Die Gegenwart ist gekennzeichnet von Beschleunigung, internationalen Verflechtungen und einer wachsenden Intensivierung globaler Beziehungen. Die daraus resultierenden Veränderungen und zahlreichen Umstrukturierungen in gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Bereichen verändern das Gesicht der Gesellschaft. Personen verschiedenster historisch und kulturell geprägter Menschenbilder stoßen aufeinander, die plötzlich mit der Variabilität menschlicher Existenz konfrontiert werden und sich selbst neu verorten müssen.
Bildung hält eine Schlüsselrolle für eine zukunftsfähige Gesellschaft inne, doch wird nun die Globalisierung zu einer der Herausforderungen. Vorherrschende Bildungskonzepte verlieren an Tragfähigkeit und das Erlernen eines konstruktiven Umgangs mit kultureller Vielfalt und unterschiedlichen Wertehaltungen rückt in den Vordergrund. Der Ansatz der interkulturellen Pädagogik gilt als wichtige Fachrichtung in den Erziehungswissenschaften, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen. Kinder und Jugendliche bedürfen interkultureller Lernprozesse und dementsprechender Bildungsangebote, um zu offenen Weltbürgern erzogen zu werden.
Die Schule kann trotz schwieriger Rahmenbedingungen dazu beitragen das interkulturelle Verständnis zu verbessern. Eine Möglichkeit stellt die kulturelle Bildung verstanden als „Lern- und Auseinandersetzungsprozess des Menschen mit sich, seiner Umwelt und der Gesellschaft im Medium der Künste und ihrer Hervorbringungen“, dar. Die kulturelle Bildung besitzt großes Potenzial viele jener Bruchstellen zusammenzufügen und aufzuarbeiten, die entlang des Aufpralls der unterschiedlichen in der Schule nebeneinander existierenden Lebenswelten, entstanden sind.
An dieser Stelle ist insbesondere die Kunstpädagogik dazu aufgefordert, sich mit gesellschaftlicher Diversität auseinanderzusetzen und auf neue gesellschaftliche Prozesse zu reagieren. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde in Gesprächen mit Kunstpädagogen jedoch deutlich, dass die Fachdisziplin nur wenig auf die Globalisierungsphänomene und die damit einhergehenden Folgen vorbereitet ist. Das Gefühl tiefer Ratlosigkeit und Verunsicherung wurde benannt, da alt vertraute Konzepte nicht mehr funktionieren und kaum eine fundierte wissenschaftlich als auch praxisorientierte Auseinandersetzung stattgefunden hat, die Lösungsansätze präsentieren kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Fragestellung und Zielperspektiven
2 Begriffserklärung
2.1 Kultur
2.2 Interkulturelle Pädagogik
2.3 Interkulturelle Kompetenz
2.4 Interkulturelle Kunstpädagogik
3 Handlungstheoretischer Bezugsrahmen: interkulturelle Pädagogik
3.1 Globalisierung und Lokalisierung
3.2 Postkoloniale Perspektive
3.3 Die Notwendigkeit interkulturellen Lernens
3.4 Neue Anforderungen an das Schulsystem
4 Interkulturelle Kunstpädagogik
4.1 Internationale Ausrichtung der Kunstpädagogik
4.2 Das Konzept der Interkulturelle Kunstpädagogik
4.3 Bildwelten in der interkulturelle Kunstpädagogik
4.4 Nürnberger-Paper
4.5 Reaktionen auf das Nürnberger-Paper
5 Interkulturalität im Lehrerberuf
5.1 Interkulturelle Erziehung in der Lehrerausbildung
5.2 Kompetenzen interkultureller Kunstpädagogen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit, interkulturelle Ansätze fest in der Kunstpädagogik zu verankern, und analysiert die daraus resultierenden neuen Anforderungen an die Lehrperson im Kontext gesellschaftlicher Globalisierungsprozesse.
- Transformation des Kunstunterrichts in einer globalisierten Welt
- Die Rolle der interkulturellen Kompetenz für Lehrkräfte
- Herausforderungen durch postkoloniale und interkulturelle Perspektiven
- Analyse und Einordnung des "Nürnberger-Papers" als programmatisches Grundsatzpapier
- Professionalisierung der Lehrerausbildung für heterogene Klassenzimmer
Auszug aus dem Buch
3.1 Globalisierung und Lokalisierung
Die Welt im 21. Jahrhundert ist geprägt von verschiedenen Modernisierungsprozessen. Insbesondere die Globalisierung hat eine neue Weltordnung geschaffen, welche die bisherigen Ordnungssysteme und Formen nationalstaatlicher Souveränität in Frage stellt. Wie bereits in der Einleitung dargestellt, wächst die Heterogenität und die internationale Verflechtung in Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation steigt an. Die Durchdringung ist von einer Intensivierung der globalen Beziehungen sowohl auf individueller, gesellschaftlicher, institutioneller als auch staatlicher Ebene begleitet.
„Global icons“ und „global brands“, welche ein der Teil der ökonomischen Verflechtung sind, lassen Tendenzen der Vereinheitlichung in der globalen Waren- und Konsumwelt abzeichnen. Auch Interdependenzen in Dimensionen des Normativen und Politischen werden produziert, angefangen von den Menschenrechten bis zu den UNESCO-Konventionen, die für die Kunstpädagogik verbindlich sind. Im Zeitalter der Globalisierung geht es jedoch nicht nur darum, ein geordnetes und friedliches Mit-und Nebeneinander verschiedener Kulturen zu schaffen, sondern auch um das Anerkennen des Faktes, dass Prozesse der Überlagerung und Mischung ebenso an gesellschaftlicher und politischer Bedeutung gewinnen.
Die wachsende Heterogenität, geprägt durch migrationsbedingte Prozesse, hat weitreichende Folgen für die verschiedenen Formen menschlichen Zusammenlebens. Die Pluralisierung, die zunehmende Mobilisierung und die weltweite Vernetzung der Kommunikation lassen hybride Mischformen entstehen. Traditionelle Strukturen, Praktiken und Habitusformen können nicht mehr einzelnen nationalen oder soziokulturellen Milieus zugeordnet werden. Der Zugewinn des Individualisierungsprozesses und damit die steigende gesellschaftliche und ökologische Verantwortung des eigenen Handelns, gefördert durch transkulturelle und transnationale Differenzierungen, radikalisieren und beschleunigen sich. Daraus folgt, dass das Gefühl der subjektiven Zuständigkeit und Verantwortung als massive Überforderung des Einzelnen erfahren werden kann. Die wachsende Autonomie lässt das Gerüst der Gesellschaft und damit die Stabilität fragil erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen einer globalisierten Gesellschaft für das Bildungssystem und führt in die Problematik einer notwendigen interkulturellen Öffnung der Kunstpädagogik ein.
2 Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Termini wie Kultur, interkulturelle Pädagogik und Kompetenz, um ein theoretisches Fundament für die Untersuchung zu legen.
3 Handlungstheoretischer Bezugsrahmen: interkulturelle Pädagogik: Es werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie Globalisierung und postkoloniale Einflüsse erörtert, die ein interkulturelles Lernen im Schulsystem zwingend erfordern.
4 Interkulturelle Kunstpädagogik: Dieses Kapitel fokussiert auf die fachspezifische Ausrichtung der Kunstpädagogik, das Nürnberger-Paper und die notwendige inhaltliche Neuorientierung des Kunstunterrichts.
5 Interkulturalität im Lehrerberuf: Die Ausführungen konzentrieren sich auf die Anforderungen an Lehrkräfte sowie die Notwendigkeit, interkulturelle Kompetenz bereits in der universitären Ausbildung als Querschnittsaufgabe zu verankern.
6 Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und betont die Dringlichkeit einer systematischen Integration interkultureller Konzepte in die kunstpädagogische Theorie und Praxis.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kunstpädagogik, Kulturelle Bildung, Globalisierung, Transkulturalität, Lehrerbildung, Interkulturelle Kompetenz, Postkoloniale Perspektive, Heterogenität, Nürnberger-Paper, Bildwelten, Identität, Diversität, Schulentwicklung, Kunstvermittlung, Migrationsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, interkulturelle Ansätze in der Kunstpädagogik zu etablieren und beschreibt die daraus resultierenden Qualifikationsanforderungen an Lehrkräfte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit spannt den Bogen von den theoretischen Grundlagen der interkulturellen Pädagogik über die spezifische Anpassung der Kunstpädagogik bis hin zur Lehrerausbildung.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass ein interkultureller Wandel in der Kunstpädagogik angesichts gesellschaftlicher Pluralität unerlässlich ist und wie dieser professionell umgesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturanalyse und dokumentarische Auswertung von Fachdiskursen, insbesondere in Bezug auf das "Nürnberger-Paper" und aktuelle erziehungswissenschaftliche Positionen.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Modernisierungsprozesse der globalisierten Welt, die Rolle der Bilder in der interkulturellen Vermittlung sowie die Anforderungen an das Profil eines interkulturell kompetenten Lehrers.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Begriffe Interkulturalität, Transkulturalität, Lehrerprofessionalität und Kunstvermittlung sind für die Argumentationsstruktur der Arbeit maßgeblich.
Welche Rolle spielt das Nürnberger-Paper?
Das Nürnberger-Paper dient der Arbeit als zentrales Dokument und programmatischer Leitfaden, der Handlungsempfehlungen für die interkulturelle Kunstpädagogik formuliert.
Wie bewertet die Autorin die Lehrerausbildung im Kontext interkultureller Herausforderungen?
Die Autorin kritisiert das Festhalten an monokulturellen Traditionen und fordert eine grundlegende Neuausrichtung der universitären Ausbildung, um Lehrkräfte auf die Anforderungen einer heterogenen Gesellschaft vorzubereiten.
- Quote paper
- Isabel Andiel (Author), 2015, Die Notwendigkeit interkultureller Kunstpädagogik und die daraus resultierenden Anforderungen an Lehrkräfte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319172