Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen. Chancen und Risiken für Partnerschaft und Beziehungen


Hausarbeit, 2011
20 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung ... 1

2.Theoretische Grundlagen ... 2
2.1. Mobilkommunikation ... 2
2.2. Soziale Beziehungen ... 3

3.Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen ... 5
3.1. Mobilkommunikation und Paarbeziehungen ... 5
3.1.1. Entstehung neuer Beziehungen durch Mobilkommunikation ... 5
3.1.2. Veränderung bestehender Beziehungen durch Mobilkommunikation ... 7
3.2. Mobilkommunikation und Familie ... 11

4.Fazit .... 16

5.Literaturverzeichnis ... 17

1.Einleitung

Technisch vermittelte Kommunikation ist heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Vor allem das Handy erscheint vielen Menschen unverzichtbar. Das Medium vereint vielfältige Funktionen, wie telefonieren, SMS versenden, Wecker, Uhr und Spiele und ist deswegen nicht mehr nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich zunehmend verbreitet. Die Anzahl der in 100 Haushalten vorhandenen mobilen Telefone (Ausstattungsbestand) betrug ca. 157 im Jahr 2009. 2004 gab es in 100 Haushalten erst knapp 115. Auch die Zahl der mobilen Computer (Notebook, Laptop o.ä.) stieg in dieser Zeitspanne von knapp 15 auf ca. 48 Stück.1 Nicola Döring spricht deswegen von einer „Veralltäglichung der Mobil-Medien“2, welche die Möglichkeiten zur sozialen Kommunikation enorm erweitern.

Sozialwissenschaftliche Analysen von Mobilkommunikation gewinnen folglich zunehmend an Bedeutung. Da zudem soziale Beziehungen für den Menschen unverzichtbar sind, ist es umso wichtiger, den Einfluss von mobiler Kommunikation auf soziale Beziehungen zu untersuchen. Es handelt sich dabei allerdings um einen relativ neuen sozialwissenschaftlichen Bereich und Ergebnisse aus systematisch empirischen Studien sind bisher eher begrenzt. Feldhaus spricht sogar von einer Forschungslücke3.

Im Folgenden werde ich die wenig systematischen, meist eher anekdotischen Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von mobiler Kommunikation mit sozialen Beziehungen präsentieren. Dabei beschränke ich mit, wegen des begrenzten Umfangs dieser Hausarbeit auf die sozialen Beziehungen zwischen Paaren und in Familien. Die Betrachtung der Familien ist dabei zusätzlich auf die Beziehung zwischen Eltern und Kindern beschränkt. Geschwister-Beziehungen, Großeltern-Enkel-Beziehungen oder andere verwandtschaftliche soziale Konstrukte können aus Platzgründen nicht beachtet werden.

Ich möchte in meiner Arbeit der Frage nachgehen, ob mobile Kommunikation der Anbahnung, Stabilisierung oder Auflösung sozialer Beziehungen dient. Welche Chancen und Risiken für Paarbeziehung und Familie bringt Mobilkommunikation mit sich? Welche Funktionen kann sie erfüllen und ist das Mobiltelefon vielleicht vielmehr ein Konfliktauslöser als ein Konfliktlöser?

Zum Verständnis der theoretischen Grundlagen werde ich dafür zunächst die Begriffe der Mobilkommunikation und der sozialen Beziehung näher erläutern. Anschließend gehe ich auf die Einflüsse mobiler Kommunikationsmöglichkeiten auf die Paarbeziehung und insbesondere darauf, wie sich neue Paarbeziehungen mit Hilfe von Mobilkommunikation anbahnen und wie sich bestehende Beziehungen verändert können ein. Danach folgt die Beschreibung der Implikationen mobiler Kommunikation auf die Eltern-Kind-Beziehung innerhalb von Familien.

2.Theoretische Grundlagen

2.1. Mobilkommunikation

„Allgemein handelt es sich bei Mobilkommunikation um digitale Kommunikation mittels portabler, vernetzter Informations- und Kommunikationsgeräte“.4

Charakteristisch sind sowohl Nutzer- als auch Gerätemobilität5. Mit mobilen Medien lassen sich vier unterschiedliche Kommunikationsformen realisieren6. Bei mobiler Individualkommunikation sind einzelne Personen im Kommunikationsprozess aktiv. Ein Individuum kann dabei sowohl mit sich selbst (z.B. in Form von schriftlichen Memos auf dem Handheld zur späteren Erinnerung), als auch mit anderen kommunizieren (z.B. in Form von SMS-Mitteilungen). Unter Gruppenkommunikation versteht man die multidirektionale Kommunikation innerhalb von kleinen oder größeren Gruppen von Menschen (z.B. in Form eines SMS-Verteilers).7 Ferner ermöglichen mobile Medien die Unikommunikation. Darunter versteht man die Bedeutungsvermittlung zwischen einem Individuum und einem Publikum, welche beispielsweise durch eine persönliche WAP-Seite des Individuums verwirklicht werden kann.8 Weiterhin lässt sich auch Massenkommunikation mobil realisieren. So kann ein disperses Publikum beispielsweise Radio-Sendungen einer Medienorganisation auf dem Handy empfangen.9

Die drahtlose Vernetzung stationärer Geräte (z.B. Funkanbindung von Desktop-Computern) und Medien, die sich zwar ortsunabhängig nutzen lassen, aber keine Anbindung an ein Kommunikationsnetzwerk benötigen (z.B. Walkman, Zeitung) gehören nicht zur Mobilkommunikation.10

Mobile Endgeräte zeichnen sich durch eine geringe Größe, ein geringes Gewicht und die Unabhängigkeit von Stromquellen aus. Hinsichtlich ihrer Kernfunktionen lassen sich mobile Telefone (z.B. Handy), elektronische Notizbücher (z.B. Handheld) und tragbare Computer (z.B. Laptop) unterscheiden. Innerhalb dieser einzelnen Gruppen kommt es zuweilen zu Gerätedivergenzen, während sich zwischen den Gruppen Gerätekonvergenzen zeigen.11 So wird gelegentlich der wachsende Funktionsumfang mobiler Endgeräte problematisiert.12

Bei der Nutzung diverser Internetdienste via Mobilfunk (mobiles Internet) werden die regulären Webseiten auf die kleinen Displays und beschränkten Eingabemöglichkeiten zugeschnitten.13

Die populärste Variante der Mobilkommunikation ist die Handy-Kommunikation. Das Mobiltelefon ist handlich und bietet den Vorteil, dass es zu jeder Zeit und an jedem Ort an ein Mobilfunknetz angeschlossen werden kann.14 Mobiltelefonie und Kurzmitteilungsdienste sind die kommerziell erfolgreichsten und meistgenutzten mobilen Dienste.15

Das wichtigste Merkmal mobiler Kommunikationsmedien ist, dass sie einen allgegenwärtigen und permanenten Zugang zum digitalen Informations- und Kommunikationsnetz bieten. Anders als bei der herkömmlichen drahtgebundenen Telekommunikation ist der Mensch nicht weiter an fixe lokale Zugangspunkte und somit auch weniger an bestimmte Nutzungszeiten gebunden. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung zu einer hochgradig mobilen Informations- und Mediengesellschaft bietet diese örtliche und zeitliche Entgrenzung dem freizeit- und berufsmobilen Menschen vielfältige, neue Kommunikationsmöglichkeiten.16

2.2. Soziale Beziehungen

„Zwischen zwei Personen besteht eine soziale Beziehung, wenn sie wiederholt miteinander Kontakt haben, also mehrfach zeitversetzt kommunizieren oder zeitgleich interagieren. Im Unterschied zum sozialen Kontakt als Einzelereignis erstrecken sich soziale Beziehungen über mehrere Zeitpunkte, so dass jeder einzelne Kontakt sowohl von den vorausgegangenen, als auch von der Erwartung zukünftiger Kontakte beeinflusst wird. Bei den einzelnen Kontakten handelt es sich keineswegs immer um Face-to-Face-Kontakte, sondern auch um Telefon-, Brief-, E-Mail-, Chat-, SMS- oder sonstige mediatisierte oder virtualisierte Kontaktformen. Die subjektive Bedeutung der einzelnen Kontakte ist dabei weniger vom Medium, als vielmehr von den Inhalten und Funktionen der einzelnen Kommunikationen bzw. Interaktionen abhängig.“17 Im Verlauf der Entwicklung einer sozialen Beziehung müssen die Beteiligten – beispielsweise durch das wechselseitige Abklären von Erwartungen oder durch die Institutionalisierung von Gewohnheiten - eine gemeinsame Beziehungsdefinition aushandeln.18

Die spezifische Gestaltung sozialer Beziehungen hängt von den Dispositionen der Individuen und von den soziokulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab.19 Die Gesamtheit der sozialen Beziehungen einer Person ergeben schließlich ihr soziales Netzwerk.20

Soziale Beziehungen lassen sich hinsichtlich verschiedener Kriterien in Beziehungstypen einteilen. Hinsichtlich ihrer Funktionen lassen sich soziale Beziehungen in formale und persönliche Beziehungen einteilen. Durch formale Beziehungen werden Personen in Funktionssysteme und durch persönliche bzw. informale Beziehungen in soziale Systeme eingebunden. Nach Döring kennzeichnet sich ein Funktionssystem durch den Austausch von Verschiedenem, während in sozialen Systemen der Austausch von Ähnlichem bzw. Gleichem kennzeichnend ist. Informale Beziehungen können durch individuelle Aushandlungen von Regeln und Zielen freier gestaltet werden als formale Beziehungen. Gemäß der subjektiven Bedeutsamkeit von sozialen Beziehungen lassen sich schwache und starke Beziehungen unterscheiden. Starke Beziehungen kennzeichnen sich durch Emotionalität, Intimität und vor allem durch einen starken Verpflichtungscharakter. Schwache Bindungen sind im Vergleich weniger intim und emotional und haben somit auch einen geringeren verpflichtenden Charakter. Auf einer dritten Ebene unterscheidet man nach der Art der jeweiligen Rollen der Beziehungspartner.21

Soziale Beziehungen durchlaufen im Zeitverlauf in der Regel vier Phasen. Für die Aufbauphase sind Gelegenheiten des Kennenlernens und die wechselseitige Wahrnehmung von Sympathie und Attraktivität relevant. Die Bestandsphase zeichnet sich dadurch aus, dass Unsicherheiten soweit reduziert werden, bis sich die Beteiligten über eine gemeinsame Beziehungsdefinition einig sind und dies nach außen vertreten. Je nach Beziehungstyp verläuft diese Phase unterschiedlich. So kann die gemeinsame Beziehungsdefinition explizit als Wendepunkt, aber auch implizit im Laufe der Zeit entwickelt werden. Weiterhin können kritische Lebensereignisse zu einer Krisenphase führen. Sowohl äußere Ereignisse, wie zum Beispiel Geburten oder Todesfälle, als auch Inkompatibilitäten zwischen den persönlichen Entwicklungen der jeweiligen Beziehungspartner können Krisen heraufbeschwören. Die Auflösungsphase kann schleichend vorangehen (z.B. durch seltener werdende Kontakte) oder auch durch klare Wendepunkte (z.B. Kündigung) herbeigeführt werden.22

Sowohl romantische (Paar-)Beziehung, als auch familiale Beziehungen sind persönliche Beziehungen. Erstere grenzen sich durch die Wählbarkeit der Beziehungspartner und durch offene Sexualität von Familienbeziehungen ab. Verwandtschaftliche Beziehungen sind dahingegen biologisch konstituiert.23

Nach Burkart ist die Bindung in der (post-)modernen Paarbeziehung kein Wert mehr an sich. Sie ist nicht das Ziel, sondern der Weg zum Glück. Früher waren Paarbeziehungen auf die materielle Versorgung und Sicherheit des Lebens gegründet, Liebe spielte eine geringe Rolle. Heute ist die Liebe der einzig legitime Bindungs- bzw. Heiratsgrund, denn die psychologische Qualität von Paarbindungen gewinnt an Bedeutung. Soziale Beziehungen sollen Liebe, Zufriedenheit, Verständnis, Vertrauen, sexuelle Erfüllung und vor allem Glück vermitteln. Außerdem sollen sie der persönlichen Entwicklung der Beteiligten förderlich sein.24 Die postmoderne Paarbeziehung wird zudem immer häufiger als befristet akzeptiert.25 Es gilt die Maxime: „Lieber sich trennen als eine schlechte Beziehung fortsetzen“26.

Mit Ausnahme derjenigen sozialen Beziehungen, die im eigenen Haushalt oder am Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz gepflegt werden können, erfolgt die Pflege sozialer Beziehungen heute hauptsächlich medial vermittelt. Mit der zunehmenden geografischen Mobilität und den damit einhergehenden räumlichen und zeitlichen Trennungen der Beziehungspartner steigt allerdings die Bedeutung von (mobilen) Individualmedien für bestehende soziale Beziehungen.27

[...]


1 Vgl. Statistisches Bundesamt 2009

2 Vgl. Döring 2004: 251

3 Vgl. Feldhaus 2004: 33

4 Vgl. Schiller zit. nach Döring 2008: 220

5 Vgl. Döring 2008: 225

6 Vgl. Döring 2004: 243

7 Vgl. Döring 2008: 222f.

8 Vgl. Döring 2004: 243

9 Vgl. Döring 2008: 223

10 Vgl. Döring 2004: 243

11 Vgl. Döring 2004: 244

12 Vgl. Döring 2008: 221

13 Vgl. Döring 2004: 246

14 Vgl. ebd.: 242

15 Vgl. ebd.: 247

16 Vgl. Döring 2008: 225

17 Vgl. Döring 2003a: 403

18 Vgl. Döring 2004: 253

19 Vgl. ebd.: 253

20 Vgl. Döring 2003a: 409

21 Vgl. ebd.: 404ff.

22 Vgl. Döring 2003a: 417

23 Vgl. ebd.: 413

24 Vgl. Burkart 2001: 28

25 Vgl. Döring 2003b: 537

26 Vgl. Burkart 2001: 28

27 Vgl. Döring 2003a: 421

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen. Chancen und Risiken für Partnerschaft und Beziehungen
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V319266
ISBN (eBook)
9783668184299
ISBN (Buch)
9783668184305
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, mobilkommunikation, beziehungen, chancen, risiken, partnerschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen. Chancen und Risiken für Partnerschaft und Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319266

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