Der Unternehmensbegriff. Eine betriebswirtschaftliche und kulturwissenschaftliche Betrachtung


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Blick in die Wirtschaftsgeschichte
2.1 Entstehung moderner Unternehmen
2.2 Historische Schule der Nationalökonomie
2.3 Methodenstreit und dessen Folgen

3 Unternehmensbegriff
3.1 Betriebswirtschaftliche Perspektive
3.2 Kulturwissenschaftliche Perspektive
3.3 Tendenzen zur Annäherung der beiden Disziplinen

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Unternehmen spielen eine zentrale Rolle in unserer modernen Gesellschaft. Zeitlebens „ist der Mensch Teil von organisierten Unternehmen bzw. auf deren Güter und Dienstleistungen an- gewiesen.“1 Unternehmen sind somit gleichzeitig funktionale und soziale Organisationen.2 Sie sichern nicht nur die Versorgung mit materiellen und immateriellen Gütern, sondern stellen auch einen wichtigen Teilbereich des sozialen Systems dar.3 Ein weiterer wichtiger Aspekt in Bezug auf die gesellschaftliche Bedeutung moderner Unternehmen ist deren Einbettung in den kulturellen Kontext, denn unternehmerisches Handeln ist immer auch von kulturellen Einflussgrößen abhängig. Die Institution Unternehmen lässt sich somit nicht einfach nur als Ort zur Herstellung von Waren definieren. Der Unternehmensbegriff ist vielschichtig und erfordert daher eine interdisziplinäre wissenschaftliche Betrachtung. Mit Blick auf die bereits dargelegte Bedeutung von Unternehmen für die Gesellschaft, soll in der vorliegenden Arbeit der Unternehmensbegriff aus kulturwissenschaftlicher Sicht dem Unternehmensbegriff aus klassisch betriebswirtschaftlicher Sicht gegenübergestellt werden. Ein wesentlicher Punkt, den es dabei zu klären gilt, ist die Frage, inwieweit sich die Kulturwissenschaften mit ökono- mischen Prozessen beschäftigen und ob überhaupt ein adäquater Unternehmensbegriff aus kulturwissenschaftlicher Sicht existiert.

Um die Charakteristika und die Bedeutung moderner Unternehmen zu veranschauli- chen, gibt das zweite Kapitel zunächst einen historischen Rückblick in die Unternehmensge- schichte, bevor mit der Historischen Schule der Nationalökonomie und ihren wichtigsten Ver- tretern auf einige grundlegende theoretische Ansätze zu einer wissenschaftlichen Betrachtung von Unternehmen im Wirtschaftssystem verwiesen wird. Den Abschluss des zweiten Kapitels bildet ein Abriss des Methodenstreits zwischen der Historischen Schule der Nationalökono- mie und der Österreichischen Schule, der weitreichende Folgen, sowohl für die Ökonomie als auch für kulturgeschichtliche Betrachtungen wirtschaftlicher Phänomene und damit auch für die wissenschaftliche Betrachtung von Unternehmen, hatte. Das dritte Kapitel widmet sich dem Hauptanliegen der Arbeit. Hier wird der Unternehmensbegriff sowohl aus betriebswirt- schaftlicher als auch aus kulturwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Dabei liegt der Fo- kus vor allem auf einer umfassenden Einbettung unternehmerischer Tätigkeit in den Wirt- schaftsprozess und damit auch auf den gesellschaftlich motivierten Interaktionen der Akteure. Im letzten Unterkapitel unter Punkt drei werden schließlich die für eine Betrachtung des Un- ternehmensbegriffs wesentlichen Annäherungstendenzen der beiden Disziplinen vorgestellt.

2 Blick in die Wirtschaftsgeschichte

2.1 Entstehung moderner Unternehmen

Moderne Unternehmen sind ein Phänomen, dessen Entstehung nicht nur eine theoretische, sondern auch eine historische Erklärung erfordert.4 Die Ursprünge des Unternehmensbegriffs reichen bis weit in die Vergangenheit zurück. So bezeichneten Althistoriker bereits die Töp- ferwerkstätten im antiken Griechenland als Unternehmen.5 Als frühe unternehmerische Tätig- keiten lassen sich auch die Handelsaktivitäten der oberdeutschen Fernhandelskaufleute des 15. Jahrhunderts, der Fugger und ihrer oberitalienischen Vorläufer einstufen.6 Außerdem kön- nen die großen Handelskompanien der Niederländer, Portugiesen und Engländer, die um 1600 zur Durchführung des Indienhandels ins Leben gerufen wurden, zu den Vorformen heutiger Unternehmen gezählt werden.7 Eine weitere unternehmensähnliche Organisationsform, die bereits in der Frühen Neuzeit für Massenproduktion stand, ist der Verlag.8 Unternehmensähn- liche Organisationen waren jedoch vor 1800 eher die Ausnahme und außerdem in großem Maße von gesellschaftlichen Normsystemen gesteuert, die eine rein erwerbswirtschaftliche Orientierung nicht zuließen.9

Moderne Unternehmen, und mit ihnen eine neue Form des Unternehmensbegriffs, kamen in Westeuropa und den USA verstärkt zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf.10 Zeitgleich mit der industriellen Revolution erfolgte ein Umbruch zur Wettbewerbswirtschaft bis hin zu einer liberalen Wirtschaftsordnung.11 Der, nunmehr frei von staatlichen Einflüssen stehende, Unternehmer wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der modernen Gesellschaft und trug maßgeblich zur deren Veränderung bei.12 In neu entstandenen Fabriken wurden unter ande- rem Dampfschiffe, Eisenbahnen und Maschinen gefertigt, die tiefgreifende Neuerungen in das Leben der Menschen brachten.13 Während bei den Vorläufern moderner Unternehmen häufig eher die Handelsaktivitäten dominierten, steht bei der neuen Unternehmensform der Produkti- onsprozess im Vordergrund.14 Durch eine arbeitsteilige Produktionsweise entwickelten sich die modernen Unternehmen zu komplexen Organisationen, in denen hierarchische, soziale Strukturen herrschen.15 Lag in vormodernen Manufakturen noch eine reine Auftragsarbeit vor,16 so stellen moderne Unternehmen nun Waren für ein neu entstandenes Netz an anonymen Märkten her.17 Eine zunehmende Arbeitsteilung sowie eine immer weiter fortschreitende Mechanisierung der Produktion sorgten für wachsende Umsätze und Betriebsgrößen.18 Moderne Unternehmen zeichnen sich außerdem durch einen hohen Kapitalbedarf aus, der ein großes unternehmerisches Risiko mit sich bringt.19 Neben kostenintensiven Industrieunternehmen ist im frühen 19. Jahrhundert aber auch eine steigende Anzahl an Handels- und Dienstleistungsunternehmen zu verzeichnen.20

Aus Sicht der Unternehmensgeschichte gelten somit als kennzeichnende Merkmale moderner Unternehmen vor allem, „dass sie eine Wirtschaftseinheit (1) darstellen, in der mit Hilfe einer Kapitalausstattung (2), einer internen Arbeitsteilung (3) sowie eines zweckgebundenen und effizienten Mitteleinsatzes (4) eine planmäßige Produktion von Gütern und Dienstleistungen (5) für den Absatz auf anonymen Märkten (6) vorgenommen wird, um Gewinne zu erzielen oder zumindest die Zahlungsfähigkeit zu erhalten (7)“21. Die Institutionalisierung dieser Unternehmen in der Wirtschaft war ein länger währender Prozess, der in der westlichen Welt etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzogen war.22

2.2 Historische Schule der Nationalökonomie

Im Zuge einer zunehmenden Beschäftigung mit den Organisationsformen modernder Gesell- schaften entwickelten sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts verschiedene theoretische Ansät- ze, die eine wissenschaftliche Betrachtung von Unternehmen und deren Rolle im Wirtschafts- system ermöglichen.23 Die beiden wichtigsten Wissenschaftler, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind, sind der deutsch-österreichische Nationalökonom JOSEPH A. SCHUMPETER und der deutsche Soziologe MAX WEBER.24 Beide gelten als Vertreter der Historischen Schule der Nationalökonomie.25

SCHUMPETER schuf die Theorie des „schöpferischen Unternehmers“26, die besagt, dass Unternehmer nur diejenigen Wirtschaftsakteure sind, die innovative Funktionen erfüllen.27 Er bezeichnet sie als „die Wirtschaftssubjekte, deren Funktion die Durchsetzung neuer Kombina- tionen ist und die dabei das aktive Element sind.“28 Unternehmung29 definiert er daraus schlussfolgernd als „die Durchsetzung neuer Kombinationen und […] deren Verkörperungen in Betriebsstätten“30. Der Erfolg eines Unternehmens ist laut SCHUMPETERS Theorie von der Innovationsfähigkeit des Unternehmens, dem Treffen der strategisch richtigen Entscheidun- gen des Unternehmers sowie seinen Führungseigenschaften abhängig.31 Dabei sind seine Mo- tive nur indirekt vom Gewinnstreben geprägt.32 Vielmehr treiben ihn das Streben nach Macht, sozialer Geltung, Freiheit, Selbstverwirklichung sowie die Freude am Gestalten an.33

Eine andere Sichtweise auf das Unternehmertum liefert WEBER. Er hebt im Zusam- menhang mit dem Unternehmensbegriff die Kapitalrechnung und damit die Orientierung an Gewinn und Verlust hervor.34 „Das Höchstmaß von Rationalität als rechnerisches Orientie- rungsmittel des Wirtschaftens erlangt die Geldrechnung in Form der Kapitalrechnung“35. Für ihn waren nicht technische Innovationen die prägenden Komponenten unternehmerischer Tä- tigkeit, sondern vielmehr eine kapitalistische Denkweise.36 Außerdem postuliert er, dass „[s]trenge Kapitalrechnung […] ferner sozial an ,Betriebsdisziplin‘ und Appropriation der sachlichen Beschaffungsmittel, also: an den Bestand eines Herrschaftsverhältnisses, gebunden [ist].“37 Unternehmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihrer Tätigkeit über höchste Auto- rität verfügen.38 Damit wird ein wichtiger Aspekt nach Struktur und Funktion moderner Großunternehmen angesprochen.39 Der Unternehmenserfolg ist zwar nach WEBERS Theorie ebenfalls der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zuzuschreiben, jedoch rücken bei ihm die organisationssoziologischen Voraussetzungen stärker in den Fokus.40

[...]


1 PLUMPE (1996), S. 47.

2 Vgl. PLUMPE (1996), S. 47.

3 Vgl. PLUMPE (1996), S. 47.

4 Vgl. BANKEN (2012), S. 24.

5 Vgl. HESSE (2013), S. 86.

6 Vgl. BANKEN (2012), S. 14 und HILDEBRANDT (1997), S. 94 ff.

7 Vgl. HESSE (2013), S. 86.

8 Vgl. HESSE (2013), S. 87 und BANKEN (2012), S. 11. Der Begriff Verlag, der heute nur noch für Institutionen zur Herstellung von Büchern existiert, stand damals für eine dezentrale Produktionsweise, vor allem in der Textilbranche. Vgl. HESSE (2013), S. 87.

9 Vgl. BANKEN (2012), S. 11 f. und PLUMPE (1996), S. 47.

10 Vgl. HESSE (2013), S. 85 und BANKEN (2012), S. 12 f.

11 Vgl. BANKEN (2012), S. 12.

12 Vgl. TREUE (1977), S. 9 f.

13 Vgl. TREUE (1977), S. 10 f.

14 Vgl. HESSE (2013), S. 86 f.

15 Vgl. HESSE (2013), S. 88.

16 Vgl. HESSE (2013), S. 88.

17 Vgl. BANKEN (2012), S. 12, 21 und KOLBECK (1988), S. 66.

18 Vgl. BANKEN (2012), S. 21.

19 Vgl. HESSE (2013), S. 88.

20 Vgl. BANKEN (2012), S. 12.

21 BANKEN (2012), S. 13 f.

22 Vgl. BANKEN (2012), S. 22 f.

23 Vgl. PLUMPE (1996), S. 48.

24 Vgl. PLUMPE (1996), S. 48.

25 Mit seinen späteren Veröffentlichungen kann SCHUMPETER bedingt auch der Österreichischen Schule zuge- ordnet werden. Vgl. BEUTEL (2006), S. 10.

26 PLUMPE (1996), S. 48.

27 Vgl. PLUMPE (1996), S. 48.

28 SCHUMPETER (1993), S. 111.

29 Die Begriffe Unternehmung und Unternehmen werden im Folgenden synonym verwendet.

30 SCHUMPETER (1993), S. 111.

31 Vgl. BERGHOFF (2004), S. 36, PLUMPE (1996), S. 48 und KRÜSSELBERG (1993), S. 130.

32 Vgl. KRÜSSELBERG (1993), S. 132.

33 Vgl. SCHUMPETER (1993), S. 138.

34 Vgl. WEBER (1985), S. 51.

35 WEBER (1985), S. 58.

36 Vgl. BERGHOFF (2004), S. 35.

37 WEBER (1985), S. 58.

38 Vgl. BERGHOFF (2004), S. 35.

39 Vgl. PLUMPE (1996), S. 48.

40 Vgl. PLUMPE (1996), S. 48 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Unternehmensbegriff. Eine betriebswirtschaftliche und kulturwissenschaftliche Betrachtung
Hochschule
Universität Leipzig  (Kulturwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V319315
ISBN (eBook)
9783668184527
ISBN (Buch)
9783668184534
Dateigröße
843 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmen, Unternehmensbegriff
Arbeit zitieren
Daniela Göckeritz (Autor), 2015, Der Unternehmensbegriff. Eine betriebswirtschaftliche und kulturwissenschaftliche Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319315

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