilderzyklus 18. Oktober 1977, der sich mit der ersten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) und deren Ende in der Todesnacht von Stammheim auseinandersetzt.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?

Die zentralen Felder sind die künstlerische Verarbeitung von politischem Terrorismus, die Rolle von Ideologien in der Gesellschaft sowie die Auseinandersetzung mit historischer Schuld und staatlicher Autorität.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, den Vorwurf, Richter betreibe eine Heldenverehrung der RAF-Täter, zu widerlegen und den Zyklus als allgemeine Kritik an ideologischen bzw. totalitären Denkmustern zu identifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine kunsthistorische Analyse, die formale Bildbetrachtungen (z.B. Technik der Verwischung) mit medienwissenschaftlichen und historisch-kontextuellen Einordnungen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst eine historische Einordnung der RAF, eine detaillierte Werkinterpretation des Zyklus 18. Oktober 1977, eine Analyse früherer Werke Richters sowie einen Vergleich mit zeitgenössischen Künstlerkollegen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ideologiekritik, RAF, Gerhard Richter, Bildzyklus, Terrorismus, künstlerische Vergangenheitsbewältigung und Unschärfe charakterisieren.

Warum spielt das "Jugendbildnis" der Ulrike Meinhof eine so zentrale Rolle im Zyklus?

Es dient als Einstieg in die biografische Dimension des Terrorismus und verdeutlicht laut dem Autor, wie Fanatismus aus bürgerlicher Normalität entspringen kann, ohne dabei Sympathie für die Terroristin zu erwecken.

Welche Bedeutung hat das Auslassen von Motiven, wie z.B. dem toten Holger Meins?

Durch das Weglassen solcher Motive verhindert Richter bewusst ein Image-Framing, das den Betrachter zu einer eindeutigen Parteinahme oder Identifikation mit den Terroristen führen könnte.

Wie unterscheidet sich Richters Herangehensweise von der des Künstlers Odd Nerdrum?

Während Richter auf eine allgemeingültige, unparteiische Ebene zielt und das Geschehen metaphorisch verarbeitet, bezieht Nerdrum in seinem Werk Der Mord an Andreas Baader eine explizit parteiische Position zugunsten der Terroristen.

Welche Funktion hat die Technik der "Unschärfe" in Richters Werken?

Die Unschärfe fungiert als ästhetisches Paradigma für den Erkenntniszweifel des Künstlers und als Barriere, die einen direkten, unreflektierten Zugriff auf das Dargestellte verhindert.

Final del extracto de 45 páginas  - subir

Detalles

Título
Gerhard Richters Bilderzyklus "18. Oktober 1977". Heldenverehrung oder Ideologiekritik?
Universidad
University of Trier  (Kunstgeschichte)
Curso
Gerhard Richter und die deutsche Malerei nach 1945
Calificación
1,0
Autor
Florian Bührer (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
45
No. de catálogo
V319083
ISBN (Ebook)
9783668183469
ISBN (Libro)
9783668183476
Idioma
Alemán
Etiqueta
gerhard richters bilderzyklus oktober heldenverehrung ideologiekritik
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Florian Bührer (Autor), 2012, Gerhard Richters Bilderzyklus "18. Oktober 1977". Heldenverehrung oder Ideologiekritik?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319083
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