Disc-Golf im Sportunterricht? Einsatz einer Trendsportart in der Schule


Masterarbeit, 2013

95 Seiten, Note: 2,0

Tom Keller (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Trendsport
2.1 Zum Begriff Trend
2.2 Zum Begriff Sport
2.3 Zum Begriff Trendsport
2.4 Phänomen Trendsport
2.5 Merkmale von Trendsport
2.5.1 Zunehmende Verbreitung
2.5.2 Mehrjährige Zeitdauer
2.5.3 Neuigkeitswert
2.5.4 Virtuosität
2.5.5 Extremisierung
2.5.6 Sampling
2.5.7 Stilisierung
2.5.8 Beschleunigung
2.5.9 Gestaltungsoffenheit
2.6 Genese von Trendsportarten

3. Gesellschaft und Sport im Wandel
3.1 Trends im Sport
3.2 Zusammenfassung

4. Trendsport im schulischen Sportunterricht
4.1 Bildungsbeitrag des schulischen Sportunterrichts
4.2 Sportpädagogische Herausforderungen und Perspektiven
4.3 Einblick in die didaktische Diskussion zum Trendsport im Sportunterricht
4.4 Argumente für eine Integration von Trendsportarten
4.5 Argumente gegen eine Integration von Trendsportarten
4.6 Auswahl geeigneter Trendsportarten
4.7 Überblick der Diskussionsergebnisse

5. Untersuchungsbeispiel Disc-Golf
5.1 Was ist Disc-Golf?
5.2 Ausrüstung
5.3 Reiz von Disc-Golf
5.4 Trendsport Disc-Golf
5.4.1 Zunehmende Verbreitung
5.4.2 Mehrjährige Zeitdauer
5.4.3 Neuigkeitswert
5.4.4 Sampling
5.4.5 Beschleunigung
5.4.6 Gestaltungsoffenheit
5.5 Entwicklungsstand von Disc-Golf
5.6 Ergebnisse

6. Disc-Golf im schulischen Sportunterricht
6.1 Rahmenbedingungen
6.2 Die Bewegungsform Werfen
6.3 Gründe für den Einsatz in der Schule
6.3.1 Bewegungskoordination
6.3.2 Gestaltungsmöglichkeiten
6.3.3 Kooperationsperspektiven
6.3.4 Alltags- und Lebensweltbezug
6.4 Lernziele
6.4.1 Räumliche Orientierung
6.4.2 Distanzwahrnehmung
6.4.3 Natürliche Auseinandersetzung
6.4.4 Auseinandersetzung mit Wagnis und Risiko

7. Untersuchung
7.1 Leitfragen mit Untersuchungsablauf
7.2 Forschungsmethoden
7.2.1 Beobachtung
7.2.2 Protokoll
7.2.3 Unterrichtsrezension

8. Rezension einer Sportstunde der Klasse 5A
8.1 Porträt der Sportstunde der Klasse 5 A
8.2 Rezension der Sportstunde der Klasse 5A
8.2.1 Die Sache aus der funktionalen Sicht
8.2.2 Die Sache aus der phänomenologischen Sicht
8.2.3 Rezension auf der didaktischen Ebene
8.3 Neukonstruktion des Unterrichts
8.4 Ergebnisse

9. Allgemeine Ratschläge für die Vermittlung von Trendsport

10. Fazit

Anhang

Anhang I

Literaturverzeichnis

Internetquellen (pdf)

Internetquellen (Webseiten)

1. Einleitung

Die Sport- und Bewegungskultur befindet sich heutzutage in einem dynamischen Wandel, der einhergeht mit den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und vor allem auf die freizeitlichen Aktivitäten Einfluss nimmt.

Vereine sind immer seltener Ziel von freizeitlicher Bewegungsgestaltung und müssen Platz machen für subkulturelle Gruppen. Insbesondere Jugendliche sind schon lange nicht mehr nur an traditionellen Sportarten wie Fußball, Basketball, Turnen oder Leichtathletik interessiert, sondern suchen und entwickeln eigene Sportarten, die sie losgelöst von institutionellen Rahmenbedingungen an Orten ihrer Wahl ausüben.

Diese sogenannten Trendsportarten zeichnen sich durch Informalität und Selbstorganisation aus und sind ferner durch bestimmte Merkmale geprägt. So ist es häufig der Fall, dass die Ästhetik von Bewegungen, beschleunigte Aktionen oder eine Simplifizierung der Ausführung im Vordergrund stehen.

Diese neuartigen Bewegungsformen gehören dem außerschulischen Bereich an und sind mit dem traditionellen Schulsport nicht zu vergleichen. Aufgrund ihrer zunehmenderen Bedeutung in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen erscheint eine Thematisierung über die Öffnung des Sportunterrichts für solch neue Sportformen jedoch durchaus sinnvoll.

Voraussetzung hierfür ist zunächst einmal, einen Blick auf den momentanen Sportunterricht - so wie er in der Regel aller Fälle in den Schulen durchgeführt wird - zu werfen. Hierfür wurde auf ein Zitat von Balz zurückgegriffen (2001, S. 4):

„Zumindest im Kontext von Schule scheint Trendsport jedoch eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Kinder und Jugendliche, die in ihrer Freizeit skaten oder klettern, haben dazu im Schulsport bislang wenig Gelegenheit. In der Schule bestimmen offensichtlich traditionelle Sportarten wie Leichtathletik, Fußball etc. stärker das Geschehen; nur selten wird Streetball gespielt oder Inlineskating angeboten.”

Trendsport im Schulsport hat eine schon langjährig andauernde Diskussion zwischen führenden Sportwissenschaftlern entfacht. Die Diskussionsparteien lassen sich dabei in zwei Lager aufteilen: Eines, welches die Idee befürwortet und das andere, welches sie strikt ablehnt. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Argumente beider Parteien aufgegriffen und so ein allgemeiner Überblick über das Für und Wider hinsichtlich des Trendsports im Sportunterricht gewährt.

Konkretisiert werden soll die Diskussion anhand des Beispiels Disc-Golf.

Disc-Golf ist solch eine neuartige Bewegungsform, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut und zunehmend präsenter wird. Ebenso findet Disc-Golf langsam den Weg in die Schulen und gibt den Schüler/innen dadurch die Möglichkeit, verschiedene Facetten des Spiels kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.

Die Entscheidung für Disc-Golf basiert auf einem persönlichen Interesse zu dieser Trendsportart, mit der ich vor circa zwei Jahren in Berührung gekommen bin und seitdem für mich entdeckt habe. Die Sportart zog mich derart in ihren Bann, dass ich einen eigenen Verein gründete.

Es ist mir somit ein persönliches Anliegen, die verschiedenen Facetten der Sportart vorzustellen und aktiv dazu beizutragen, dass die innovative Bewegungsform bekannter und damit noch stärker in den Schulen thematisiert wird.

Die Arbeit ist in verschiedene Teile mit je eigenem Schwerpunkt gegliedert. Um ein fundiertes Grundwissen bzw. einen übergeordneten Rahmen zu schaffen, in den Disc-Golf an späterer Stelle eingeordnet werden kann, wird im ersten Teil der Arbeit der Trendsport im Allgemeinen vorgestellt. Neben einer ausführlichen Klärung des Begriffs Trendsport mitsamt mehreren Definitionen, wird ebenfalls auf gesellschaftliche Entwicklungen eingegangen, die den Sport stark beeinflussen. Darüber hinaus werden die Entwicklung und spezifische Merkmale von Trendsportarten vorgestellt, die eine Identifikation ermöglichen. Abschließend folgt eine Analyse von allgemeinen Trends im Sport.

Der zweite Teil setzt sich mit der Integration von Trendsport in den Schulsport, mit dem Schwerpunkt auf den schulischen Sportunterricht auseinander. Zum besseren Verständnis wird der Sportunterricht dabei anfänglich mit seinen vielfältigen bildungspädagogischen Zielen näher beleuchtet. Folgend werden auch die Herausforderungen und Perspektiven in der Sportpädagogik analysiert. Ebenfalls wird die didaktische Diskussion zum Trendsport näher betrachtet und ein Vergleich von Pro und Kontra der Integration von Trendsport im schulischen Sportunterricht aufgeführt. Abschließend wird der Versuch unternommen, Vorschläge zur Auswahl geeigneter Trendsportarten zu geben.

Der Schwerpunkt des dritten Teils der Arbeit liegt auf der Trendsportart Disc-Golf und dessen dazugehörigen Merkmalen. Es werden die Fragen geklärt, ob sie als Trendsportart angesehen werden kann und ob sich Disc-Golf für eine Thematisierung im Sportunterricht eignet. In diesem Zusammenhang werden auch Vorschläge genannt, welche spezifischen Lernziele mit dieser Trendsportart erreicht werden können.

Daraufhin folgt der empirische Teil der Arbeit, in dem eine Untersuchung präsentiert wird, in deren Mittelpunkt die Thematisierung von Disc-Golf im Sportunterricht steht. In einem ersten Schritt werden die Forschungsleitfragen sowie Forschungsmethoden vorgestellt und erklärt. In einem zweiten Schritt wird ein Porträt über die Sportstunde einer fünften Klasse zum Thema Vorhandwurf beim Disc-Golf vorgelegt und daraufhin rezensiert. Abgeschlossen wird die Untersuchung mit einer Neukonstruktion des Unterrichts.

Der letzte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit einem kurzen allgemeinen Konzept zur Vermittlung von Trendsportarten im schulischen Sportunterricht.

Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, in dem die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit im Hinblick auf die Forschungsfrage kurz und prägnant zusammengefasst werden und ein thematischer Ausblick getätigt wird.

2. Trendsport

Die vorliegende Arbeit behandelt in einem weiten Teil das Phänomen Trendsport. Da dieser Begriff während der Arbeit immer wieder verwendet wird, ist eine vorausgehende Klärung nicht nur für das Verständnis, sondern auch für die Einordnung unabdingbar. Morphologisch betrachtet, handelt es sich bei dem Begriff Trendsport um ein Kompositum, zusammengesetzt aus den Worten Trend und Sport. Im Folgenden wird versucht, die jeweiligen Begrifflichkeiten kurz zu erläutern und voneinander abzugrenzen, um danach den Begriff als Ganzes zu betrachten.

2.1 Zum Begriff Trend

Der Begriff Trend wird in unserer heutigen Gesellschaft nahezu alltäglich gebraucht. Dabei ist es jedoch relativ schwierig den Begriff zufriedenstellend zu erfassen, da er in vielen Bereichen - vor allem in der Modewelt oder auch im Sport - für Entwicklungstendenzen, Stile oder für eine öffentliche Meinung genutzt wird. Eine genaue Analyse der Begrifflichkeit erscheint vor diesem Hintergrund umso notwendiger (vgl. Sieland, 2002, S. 29).

Der Terminus Trend lässt sich auf das englische Verb to trend (sich neigen, in eine bestimmte Richtung laufen) zurückführen. Letzteres ist wiederum aus dem altenglischen trendan (sich drehen, wenden) oder aus dem dazugehörigen Substantiv trend (Verlauf, Richtung) entstanden. In Deutschland tauchte der Begriff in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts auf und ist in der heutigen Zeit fester Bestandteil der deutschen Sprache (vgl. Sieland, 2002, S. 29 & Laßleben, 2009, S. 29).

Mit der Bezeichnung wird ein Sachverhalt beschrieben, der sich in eine bestimmte Richtung hin verändert bzw. einen bestimmten Weg einschlägt. Schildmacher (1998, S. 14) versteht „[...] unter Trend im allgemeinen die Daten einer Zeitreihe, die eine Entwicklungstendenz anzeigen [ und die ] temporäre Entwicklungen [ sind ], die auf der Basis bestimmter Gegebenheiten in der Gesellschaft entstehen”. Dies bedeutet, dass eine bestimmte Entwicklung erfasst wird, die über eine gewisse Zeitdauer beobachtbar ist. Breuer und Sander (2003, S. 42) ergänzen die Beschreibung „[...] um eine soziologische Perspektive, [ in welcher ] erhobene Variablen den ´Ist-Zustand´, [] und ein Trend dessen Entwicklung [ beschreiben ]”. Der Trend wird hierbei als eine Längsschnittuntersuchung angesehen, in welcher ein Kurvenverlauf mögliche Entwicklungen anzeigen kann (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 42).

Trends haben somit einen großen Einfluss darauf, wie sich unsere Erlebnisgesellschaft entwickelt und wirken sich auch freizeitsportlich aus (vgl. Lange, 2007, S. 12). Dabei sind viele Faktoren von Bedeutung, die sich in zwei Faktorenkomplexe zusammenfassen lassen: „[...] [ Z ]um einen die Bedingungen, die zu einem veränderten Freizeitverhalten der Gesellschaft führen, und zum anderen die darauf folgenden individuellen Bedürfnisse ihrer Mitglieder []” (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 42). Des Weiteren probieren verschiedene Interessengruppen aus den Bereichen der Wirtschaft oder den Medien, Bedürfnisse möglichst vorteilhaft zu beeinflussen und somit zu steuern.

Letztendlich ist es nicht leicht, eine einheitliche Definition des Begriffes Trend festzulegen, da die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und den Individuen zu kompliziert erscheinen und zu stark von den Phänomenen Wandel, Flexibilität und Innovation beeinflusst werden (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 42). Eine Definition von Wopp (2006, S. 24) bietet sich dabei noch am ehesten an: ”Trends sind durch Menschen bewirkte Grundrichtungen von Entwicklungen, die als Metaphern im Bewusstsein vieler Menschen verankert sind und Handlungen großer Bevölkerungsgruppen mindestens 5 Jahre lang beeinflussen.”

Abschließend bleibt zu konstatieren, dass Trends gesellschaftliche Phänomene sind, die das Verhalten und die Entwicklung in den Bereichen Freizeitgestaltung, Konsumverhalten oder Berufsleben unter folgenden Gesichtspunkten stark beeinflussen:

- Trends haben eine Mindestdauer von fünf Jahren und halten im Normalfall zwischen 10 und 25 Jahren (vgl. Horx, 1998, S. 11)
- Trends steigern ihren Einfluss durch die wachsende Anzahl interessierter Individuen (vgl. Laßleben, 2009, S. 31f.)
- Trends wie bspw. Streetball in den USA entstehen allmählich (Bottom-up) oder werden der Gesellschaft hinzugefügt z. B. Streetball in Deutschland (Top-down) (vgl. ebd.)
- Trends können regional und geografisch verschieden sein (vgl. ebd.)
- Trends wirken zielgruppenspezifisch, sind nicht gebunden an bestimmte Szenen und können für alle gesellschaftlichen Gruppierungen gelten (vgl. Laßleben, 2009, S. 33)

2.2 Zum Begriff Sport

Der Begriff Sport ist nahezu allgegenwärtig und wird auf vielfältige Art und Weise verwendet. Obwohl sich jeder unter dem Begriff Sport etwas vorstellen kann, nämlich die körperliche Aktivität, und sich diese Vorstellung allgemein ähneln wird, herrscht weder in der Wissenschaft noch im Alltagsverstädnis eine einheitliche Auffassung darüber, was er konkret beinhaltet. Abgeleitet hat sich der Begriff Sport aus dem lateinischen, dem Verb deportare, welches übersetzt sich zerstreuen bedeutet (Bruckmann & Rektenwald, 2010, S. 13ff.). Im Duden (vgl. Duden online) wird Sport als eine „nach bestimmten Regeln [ im Wettkampf ] aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung” definiert. Jedoch wäre es zu einfach, an solch einer Definition endgültig festzuhalten. Zu vielfältig wird der Begriff genutzt und teilweise instrumentalisiert. Was heutzutage für den einen Sport ist, heißt nicht zwangsläufig dasselbe für andere Personen, was auch folgendes Zitat beweist:

„Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich [Sport] zu einem umgangssprachlichen, weltweit gebrauchten Begriff entwickelt. Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung läßt sich deshalb nicht vornehmen" (Röthig & Prohl, 2003, S. 493).

Tiedemann (2012, S. 1) beschreibt diesen Umstand als „[...] `Kapitulation` vor der notwendigen begrifflichen Anstrengung [...]” und plädiert trotz der offensichtlichen Schwierigkeit für die Möglichkeit einer Begriffsdefinition:

„`Sport` ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich freiwillig in eine wirkliche oder auch nur vorgestellte Beziehung zu anderen Menschen begeben mit der bewussten Absicht, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten insbesondere im Gebiet der Bewegungskunst zu entwickeln und sich mit diesen anderen Menschen nach selbstgesetzten oder übernommenen Regeln zu vergleichen, ohne sie oder sich selbst schädigen zu wollen” (Tiedemann, 2008, S. 3).

Problematisch ist in dieser Definition die Tatsache, dass der Vergleich mit anderen Menschen unter bestimmten Regeln fester Bestandteil von Sport sein soll. Auch wird darauf hingewiesen, dass Sport immer freiwillig ist, was aber auf den Schulsport nicht zutrifft. Tiedemann ist sich dieser Enge der Definition bewusst, welche sich somit auch nicht eignet um Ertüchtigungen „[...] wie Jogging, Aerobics etc. []” mit einzuschließen, die eher unter dem Feld der Bewegung anzusiedeln wären und über diese Definition von Sport hinausgehen. Daher komplettiert er seine Ansicht von Sport mit einer Definition von Bewegungskultur, welche lautet:

„`Bewegungskultur` ist ein Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich mit ihrer Natur und Umwelt auseinandersetzen und dabei bewusst ihre insbesondere, körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, gestalten und darstellen, um einen für sie bedeutsamen individuellen oder auch gemeinsamen Gewinn und Genuss zu erleben” (Tiedemann, 2008, S. 3).

Durch diese beiden Definitionen erhält man einen relativ großen Rahmen, unter dem eine Vorstellung von sportlichen Aktivitäten gewonnen werden kann. Demnach sind unter dem Begriff Sport und den dazugehörigen Aktivitäten Verhaltensweisen vorstellbar, die allgemein „[...] aus Freude an Bewegung und Spiel, zur physischen Ertüchtigung und aus psychosozialen Motiven heraus []” betrieben werden (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 44). Der Mensch ist dabei meistens selbstbestimmt und besitzt die Möglichkeit des freien Handelns. Dies gilt jedoch nicht für den Schulsport, der trotz der Anwesenheitspflicht zweifellos als Sport angesehen werden kann. Auch auf einen etwaigen Trainingsbetrieb in dem der jeweilige Trainer gewisse Handlungen vorgibt, trifft die Definition nicht zu (Laßleben, 2009, S. 38). Ein weiterer Bestandteil des Sports besteht darin, dass ein Individuum auf unterschiedliche leistungsorientierte, ästhetische oder gesundheitliche Ziele hinarbeiten kann. Ebenso können verschiedene Dinge gewagt und riskiert werden. Entweder wird dabei Kontakt mit anderen Menschen hergestellt oder alleine für sich Sport erlebt. Gegebenenfalls werden dann auch Wettkämpfe in verschiedenen Kontexten ausgetragen (vgl. ebd). Diese Aspekte nehmen einen nicht unerheblichen Teil unserer Gesellschaft ein, machen den Sport dabei zu einem Teil unserer Lebenskultur und stellen eine Möglichkeit dar, sich auszuleben und auszudrücken.

Abschließend stelle ich meine eigene Definition, angelehnt an die zuvor beschriebenen Erkenntnisse und die Definitionen von Tiedemann (2008, S. 3) und Laßleben (2009, S. 38) vor, die für den Sportbegriff im weiteren Verlauf dieser Arbeit stehen wird:

„Sport ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen auf Basis individuell unterschiedlicher, selbstbestimmter Motive versuchen, willkürlich geschaffene Bewegungsaufgaben vorwiegend unter Einsatz ihres Körpers zu lösen und dabei ihre körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, gestalten und darstellen.”

2.3 Zum Begriff Trendsport

Nach einer vorausgehenden, separaten Erläuterung der Wörter Trend und Sport soll nun der Begriff Trend sport als Ganzheit untersucht werden. Definitionen von Lamprecht & Stamm (1998), Schildmacher (2001), Schwier (2000) oder Laßleben (2009) versuchen, den Begriff zu positionieren und kommen dabei zu unterschiedlichen Definitionen. Die Grundvoraussetzung für eine weitere Behandlung der Thematik ist daher, sich auf eine Definition von Trendsport festzulegen.

Im Rahmen dieser Arbeit wird auf die Definition von Jürgen Schwier zurückgegriffen, welcher sich ausgiebig mit dem Phänomen Trendsport auseinandergesetzt hat:

„Der Begriff der Trendsportart kennzeichnet dabei neuartige bzw. lifestylegerecht aufbereitete Bewegungsformen, die als `charismatische Produkte` (Lamprecht & Stamm, 1998, S. 372) ein erhebliches Verbreitungspotenzial besitzen. Trends im Feld des Sports sind ferner dadurch gekennzeichnet, dass sie unsere eingewöhnten Sportvorstellungen überschreiten und zuvor unbekannte oder vernachlässigte Auslegungen des menschlichen Sichbewegens in unseren Horizont rücken” (Schwier, 2000, S. 20).

In dieser Formulierung sind wesentliche Kernelemente beschrieben, die - gemeinsam zusammengefügt - Trendsport ausmachen. Folgend werden die wesentlichen Merkmale dargestellt und erläutert:

- Das wichtigste Merkmal der Definition ist die Tatsache, dass Trendsport als eine neuartige bzw. lifestylegerecht aufbereitete Bewegungsform beschrieben wird. Folglich ist Trendsport etwas Neues und steht für Formen und Stile, die vorher in dieser Form, unter diesem Namen, noch nicht existiert haben (vgl. Breuer & Michels, 2003, S. 11; Schwier, 2000, S. 20).
- Ein weiteres Merkmal ist das erhebliche Verbreitungspotenzial, welches essentiell für Trendsportarten ist. Lamprecht & Stamm (1998, S. 385) weisen darauf hin, dass eine Trendsportart sich nur dann erfolgreich entwickeln kann, wenn ein gewisses Wachstum besteht, welches den Kreis von einigen wenigen Individuen verlässt und flächenmäßig Aufmerksamkeit erlangt.
- Des Weiteren überschreiten Trends die eingewöhnten Sportvorstellungen und führen uns weg vom traditionellen Sporttreiben. Trendsport ist informell, zeitlich nicht gebunden und kann praktisch überall praktiziert werden. Ferner nehmen Selbstgestaltung und Selbstorganisation einen großen Platz in der Durchführung ein (vgl. Laßleben, 2009, S. 41).
- Zusätzlich werden zuvor unbekannte oder vernachlässigte Auslegungen des menschlichen Sichbewegens in den Mittelpunkt gestellt. Bewegungsformen, die vorher unbekannt waren, sind plötzlich fester Bestandteil des eigenen Bewegungsrepertoires (vgl. Schwier, 1998, S. 7). Bewegungen, die seit Jahren nicht mehr ausgeführt wurden, sind wieder Teil des Sichbewegens. Individuen, die bspw. den Trendsport Slacklining ausführen, kannten die Bewegungsform des Balancierens wahrscheinlich schon aus dem Schulsport, haben diese möglicherweise jahrelang nicht mehr ausgeübt und reaktivieren diese im Trendsport.

2.4 Phänomen Trendsport

Die Verbreitung des Phänomens Trendsport lässt sich u. a. daran erkennen, dass sich auch die Sportwissenschaft seit Jahren mit diesem Phänomen konfrontiert sieht und hierüber in unzähligen Debatten diskutiert. Einige Wissenschaftler sehen Trendsport [...] als Vorboten einer fundamentalen Umgestaltung der Sportwelt [...]”, andere wiederum glauben nicht an die Nachhaltigkeit und prognostizieren folglich einen raschen Niedergang (Lamprecht & Stamm, 1998, S. 370).

Trotz der unterschiedlichen Meinungen hinsichtlich des Wirkungsgrades von Trendsport besteht Übereinstimmung darin, dass dem Trendsport eine gewisse Dynamik innewohnt, die sich aus den verschiedensten Formen und Stilen der Sport- und Bewegungskultur zusammensetzt. Der moderne Sport verliert an Übersichtlichkeit, die Vielfalt wird immer größer und Veränderungsprozesse finden in rasanter Geschwindigkeit statt.

Die Liste der Trendsportarten ist lang und besteht aus zahlreichen Bewegungsformen. In folgender Tabelle sind einige Trendsportarten zusammengetragen, sodass ein Eindruck von diesen gewonnen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Reinschmidt, 2012, S. 12 & Schwier, 2001, S. 14 & Balz/Brinkhoff/Wegner, 1994, S. 20)

Das Phänomen des Trendsports steht nicht nur für neue Bewegungsformen, sondern auch für neue Anforderungen, Erwartungen und Raumbedürfnisse (Natur- oder urbaner Sport). Klassische Sportstätten werden von neuen oder verloren geglaubten” Sporträumen ersetzt, wodurch es notwendig wird, [...] neue Konzepte einer Sport- und Bewegungsinfrastrukturplanung [...]” zu entwickeln (vgl. Breuer & Michels, 2003, S. 11).

Die Folge ist ein Wandel der Landschaft der Sport- und Bewegungsformen. Klassische Formen des Sports geraten immer mehr in den Hintergrund und werden durch spannende, neue - so genannte Trendsportarten - abgelöst. Diese neuartigen Formen des Sports rebellieren geradezu gegen den traditionellen Sportbegriff und stellen diesen sprichwörtlich auf den Kopf. Neue Bewegungsformen, neue Sportgeräte und gar ein neues Sportverständnis führen dazu, dass der Spaß im Vordergrund steht, informelle Gruppen anstatt Vereine und Verbände auf diesem Gebiet vorherrschen und Anglizismen die Kommunikation dominieren. Hinzu kommen die Medien und die Sportindustrie, die sich auf jede neue Bewegungsform stürzen und - auf den Aussagen von Trendforschern basierend -, die allerneuesten Trendsportsensationen anpreisen, um möglichst viel Profit zu erlangen (vgl. Lamprecht & Stamm, 1998, S. 370). Die Rede ist von einer Welle der Kommerzialisierung, die das Ziel verfolgt, potentielle Trends in der Sportwelt frühzeitig zu erkennen und zu propagieren, um soviel Profit durch Sportgeräte, Kleidung und Zubehör zu erlangen wie möglich. Vor dem Hintergrund der Schnellebigkeit des Geschäfts und dem Misserfolg mancher Firmen auf dem Gebiet des Trendsports schwingt ein gewisses Risiko immer mit (vgl.ebd.).

Was letztendlich bleibt, ist ein immer noch wenig präzisierter Begriff, der die Sportwelt spaltet.

2.5 Merkmale von Trendsport

Neben einer Definition ist die Herausarbeitung bestimmter Merkmale zu einem Sachverhalt - in diesem Fall Trendsport - sinnvoll, um so zu einem besseren Verständnis von der Sache an sich zu gelangen. Im konkreten Fall sollen diese Merkmale helfen, Trendsport zu identifizieren. Allerdings muss festgehalten werden, „[...] dass es keine allgemeinen Merkmale gibt, die für alle Trendsportarten gelten, sondern eben qualitative Ähnlichkeiten und Überschneidungen” (vgl. Laßleben, 2009, S. 39). Die folgenden acht Eigenschaften – angelehnt an die Sichtweisen von Schwier (2000), Laßleben (2009) und Lange (2007) helfen bei der Identifizierung von Trendsport. Wichtig ist hierbei anzumerken, dass nicht immer alle acht Merkmale zutreffen müssen, um eine Sportart als Trendsport zu bestimmen.

2.5.1 Zunehmende Verbreitung

Das dominanteste Merkmal, welches Trendsportarten als solche auszeichnet, besteht in der Tatsache, dass sie im Trend liegen . Was im Trend ist, erreicht viele Menschen und führt somit häufig zu einer Verbreitung, die sich nicht nur auf Menschen direkt, sondern auch auf die Medien auswirkt. Diese verhelfen der Trendsportart zu einer größeren öffentlichen Wahrnehmung und führen dazu, dass immer mehr Menschen von ihr erfahren und sie als aufkommende, moderne Strömung wahrnehmen (vgl. Laßleben, 2009, S. 41).

2.5.2 Mehrjährige Zeitdauer

Angelehnt an Trends gilt für die jeweiligen Trendsportarten auch eine gewisse Zeitdauer, die sie existieren müssen, um als solche angesehen zu werden. Anders als bei Trends wird im Bereich der Sportarten aber nicht erst ab einer Lebensdauer von fünf Jahren, sondern bereits bei zwei Jahren von einer Trendsportart gesprochen. Schwier (1998, S. 7) betrachtet daher die meisten neuen Sportformen eher als „[...] kurzlebige Körpermoden, die rasch und lautlos der nächsten Kollektion weichen”. Er beschreibt diese Körpermoden eher als Hypes denn Trends und konstatiert, dass viele kurzlebige Hypes wenigen Trends, den Hips, gegenüberstehen und sich immer wieder ablösen (vgl. ebd.).

2.5.3 Neuigkeitswert

Ein wichtiges Merkmal von Trendsportarten ist die Tatsache, dass sie meistens als etwas Neues empfunden werden. Was genau unter neu zu verstehen ist, hängt von der Art der Neuheit ab. Ein Phänomen kann bspw. zu einem früheren Zeitpunkt komplett unbekannt und damit zu einem späteren Zeitpunkt neu sein oder es besitzt einen Neuigkeitswert nur für spezifische Gruppen wie z. B. für Unternehmen, dem Handel, dem Markt, die Kunden oder einer Branche. Ebenso kann es der Fall sein, dass eine neue Trendsportart in Wirklichkeit gar nicht neu ist. Die historische Perspektive der Sportentwicklung bietet mehrere Beispiele von älteren Sportarten, „[] die gegenwärtig eine Renaissance erleben, wie das Telemark-Skiing im Alpenraum []” (Laßleben, 2009, S. 41). Laßleben (vgl. ebd.) bezeichnet auch solche Sportarten, die wieder auftauchen und als neu angesehen werden, als Trendsportarten bzw. Retro-Trends.

Unabhängig von der Art der Neuheit stellte Stumm (2004, S. 159) fest, dass das Neue im Allgemeinen das Besondere an Trendsportarten ist. Hierin besteht der große Anreiz, neue Trendsportaren auszuprobieren.

Für den Trendsport sind speziell die Kunden und der Markt von elementarer Bedeutung, da sie großen Einfluss darauf nehmen, wie sich solch ein Phänomen entwickeln wird.

Marktneuheit bedeutet, dass etwas Neues auf einem bestimmten Markt wie z. B. Deutschland erscheint. Das neue Produkt muss dabei aber keinesfalls erst in diesem Land entstanden sein. Oft ist es der Fall, dass dieses schon längst in anderen Märkten etabliert ist wie z. B. in den USA, wo erfolgreiche Produkte nach einiger Zeit in andere Länder transferiert werden (vgl. Laßleben, 2009, S. 40). In Bezug auf die Kunden spricht man von der Kundenneuheit, welche dann auftritt, wenn eine Zielgruppe ein Produkt als etwas völlig Neues wahrnimmt. In diesem Zusammenhang ist die Sicht der Zielgruppe zu erwähnen. So gelten für bestimmte Zielgruppen Sportarten als neu und damit auch als Trendsportarten, für andere Gruppen wiederum nicht. Eine junge Generation bspw. wird daher aller Voraussicht nach ältere Sportarten, die z. B. in den Siebzigern bekannt waren, als”neu” empfinden. Darüber hinaus spielen auch die Bedürfnisse der Gesellschaft eine Rolle. Unbewusste Bedürfnisse werden durch Trendsportarten bewusst gemacht und lassen somit neue Bewegungsformen entstehen (vgl. Laßleben, 2009, S. 41). So hat vor mehreren Jahrzehnten sicher niemand daran gedacht, ein elastisches Band zwischen zwei Bäume zu spannen, und darauf zu balancieren (Slacklining) oder unter Wasser Rugby zu spielen.

2.5.4 Virtuosität

Der Trendsport unterscheidet sich gänzlich von anderen Sportarten, wenn man die Hegemonie des binären Sieg-Niederlage-Codes betrachtet. Dieser Code wird regelrecht aufgebrochen und steht somit im Hintergrund des Sporttreibens. Das Gewinnen oder Verlieren verliert an Bedeutung und lässt Raum für die Ästhetik und Virtuosität der Aktionen. Schwier (2012, S. 25f.) beschreibt dieses Merkmal als eine „[...] Neuentdeckung der ästhetischen Dimensionen des Sports [...]”. Die kreative Art und Weise wie die Sportart praktiziert wird, wie eine Bewegungsaufgabe originell gemeistert wird, nimmt einen viel höheren Stellenwert ein als in traditionellen Bewegungsformen. Subjektive Bewegungserlebnisse und Gefühle stehen im Vordergrund und treiben die Sportler an, ihr Bewegungsrepertoir zu erweitern und ihre Leistungen zu verbessern. Der Spaß steht dabei im Fokus und Bewegunsgprobleme werden spielerisch, spontan und individuell gelöst. Die Sinnhaftigkeit der Bewegung definiert sich hierbei über die Ästethik, welche zum eigentlichen Ziel der Bewegungen wird. Wenn ein Trick oder eine bestimmte Bewegung erfolgreich ausgeführt und als ästhetisch wahrgenommen wird, agiert der Körper praktisch wie von selbst und treibt die Individuen immer wieder an, solche Momente zu schaffen und zu erleben (vgl. Schwier, 1998, S. 11 & Lange, 2007, S. 16 & Breuer/Michels, 2003, S. 25f. & Laßleben, 2009, S. 43).

2.5.5 Extremisierung

Nicht selten hört man heutzutage den Begriff extrem in Verbindung mit zahlreichen Trendsportarten wie Base Jumping, Fallschirmspringen, Canyoning oder Free Climbing. Das Extreme, das Erreichen von Limits stellt hierbei bei vielen Trendsportlern einen großen Reiz dar, um eine Trendsportart überhaupt auszuführen. Für den ultimativen Kick reicht es vielen nicht mehr aus, nur an die eigenen Grenzen zu stoßen. Dies bewegt sie dazu, immer wieder neue Risiken einzugehen und sich selbst zu testen. Somit steht der Begriff Extremisierung für eine Entwicklung, in welcher sich Trendsportler „[] in gefährliche Situationen begeben wollen und versuchen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und ihre Risikobereitschaft immer weiter stecken” (Lange, 2007, S. 16). Dabei müssen es nicht immer nur die gefährlichen Trendsportarten sein, die auf Extreme setzen. Dies lässt sich daran erkennen, dass Ausdauer- und Fitnesssportarten oder Spiele öfters auch in veränderter Form - unter extremeren Bedingungen - stattfinden (zB. Iron Man Triathlon oder Nacht Golfen) (vgl. Schwier, 1998, S. 11 & Lange, 2007, S. 16).

2.5.6 Sampling

In unserer heutigen Gesellschaft ist es völlig normal geworden, Dinge miteinander zu kombinieren und zu vermischen. Sei es Musik, Filme oder Kleidung, alles Mögliche wird heutzutage aus bestehendem Material vermischt und neu aufgelegt. Schwier (2003, S. 30) beschreibt diesen Prozess als „[...] Kombination von heterogenem Material und die damit zumeist verbundene Mehrfachkodierung kultureller Artefakte”. Ferner sieht er das Potenzial einer „[...] Kultivierung neuartiger bzw. zeitweilig verdrängter Auslegungen des menschlichen Sichbewegens [...]” (vgl. ebd.), was dazu führt, dass sportorientiertes Sampling neue Sportarten entstehen lässt.

Dies geschieht dadurch, dass Merkmale etablierter Sportdisziplinen oder Bewegungsarten miteinander unter neuen Umständen, in einem neuen Kontext zusammengesetzt werden und somit eine neue Bewegungspraktik oder Sportart kreiert wird. Dieses Sampling ist eindeutig ein Merkmal von Trendsportarten, welche auch oft aus mehreren Sportarten bestehen (vgl. Schwier, 2003, S. 30).

Disc-Golf ist z. B. eine Mischung aus den drei Sportarten Frisbee, Golf und Basketball, bei dem Würfe einer Disc Scheibe - nach den Regeln des Ballgolfs - in einen, dem Basketball entfernt ähnlichen, Metallkorb geworfen werden. Auch die Fitnesswelt bedient sich dem Sampling und bietet immer wieder neue Fitnesssportarten an. Als Beispiel sei an dieser Stelle die momentan sehr populäre Sportart Zumba genannt, welche seit Jahren ein sehr erfolgreicher Trend ist und sich - aufgrund sehr hoher Nachfrage und großer Medienaufmerksamkeit - rasant verbreitet hat. Mittlerweile ist die Mischung aus lateinamerikanischen Tänzen und Aerobic Elementen aus den Fitnessstudios nicht mehr wegzudenken. Beim Zumba wurde der Versuch unternommen, das teils monotone Aerobic mit beliebten Rhythmen zu kombinieren, um die Freude an der Bewegung durch Tanzelemente zu erhöhen und den Körper durch Spaß an der Musik zu bewegen.

Die Art und Weise wie Sampling praktiziert wird, deutet darauf hin, dass die Gesellschaft - im Sport wie auch in anderen kulturellen Bereichen - nach neuen bis dato unbekannten Dingen sucht, um sich und seine Bedürfnisse ausleben zu können (vgl. Schwier, 2003, S. 29ff. & Lange, 2007, S. 16).

2.5.7 Stilisierung

Trendsportarten gehen in der Regel über das eigentliche Sporttreiben hinaus. Sie werden nicht nur ausgeführt, sondern teilweise auch außerhalb des sportlichen Kontextes gelebt. Der Lebensstil wird mit dem Trendsport modifiziert und in verschiedene Bereiche des Lebens transportiert. (vgl. Lange, 2007, S. 15) Dadurch, dass Trendsportarten meist informell sind und eine große Freiheit in der individuellen Gestaltung bieten, ist auch die Bandbreite an individuellen Bewegungen, Kleidungsstilen, Ritualen und der Gestik/Mimik sehr groß. Sportlich-technische Kriterien wie der Schwierigkeitsgrad oder die korrekte Ausführung eines speziellen Tricks werden durch den Grad des individuellen Stils, des Spektakels und der Art und Weise des Verhaltens erweitert (vgl. Laßleben, 2009, S. 42).

Surfer bspw. repräsentieren ihren Sport nicht nur auf dem Wasser, sondern leben diesen auch in anderen Bereichen ihres Lebens. Jeder kennt den unverkennbaren braun gebrannten”Surfertyp” mit langen zerzausten Haaren, weiter Badehose und lockerem Shirt, den man sofort mit Surfen assoziiert. Der Surfer wird durch seine Bewegungen, seine Gesten und Rituale, seine Kleidung und seiner Optik zu einem Symbol für den Trendsport Surfen, in dem er einen unverwechselbaren Stil kreiert, der ihn offensichtlich zu dieser bestimmten Trendsportgruppe zugehörig macht. Neben dem Surfen werden auch andere Trendsportarten wie Hip-Hop-Dance oder Bungee-Jumping von den Ausführenden nicht mehr als Sport angesehen, sondern als „[...] kulturelle Ausdrucksformen [ gelebt ], deren Kode von Außenstehenden nicht vollständig zu dechiffrieren ist” (Schwier, 2003, S. 23).

Die tatsächliche Bedeutung kann somit teilweise zu Verständnisproblemen bei Unwissenden führen. Kleidung oder bestimmte Bewegungsformen können für nichtwissende Dritte als merkwürdig oder komisch angesehen werden, während sie für den Ausführenden und seinen Mitstreitern aber vollkommen normal bzw. ästhetisch und „cool” sind (vgl. Schwier 2003, S. 22f. & Laßleben, 2009, S. 42).

Des Weiteren ist es auffällig, dass anstelle von Sportvereinen eher Sportszenen ausgesucht werden, in welchen sich die Trendsportler einfinden und organisieren. Sie entwickeln sich, erfinden sich neu und suchen nach immer neuen Möglichkeiten ihren Lebensstil auszuführen und darzustellen. Dies geht heutzutage soweit, dass sogar ein Großteil der Gesellschaft von dieser Entwicklung beeinflusst wird. Menschen tragen in Alltagssituationen Joggingschuhe, nutzen Inline Skates, um zur Arbeit zu gelangen oder tragen hippe Sportkleidung zum Einkaufen (vgl. Schwier, 2000, S. 81f.). „[...] [ D ]as Bemühen um die sportliche Stilisierung der eigenen Lebensführung [ ist allgegenwärtig und hat sich ] mitunter von der praktischen Teilhabe an einer avantgardistischen Trendsportszene ab[ ge ]löst (Schwier, 2000, S. 82).

2.5.8 Beschleunigung

Geschwindigkeit übt seit jeher eine große Faszination auf Individuen unserer Gesellschaft aus. Allen voran vermitteln die Medien rauschhafte Erlebnisse in der Werbung oder bei großen Sportereignissen, bei denen mittlerweile dreidimensionale Bilder in schnellen Schnitten und Perspektivenwechseln zur Schau gestellt werden. Wenn bei einem Fußballspiel z. B. ein Sprint aus vier Perspektiven in schnellen Schnittfolgen gezeigt wird, dabei ein Gegenspieler zur Grätsche ansetzt, der Ballführende über ihn rüberspringt, die Szene gleichzeitig visuell entschleunigt in der „Super-Slow-Motion” gezeigt wird, nur um dann wieder explosionsartig in schnellerer Fassung zu werden, dann erinnert dies schon fast an eine Actioninszenierung und wirkt dementsprechend faszinierend auf den Zuschauer (vgl. Schwier, 2003, S. 24).

Für die Trendsportarten kommt dem Phänomen der Beschleunigung eine große Rolle zu, die wichtig für die Wahrnehmung und Entwicklung ist. Bekannte Bewegungsformen werden beschleunigt, um sie noch spannender und ansprechender zu gestalten. So werden Aerobic-Aktivitäten wie Zumba, Spinning, Fitness Boxen oder Power Yoga in beschleunigter Form neu aufgelegt, um die Dynamik und das Tempo zu steigern. Gleiches passiert mit klassischen Sportarten wie Fußball, Volleyball oder Hockey, die in modifizierter Form unter neuen Namen auftauchen und zu Streetball, Beachsoccer, Beachvolleyball oder Inline-Hockey werden. Was sie alle verbindet, sind die veränderten Bedingungen in Form von kleinerem Spielfeld, geringerer Spieleranzahl, simpleren Regeln und einer somit viel höheren Geschwindigkeit mit vermehrten Angriffssituationen. Zusätzlich ergeben Banden beim Streetball neue Möglichkeiten der Bewegung und führen zu einer sehr hohen Dynamik, die es beim traditionellen Fußball in dieser Form nicht gibt (vgl. Lange, 2007, S. 15 & Schwier, 2003, S. 24). Schwier (vgl. 2003, S. 24) spricht gar von hyperaktiven Trendsporarten, welche „[...] die Temposteigerungen häufig mit dem Moment des Tiefen- und Drehschwindels [ koppeln ] [...]”. Es wird ein „[...] rauschhaftes Aufgehen im Tun und quasi ein Verschwinden in Bewegung ermöglich[ t ]” (vgl. ebd.). Gemeint ist, dass die ausführende Person in eine andere Welt eintaucht, in der sie sich völlig der Bewegung und der Geschwindigkeit hingibt und Entscheidungen rein reaktionell - ohne nachzudenken - erfolgen.

Des Weiteren ist das Tempo auch eine Möglichkeit der Differenzierung: Wer nicht schnell genug ist, wird in der Szene nicht sonderlich angesehen. Ferner ist die Sehnsucht nach immer mehr Geschwindigkeit auch eine Ausdrucksform des Sich-Unterscheidens gegenüber der Gesellschaft. Gebauer & Wulf (1998, S. 34-44) sprechen hierbei von einer „Technisierung des Körpers”, wo Menschen gegenüber der technischen Welt in Konkurrenz zu treten versuchen, in dem sie ihren Körper auf immer schnellere Art und Weise fortbewegen, um den technologischen Möglichkeiten möglichst nahe zu kommen (vgl. Schwier, 2003, S. 25 & Schwier, 1998, S. 10).

2.5.9 Gestaltungsoffenheit

Trendsport wird meist informell betrieben, was zur Folge hat, dass organisatorische Dinge wie Dauer, Ort oder Teamzusammenstellung offen gestaltet werden können. Solch eine „[...] institutionelle Unabhängigkeit des Sporttreibens [] ist ein wesentliches Merkmal von Trendsportarten [...]” (Laßleben, 2009, S. 41). Die Bewegungsaktivitäten werden dabei oft in öffentlichen Räumen - fern von festgelegten Bewegungsorten - selbst gestaltet und ausgeführt (vgl. Schildmacher, 1998, S. 18). Des Weiteren erlaubt die Gestaltungsoffenheit eine viel freiere Ausführung von Bewegungen. Coole Tricks oder ausgefallene, ungewöhnliche Aktionen sind Bestandteil der Trendsportarten und sind vor allem durch das geringe Reglement möglich. Ebenso gibt es nicht immer einheitlichen Maßstäbe in Bezug auf erlaubte Bewegungen und Bewertungen (vgl. Laßleben, 2009, S. 41f.).

2.6 Genese von Trendsportarten

Da Trendsportarten bestimmte Entwicklungsphasen in Form einer Entstehung, einer Entwicklung und eines Endes durchlaufen, ist das Verständnis zur Genese von Trendsport von elementarer Bedeutung für das weitere Vorgehen. In Anbetracht verschiedener Modelle bezieht sich der folgende Teil auf die Ansichten von Lamprecht und Stamm (1998, S. 374). In ihren Analysen haben sie festgestellt, dass „[...] erfolgreiche Trends ein einheitliches Entwicklungsmuster aufweisen und verschiedene idealtypische Phasen durchlaufen” (Laßleben, 2009, S. 50).

Der hier beschriebene Entwicklungsprozess ist dabei eng an den Produktlebenszyklus aus den Wirtschaftswissenschaften angelehnt und zeigt, dass die Entwicklung eines Produkts (hier Trend) nicht linear, sondern wellenförmig verläuft (vgl. Siegwart & Senti, 1995). Das Model besteht aus den fünf Phasen Invention, Innovation, Entfaltung/Wachstum, Reife und Diffusion/Sättigung. Zu den Phasen existieren sechs unterschiedliche Kriterien, die es einem ermöglichen, die Entwicklung einer Trendsportart zu erfassen, wie auf folgendem Schaubild zu sehen ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Lamprecht & Stamm, 1998, S. 374)

Die erste Phase Invention beschreibt die Geburtsstunde einer Trendsportart. Ein Individuum oder eine Gruppe erfinden eine Bewegungsform, die es bis dahin in dieser Form noch nicht gegeben hat. Dabei wird spielerisch und kreativ vorgegangen, in dem man sich von Ideen und Visionen leiten lässt. Faktoren, die die „Ingenieure” beeinflussen, sind u. a. die „soziokulturellen Rahmenbedingungen”, der „Entwicklungsstand im Feld der Sportarten”, die „aktuell verfügbare Technologie” und die vorhandene „Infrastruktur” (vgl. Schwier, 2000, S. 63). Als Triebfeder für neue bewegungskulturelle Trends werden allen voran die Jugendlichen angesehen, die durch ihren Drang nach Exklusivität, „[...] ihrem häufig avantgardistischen Anspruch und ihrer Experimentierfreude []” immer wieder neue Bewegungsformen entwickeln (vgl. ebd.).

Lamprecht und Stamm (1998, S. 376) stellen ferner fest, dass vor allem die strukturellen und kulturellen Umstände entschdeidend sind, ob eine Trendsportart überhaupt erfunden bzw. erfolgreich wird. Das Surfen bspw. kann nur auf dem Wasser praktiziert werden und wurde somit in Gewässernähe erfunden, Snowboarden ist ohne Skigebiete nicht möglich und für das Mountainbiken werden hügelige Landschaften benötigt. Ohne solche Faktoren kann auch die beste Idee nicht umgesetzt werden. Abschließend bleibt zu bemerken, dass Trendsportarten nicht immer vollständig neue Erfindungen sind, sondern eher Modifikationen von bestehenden Sportarten, die neu interpretiert bzw. „gesampelt” werden (vgl. ebd.).

Nach der ersten Phase folgt die Innovation, die teilweise erst Jahre nach der Invention eintritt und die Trendsportart weiterentwickelt. Dabei fängt die Trendsportart an, sich auszubreiten und wird zunehmend an anderen Orten ausprobiert. Des Weiteren entstehen die ersten Produkte die auf dem Markt erscheinen, wenn auch meist erst regional. Das wohl prägnanteste Merkmal dieser Phase ist das Verbessern bzw. Verändern von Geräten und Techniken. Gerätschaften werden modifiziert und soweit ausgebessert, bis das Produkt in den Augen der Entwickler einen zufriedenstellenden Eindruck macht.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Trendsportart immer noch relativ unbekannt und daher kaum in den Medien und der Sportwelt vertreten. Traditionelle Sportler begegnen der Trendsportart häufig mit Skepsis und Kritik. Diese negativen Aspekte werden jedoch von den Trendsportlern bewusst dazu genutzt, sich abzugrenzen und die Idee als etwas Besonderes anzusehen. Es ist der Anfang eines subkulturellen Phänomens, welches über ein bestimmtes Maß an Kultpotenzial verfügt und Raum für die Selbststilisierung bietet (vgl. Lamprecht & Stamm, 1998, S. 377f. & Laßleben, 2009, S. 50 & Schwier, 2000, S. 64ff.).

Die Phase der Enfaltung und des Wachstums ist von elementarer Bedeutung für die noch junge Trendsportart und steht für den Durchbruch in der Sportwelt. Die Trendsportart wächst weiter und erweitert ihr Einzugsgebiet auf informelle Gruppen - verstärkt Jugendliche - die auf der Suche nach etwas Neuem sind. Eine Trendsportart kann genau das Gesuchte sein, indem sie für etwas steht, was noch nicht bekannt ist und entdeckt werden will. Ein Merkmal dieser Phase ist, dass sich erste journalistische Magazine bilden, die die Massenmedien auf sich aufmerksam machen. Ebenso wächst die individuelle Stilisierung der Gruppen. Bestimmte Merkmale wie Kleidung, Sprache oder Musik prägen das Bild der neuen Trendsportart. In dieser Phase kann es auch zu Interessenkonflikten zwischen etablierten und neuen Sportarten kommen. Insbesondere dort, wo sich mehrere Interessengruppen ein und dasselbe Gelände teilen, besteht Konfliktpotenzial. Allen voran dort, wo das Gelände durch mehrere Interessengrupppen genutzt wird, besteht Konfliktpotenzial.

Wenn bspw. ein Disc-Golf-Parcours in einem öffentlichen Park eröffnet wird, könnten sich Mountainbiker, Jogger oder andere Sportgruppen auf dem Gelände von den Scheiben werfenden Golfern in ihrem Sporttreiben gestört fühlen (Laßleben, 2009, S. 51f.).

Die vierte Phase der Reife und Diffusion steht für erste größere Verdänderungen der Trendsportart. Allmählich wird das neue Phänomen massentauglich und legt sein Nischendasein ab. Die großen Sportfirmen nehmen die Chance auf ein potentielles großes Geschäft wahr und fangen an, sich stark für die Trendsportart zu interessieren. Dies führt dazu, dass die Werbung bzgl. des neuen Produkts verstärkt, die Produktion standardisiert und die Absatzmärkte stark vergrößert werden. Die Trendsportart hat den Status der Massentauglichkeit erlangt, öffnet sich für etwaige Gruppen jenseits der Sub- und Jugendkultur, wird durch Massenmedien beworben und verliert langsam das Trendimage (vgl. Lamprecht & Stamm, 1998, S. 381). Folglich „[ verliert ] [ d ]ie Trendsportart [...] ihre subkulturelle Identität und wird zum Allgemeingut” (Laßleben, 2009, S. 52). Dies bedeutet, dass die Sportart für die Subgruppen an Attraktivität einbüßt, da sie nichts Neues mehr darstellt, sondern für jederman zugänglich ist.

Ebenso ändert sich die Organisation, da sich Verbände und Vereine bilden und professionelle Organisationsstrukturen und Hierarchien entstehen lassen. So werden vermehrt Wettkämpfe mit Leistungsvergleichen eingeführt, bei denen der Spaß nicht mehr an vorderster Stelle steht. Die Institutionalisierung entwickelt sich ebenso und Schulen beginnen, den Trendsport in den Unterricht zu integrieren. Die Grundentwicklung lässt sich dahingehend beschreiben, dass der Trendsport von der Straße geholt und in starre Räume verlegt wird, die den natürlichen Charakter verändern.

Der Trendsport wird somit von der Straße geholt und in starre Räume verlegt, die den natürlichen Charakter verändern. Dies führt dazu, dass sich die Trendsportler teilweise abwenden und nach neuen Trends Ausschau halten (vgl. Laßleben, 2009, S. 52).

Die letzte Phase beschreibt die Sättigung , in welcher die Umwandlung der Trendsportart zu einer richtigen Sportart stattfindet oder stattgefunden hat und der Status der Trendsportart verloren oder abgestreift wird. Die Trendsportart ist am Ende ihrer Entwicklung angelangt und weist – wenn überhaupt – nur noch geringe Wachstumzahlen auf. Die ehemalige Trendsportart führt sprichwörtlich gesehen einen Kampf an zwei Fronten: Zum einen kämpft sie dagegen an, nicht zu schrumpfen, zum anderen muss sie sich nicht nur gegen die etablierten Sportarten, sondern auch gegen neue Trendsportarten behaupten (vgl. Lamprecht & Stamm, 1998, S. 384). „Als Normalsport ohne den ursprünglichen Kultcharakter hat die ehemalige Trendsportart die Aura des Außergewöhnlichen und Unkonventionellen verloren [...]” (ebd.).

3. Gesellschaft und Sport im Wandel

Heutzutage leben die Menschen der westlichen Industrienationen in einer äußerst schnelllebigen Gesellschaft, in der Zeit knapp und Geld sehr wichtig ist. Werte und Normen verlieren dabei zunehmend an Gewicht. Die Masse der Gesellschaft ist daran interessiert, möglichst nichts zu verpassen und versucht in allen Lebensbereichen immer auf dem neuesten Stand zu sein oder besser gesagt im Trend zu bleiben. Neue Trends bleiben über einen längeren Zeitraum, manifestieren sich oder verschwinden wieder schnell, um Platz zu machen für Neues. Egal ob in der Modewelt, der Wirtschaft oder im Sport: Überall findet das Sampling statt. Eine Mischung findet sowohl innerhalb einzelner Bereiche wie Musik, Kleidung oder Sportarten als auch zwischen den verschiedenen Bereichen statt. Trends sind aus unserem tagtäglichen Leben nicht mehr wegzudenken und ein fester Bestandteil unserer Kultur geworden.

Im Sport sichtbare Trends sind dabei stark von den gesellschaftlichen Entwicklungen abhängig. In diesem Zusammenhang betont Lange (2007, S. 12), dass „[ die ] Entwicklung [ des Sports ] unmittelbar in die allgemeinen gesellschaftlichen Wandlungsprozesse eingebunden [ ist ] [] und es sogar möglich sei, anhand dieser Veränderungen und deren Verläufen [...] fundierte Prognosen für unsere Zukunft aufzustellen.” Zu sehen sind diese Prozesse vor allem in jugendlichen Gruppierungen und deren Kulturen, die als Ausgangsebene für neue Trends oder Orientierungen fungieren. Basierend auf der Tatsache, dass die Gesellschaft sich stetig verändert, verändert sich auch der Sport. Er wird „[...] durch gesellschaftliche Prozesse geformt, [...] besteht nicht autonom, sondern wird durch Beziehungen zur Gesellschaft bewahrt, verändert und gestaltet” (Heinemann, 1990, S. 174). Sport-Treiben hat sich demnach in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert und hat neue Formen angenommen. Sportvereine fungierten lange Zeit als Zugang zum Sport mit einem fest reglementierten Ablauf, wettkampforientiertem Sport-Treiben und einem tendenziell hierarchisch strukturierten Netzwerk. Geld spielte dabei kaum eine Rolle und das Vereinsleben war geprägt durch ehrenamtliche Tätigkeiten und freiwillige Unterstützung (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 13). Die Veränderungen der Gesellschaft, die dann eintrafen, hat Rittner (1987, S. 27 - 44) schon vor einiger Zeit erkannt:

- Spaß, Wohlbefinden und Gesundheit sind zentrale Erlebniskategorien im Sport
- Aktivitäten finden in kleinen Gruppen oder individuell statt
- Verstärkter Einfluss von Kommerzialisierung auf den Sport
- Freie Landschaften werden zur natürlichen Sportumgebung (Anlagen ungebunden)
- Freizeitsport wird immer mehr konsumorientiert (Sportbekleidung)
- Unternehmen drängen immer mehr in die Sportwelt

Darüber hinaus hat die Individualisierung Einzug gehalten und das Leben von Grund auf geändert. Das erhöhte Maß an Freizeit, Bildungsmöglichkeiten und den allgemeinen Wohlstand haben sich auch die Bedürfnisse verschoben. „An die Stelle der traditionell relativ klar definierten sozialen Bindungen im Verein ist eine wachsende Ich-Bezogenheit und Individualisierung getreten” (Breuer & Sander, 2003, S. 39). Dazu wächst auch das Körper- und Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft sowie der Wunsch nach einer gewissen Exklusivität (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 39). Ferner ist der Ernst des Lebens dem Spaß und dem Wohlbefinden gewichen. Dies hat dazu geführt, dass wir in einer „Erlebnisgesellschaft” (Schulze, 1992) leben. Schildmacher (1998, S. 15f.) hat aus diesem Anlass aus einer Vielzahl von gesellschaftlichen Entwicklungen drei hervorgehoben, welche als äußerst bedeutsam für die Gesellschaft gelten.

Eine Entwicklung ist die Suche nach Authentizität , welche für die Wichtigkeit von Halt, Dauerhaftigkeit und Verbindlichkeit für das einzelne Indiviuum steht. In einer rastlosen Welt, in der Zeit immer knapper wird und die Beschleunigung des Alltags stetig zunimmt, wird auch der Wunsch nach einer Möglichkeit zum Innehalten immer größer. „Man will auch mal wissen, woran man ist und auf was man sich wirklich verlassen kann” (Schildmacher, 1998, S. 15). Auch der eigene Körper wird in diesen Wunsch mit einbezogen und dient als Schaubild der persönlichen Authentizität und Individualität. Der Körper wird auf unterschiedliche Art und Weise trainiert und symbolisiert somit Gesundheit, Stärke, Selbstbewusstsein und Attraktivität. Er wird zum Schaubild der eigenen Persönlichkeit (vgl. Schildmacher, 1998, S. 15 & Lange, 2007, S. 12).

Ein weiterer Trend in unserer Gesellschaft besteht im Konsumismus , welcher einen enorm hohen Stellenwert besitzt. Der Konsum von Gütern im übertriebenem Maße ist Teil des gegenwärtigen konsumorientierten Lebens geworden und nicht mehr wegzudenken. Beliebt sind vor allem die in den Medien ständig präsenten Markenartikel, die trotz eines höheren Anschaffungspreises den „No-Name” - Artikeln vorgezogen werden. Der Konsument wird dabei von Angeboten nahezu erschlagen und kann aus einer unüberschaubaren Auswahl von - teilweise auch unnötigen - Konsumgütern wählen. Dies wiederum verlangt eine Vermehrung von Kapital und führt dazu, dass Geld immer wichtiger wird, um sich das Konsumieren leisten zu können.

Diese Entwicklung übt auch einen großen Einfluss auf den Sport aus. Markenhersteller haben den Markt fest im Griff und offerieren saisonal immer wieder neue Kollektionen, die wie selbstverständlich vom Kunden gekauft werden, um weiterhin im Trend zu sein. Ob Laufschuhe, multifunktionale T-Shirts oder die fortschrittlichsten Trainingsgeräte: Alles sollte stets auf dem neuesten Stand sein, wenn möglich das Logo einer bekannten Marke präsentieren und mit englischen Begriffen beschrieben werden (vgl. Schildmacher, 1998, S. 15).

Die dritte bedeutsame Entwicklung ist das vermehrte Aufkommen von sogenannten Events, die nicht nur Sportwettkämpfe präsentieren, sondern auch viele andere Attraktionen bieten. Diese sogenannte Eventorientierung steht für die wachsende Beliebtheit von Wettkämpfen, die nicht in klassischen Umgebungen, sondern in öffentlichen Räumen wie Fußgängerzonen oder Einkaufszentren stattfinden. 100 Meter Sprints mit Sprintstar Usain Bolt werden bspw. in der Innenstadt Londons veranstaltet, Basketballspiele in Fußballstadien verlegt oder Beachvolleyballfelder in der Fußgängerzone aufgebaut. Zusätzlich werden Essensstände, kleinere Contests, Werbestände, Autogrammstunden usw. initiiert um letztendlich ein großes Event zu kreieren, welches die Menschen begeistert (vgl. Schildmacher, 1998, S. 15f. & Lange, 2007, S. 12).

3.1 Trends im Sport

Es gibt in der Sportwelt eine Vielzahl von Trends, die die Bewegungsarten teilweise stark beeinflussen. Dabei fällt auf, dass diese Trends Abbilder von Bedürfnissen und Ansprüchen der Sport treibenden Menschen sind. Um das Phänomen Trendsport daher umfassend verstehen zu können, folgt eine Beschreibung von aktuellen Trends, welche vielerlei Merkmale aufweisen, die eine Trendsportart ausmachen.

Was in den letzten Jahrzehnten beobachtet werden konnte, ist die Tatsache, dass traditionelle Sportarten wie Basketball, Fußball oder Volleyball vermehrt den Weg nach draußen gefunden haben. Sie werden nicht mehr innerhalb der Sporthalle ausgeführt, sondern auf der Straße (Streetsoccer), in Hinterhöfen (Streetball) oder auf Sand (Beachvolleyball) praktiziert. Schildmacher (1998, S. 16) nennt diese Entwicklung „ Vom Indoor-Sport zur Outdoor-Variante ”. Immer wieder hört man bei Fußballberichterstattungen bspw. den Ausdruck „Straßenfußballer”. Damit sind Spieler gemeint, die unbekümmert Fußball spielen, Dinge tun, die man nicht erwartet, kontinuierlich während ihrer Profikarriere an ihrem Spiel festhalten und sich den Spielstil ”von der Straße” bewahren. Die Schwierigkeiten - bedingt durch die Umgebung auf der Straße - helfen einem, besser zu werden als andere. „Das Ursprüngliche bildet die Grundlage des Erfolges” (Schildmacher, 1998, S. 16). Ebenso bieten die Outdoorsportarten ein großes Potenzial für Events, welche dann innerstädtisch veranstaltet werden können (vgl. Schildmacher, 1998, S. 16). Ferner sind es nicht nur die klassischen Sportarten, die nach draußen getragen werden, sondern auch andere wie bspw. Golf, die von einer speziellen in eine öffentliche Umgebung transportiert werden. Die verwandte Trendsportart Disc-Golf verlässt nämlich in diesem Sinn die exklusiven, teuren und schwer zugänglichen Golf - Anlagen und verlagert die Aktivität in die innerstädtischen öffentlichen Parkanlagen. Dadurch haben alle die Möglichkeit, unverbindlich und jederzeit den Sport auszuführen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Disc-Golf im Sportunterricht? Einsatz einer Trendsportart in der Schule
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Sportseminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
95
Katalognummer
V319488
ISBN (eBook)
9783668206663
ISBN (Buch)
9783668206670
Dateigröße
1998 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
disc-golf, sportunterricht, einsatz, trendsportart, schule
Arbeit zitieren
Tom Keller (Autor), 2013, Disc-Golf im Sportunterricht? Einsatz einer Trendsportart in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319488

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