Zur Einflussnahme des Heiligen Stuhls. Außenpolitische Motive und internationale Beziehungen


Ausarbeitung, 2014
9 Seiten, Note: 1,7
Frank Harper (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen

3. Der Heilige Stuhl in den internationalen Beziehungen

4. Außenpolitische Motive des Heiligen Stuhls

5. Die Soft Power des Heiligen Stuhls

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Diese Ausarbeitung hat zum Ziel die Antwort nach den Möglichkeiten der Einflussnahme des Heiligen Stuhls in internationalen Beziehungen zu eruieren. Die Beantwortung dieser Frage ist daher interessant, als der Heilige Stuhl weder über militärische, noch ökologische oder gar territoriale Macht verfügt.

Zur wissenschaftlichen Erarbeitung dieser Fragestellung, wird eingangs die Stellung des Heiligen Stuhls innerhalb internationaler Beziehungen untersucht. Dies soll dazu dienen, um ihn leichter im globalen Kontext einordnen zu können. Danach folgt eine Auseinandersetzung mit den außenpolitischen Zielen des Heiligen Stuhls, die vor Allem die Motive seines Handelns offenlegen sollen. Der abschließende Teil der Ausarbeitung befasst sich mit der Akkumulation von Einfluss des Heiligen Stuhls, die auf unkonventionelle Art von statten geht. Doch zunächst folgt eine Erläuterung wichtiger Begrifflichkeiten.

2. Begriffsbestimmungen

Der Vatikan ist eine Kurzbezeichnung für die oberste Behörde der römisch-katholischen Kirche. Der Vatikanstaat ist seit den Lateranverträgen 1929 ein souveräner Staat jener Kirche mit der Staatsform der Monarchie, wobei der Papst das Staatsoberhaupt ist (Schmidt 2010, 827). Der Papst stellt somit das Oberhaupt der katholischen Kirche dar und ist der Souverän des Staates der Vatikanstadt. Unter der Bezeichnung „Heiliger Stuhl“, tritt dieser im völkerrechtlichen Kontext auf (Sommeregger 2011, 42). Den institutionellen Unterbau des Heiligen Stuhls bildet die katholische Kirche mit ca. 1,1 Mrd. Katholiken. Die Verwaltung des Heiligen Stuhls und somit den Komplex der Zentralorgane übernimmt die Römische Kurie.

Was die Charakteristika zur Generierung des Einflusses innerhalb der internationalen Beziehungen betrifft, so gilt es die Soft- und Hard Power Elemente aufzugreifen.

„Soft power rests on the ability to shape the preferences of others.” (Nye 2006, 2) Der von Nye geprägte Begriff der soft power bezeichnet eine Form der Machtausübung, welche sich auf die Überzeugungs- und Anziehungskraft der Akteure begründet. Zum Instrumentarium der soft power gehören zum einen aktive Mittel wie bspw. Diplomatie, das Werben für eigene Werte sowie das Engagement in den Bereichen der Entwicklungshilfe oder der Menschenrechtspolitik.

Im Kontrast dazu steht die hard power, die sich für die Machtausübung und die Beeinflussung anderer internationaler Akteure aggressiverer Methoden bedient. Zum Instrumentarium der hard power gehören Formen militärischer oder wirtschaftlicher Macht - „threats and inducements“ (a.a.O., 3).

3. Der Heilige Stuhl in den internationalen Beziehungen

Der Heilige Stuhl lässt sich nicht als herkömmlicher Akteur der internationalen Beziehungen charakterisieren und kann nach der traditionellen Realismustheorie nicht als vollwertiger Akteur in internationalen Beziehungen betrachtet werden. Er ist weder ein Staat im eigentlichen Sinne, noch gleichzusetzen mit einer Nichtregierungsorganisation. „Der Heilige Stuhl ist Teil der internationalen Beziehungen, weil er die Exekutive des Staates der Vatikanstadt darstellt und zugleich das Leitungsgremium einer der größten Religionsgemeinschaften mit über einer Milliarde Mitgliedern ist (…)“ (Sommeregger 2011, 126). So erreicht der Heilige Stuhl bspw. den Beobachterstatus in der UNO, positioniert sich jedoch bei Staatsbesuchen als nichtstaatliche Organisation. Somit ist der Heilige Stuhl der einzige Akteur der internationalen Beziehungen, welcher die Vorzüge eines Staates und einer NGO in sich vereint (a.a.O., 289).

Obgleich die Drei-Elementen-Lehre für den Vatikan nicht greift, da er kein nennenswertes Staatsterrain besitzt und kein Staatsvolk hat, kann man ihn nach Rotte als quasi-staatlichen Akteur betrachten. Deshalb, da er als einziger Nichtstaat gleichberechtigt unter den Staaten als den ‚natürlichen Personen’ des Völkerrechts und der internationalen Politik agiert (Rotte 2007, 15). Auch Casaroli ist der Auffassung, dass der Heilige Stuhl, obwohl er keine hard power Elemente besitzt, eine Einflussreiche Macht durch sein Wort und seine Lehren darstellt (vgl. Casaroli 1981, 96). Betrachtet man also den Gesichtspunkt, dass sich die Rechtspersönlichkeit des Heiligen Stuhls aus seiner „geistig-moralischen Funktion“ heraus begründet (Rotte 2007, 59) und dass seine Völkerrechtssubjektivität von seinem Gefilde unabhängig ist (Köck 1975, 774), muss man ihn als quasi-staatliches Völkerrechtssubjekt sui generis verstehen.

Um die später folgende Auseinandersetzung mit den Einflussmöglichkeiten des Heiligen Stuhls in internationalen Beziehungen nachvollziehen zu können, ist es zunächst wichtig sich mit der Interdependenztheorie zu befassen. Die von Robert O. Keohane und Joseph S. Nye im Jahre 1977 publizierte Theorie warf eine neue Form der Betrachtung von Machtstrukturen in internationalen Beziehungen auf, die als Opposition zur (neo-)realistischen Theorie fungiert. Jene Theorie besagt, dass ein Staat nicht aus seiner inneren Stärke heraus Macht besitzt, sondern dass die Macht aus dem Verhältnis und den Dependenzen zu anderen Staaten entsteht (vgl. Keohane/Nye 2001). Bei diesem Ansatz bergen hard power Elemente keinerlei Vorteile in internationalen Beziehungen. An Stelle der militärischen Macht, besitzt somit jener Akteur mehr politische Gestaltungskraft, welcher auf besondere Weise Einfluss auf die öffentliche Meinung ausüben kann. Dies wird durch die Elemente der soft power ermöglicht (Sommeregger 2011, 83).

4. Außenpolitische Motive des Heiligen Stuhls

Wie bereits eruiert, ist der Heilige Stuhl als Doppelnatur mit bilateralen Interessen zu verstehen. Er ist einerseits ein Völkerrechtssubjekt und überdies die Leitung der katholischen Glaubensgemeinschaft. Sein zentraler Aspekt ist es eine „korrekte Beziehungen zwischen den Staaten und der katholischen Kirche sicherzustellen und zu fördern.“ (Casaroli 1981, 87) Das Ziel dieser Bemühung ist die Vermittlung und Förderung von Frieden zwischen den Staaten (ebd.). Freilich verfolgt der Heilige Stuhl auch persönliche außenpolitische Motive. So ist er in seinen diplomatischen Aktivitäten stets auf die Gewährleistung der Religionsfreiheit und die freie Organisation und Expansion der katholischen Kirche bedacht. Ebenso setzt der Heilige Stuhl sich für die öffentliche Ausübung des Glaubens und für eine reibungslose Bestimmung seiner Personalpolitik ein. Zu diesem Zweck bemüht er sich darum, seine Stellung und seine Kompetenzen in den einzelnen Staaten durch Konkordanzen vertraglich zu sichern (Ring-Eifel 2004, 41-46; zit. n. Rotte 2007, 95).

Ferner setzt sich der Heilige Stuhl für die drei zentralen Prinzipien der katholischen Soziallehre ein: Solidarität, Subsidiarität und Personalität. Daraus lässt sich bspw. die Forderung nach einem Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit sowie zwischen Eigentum und Gemeinwohlverpflichtung. „So wendet sich die katholische Lehre gegen Ausbeutung und unterschiedslose Enteignung und setzt sich für eine nachhaltige, weltweite Entwicklung ein.“ (Rotte 2007, 99). Die Richtlinien der katholischen Soziallehre sind somit ideologisch mit politischen Programmen von Christ- oder Sozialdemokraten vereinbar und spielen eine politisch relevante Rolle (a.a.O., 100).

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Zur Einflussnahme des Heiligen Stuhls. Außenpolitische Motive und internationale Beziehungen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Religion und Weltpolitik
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V319430
ISBN (eBook)
9783668187313
ISBN (Buch)
9783668187320
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiliger Stuhl, Papst, Internationale Beziehungen, Apostolischer Stuhl, Sancta Sedes, Bistum Rom
Arbeit zitieren
Frank Harper (Autor), 2014, Zur Einflussnahme des Heiligen Stuhls. Außenpolitische Motive und internationale Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319430

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