Exlibris. Die Entwicklung des Bucheignerzeichens vom Gebrauchsgegenstand zum Sammelobjekt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
13 Seiten, Note: 1,7
Jenny Muth (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung und Entwicklung

3 Formen und Gestaltung von Exlibris

4 Funktionen von Exlibris
4.1 Das Sammelobjekt
4.2 Das Forschungsobjekt

5 Vom Gebrauchsgegenstand zum Sammelobjekt

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Im Laufe der Zeit hat sich das Exlibris durch verschiedene Einflüsse in seiner Funktion und seinem Äußeren stark gewandelt. Vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Exlibris vom Gebrauchsgegenstand zum Sammelobjekt genauer und betrachtet seinen Stand in der heutigen Zeit.

Dadurch, dass Exlibris sowohl historisch, kulturell als auch kunstgeschichtlich von Belang sind, haben sich bereits zahlreiche Forscher aus unterschiedlichster Motiva- tion mit dem Thema befasst. Bereits um das Jahr 1900 herum hat sich Leiningen- Westerburg mit Exlibris auseinander gesetzt.1 In die gleiche Zeit ist auch Walter von zur Westen, welcher den Begriff Bucheignerzeichen mit seinem Werk Exlibris (Buch- eignerzeichen) eingeführt hat, einzuordnen.2 Des Weiteren zu nennen ist Richard Braungart, der sich vor allem mit den moderneren Exlibris seiner Zeit, aber auch mit Frauenexlibris beschäftigte. Neuere Erkenntnisse haben Anneliese Schmitt mit ih- rem Buch Deutsche Exlibris, sowie Elke Schutt-Kehm gesammelt.

Die Entwicklung der Bucheignerzeichen vom Nutzungsobjekt hin zum Sammelgut wird in der Forschung oft angesprochen. Dabei wird ersichtlich, dass diese Wand- lung nicht überall Anklang fand und einige Zeit umstritten war.3 Daher ist es umso interessanter, warum eine Veränderung in der Nutzungsweise von Exlibris trotz- dem zu Stande kommen konnte und wie sie sich auf unseren heutigen Umgang mit Exlibris ausgewirkt hat.

Um dieser Frage näher zu kommen, habe ich mich zunächst mit der Geschichte der Exlibris als auch ihrem heutigen Stand beschäftigt. Verschiedenen Funktionen die das Bucheignerzeichen hier jeweils erfüllt sind dabei hilfreich. Auch die Vielfalt an Formen und Gestalten, die das Exlibris im Laufe der Jahre annimmt sind Faktoren, die beachtet werden müssen. Die folgende Arbeit wird einen Überblick über jene Aspekte geben, welche die Entwicklung der Exlibris geprägt und möglich gemacht haben.

2 Entstehung und Entwicklung

Als Exlibris bezeichnet man lose Blätter, welche einzeln auf dem vorderen Innendeckel eines Buches eingeklebt werden. Ihre ursprüngliche Aufgabe war es, das Eigentumsverhältnis an einem Buch klar zu stellen und dafür zu sorgen, dass ein verliehenes Buch in gutem Zustand wieder zu seinem Besitzer zurück fand.4

Der Begriff ex libris stammt ursprünglich aus dem lateinischen und bedeutet übersetzt in etwa „aus den Büchern von“. Nicht jedes Exlibris jedoch enthält zwangsläufig diese Worte. Variationen wie ex bibliotheca, ad bibliothecam oder die deutschen Formen Aus der Büchersammlung und Aus der Bücherrei treten ebenfalls auf. 5 Spricht man heute von Exlibris stößt man häufig auch auf die Begriffe Bücherzeichen, Bucheignerzeichen oder Bucheigentumszeichen.

Was genau als das erste Exlibris bezeichnet werden kann, ist noch immer umstritten. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass die Definition davon, was als Exlibris gilt, weit gefasst werden kann. So ist manchen Aussagen zufolge das älteste be- kannte Exlibris ein um 1400 entstandenes ägyptisches Fayance-Täfelchen, welches man vermutlicher Weise damals in ein Kästchen zu Papyrusrollen legte.6 Andere Meinungen besagen, dass die ersten Exlibris erst 70 Jahre später im deutschen Raum entstanden.7

Geht man von dem Exlibris als Druckgraphik aus wird deutlich, dass die Entstehung der Bucheignerzeichen eng mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gu- tenberg um 1450 zusammen hängt. Bisher waren Bücher sehr wertvoll und selten gewesen. Durch den Buchdruck vereinfachte sich nun die Vervielfältigung maßgeb- lich. Dies hatte zur Folge, dass der Erwerb von Büchern erschwinglicher wurde und in gehobenen Kreisen erste Privatbibliotheken entstanden.8 Die zuvor noch hand- schriftlich angefertigten Bücher verloren durch den Druck und die Möglichkeit sehr schnell viele Exemplare anzufertigen ihre Individualität. Um diese möglichst zu er- halten und die Bücher der eigenen Bibliothek zu kennzeichnen, verwendete man erste Exlibris. 9 Der anfangs noch handschriftliche Vermerk als Besitznachweis wurde nun immer öfter von den kleinen Druckgraphiken abgelöst. Meist waren diese so gestalten, dass sie den Namen des Bucheigners und ein zugehöriges Wap- pen enthielten. Dieses Gestaltungskonstrukt hielt relativ lange an, bis sich nach ei- nem kurzen Bedeutungsverlust des Exlibris der Motivkreis im 18. Jahrhundert aus- zudehnen begann.10 Auch das Bürgertum beschäftigte sich nun mit Wissenschaft und Kultur und brachte neue Gestaltungsideen mit ein.11 Der Trend zum heraldi- schen Bucheignerzeichen verlor sich zusehends und die Gestaltung wurde phanta- sievoller. Trotzdem verlor das Exlibris nicht an Bezug zum jeweiligen Bucheigner. Immer stand es in Zusammenhang mit dem Charakter und den Interessen des Buch- besitzers. Vor allem, wenn der Bucheigner gleichzeitig auch Auftraggeber für die An- fertigung war, sollten gewisse Darstellungen auch kritisch hinterfragt werden. Schließlich war ein Exlibris immer auch ein gutes Mittel zur Selbstdarstellung.12 Da- her kann man annehmen, dass es hier auch schnell zu Übertreibungen kam, was bei- spielsweise das eigene intellektuelle Niveau oder Kulturinteresse der Eigner angeht. Gerade bei deutschen Exlibris soll laut Zur Westen eine „Neigung zu törichter Selbst- verhimmlung“ zu erkennen gewesen sein.13

Mit einer wachsenden Begeisterung an Geschichte, Kunst und der Graphik entsteht gegen Mitte des 19. Jahrhunderts eine Art Sammelkult rund um das Bucheignerzei- chen.14 Immer mehr überwiegt das Aussehen und die Gestaltung über den eigentli- chen Nutzen. So kommt es, dass Sammler sich Exlibris anfertigen ließen, einzig um diese gegen andere tauschen zu können. Gerade für bürgerliche Aufsteiger symboli- sierte dies oft eine gewisse Bestätigung und Zugehörigkeit in gehobene Bildungs- kreise.15 So stieg die Anzahl und Vielfalt der Exlibris in dieser Zeit erheblich. War bis dahin der Bücherbesitz hauptsächlich Männern vorbehalten, traten nun auch erste Damenexlibris auf.

[...]


1 Leiningen-Westerburg, Karl E. zu: Deutsche und oesterreichische Bibliothekszeichen. Exlibris: Ein Handbuch für Sammler, Bücher- und Kunstfreunde. Leipzig 1982.

2 Zur Westen, Walter von: Exlibris: Bucheignerzeichen. Wiesbaden 1983.

3 Vgl. Schmitt, Anneliese: Deutsche Exlibris: von den Ursprüngen bis zum Beginn des 20. Jahrhun- derts. Hanau 1987. S. 165f.

4 Vgl. Zur Westen: Exlibris. S. 1.

5 Vgl. Schmitt: Deutsche Exlibris. S. 127.

6 Vgl. Funke, Fritz: Exlibris aus dem Buch- und Bibliothekswesen. Leipzig 1966. S. 6.

7 Vgl. Herr, Wiebke: Exlibris als Provenienzmerkmale und eigenständige Druckgraphik: Sammlun- gen, Erschließungsstand, Nutzungspotential. München 2012. S. 123.

8 Vgl. Schmitt: Deutsche Exlibris. S. 135.

9 Vgl. Schmitt: Deutsche Exlibris. S. 135.

10 Vgl. Wolf, Sylvia: Exlibris: 1000 Beispiele aus fünf Jahrhunderten. München 1985. S. 7.

11 Vgl. Schmitt: Deutsche Exlibris. S. 147.

12 Vgl. Herr: Exlibris als Prov. S. 7.

13 Zur Westen: Exlibris. S. 13

14 Vgl. Herr: Exlibris als Prov. S. 120.

15 Vgl. Herr: Exlibris als Prov. S. 125. 4

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Exlibris. Die Entwicklung des Bucheignerzeichens vom Gebrauchsgegenstand zum Sammelobjekt
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Buchwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V319310
ISBN (eBook)
9783668184602
ISBN (Buch)
9783668184619
Dateigröße
893 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exlibris, entwicklung, bucheignerzeichens, gebrauchsgegenstand, sammelobjekt
Arbeit zitieren
Jenny Muth (Autor), 2015, Exlibris. Die Entwicklung des Bucheignerzeichens vom Gebrauchsgegenstand zum Sammelobjekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319310

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