Das Buch „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche war ein sehr kontroverser und viel diskutierter Roman im Jahre 2008. Im Rahmen des Seminars „Anstößige Literatur“ ist zu klären, was diesen Roman wirklich so anstößig macht. Ich möchte mich also erstens mit den zentralen Themen des Werkes befassen. Welche sind das überhaupt? Sind diese Themen in unserer sexuell befreiten Gesellschaft wirklich ein Tabubruch? Was macht ein Tabu in der Literatur aus? Welche Emotionen lösen diese – eventuellen – Tabubrüche aus? Was ist und wie äußert sich Ekel und besteht ein Zusammenhang zwischen Tabu(bruch) und Ekel?
Die wichtigsten Themen bei Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ sind die Familienproblematik der Protagonistin sowie Sexualität in allen Facetten – wie Anal-und Oralsex, Masturbation, Bisexualität und Prostitution und der Widerwille gegen die gängigen Hygienevorschriften. Die sexuellen Themen, die in dem Roman ja das meiste Aufsehen erregt haben, treiben die Handlung allerdings kaum voran. Die Scheidungsthematik ist der Autorin sehr wichtig, was man auch am Vorwort erkennen kann.
Die Beschreibung der sexuellen Gewohnheiten macht den größten Teil des Romans aus. Reflektionen über Sexualität machen aber noch keine Handlung. Die seelische Befindlichkeit der Protagonistin, ihr intensiver Wunsch nach einer intakten Familie und ihre Selbstverletzung ergeben erst die Handlung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellungsweise
2.1 Cover
2.2 Thema und Plot
2.3 Erzählperspektive und Zeit
2.4 Wortschatz und Syntax
3 Feuchtgebiete und der Ekel
3.1 Ekel
3.2 Die Exkremente
3.3 Inzest
3.4 Körperflüssigkeiten/Sekrete
3.5 Der ideale Körper
3.6 Ausufernde Sexualität
3.7 Die Vagina
4 Was ist ein Tabu?
5 Sexualität und Tabu in den Medien
5.1 Warum bricht Feuchtgebiete Tabus?
6 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche hinsichtlich seines kontroversen Charakters, der zentralen Tabubrüche sowie der literarischen Darstellung von Ekel und Sexualität in einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft.
- Analyse der narrativen Mittel und der spezifischen Sprache des Romans.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Tabubruch und Ekel-Empfinden.
- Darstellung der Familienproblematik und der kindlichen Perspektive der Protagonistin.
- Kritische Beleuchtung gesellschaftlicher Normen und Schönheitsideale.
- Einordnung des Werkes in den literarischen Diskurs über Sexualität und Tabus.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Exkremente
Der Urgegenstand des Ekels ist, laut Kolnai, die Fäulnis. Darunter fallen „Verfall eines lebendigen Körpers, Verwesung, Zersetzung, Leichengeruch, im Allgemeinen der Übergang des Lebendigen in den Zustand des Toten.“ Da die Exkremente als eine Art Übergang von einem lebendigen in einen toten Zustand anzusehen sind, sind auch sie als ekelhaft zu betrachten. Auch der „Abfall-Charakter der Exkremente“ ist ein Ekelauslöser.
Der sorglose und freudige Umgang der Helen Memel mit ihren Fäkalien könnte also Lesern, die für den Ekel für Kot anfällig sind, einen Grund zum Ekel liefern. Nicht nur, dass die Protagonistin sich nicht an seiner Nähe stört, sondern sie baut das Ekelobjekt in ihre Sexualität ein.
Wenn einer doch mit Schokodip will, geht das nur, wenn ich schon ein paar Mal guten Sex mit ihm hatte. Das ist ein großer Liebesbeweis, den ich dann erbringe. Analsex, ohne dass ich mir den Arsch vorher ausspüle. Da muss das Vertrauen groß sein, damit ich einem erlaube, seinen Schwanz mit meiner Kacke zu schmücken. Wenn ich direkt vorm Sex den Darm nicht entleere, egal ob mit Analspüler oder auf Klo, dann steht ein paar Zentimeter hinter dem Eingang die Kacke zum Austritt bereit. Intimer geht für mich nicht. Es riecht bei solchem Sex auch alles im Raum nach meinem Inneren. Also ich rieche jedenfalls mein Inneres die ganze Zeit. Er muss nur einmal kurz reingestochen und mit der Spitze meine Kacke berührt haben. Wenn er ihn dann wieder rauszieht und wir eine andere Stellung üben, funktioniert sein Schwanz als wedelnder Duftbaum mit meinem Kackegeruch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um den Roman „Feuchtgebiete“ ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Natur der Tabubrüche und dem Ekel-Empfinden.
2 Darstellungsweise: Hier werden das Cover, der Plot, die Erzählperspektive sowie der spezifische, kindlich-derbe Sprachstil des Romans analysiert.
3 Feuchtgebiete und der Ekel: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert die verschiedenen Ekel-Auslöser im Buch, von Exkrementen und Körpersekreten bis hin zu gesellschaftlichen Tabus wie Inzest und den Erwartungen an den idealen Körper.
4 Was ist ein Tabu?: Das Kapitel definiert den Tabubegriff im soziologischen und moralischen Kontext und hinterfragt die Möglichkeiten des Tabubruchs in der heutigen Gesellschaft.
5 Sexualität und Tabu in den Medien: Hier wird der Diskurs über Sexualität in Medien und Literatur beleuchtet und erklärt, warum der Roman trotz expliziter Inhalte eine polarisierende Wirkung entfaltet.
6 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass der Roman tatsächlich mit modernen Tabus bricht und den Bedarf für einen offenen Diskurs über Körperlichkeit und ästhetische Normen aufzeigt.
Schlüsselwörter
Feuchtgebiete, Charlotte Roche, Tabu, Tabubruch, Ekel, Sexualität, Exkremente, Körperlichkeit, Diskurs, Literaturanalyse, Feminismus, Schönheitsideal, Provokation, Erotik, Vagina.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Roman „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche hinsichtlich der darin vorkommenden Tabubrüche und der expliziten Darstellung von Ekel und Sexualität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören der Umgang mit Exkrementen, das Inzest-Tabu, der moderne Rasurzwang, die Darstellung der Vagina und der Kontrast zwischen Körperlichkeit und Schönheitsidealen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, warum der Roman als so anstößig empfunden wird und inwieweit die geschilderten Tabubrüche in unserer heutigen, sexuell befreiten Gesellschaft noch existieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Textes unter Einbeziehung philosophischer und soziologischer Theorien zu Ekel, Tabu (u.a. nach Kolnai, Duerr) und Diskurs (Foucault).
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Erzählweise sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den im Roman provozierten Ekel-Momenten und den zugrundeliegenden gesellschaftlichen Tabus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Tabubruch, Ekel, Körperlichkeit, Sexualdiskurs und Provokation beschreiben.
Warum wird die Vagina im Roman so explizit beschrieben?
Die Autorin versucht, eine neue, weibliche Sprache für Lust und den eigenen Körper zu finden, jenseits der Scham und der in Medien propagierten, retuschierten Ideale.
Wie erklärt die Arbeit die Wirkung des Romans auf den Leser?
Die Wirkung entsteht durch den Bruch mit Euphemismen und die realistische, oft als „zu nah“ empfundene Schilderung von Tabu-Themen, was bei Lesern ein Spektrum von Begeisterung bis zu tiefem Abscheu auslöst.
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- Anke Mirja Dahlmann (Autor), 2009, Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Ekel und Sexualität als Tabus in den Medien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319408