Diese Arbeit zielt darauf ab, einen breiten Überblick zu den wesentlichen Entwicklungen, Hintergründen und Forschungserkenntnissen der Aphasie zu vermitteln. Zunächst wird auf die Bedeutung von Aphasie aus verschiedenen Perspektiven eingegangen, da das Krankheitsbild der Aphasie kein rein sprachheilpädagogisches Problem ist, sondern auch Mediziner, Psychologen, sowie Sprach- und Sozialwissenschaftler beschäftigt. Die heutige Alltagsrelevanz des Themas wird in der Epidemiologie verdeutlich.
Um ein Verständnis von Sprachschädigung und deren Hintergründe bei Aphasien zu vermitteln, werden die Funktion und Lokalisation von Sprache im Gehirn, sowie Symptomatik, Klassifikation und Behandlungsmöglichkeiten von Aphasie thematisiert. Anschließend wird die historische Wandlung des Begriffes erörtert, um den Forschungsverlauf zu verdeutlichen und tiefere Einblicke in die Aphasiologie zu gewähren. Abschließend folgt eine Bewertung der Thematik mit nachgeschaltetem Ausblick.
Die Ausarbeitung folgt in erster Linie dem Werk von Jürgen Tesak „Geschichte der Aphasie. Bamberg: Schulz-Kirchner Verlag."
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Aphasie
2.1. Definition aus funktionalistischer Sicht
2.2. Definition aus medizinischer Sicht
2.3. Definition aus sprachwissenschaftlicher Sicht
3. Epidemiologie
4. Pathologischer Befund
4.1. Sprache im Gehirn
4.1.1. Entstehung von Sprache im Gehirn
4.1.2. Lokalisation der Sprache im Gehirn
4.2. Klassifizierung und Symptome der Aphasie
4.2.1. Klassifizierung und Symptome nach dem Aachener Aphasie Test(AAT)
4.2.2. Weltweit gültige Klassifikation nach ICD-10 (WHO2011)
4.2.3. Mögliche Begleiterscheinungen
5. Behandlung von Aphasien
5.1. Gängige Therapieansätze
5.1.1. Sprach-Sprechtherapie
5.1.2. Musiktherapie
5.1.3. Therapie am PC mit Lernprogrammen
5.1.4. Therapeutische Tele-Therapie
5.1.5. Selbsthilfegruppen
6. Historische Wandlung des Aphasiebegriffes
6.1. Antike
6.2. Mittelalter und Renaissance
6.3. 19. Jahrhundert
6.4. 20. Jahrhundert bis zum zweiten Weltkrieg
6.5. Nachkriegszeit
6.6. Aktuelle Entwicklungen
6.6.1. Medizinische Aphasiologie
6.6.2. Die linguistische Aphasiologie
6.6.3. Neuropsychologische Aphasiologie
6.6.4. Pragmatische Aphasiologie
7. Bewertung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung des Aphasiebegriffes systematisch zu erschließen und dabei die Erkenntnisse aus dem Seminar „Neuropsychologische Grundlagen der Sprachheilpädagogik“ zu vertiefen. Im Zentrum steht dabei die interdisziplinäre Betrachtung von Sprachschädigungen, deren neurologische sowie psychologische Ursachen und die verschiedenen therapeutischen Ansätze zur Behandlung.
- Grundlegende Definition und Klassifizierung von Aphasien
- Neurologische Lokalisation der Sprachfähigkeit im Gehirn
- Historischer Wandel der Aphasiologie von der Antike bis heute
- Methoden und Ansätze in der modernen Aphasietherapie
- Epidemiologie und Alltagsrelevanz des Krankheitsbildes
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Entstehung von Sprache im Gehirn
Nachdem erläutert wurde, dass eine Aphasie eine Störung der Sprache im Gehirn ist, kommen neue Fragen auf: Was ist Sprache? Wie und wo funktioniert Sprache in unserem Gehirn? -Sprache entsteht in Wechselwirkung verschiedener Hirnareale mit unterschiedlichen Funktionsbereichen (vgl. Martin 1998: 289f).
Sie greift beispielsweise durch Grammatik auf Logik, durch Assoziation von Gegenständen und Situationen auf Erinnerung und Kreativität in Form bildlichen Vorstellungsvermögens, als auch durch Rhythmik auf Wahrnehmung zu und bedient sich bekannter Begrifflichkeiten, Zusammenhänge und Sinnbilder aus dem Gedächtnis. Sprache entsteht also, indem verschiedene Gehirnareale miteinander kommunizieren. Bei einem Aphasie-Patienten ist dieses neuronale Netzwerk gestört. Ein Frosch würde zum Beispiel vielleicht als Frosch wahrgenommen werden, dessen Farbe könnte der Patient jedoch nicht benennen. Oder anders herum könnte er nicht das Tier, jedoch dessen Farbe benennen. Ein anderer Aphasie Patient würde einen lauten Donnerschlag nicht mit einem bevorstehenden Unwetter in Verbindung bringen. Wieder ein Anderer lässt beim Sprechen Konsonanten oder gar Laute aus, so dass er sich kaum verbal verständigen kann. Also ist, je nachdem welche Hirnareale geschädigt sind, die Sprachfertigkeit eingeschränkt (vgl. ebd.), (vgl. SprachheilWiki 2009), (vgl. Bartha 2006: 385ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation für diese Arbeit, die aus einem Seminar heraus entstanden ist, und definiert den Fokus auf die historische und fachliche Aufarbeitung des Aphasiebegriffes.
2. Definition von Aphasie: Hier werden unterschiedliche fachliche Perspektiven – funktionalistisch, medizinisch und sprachwissenschaftlich – gegenübergestellt, um den Begriff der Aphasie als neuropsychologische Störung zu schärfen.
3. Epidemiologie: Dieses Kapitel beleuchtet die Verbreitung und Relevanz von Aphasien, wobei der Schlaganfall als häufigste Ursache identifiziert und durch statistische Daten aus Deutschland und den USA belegt wird.
4. Pathologischer Befund: Es wird die neuronale Basis von Sprache, deren Lokalisation im Gehirn sowie verschiedene Klassifikationssysteme (AAT, ICD-10) und Begleiterscheinungen detailliert beschrieben.
5. Behandlung von Aphasien: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Therapieansätze, von der klassischen Sprachtherapie über Musiktherapie bis hin zu computergestützten Verfahren und der Bedeutung von Selbsthilfegruppen.
6. Historische Wandlung des Aphasiebegriffes: Die historische Entwicklung der Aphasiologie wird von der Antike über die Ära von Broca und Wernicke bis hin zu aktuellen interdisziplinären Forschungsansätzen chronologisch nachgezeichnet.
7. Bewertung und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung der interdisziplinären Forschung zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Relevanz von neuen Klassifizierungen und der Erforschung subkortikaler Hirnareale.
Schlüsselwörter
Aphasie, Aphasiologie, Sprachheilpädagogik, Schlaganfall, Gehirn, Sprachstörung, Klassifikation, AAT, Neuropsychologie, Sprachzentrum, Therapie, Historische Entwicklung, Rehabilitation, Lokalisation, Interdisziplinarität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aphasie als neuropsychologischem Krankheitsbild, wobei insbesondere die historische Entwicklung des Begriffs, die neurologischen Hintergründe und die verschiedenen Behandlungsmethoden im Fokus stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition der Aphasie aus verschiedenen Fachdisziplinen, die Epidemiologie, die anatomische Lokalisation von Sprachfunktionen sowie die historische und moderne Entwicklung der Aphasiologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen breiten Überblick über die historische Entwicklung des Aphasiebegriffes zu geben und die komplexen neuropsychologischen Hintergründe von Sprachschädigungen anhand der aktuellen Forschungslage zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse und eine synoptische Auswertung bestehender Theorien, Studien und historischer Dokumente aus der Medizin, Linguistik und Psychologie.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der neurologischen Grundlagen, der Klassifikationssysteme (wie den Aachener Aphasie Test) sowie eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse seit der Antike.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aphasie, Sprachstörung, Klassifikation, Neuropsychologie, interdisziplinäre Forschung und Rehabilitation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Lehre von Broca und Wernicke nach den Ausführungen des Autors?
Während Broca das motorische Sprachzentrum fokussierte, wies Wernicke das sensorische Sprachzentrum nach und entwickelte das Konzept des sensomotorischen Sprachmodells, wodurch eine differenziertere klinische Sicht auf Aphasieformen möglich wurde.
Welche Bedeutung kommt der aktuellen bildgebenden Diagnostik in dieser Arbeit zu?
Der Autor führt aus, dass Verfahren wie CT und MRT die Lokalisationstheorie zwar bestätigten, aber gleichzeitig die Vorstellung einer rein seriellen Verkabelung des Gehirns falsifizierten, da sie die komplexe, auch subkortikale Vernetzung des Gehirns verdeutlichen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2011, Historischer Verlauf und aktueller Stand der Aphasieforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319171