Analyse des Heimatkonzepts in Kerstin Hensels Erzählungen "Im Schlauch" und "Tanz am Kanal"


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 1

2 Begriffsdefinitionen ... 2
2.1 Heimat ... 2
2.2 Raum ... 3

3 Kerstin Hensels Erzählungen „Im Schlauch“ und „Tanz am Kanal“ ... 4
3.1 Darstellung des Raums ... 4
3.2 Raumdarstellung und Heimatkonzept ... 11

4 Schlussbetrachtung ... 13

Literaturverzeichnis ... 14

1 Einleitung

Zahlreiche Erzählungen der Wende- und Nachwendeliteratur beschäftigen sich mit dem Thema Heimat. Ganz zentral ist dabei häufig ein Verlust von Heimat in Verbindung mit dem Untergang der DDR, der „nicht mehr rückgängig zu machen [ist].“ (Amling: 2010, S. 25) Ebenfalls charakteristisch für diese Texte ist „eine Motivik des Alten, Verrottenden, Zerfallenden und Untergehenden […] - häufig in Verbindung mit Metaphern und Motiven des Auflösens, Wegwerfens und Loswerdens.“ (Grub: 2003, S. 593) Eine weitere Rolle spielen „Konflikte mit den Strukturen des sozialistischen Systems und die veränderten Lebensbedingungen“ (Bremer: 2002, S. 63) nach der Wiedervereinigung.

Aufgrund des nach wie vor nicht abreißenden Interesses an diesen Themen, soll in der nachfolgenden Untersuchung das Heimatkonzept in Kerstin Hensels Erzählungen Im Schlauch (vgl. Hensel: 1993)1 und Tanz am Kanal (vgl. Hensel: 1994)2 untersucht werden, die beide als „literarische Erinnerungsfahrten in die alte DDR“ (Mabee: 2002) bezeichnet werden können. Der besondere Schwerpunkt wird dabei auf der Raumdarstellung gelegt, d. h. inwieweit die Inszenierung des literarischen Raums3, vor allem vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Motivik des Verfalls und der möglichen Konflikte mit alten und neuen Strukturen, eine wichtige Rolle für das in den Erzählungen konstruierte Heimatkonzept spielt.

Dafür erfolgt zunächst eine definitorische Klärung der wesentlichen Begriffe Heimat und Raum für die vorliegende Arbeit. Außerdem wird der zur Analyse des Raums verwendete phänomenologische Ansatz nach Hoffmann (vgl. Hoffmann: 1978) kurz vorstellt, bevor sich in einem weiteren Kapitel eine ausführliche Untersuchung der Darstellung des Raums in Kerstin Hensels Im Schlauch und Tanz am Kanal anschließt. Diese Ausführungen bilden die Grundlage für die folgende Betrachtung des Zusammenspiels von Raumdarstellung und Heimatkonzept in den beiden Erzählungen, die zur Beantwortung der eingangs gestellten Forschungsfrage dient. Die Schlussbetrachtung umfasst eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse.

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Heimat

Der Terminus Heimat wurde seit jeher multidimensional verwendet (vgl. Bausinger: 1986, S. 91). Die Bedeutungsauslegung erstreckt sich von einer als religiöse Metapher verwendeten „himmlischen Heimat“ (ebd.), über Heimat als Rechtsbegriff, der vor allem den Besitz im Sinne von Haus und Hof umfasst, (vgl. Bausinger: 1986, S. 91 f.) Heimat als eine romantische Naturvorstellung im Zeitalter der Industrialisierung, (vgl. Bausinger: 1986, S. 94 f.) die Gleichsetzung von Heimat und Nation zur Zeit des Dritten Reichs, (vgl. Bausinger: 1986, S. 97) bis hin zu Heimat „als Produkt eines Gefühls der Übereinstimmung mit der kleinen eigenen Welt.“ (Bausinger: 1986, S. 109) Letztere Sichtweise zeigt, dass Heimat auch ein emotional geladener Begriff ist und individuell ganz verschieden empfunden werden kann. Auch nach Beutner (vgl. 2008, S. 15 ff.) ist die subjektiv gefühlte Heimat nicht zwangsläufig übereinstimmend mit politischen und gesellschaftlichen Institutionen wie Dorf, Stadt oder Land, auch wenn diese in gewisser Weise ein Heimatgefühl vermitteln können. Für ihn gibt es vielmehr einen nicht zu verachtenden Zusammenhang zwischen Heimat und Identität.

In semantischer Hinsicht wurzelt der Begriff in einem „Ort, wo man sich niederlässt“ (Duden Band 7: 2014, S. 375) und impliziert damit ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe (vgl. Klose: 2013, S. 23). Mitzscherlich (vgl. 2013, S. 47) konstatiert, dass Heimat ein Wort ist, das im Deutschen nur im Singular vorkommt und somit jeder Mensch nur einen Ort als Heimat zu bezeichnen vermag. Dass der Platz, an dem man sich niedergelassen hat, die eigene kleine Welt, sich jedoch ganz schnell von einem Ort der Sicherheit und Ruhe in einen Ort der Unsicherheit und Unruhe verwandeln kann, zeigen die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche, die durch der Untergang der DDR ausgelöst wurden. Die Menschen leben auch nach der Wende noch „am selben Ort, sprechen dieselbe Sprache und sind von Bekannten und Freunden umgeben, aber die Lebensbedingungen haben sich so grundsätzlich verändert, daß nicht selten Fremdheitserlebnisse formuliert werden“ (Skare: 2007, S. 237). Königsdorf (1990, S. 9) fasst dieses Gefühl sehr treffend in einem Satz zusammen: „Ohne den Ort zu verändern, gehen wir in die Fremde.“

Unter Beachtung der bisher erörterten Aspekte in Bezug auf den Terminus Heimat, soll dieser in den nachfolgenden Ausführungen betrachtet werden als ein veränderliches individuell verschiedenes Gefühl von Geborgenheit in Bezug auf einen bestimmten Ort, das die räumliche und zeitliche Ebene berührt, von politischen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren abhängig ist und zudem auch eine wichtige Rolle für die Identität eines Menschen spielt.

2.2 Raum

Die literarische Raumdarstellung ist ein „Oberbegriff für die Konzeption, Struktur und Präsentation der Gesamtheit von Objekten wie Schauplätzen, Landschaft, Naturerscheinungen und Gegenständen“ (Nünning: 2001, S. 536). Die Gestaltung von Landschaft, Natur und gegenständlicher Welt ist jedoch mehr als nur das Schaffen von Hintergrundbildern oder Randaspekten (vgl. Nünning: 2001, S. 537). Laut einer Definition von Schwarze (vgl. 1998, S. 170) wird der Raum4 im narrativen Text der Geschichte zum Bestandteil eines Wirklichkeitsmodells, das eine vertraute Lebenswelt oder utopische Wirklichkeit abbildet. Als wesentliches literarisches Darstellungsmittel nimmt die Aufteilung des Raums in Erzähltexten außerdem eine wichtige strukturierende Funktion für die Handlung und Figurenkonstellation ein (vgl. Hoffmann: 1978, S. 573 ff.).

Zur Analyse der literarischen Raumdarstellung in einem konkreten Text gibt es verschiedene Ansätze. Nach Würzbach (vgl. 2001, S. 106) erweist sich der phänomenologische5 Ansatz von Hoffmann6 aufgrund seiner Subjektorientiertheit sowie seiner Berücksichtigung von Werthaltigkeit und seiner extensiven Einsatzmöglichkeiten als besonders geeignet. Er umfasst eine Einteilung in drei Formen räumlicher Wahrnehmung (vgl. Haupt: 2004, S. 70).

Der gestimmte Raum ist Ausdrucksträger einer bestimmten Stimmung oder Atmosphäre und vermittelt im Erzähltext die Raumwahrnehmung der handelnden Figuren, die sich im Laufe der Erzählung auch verändern kann (vgl. Haupt: 2004, S. 70 ff. und Schwarze: 1998, S. 172). Bronfen (1986, S. 78) beschreibt ihn als „auf die Stimmung des Wahrnehmenden extrem und einzig bezogenen Raum.“ Der Aktionsraum dagegen dient der Darstellung von Handlungen der einzelnen Figuren und ist somit ein Raum der Bewegung (vgl. Haupt: 2004, S. 71). Der eher objektiv konzipierte Anschauungsraum beinhaltet alles, was für das Subjekt sichtbar ist (vgl. ebd.). Dieser Raum bildet den Hintergrund, vor dem sich die Handlung abspielt und vermittelt dadurch überblicksartig eine „Verstehensgrundlage“ (Haupt: 2004, S. 76) für den Leser (vgl. ebd.). Da die drei Betrachtungsweisen Fühlen, Handeln und Sehen jedoch selten trennscharf voneinander unterschieden werden können, kommt es in Erzählungen häufig zu Überlappungen der einzelnen Räume (vgl. Haupt: 2004, S. 71). Wie diese Räume in den beiden zu untersuchenden Erzählungen dargestellt werden, ist Thema des folgenden Kapitels.

3 Kerstin Hensels Erzählungen „Im Schlauch“ und „Tanz am Kanal“

3.1 Darstellung des Raums

Die beiden Erzählungen geben Einblicke in zwei verschiedene soziale Milieus der DDR in den 1960er und 1970er Jahren: eine Funktionärsfamilie in der Kleinstadt Stinopel7 und eine Arztfamilie in einer Villa am Rande der Stadt Leibnitz (vgl. Skare: 2007, S. 238 ff.). Die kurze Erzählung Im Schlauch berichtet von zwei Tagen aus dem Leben der Protagonistin Natalie, beginnend mit dem Tag ihres sechzehnten Geburtstages. Getragen von dem Wunsch, endlich erwachsen und frei zu sein, flüchtet sie heimlich aus der erdrückenden Biederkeit und Gefühlskälte der elterlichen Wohnung und zieht in ein leer stehendes Abbruchhaus. Komplettiert wird die Erzählung durch Rückblicke in das Leben von Natalies Eltern, dem Genossen Sieg-fried Kulisch und seiner Frau Anneros, deren groteskes Verhältnis zueinander die Rollenverteilung in einer bürgerlichen Ehe auf die Spitze treibt (vgl. Kormann: 1999, S. 332).

Die Schauplätze, an denen sich die Handlung abspielt, sind auf wenige Lokalitäten in der fiktiven Kleinstadt Stinopel beschränkt. Der Titel Im Schlauch weist gleichzeitig auf einen zentralen Ort der Erzählung hin: eine verrufene Kneipe, bestehend aus „drei hintereinander liegenden fensterlosen Stübchen“ (IS, S. 41). Weiterhin wichtig sind die Wohnung der Familie Kulisch, das Abbruchhaus, der Bahnhof, die Straßen der Stadt sowie der Marktplatz. Außerhalb Stinopels kann auch Genosse Kulischs Reise nach Moskau hinzugezählt werden.

Die wenigen Orte des Geschehens werden dem Leser von einem verborgenen, heterodiegetischen Erzähler sehr detailliert geschildert.8 Durch diese Erzählweise steht der Anschauungsraum im Vordergrund. Beschrieben wird ebenso sachlich wie schonungslos das offensichtlich Sichtbare. Dabei handelt es sich an allen Orten fast ausschließlich um Verfall und die Folgen von Verwahrlosung. Gleichzeitig umfasst die Darstellung des Raums, in dem Falle des gestimmten Raums, aber häufig auch die Atmosphäre, wie sie von den Protagonisten wahrgenommen wird und deren Verzweiflung und Ohnmacht gegenüber den herrschenden Zuständen sich in ihrer maroden Umwelt zu spiegeln scheint.

Besonders deutlich wird dies bei der Beschreibung von Natalies Flucht und ihrer Ankunft in der Abbruchwohnung. So tritt sie aus dem elterlichen Haus auf die „breite Straße der Nationen“ (IS, S. 10), die den Weg in die vermeintliche Freiheit und Unabhängigkeit ebnet. Die bröckelnden Gehwegplatten, die sich bereits aus den Fugen lösen, heben ihr eigenes Gefühl von Unsicherheit deutlich hervor. Gleich den Gehwegplatten tritt ihr eigenes Leben in diesem Moment aus den Fugen. Die eingehende Beschreibung des Anschauungsraums bei Natalies Ankunft im Abbruchhaus dient dazu, anschaulich in die neue Szenerie einzuführen. Gleichzeitig ist eine scharfe Trennung vom gestimmten Raum an dieser Stelle nicht möglich, da Erzähler und Leser ja quasi mit der Protagonistin gemeinsam den Raum betreten und die Umgebung aus ihrer Perspektive wahrnehmen. Die bildhafte Darstellung ist auch hier von Detailtreue geprägt. Das Haus ist „narbig durch Unwetter und Granatsplitter“ (IS, S. 10). Tote Insekten und Verfall, der von jahrelangem Leerstand zeugt, dominieren die Szene. Den Höhepunkt der chaotischen Zustände bildet das Auftauchen des vermeintlich toten Fischerkurts, der sich durch sein Husten erschreckenderweise als sehr lebendig erweist.

Dass es auch abseits der Kleinstadt Stinopel keine Idylle gibt, zeigt Genosse Kulischs Auszeichnungsreise nach Moskau. Mit nahezu demselben Maß an Düsternis wie Natalies Ankunft im Abbruchhaus wird seine Fahrt im erst bitterkalten und dann glühend heißen Zug dargestellt (vgl. IS, S. 14 ff.). Durch die detaillierte Beschreibung mit aussagekräftigen, fast ausschließlich negativ konnotierten, Adjektiven9 und Verben10 wird ein sehr plastisches Bild des ganzen Ausmaßes der miserablen Szene geschaffen. Auch hier verschmilzt der Anschauungsraum, wie er dem Leser durch den Erzähler geschildert wird, mit dem gestimmten Raum, der die subjektive Sichtweise des Herrn Kulisch wiedergibt. Er ist es schließlich, der erst bibbert und dann von der wallenden Hitze geplagt ist. Es bleibt kaum verborgen, dass er eigentlich gar nicht dort sein möchte. Mit, seinem bereits auf der ersten Seite der Erzählung erwähntem, „Bonbon am Revers“11 (IS, S. 9) stellt er den typischen angepassten und pflichtbewussten DDR-Bürger dar. Der gleichzeitig stattfindende, in den Handlungsstrang eingeflochtene, Seitensprung seiner Frau mit dem Transportschutzbeamten Paffrath, verstärkt zusätzlich das Gefühl der Schäbigkeit. In der Raumbeschreibung des Ortes, an dem sich der Ehebruch ereignet, die Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs, gehen das Raumempfinden im gestimmten Raum von Anneros und das des Anschauungsraums erstmals deutlich auseinander. Während der verborgene Erzähler von einem „engen Schacht“ (IS, S. 18) und „Staub“ (IS, S. 19) berichtet, ist es für Anneros „hell wie noch nie in […] ihrem Leben“ (IS, S. 18).

Eine sehr prägnante, von den anderen beiden Räumen abweichende, Darstellung des gestimmten Raums findet sich auch in der Beschreibung von Natalies Weg durch die Stadt (vgl. IS, S. 28 ff.). Während der Aktionsraum lediglich den Hintergrund bildet, der ihren Weg ermöglicht und der Anschauungsraum die sichtbare Umgebung beschreibt, haben die Dinge für Natalie eine ganz eigene Bedeutung. Zwischen „Ecken [die] scharf rochen“ (IS: S. 28) und „dunstende[n] [..] Höfen“ (ebd.) fühlt sie „unglaublich nahe das Leben“ (ebd.) und sieht selbst die Aktivitäten des Jaucheautos als ein „Geschenk der Unendlichkeit“ (IS, S. 29). Gleichzeitig trauert sie um eine verlorene heile Welt mit Festen in Stinopel als „Vater […] noch nicht in Moskau gewesen [war] und Aljoscha noch nicht auf der Welt.“ (IS, S. 31) Der reale wie gefühlte Verlust dieser guten alten Zeit zeigt sich in der Beschreibung des Marktplatzes, der eigentlich keiner ist, „sondern ein kahles Rondell, begrenzt von drei hohen dunklen Vorkriegsgebäuden“ (IS, S. 32). „Der Sandstein klobig, schwarz von der Zeit, die Fenster blind, Dachziegel fehlten; die Regenrinnen verstopft: Tauben nisteten, Gras blühte, Birken wuchsen darin, was abfließen wollte, lief über“ (IS, S. 32). Zum ersten Mal sieht Natalie hier die „schitter[nden] Sterne“ (IS, S. 32) und Stinopel erscheint ihr plötzlich unbekannt.

Dieses kontroverse Auseinanderklaffen des tatsächlich Sichtbaren und des von Natalie gefühlten Raums setzt sich in der Kneipe Schlauch fort. Die „[…]von „jahrzehntealtem Tabakrauch satt gebräunten [Wände]“ (IS, S. 41), die „stockfleckigen Ehrenerklärungen“ (ebd.), die „melierten Malimodecken“ mit ihren „unzähligen Brandlöchern“ (ebd.) sowie „die krumm-beinigen Kunstlederstühle“ (ebd.) zeichnen ein wenig anheimelndes Bild des Lokals. All dies ist zwar auch für Natalie sichtbar, aber das Gefühl, das sich für sie mit dieser Atmosphäre verbindet, ist ein anderes. „Bis zu den Zähnen schlug ihr Herz vor Freiheit.“ (IS, S. 42). Sie möchte dazugehören, ist auf der Suche nach einem neuen Zuhause und einem Menschen, bei dem sie sich geborgen fühlt. Diesen Menschen glaubt sie in Noppe zu gefunden zu haben. „Er würde sie ganz sicher aufnehmen in seine Welt.“ (IS, S. 43) Doch genauso wie die Abbruchwohnung eben kein „behagliches Heim [ist], in dem sie ungestört wohnen könnte, ohne Vater Mutter Brüderchen“ (IS, S. 56), wird sie auch von Noppe enttäuscht.

[...]


[1] im Folgenden „IS“

[2] im Folgenden „TaK“

[3] Die Verwendung des Begriffs „Raum“ bezieht sich im Folgenden immer auf den „literarischen Raum“.

[4] auch „Schauplatz, ,setting‘“ (Schwarze: 1995, S. 170)

[5] Phänomenologisch meint, dass der Ansatz von der Erfahrung räumlicher Wahrnehmungen im realen Leben ausgeht (vgl. Haupt: 2004, S. 70).

[6] Hoffmann bezieht sich mit seinem Ansatz auf Strökers Ausführungen, die erstmals eine Unterscheidung von gestimmtem Raum, Aktionsraum und Anschauungsraum auf dem Gebiet der Philosophie vornahm (vgl. Strö- ker: 1965) und bezieht diese Einteilung auf den literarischen Raum.

[7] Laut Skare (2007, S. 246) ist diese Bezeichnung „ein Wortspiel mit ,stino‘, also stinknormal und damit spießig und konform, und vielleicht ,Konstantinopel‘, das für Fremde, Fernweh und Abenteuerlust stehen könnte“.

[8] Die einzige Ausnahme hiervon bildet die Wohnung der Familie Kulisch. Obwohl sie mehrmals Schauplatz der Handlung wird (vgl. IS, S. 9, 33 ff., 38 ff., 46 ff.), erfährt der Leser nichts darüber wie es dort aussieht. Einzig für die Handlung relevante Gegenstände, wie beispielsweise der Backofen, der dem zu klein geratenen Al- joscha als Brutkasten dienen soll, werden erwähnt. Diese Darstellung des Raums als reinen Aktionsraum scheint gegenüber der sehr detaillierten Beschreibung der anderen Schauplätze sehr ungewöhnlich.

[9] „dunkelgraue Decke“ (IS, S.14), „kalt“ (ebd.), „rostbraune Schlieren“ (ebd.), „dröhnende Eisenbahngänge“ (ebd.), „durchgekühlt bis auf die Knochen“ (ebd.), „dunkle Suppe“ (IS, S. 15), „grau, braun, schwarzblau“ (ebd.)

[10] „gefroren die Lieder auf den Lippen“ (IS, S. 14), „Siegfried bibberte“ (ebd.), „Heizungsrohre glühten“ (IS, S. 15), „klebte“ (ebd.), „Hitze brütete“ (ebd.), „Hitze wallte“ (ebd.)

[11] Damit ist das Parteiabzeichen gemeint (vgl. Kormann: 1999, S. 335).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Analyse des Heimatkonzepts in Kerstin Hensels Erzählungen "Im Schlauch" und "Tanz am Kanal"
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Heimatkonstruktionen in der deutschen Literatur nach 1989
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V319317
ISBN (eBook)
9783668184480
ISBN (Buch)
9783668184497
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, heimatkonzepts, kerstin, hensels, erzählungen, schlauch, tanz, kanal
Arbeit zitieren
Daniela Göckeritz (Autor:in), 2015, Analyse des Heimatkonzepts in Kerstin Hensels Erzählungen "Im Schlauch" und "Tanz am Kanal", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319317

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