Diese Arbeit soll, durch die Analyse bereits bestehender Literatur, untersuchen, ob das Ziel einer besseren Koordination von Entwicklungshilfen effizienter durch eine Fokussierung auf multilaterale Institutionen erreicht werden könnte, als es aktuell durch die Vielzahl bilateraler Partnerschaften der Fall ist. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil der Entwicklungshilfeetats ein tendenziell schrumpfender Posten ist. Da also nicht allein auf eine Erhöhung der Beiträge zur Entwicklungshilfe gebaut werden kann, um für bessere Verhältnisse in den Entwicklungsländern zu sorgen, rückt ein effizienterer Umgang mit den gegebenen Ressourcen umso stärker in den Mittelpunkt.
Bevor sich der Bearbeitung dieser Fragestellung gewidmet wird, soll der Begriff der "Entwicklungshilfe" sowie dessen bi- und multilaterale Ausprägungen für ein besseres Verständnis und angemessene Nachvollziehbarkeit näher erläutert werden. Der Ausdruck der Entwicklungshilfe wird oft kritisiert, weil er stark wertbeladen ist. Bevorzugt wird daher oftmals der Begriff der Entwicklungszusammenarbeit, da dieser eher die Partnerschaft zwischen gleichberechtigten Akteuren ausdrückt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungshilfe: Definition, Historie, Motive
3. Multi- versus bilaterale Entwicklungshilfe
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis bestehender Literatur, ob eine stärkere Fokussierung auf multilaterale Institutionen zu einer effizienteren Koordination in der Entwicklungszusammenarbeit führen kann, als dies bei der aktuellen Vielzahl bilateraler Partnerschaften der Fall ist.
- Analyse der Effizienzunterschiede zwischen bilateraler und multilateraler Entwicklungshilfe
- Untersuchung der Rolle nationalstaatlicher Eigeninteressen der Geberländer
- Bewertung von Transaktionskosten und Koordinierungsproblemen in der Entwicklungszusammenarbeit
- Diskussion der Konzepte von Global Governance und Geberkoordinierung
- Reflektion über historische Entwicklungsdekaden und deren politische Prioritäten
Auszug aus dem Buch
3. Multi- versus bilaterale Entwicklungshilfe
Nachdem im vorigen Teil dieser Arbeit im Groben bereits die jeweiligen Vor- und Nachteile sowohl multi- als auch bilateraler Entwicklungszusammenarbeit genannt wurden, soll nun zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage noch einmal etwas tiefer in diese Debatte eingestiegen werden, wobei sich an den Argumentationslinien der vorhandenen Literatur orientiert wird.
Dass die Koordination von Entwicklungshilfe nicht nur ein wissenschaftlich diskutiertes Problem ist wird dadurch deutlich, dass Geberkoordination schon seit Jahrzehnten ein Dauerthema internationaler Entwicklungspolitik ist, wie z.B. auf DAC-Konferenzen oder auf EU-Ebene (Nuscheler 2005: 506). Deutlich wird das Bewusstsein dieser Problematik auch in dem Zustandekommen der „Paris Declaration on Aid Effectiveness“ 2005. Hier hat sich die internationale Gebergemeinschaft erstmals dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Verbesserung der Koordination im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit zu ergreifen (Nunnenkamp/Öhler/Thiele 2012). Dass es Handlungsbedarf hin zu einer besseren Koordination gibt, wird also von allen beteiligten Akteuren anerkannt. Die Frage, ob die Abschaffung bilateraler und eine Fokussierung auf multilaterale Entwicklungshilfe sein die Lösung sein könnte, wird nicht nur in dieser Arbeit gestellt. Denn genau das forderte der OECD Generalsekretär und sprach sich dafür aus, die gesamte ODA über die Weltbank als multilaterale Institution laufen zu lassen (Nuscheler 2005: 506). Auf den ersten Blick könnte man dieser Forderung zustimmen, sind es doch gerade die ökonomischen und politischen Eigeninteressen, die für Geberländer eine prominente Rolle bei der Vergabe bilateraler Entwicklungshilfen spielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem der hohen Transaktionskosten durch mangelnde Koordination in der Entwicklungszusammenarbeit und leitet die Forschungsfrage ab, ob eine stärkere multilaterale Ausrichtung hier Abhilfe schaffen kann.
2. Entwicklungshilfe: Definition, Historie, Motive: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Entwicklungshilfe, betrachtet die historische Entwicklung über verschiedene Dekaden und analysiert die ökonomischen sowie politischen Motive hinter den Leistungen.
3. Multi- versus bilaterale Entwicklungshilfe: Der Hauptteil vergleicht bilaterale und multilaterale Hilfsansätze im Kontext der Geberkoordination und analysiert die Vor- und Nachteile im Hinblick auf Interessenkonflikte und Effizienz.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und schlussfolgert, dass nationale Eigeninteressen der Geber das größte Hindernis für eine verbesserte Koordination bleiben.
Schlüsselwörter
Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Geberkoordinierung, Multilateralismus, Bilaterale Hilfe, Transaktionskosten, ODA, Lieferbindung, Global Governance, Effizienz, Weltbank, Entwicklungspolitik, Geberländer, Empfängerländer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Koordination internationaler Entwicklungshilfe und untersucht den Vergleich zwischen bilateralen und multilateralen Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Entwicklungshilfe, historische Entwicklungsdekaden, Motive von Geberländern sowie das Problem der Transaktionskosten und der Geberkoordination.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, ob eine Fokussierung auf multilaterale Institutionen die Effizienz und Koordination der Entwicklungshilfe im Vergleich zur aktuellen bilateralen Praxis steigern könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Positionen und empirische Debatten zur Entwicklungspolitik zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil vertieft die Debatte über multi- versus bilaterale Hilfen, analysiert die "Paris Declaration on Aid Effectiveness" und diskutiert die Konsequenzen nationaler Eigeninteressen der Geber.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Geberkoordinierung, Transaktionskosten, ODA-Quote, Lieferbindung und multilaterale Kooperation.
Welche Rolle spielen "Eigeninteressen" der Geberländer?
Die Arbeit identifiziert diese als das größte Hindernis für eine effiziente Koordination, da politische und ökonomische Interessen oft über dem effektiven Bedarf der Empfängerländer stehen.
Warum ist eine "monopolistische" multilaterale Struktur problematisch?
Laut der Arbeit würde eine Verlagerung auf eine einzige Institution (z. B. nur die Weltbank) zwar Koordinationsprobleme lösen, aber die Zahlungsbereitschaft der Geberländer vermutlich senken, da ihre spezifischen nationalen Anreize entfallen würden.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2015, Entwicklungshilfe. Bessere Koordination durch multilaterale Institutionen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319295