Der Bedeutungswandel im Polnischen. Arten, Faktoren, Ursachen und Beispiele


Seminararbeit, 2015
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung und Bedeutungswandel

3. Arten des Bedeutungswandels
3.1. Bedeutungsverengung (Reduktiver Bedeutungswandel)
3.2. Bedeutungserweiterung (Innovativer Bedeutungswandel)
3.2.1. Bedeutungsverbesserung (Melioration)

4. Gründe und Verfahren des Bedeutungswandels

5. Fazit

6. Bibliographie
6.1. Literatur
6.2. Wörterbücher
6.3. Lexika

1. Einleitung

(Tempora mutantur et nos mutamur in illis) - Zeiten ändern sich und wir mit ihnen, was die alten Römer zu sagen pflegten. Umgeschrieben kann man es so äußern: Die Zeiten ändern sich, und die Sprache mit ihnen. Denn Sprache ist nicht eine Schöpfung der statischen Daten die in einer Form, für allemal festgelegt wurde.

In dieser Seminararbeit wird versucht, eine Übersicht des Bedeutungswandels zu geben, die auf Beispielen des polnischen Wortschatzes basieren.

Wie kommt der Bedeutungswandel zustande? Welche Arten von Bedeutungswandel können wir differenzieren? Welche Faktoren und Ursachen lenken den Bedeutungswandel? Welche Polnischen Lexeme haben sich im Wandel der Zeit neu gestaltet?

Die meisten Beispiele, die meine Arbeit anschaulicher machen sollen, sind im Zuge meiner Recherchen entstanden. Ich habe polnische Wörter verglichen, indem ich ihre Gegenwärtige und ihre historische Bedeutung gegenüberstellte. Mit der Hilfe von Gedichten werde ich den damaligen Anwendungsbereich bestimmter Begriffe erklären, und ihre pejorative oder meliorative Bedeutung in unserer Zeit wiedergeben.

2. Bedeutung und Bedeutungswandel

Jedes Wort hat seine Bedeutung. Keller schreibt in seinem Buch „Bedeutungswandel: eine Einführung“, dass es die repräsentationistische und instrumentalistische Bedeutung eines Wortes gibt. Man kann als Bedeutung einer Bezeichnung das auffassen, wofür die Bezeichnung steht, das was sie repräsentiert, also die repräsentiationistische Bedeutungsauffassung.

Die Instrumentalistische Bedeutung eines Lexems wir charakterisiert durch den Aspekt, dem wir verdanken, das wir verstehen können, was derjenige meint, wenn er einen bestimmten Ausdruck anwendet. [vgl. Keller, Kirschbaum „Bedeutungswandel: eine Einführung“: 4];

Im Auftakt des Vorgangs des Bedeutungswandels steht die Semantische Innovation in der Abhandlung eines einzelnstehenden Sprecher oder einer Sprechergruppe. Expandiert diese Innovation durch Konvention und kommunikativen Gewinn, wird dies zu einer Lexikalisierung der Innovation führen. Das besagte Lexem wird eine neue Relevanz erhalten. Tretet diese Innovation in Verbindung mit dem gemeinsprachlichen auf, expandiert dies zur Sprachregel. Die Bedeutung eines Wortes ist nicht immer unvergänglich, sie kann sich ein wenig oder Grundlegend ändern und diachron-deskriptiv untersucht werden. [vgl. T. Bruns „Einführung in die Russische Sprachwissenschaft“:168]

Am Beispiel des Wortes „mysz“ (Maus) wird der Vorgang der Innovation demonstrativ. Die Urfassung der Bedeutung eines Tieres hat sich modifiziert. Heutzutage benutzen wir

dieses Lexem zusätzlich als Zubehör für den Computer, somit ist das die Versprachlichung des neuen Konzepts.

3. Arten des Bedeutungswandels

3.1. Bedeutungsverengung (reduktiver Bedeutungswandel)

Ergebnis der Verringerung des Bedeutungsumfangs eines Lexems: Verengung der Extension eines Semems durch Vermehrung seiner semantischen Merkmale (Spezialisierung)

[Lexikon Sprache: Bedeutungsverengung. Metzler Lexikon Sprache, S. 1258 (vgl. MLSpr: 97) (c) J.B. Metzler Verlag]

Die Bedeutungsverengung drückt das Phänomen aus, bei dem ein ursprünglich gewöhnliches Wort eine spezielle Bedeutung annimmt, eine Reduzierung des Bedeutungsumfanges bzw. des Verwendungskontextes, das Lexem beinhaltet hierdurch weitere spezifische Merkmale. Die Lexeme haben ein wesentlich minderes Anwendungsgebiet als vor dem Wegfall einer oder mehrerer Bedeutungen. Im Polnischen überliefen folgende Wörter den Prozess der Bedeutungsverengung:

Beispiel:

(1) pątnik - pierwotnie ‘podróżnik’, potem ‘podróżnik wędrujący do miejsc świętych’; (vgl. Kleparski:81)1
(2) złodziej - etymologisch als `Bösewicht´, (ten, kto dzieje zło) verstanden, mit dem Laufe hat sich das Wort auf `Dieb` reduziert. [vgl. Nagórko:118] ;

Maria Biskup übermittelt in Ihrem Buch „Sprachwandel Bedeutungswandel: Empirische Studien zur Bedeutungsentwicklung der Personalkollektiva im Deutschen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ einen reduktiven Bedeutungswandel, der auf dem Verlust einer charakteristischen Bedeutung basiert. Eine Variante geht verloren, wenn sie von der Sprachgemeinschaft nicht mehr verwendet wird. [vgl. M. Biskup:60-61]. Das Lexem mit mehreren Sememen verliert ein Semem, eine Bedeutung fällt weg, die Verengung des Bedeutungsumfangs kommt zustande.

Ein weiteres Beispiel ist das Wort (3) „jarzyna“ (dt. Gemüse), welches in der früheren Zeit eine Bedeutung des Getreides, des Frühjahrsaussaats mit sich hatte ('zasiew wiosenny, zboże jare') [vgl. Wielki słownik W. Doroszewskiego].2

Die Bedeutung des Lexems (4) przystojny wandelte im Mittelpolnischen von 'taki, który przystoi; stosowny' [vgl. Wielki słownik W. Doroszewskiego]3, zu schön, ansehnlich. Zu einem schönen Mann sagen wir heutzutage ‘przystojny Meżczyzna’, aber für Frauen wird das Adjektiv ‘ładna’ benutzt.

Heutzutage ist (5) zboże einfach nur Getreide , aber dieses Wort hat im Laufe der Zeit seine Bedeutung reduziert. Im XVI Jhd. drückte zboże „bogactwo, majątek, zbiory” (Reichtum,Vermögen) aus. [vgl. A. Brückner, Słownik etymologiczny języka polskiego: 647];4

(6) Prezerwatywa (das Präservativ) steht in der heutigen polnischen Standartsprache für ein Verhütungsmittel für Männer beim Geschlechtsverkehr, doch noch im Mittelpolnischen bedeutete es „srodek ochronny, zapobiegawczy” ( ein Schützendes Mittel, vorsorglich). Es wurde als Medizin angesehen, es gibt Krankheiten die kann man heilen und es gibt die, die man Vorbeugen kann, die nennt man Präservative) [vgl. Wielki słownik W. Doroszewskiego].5

Eine sehr charakteristische bedeutungsverrengung durchlief das Wort (7) praktyka (die Praktik), dass praktizieren einer Handlung, einer Arbeit. Im 16 Jhd meinte man damit die Wahrsagung, das praktizieren der Voraussage aus den Sternen. [vgl. A. Brückner, Słownik etymologiczny języka polskiego: 434];6

3.2.Bedeutungserweiterung (Innovativer Bedeutungswandel)

Bedeutungserweiterung eines Lexems steht dementsprechend für eine Ausdehnung der Bedeutsamkeit, ein Wort hat zusätzliche Bedeutungen als ursprünglich. Es handelt sich um die vollständig signifikante Entwicklung bei einem Wort, die mittels Methaphorik, Metonymie oder auf eine andere Weise gewonnen werden. [vgl. M. Biskup:59] Es bezieht sich auf die Erweiterung der Lexembedeutung um ein neues Semem, welches bis dato im Lexikon/Wörterbuch nicht registriert wurde. [vgl. M. Biskup:60].

Kommen wir zum ersten Beispiel dieser Art, das Wort (8) „wyraz“ hat heute mehrere Bedeutungen. Die veraltete Variante drückte es folgendermaßen aus: „przedstawiciel, reprezentant“, welche Übersetzt Vetreter, Represäntant bedeutet, im Sinne von einer Statue, Skulptur oder einer Schnitzerei, die eine bestimmte Person repräsentiert.[vgl. wielki slownik W. Doroszewskiego]7

Bis Heute wandelte dieses Lexem seine Bedeutung zu „elementarna jednostka języka, znak pewnego przedmiotu lub pewnej treści”, was ins Deutsche übertragen das Wort heißt.

[...]


1 KLEPARSKI, Grzegorz (1999):Kierunki typologiczne w badaniach nad zmianą znaczeniową wyrazów

2 http://sjp.pwn.pl/doroszewski/jarzyna;5435815.html (abgerufen am 29.02.2015; 17:28)

3 http://sjp.pwn.pl/doroszewski/przystojny;5487181.html (abgerufen am 28.02.2015; 17:57)

4 http://pl.wikisource.org/w/index.php?title=Strona:PL_Aleksander_Br%C3%BCckner- S%C5%82ownik_etymologiczny_j%C4%99zyka_polskiego_665.jpeg&action=edit&redlink=1 (abgerufen am 28.02.2015; 18:23)

5 http://sjp.pwn.pl/doroszewski/prezerwatywa;5481553.html (abgerufen am 7.03.2015; 16:10)

6 http://pl.wikisource.org/w/index.php?title=S%C5%82ownik_etymologiczny_j%C4%99zyka_polskiego/prakty ka&action=edit&redlink=1 (abgerufen am 5.03.2015; 18:42)

7 http://sjp.pwn.pl/doroszewski/wyraz;5521743.html (abgerufen am 27.02.2015; 15:33)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Bedeutungswandel im Polnischen. Arten, Faktoren, Ursachen und Beispiele
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Sprach- und Literaturwissenschft)
Veranstaltung
Polnische Grammatik aus synchroner und diachroner Sicht
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V319142
ISBN (eBook)
9783668182844
ISBN (Buch)
9783668182851
Dateigröße
776 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutungswandel, polnischen, arten, faktoren, ursachen, beispiele
Arbeit zitieren
Patrick Kiraga (Autor), 2015, Der Bedeutungswandel im Polnischen. Arten, Faktoren, Ursachen und Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319142

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