Eine kritische Betrachtung von Irina Rajewskys "Intermedialität". Hat sie eine Forschungslücke geschlossen?


Essay, 2015
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Historische Entwicklung medialer Interferenzen

Differenzierung zwischen Inter-, Intra- und Transmedialität

Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge

Literarische Auseinandersetzung mit dem Film

Analogien zwischen Intertextualität und Intermedialität

Systematik intermedialer Bezüge: Intertextualität und Systemreferenz

Abschließende Überlegungen

Quellenangabe

Einleitung

In ihrem zum Standardwerk zu Intermedialitätstheorien avancierten Werk „Intermedialität“ beschäftigt sich die Autorin Irina Rajewsky mit den Fragen medialer Grenzüberschreitungen. Anhand literarischer Beispiele, welche Rajewsky mit Film und Fernsehen verknüpft, entwickelt die Autorin darin eine Systematik intermedialer Bezüge und schafft damit eine Einführung in die Intermedialitätsgrundlagen. Der hier vorliegende Essay beschäftigt sich vor allem mit den ersten vier Kapiteln jenes Werkes, wobei die Analyse eine kritische Betrachtung mit einschließt. Im ersten Teil des zu betrachtenden Textabschnittes aus „Intermedialität“ widmet sich Rajewsky einer Einführung in den Intermedialitätsbegriff, wobei sie einen kurzen Überblick zur Entstehung des Begriffs vorlegt und diesen insbesondere von Intra- und Transmedialität abgrenzt. Sie führt die Begriffe der Medienkombination, des Medienwechsels und der intermedialen Bezüge ein und erläutert deren Unterscheidungen bzw. Überschneidungen anhand mehrerer Beispiele. Irina Rajewsky will außerdem in ihrem Text das Phänomen, dass sich vor allem literarische Texte immer mehr für andere mediale Artikulationsformen öffnen, genauer unter die Lupe nehmen, gerade weil sie es längst zwingend als Aufgabe der Literaturwissenschaft ansieht, sich mit dieser intermedialer Tendenz auseinanderzusetzen ( vgl. Rajewsky 2002: 2f). Eine Vielzahl von Konzepten, Ansätzen und Auffassungen aus den verschiedensten Disziplinen macht das Forschungsgebiet unübersichtlich und uneindeutig. Zwar wird der Begriff Intermedialität gerne als Trendbegriff verwendet, ist jedoch kaum klar definiert. Rajewsky will daher mit ihrem Text in erster Linie eine verständliche Einführung in die Intermedialität schaffen, gleichzeitig aber auch auf die damit einhergehenden Probleme aufmerksam machen. Im zweiten Teil ihres Werkes konzentriert sich Rajewsky auf den Bereich der intermedialen Bezüge. Dabei zeigt sie auch hier die grundlegenden Fragestellungen und Probleme auf, die sich bei der Untersuchung ergeben haben. Sie geht dabei hauptsächlich von einer literaturzentrierten Perspektive aus, also die Literatur als Kontakt nehmendes Medium. Es wird untersucht, auf welche Weise Produkte eines bestimmten Mediums auf Produkte aus anderen Medien Bezug nehmen. Ein weiteres Problem, dem sich Rajewsky in ihrem Text zuwendet, ist die enge Verknüpfung zwischen Intertextualität und Intermedialität. Die Intermedialität ist zum großen Teil aus dem Konzept der Intertextualität hergeleitet. Damit resultiert aber auch, dass die unterschiedlichen Ansätze zur Intertextualität und die damit einhergehenden Probleme nun auf die Intermedialität übertragen werden und neue Diskussionen ins Rollen bringen. In diesem Zusammenhang konzentriert sich Rajewsky auch auf eine Definition des Textbegriffes, um eben genannte Probleme übersichtlich darzustellen und möglicherweise zu lösen. Zum Schluss des zu betrachtenden Textausschnittes geht Rajewsky noch auf den Begriff der Systemreferenz ein. Die Autorin versucht mit ihrem Werk einerseits einen Überblick über die Intermedialitätsforschung zu schaffen, darüber hinaus aber auch Probleme jenes Forschungsfeldes zu beleuchten, welche schon ab den sechziger Jahren eingesetzt haben und zum großen Teil bis heute anhalten. Sie will also den Versuch wagen, endgültig eine Lücke in der Forschung zu schließen (vgl. Rajewsky 2002: 3f). Ob ihr das gelungen ist oder nicht, soll in folgendem Aufsatz diskutiert und analysiert werden.

Historische Entwicklung medialer Interferenzen

Der Begriff der Intermedialität hat sich fest ab den neunziger Jahren etabliert. Mediale Ausdrucksformen und Gattungen, die sich aufeinander zu bewegen, sich mischen, sich gegenseitig durchdringen oder aufeinander Bezug nehmen, gab es jedoch schon früher (vgl. Rajewsky 2002: 1), wie zum Beispiel die textliche Beschreibung von Gemälden, das Drama oder auch die Oper. Gerade in unserer heutigen Zeit scheint es jedoch veraltet zu sein, mediale Ausdrucksformen voneinander abzuschotten. Intermedialität wird zum Trendbegriff, wobei in den verschiedenen Forschungsbereichen erst etwa seit den achtziger Jahren von intermedialen Relationen bzw. intermedialer Forschung die Rede ist. Irina Rajewsky beginnt in ihrem Werk „Intermedialität“ zunächst mit einer kurzen Abhandlung der historischen Entwicklung medialer Interferenzen. Dabei nennt sie als die beiden zentralen Forschungsstränge, in welchen sich das Phänomen der Intermedialität unabhängig herausgebildet hat, die Komparatistik und die Medienwissenschaft. Sie grenzt zudem den Begriff der Intermedialität von dem der interart studies ab und erläutert deren jeweilige Vor- und Nachteile. Als zentrales Forschungsfeld behandelt die Komparatistik mit ihrem Zweig der interart studies die Wechselbeziehungen zwischen Literatur, bildender Kunst und Musik, was früh in die Zeit hineinreicht. Die Medienwissenschaft hingegen setzte erst Anfang des 20. Jahrhunderts ein und beschäftigte sich zu Beginn in erster Linie mit Autoren, Film- und Kunsttheoretikern, die sich mit dem damals neuen Medium Film auseinandersetzten. Heute ist das Verhältnis von Literatur und Film als zentraler Forschungsinhalt zu bezeichnen. Beide voneinander unabhängigen Forschungsstränge beschäftigen sich also zusammenfassend mit den Interpendenzen zwischen verschiedenen Medien, wobei die Medienwissenschaft - als fester Begriff seit den neunziger Jahren - vor allem das Verhältnis von Literatur zu technischen bzw. elektronischen Medien beschreibt (vgl. Rajewsky 2002: 8). Sowohl in der Komparatistik als auch in der Medienwissenschaft war bereits seit den achtziger Jahren die Rede von intermedialer Forschung. „Durchsetzen konnte sich der Terminus »Intermedialität« bisher jedoch lediglich in dem Bereich der Forschung, der aus [der Medienwissenschaft] hervorgeht“ (Rajewsky 2002: 8f) und beschreibt bis heute vor allem die Relationen zwischen Literatur und technischen Medien. Die Befürworter der jeweiligen beiden Parteien der interart studies sowie der Intermedialitätsforschung stehen sich bis heute kritisch gegenüber. Während sich die interart studies in erster Linie mit den „hohen Künsten“ beschäftigen, also mit einem Bereich, der weit in die Geschichte zurückreicht, konzentriert sich die Intermedialitätsforschung vor allem „auf die »jungen« technischen und elektronischen (Massen-)Medien [...] und [setzt dabei] kaum historische Akzente“ (Rajewsky 2002: 10). Dennoch herrscht die Befürchtung, die interart studies könnten mit der Zeit in der Intermedialitätsforschung untergehen, lässt der Begriff Intermedialität doch Relationen zwischen allen medialen Ausdrucksformen zu. Zudem umfasst der Intermedialitätsbegriff die Unterscheidung von intra- und transmedialen Phänomenen, erst so kann man Medien- und Disziplinengrenzen überschreitend denken. Ein weitgefasster Intermedialitätsbegriff kann somit sämtliche Subkategorien des Intermedialen erfassen, ohne dabei bestimmte Teilbereiche auszugrenzen (vgl. Rajewsky 2002: 10).

Differenzierung zwischen Inter-, Intra- und Transmedialität

Mit ihrem Werk will Rajewsky auf die Probleme aufmerksam machen, welche mit der Intermedialitätsforschung einhergehen. Dabei erkennt sie als gravierende Problematik die korrekte Definition von Intermedialität. Je nach Untersuchungskontext bedienen sich Autoren dem Begriff der Intermedialität, ohne dass sich eine einheitliche Grunddefinition etabliert hätte. Daher bezeichnet Rajewsky die Intermedialität auch als termine ombrellone, als einen großen Schirm, unter welchem sich sämtliche intermediale Phänomene sammeln (vgl. Rajewsky 2002: 6). Rajewsky selbst bedient sich einem Intermedialitätsbegriff im weiteren Sinne, der „den Terminus [Intermedialität] als Hyperonym für die Gesamtheit aller Mediengrenzen überschreitenden Phänomene“ (Rajewsky 2002: 12) versteht. In ihrer Forschung differenziert sie zunächst zwischen der Inter-, der Intra- und der Transmedialität. Unter dem Begriff der Intermedialität fasst sie „Mediengrenzen überschreitende Phänomene [zusammen], die mindestens zwei konventionell als distinkt wahrgenommene Medien involvieren“ (Rajewsky 2002: 13). Davon abgrenzend umfasst die Intramedialität „Phänomene, die nur ein Medium involvieren“ (Rajewsky 2002: 13), daher findet hierbei keine Überschreitung von Mediengrenzen statt. Unter Transmedialität versteht Rajewsky schließlich „[m]edienunspezifische Phänomene, die in verschiedensten Medien mit den dem jeweiligen Medium eigenen Mitteln ausgetragen werden können, ohne dass hierbei die Annahme eines Kontakt gebenden Ursprungsmediums wichtig oder möglich ist“ (Rajewsky 2002: 13). Fraglich erscheint hier, ob eine Abgrenzung zwischen der Inter- und Transmedialität immer eindeutig erfolgen kann oder ob transmediale Phänomene nicht besser einem weiter gefassten Intermedialitätsbegriff zugeordnet werden sollten. Laut Rajewsky liegt der ausschlaggebende Unterschied beider Begriffe darin, dass bei der Transmedialität bestimmte Phänomene mehr oder weniger gleichzeitig in verschiedenen Medien auftreten und in allen verwirklicht werden können, ohne dass sich ein Ursprungsmedium festlegen ließe. Dagegen wird für die Intermedialität die eindeutige Bezugnahme eines Mediums auf ein anderes angenommen, sowie medienspezifische Elemente, die sich nicht als solche, sondern nur durch Übertragung in ein anderes Zeichensystem in anderen Medien umsetzen lassen. Die Vorteile eines weitgefassten Intermedialitätsbegriffs liegen Rajewskys Meinung nach in drei Argumenten. Zum einen lassen sich mit jener Definition „Relationen zwischen sämtlichen medialen Ausdrucksformen [...] fassen, seien diese nun den sog. »Hohen Künsten« oder »Neuen Medien« zuzurechnen“ (Rajewsky 2002: 14). Des weiteren „lassen sich zweitens intra- und transmediale von intramedialen Phänomenen unterscheiden“ (Rajewsky 2002: 14). Und schlussendlich ermöglichte es ein weiter Intermedialitätsbegriff, „verschiedensten Phänomenen des Intermedialen gerecht zu werden und somit sämtliche Subkategorien des Intermedialen zu erfassen“ (Rajewsky 2002: 14). Doch kann man wirklich davon ausgehen, dass bestimmte Phänomene ausschließlich für ein Medium spezifisch seien und erst, nachdem sie in diesem erkannt wurden, auf andere übertragen wurden? In Konflikt zu Rajewskys These stehen fotografieanaloge Schreib- und Sehweisen, diese waren Teil einer zeitgenössischen Strömung, welche sich in verschiedenen Medien niederschlug, sich aber schon vor der Entstehung des Films als voraus greifende literarische Inszenierung von Wahrnehmungs- und Darstellungsformen in literarischen Texten niederschlug. Nach Rajewsky würden solche Phänomene als transmedial aus dem Bereich der Intermedialität herausfallen, Fakt ist jedoch, dass es schon vor der Entdeckung der Fotografie fotografieanaloge Schreibweisen oder die Beschreibung fotografieähnlicher Bilder in der Literatur gab, die den Wunsch nach einem neuen Bildmedium ausdrückten.

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Details

Titel
Eine kritische Betrachtung von Irina Rajewskys "Intermedialität". Hat sie eine Forschungslücke geschlossen?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V319364
ISBN (eBook)
9783668185081
ISBN (Buch)
9783668185098
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, betrachtung, irina, rajewskys, intermedialität, forschungslücke
Arbeit zitieren
Lisa Lindner (Autor), 2015, Eine kritische Betrachtung von Irina Rajewskys "Intermedialität". Hat sie eine Forschungslücke geschlossen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319364

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