Die neuzeitliche Wunderkritik David Humes


Seminararbeit, 2004
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Wunderkritik David Humes
2.1 „Erster Teil“
2.2 „Zweiter Teil“

3. Darstellung der Kritik an David Humes Thesen
3.1 Richard Swinburne
3.2 Weitere Kritik

4. Eigene Bewertung der Wunderkritik David Humes

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Das größte unzerstörbare Wunder ist der Menschenglaube an Wunder.“ So Jean Paul, ein deutscher Erzähler aus dem 19. Jahrhundert.[1]

In meiner vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich, vornehmlich am Beispiel von David Humes[2] Wunderkritik[3], eingehend mit der Frage der Existenz von göttlichen Wundern und deren Beweisbarkeit beschäftigen.

Eingangs möchte ich zunächst die Positionen des Erkenntnistheoretikers David Hume vorstellen, ohne jedoch auf die Biografie des Autors einzugehen. Einen weiteren Teil meiner Arbeit wird anschließend die Darstellung der Kritik an den Thesen David Humes einnehmen. Dabei werde ich besonders auf Richard Swinburne eingehen.

Nach der Kritik an David Hume gilt meine Aufmerksamkeit meiner eigenen Bewertung der Wunderkritik David Humes. Wunder spielen in der katholischen Kirche eine durchaus große Rolle[4]. Sie dienen als Beweise für die Existenz Gottes und für dessen Offenbarung[5]. Gerade die Beweisbarkeit und die rationale Bewertung von Wundern soll im Zusammenhang mit David Humes Ausführungen thematisiert werden.

An dieser Stelle möchte ich kurz auf mein eingangs aufgeführtes Zitat eingehen. Es sagt sehr deutlich, dass es sehr verwunderlich sei, dass Menschen an Wunder glauben. In der Interpretation dessen kann man darauf schließen, dass der Autor nicht ganz nachvollziehen kann, warum Menschen, ohne rational schlüssiges und den allgemeinen Regeln der Beweisführung folgendes Beweismaterial, an Wunderberichte glauben. Dieses Problem ist auch der Ausgangspunkt David Humes und soll jetzt im Mittelpunkt meiner Ausführungen stehen.

2. Darstellung der Wunderkritik David Humes

2.1 „Erster Teil“

In David Humes Ausführungen wird relativ schnell deutlich, dass er sein Wirken eigentlich in den Dienst der Erkenntnistheorie gestellt hat und ausgehend davon den Versuch unternimmt, das Auftreten von Wundern kritisch zu beurteilen.[6]

„Ein kluger Mensch richtet sich in seinem Glauben deshalb nach der Evidenz.“[7] Dies ist dabei Humes Ausgangsposition. Er stellt fest, dass die Beurteilung von Geschehnissen durch die Erfahrung geleitet würde. Würde ein Ereignis von ähnlichen, früheren Beobachtungen bestätigt und wiederholt sich also in der Beobachtung die Erfahrung, so würde uns die Echtheit und Rationalität dessen als sicher scheinen. Jedoch sei es auch möglich, dass man durch die Realität in seiner von der Erfahrung bedingten Erwartung enttäuscht wird, da es sich letztlich um sehr subjektive Eindrücke der Realität und nicht um wissenschaftlich fundiertes Gut handelt. Es sei also logisch, „[…] dass es in unserem Urteil über Tatsachen alle erdenklichen Grade der Sicherheit gibt: von der höchsten Gewissheit bis zur niedersten Art moralischer Evidenz.“[8] Letztlich würde dem Menschen die Aufgabe zu teil zwischen seinen Beobachtungen und Erwartungen abzuwägen und je nach Gewissheitsgrad der Erfahrung ein Urteil zu fällen. Laut Hume würde die Evidenz des Urteils von einem „[…] Gegensatz von Erfahrungstatsachen und Beobachtungen […]“[9] getragen und wäre im eigentlichen Sinne lediglich eine Wahrscheinlichkeit.

David Hume projektiert seine allgemeinen Vorüberlegungen dann auf den konkreteren Fall der Augenzeugenberichte, die gerade für die Beurteilung von Wundern eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Als weitere Vorbemerkungen erwähnt Hume, dass die Bereitschaft, menschlichen Augenzeugenberichten Glauben zu schenken, auf der Erfahrung beruhe, dass Menschen eher die Wahrheit sagen als zu lügen, da der Mensch von Natur aus redlich sei. Gerade deshalb sei es von überaus großer Bedeutung, dass je unwahrscheinlicher ein bezeugtes Ereignis ist, desto glaubwürdiger muss der Mensch sein, der von diesem Ereignis Zeugnis ablegt.

Prinzipiell müsse laut Hume ein Abwägen entgegen gesetzter Argumente stattfinden, falls das bezeugte Ereignis „[…] in den Bereich des Außerordentlichen und Wunderbaren[…]“[10] gehöre. Es sei dem erfahrungsgemäß stärksten Argument zu folgen, welches allerdings in seinem Gewissheitsgrad durch das schwächere Argument eingeschränkt wird.

Im Anschluss daran kommt David Hume zum eigentlichen Kern seiner Ausführungen, nämlich der Beschäftigung mit der Beweisbarkeit von Wundern.

„Um aber die Wahrscheinlichkeit gegen die Zeugenaussage zu steigern, wollen wir annehmen, dass die behauptete Tatsache, anstatt nur erstaunlich zu sein, wirklich ein Wunder ist, und ebenso, dass das Zeugnis für sich betrachtet einem vollen Beweis gleichkäme.“ [11]

Im Anschluss daran definiert Hume ein Wunder als eine Durchbrechung der Naturgesetze und stellt fest, dass ein Wunder daher den denkbar größten Grad an Unwahrscheinlichkeit besitzt, weil es auf natürlichem Weg ohne Eingriff in die Gesetzmäßigkeiten der Natur unmöglich sei und ein Wunder immer allen Erfahrungen widerspreche. Laut Hume sei die Unwahrscheinlichkeit der Täuschung oder der Lüge des Zeugen, die mit der des Wunders konkurriert, maximal gleich groß aber auf keinen Fall größer, da Täuschung oder Lüge nicht den Gesetzen der Natur widersprechen.

Hume folgert daraus, dass prinzipiell die Existenz von Wundern möglich sei, dennoch aber der Beweis einer Durchbrechung der Naturgesetze nicht leistbar wäre, da die Unwahrscheinlichkeit eines Wunders immer schwerer wiegen würde als die Unwahrscheinlichkeit einer Lüge oder einer Täuschung durch den Zeugen. Positiv formuliert: Letzterer Fall besitzt eine größere Wahrscheinlichkeit als das Auftreten eines Wunders.

[...]


[1] Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Erzähler, 1763 bis 1825.

[2] David Hume machte sich als Erkenntnistheoretiker einen Namen. Von seiner Ausbildung her war er Philosoph, Ökonom und Historiker. Davis Hume war Schotte und wurde 1711 geboren und verstarb 1776. Er gilt bis heute als Begründer der modernen Religionsphilosophie, da er sich als Religionskritiker sehr intensiv mit der Analyse der Wahrheit und der Bedeutung des religiösen Glaubens widmete. Siehe dazu: Buchegger, Josef: David Humes Argumente gegen das Christentum. Frankfurt am Main 1987. und: Streminger, Gerhard: Hume. Reinbek bei Hamburg 1986.

[3] David Hume veröffentlichte seinen Beitrag „Über Wunder“ (deutsche Übersetung) zur Wunderkritik 1748 als zehnten Abschnitt seines Essays „An Enquiry Concerning Human Understanding“.

[4] Katholische Kirche: Katechismus der Katholischen Kirche. München 1993: „Damit […] äußere Beweise seiner Offenbarung verbunden werden" (ebd.: DS 3009). So sind die Wunder Christi und der Heiligen [Vgl. Mk 16,20; Hebr 2,4.], die Weissagungen, die Ausbreitung und Heiligkeit der Kirche, ihre Fruchtbarkeit und ihr Fortbestehen ,,ganz sichere und dem Erkenntnisvermögen aller angepaßte Zeichen der göttlichen Offenbarung" (DS 3009), Beweggründe der Glaubwürdigkeit [Vgl. DS 3013.], die zeigen, daß ,,die Zustimmung zum Glauben keineswegs eine blinde Regung des Herzens ist" (DS 3010).“

[5] Katholische Kirche: Katechismus der Katholischen Kirche. München 1993: „Durch seine Taten, seine Wunder, seine Worte wurde offenbar, daß in ihm ,,die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig" wohnt (Kol 2,9).“

[6] In diesem Kapitel (2.1) meiner Hausarbeit beziehe ich mich auf David Humes Abhandlung „Über Wunder“ in: Herring, Herbert (Hrsg.): Deutsche Übersetzung von: Hume, David: An Enquiry Concerning Human Understanding. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe; Stuttgart 1982. Seiten 141 bis 149. Ich werde daher nicht jede einzelne vom Inhalt her übernommene Textstelle meiner Arbeit kennzeichnen, da ich dies hier pauschal für dieses Kapitel tue.

[7] Herring, Herbert (Hrsg.): Deutsche Übersetzung von: Hume, David: An Enquiry Concerning Human Understanding. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe; Stuttgart 1982. Seite 143.

[8] Herring, Herbert (Hrsg.): Deutsche Übersetzung von: Hume, David: An Enquiry Concerning Human Understanding. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe; Stuttgart 1982. Seiten 142 bis 143.

[9] Herring, Herbert (Hrsg.): Deutsche Übersetzung von: Hume, David: An Enquiry Concerning Human Understanding. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe; Stuttgart 1982. Seite 143.

[10] Herring, Herbert (Hrsg.): Deutsche Übersetzung von: Hume, David: An Enquiry Concerning Human Understanding. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe; Stuttgart 1982. Seite 145.

[11] Herring, Herbert (Hrsg.): Deutsche Übersetzung von: Hume, David: An Enquiry Concerning Human Understanding. Durchgesehene und verbesserte Ausgabe; Stuttgart 1982. Seite 147.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die neuzeitliche Wunderkritik David Humes
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Seminar Das Handeln Gottes in der Welt
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V31919
ISBN (eBook)
9783638327879
ISBN (Buch)
9783638761215
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wunderkritik, David, Humes, Seminar, Handeln, Gottes, Welt
Arbeit zitieren
Michael Fischer (Autor), 2004, Die neuzeitliche Wunderkritik David Humes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31919

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