„Django Unchained“ trifft Ludwig van Beethoven. Der Einfluss von Filmbildern auf die Musikwahrnehmung


Bachelorarbeit, 2014
61 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 5

2 Forschungsstand mit daraus resultierender Hypothesenbildung ... 6
2.1 Darlegung des bisherigen Erkenntnisstandes ... 6
2.2 Darstellung verschiedener Filmfunktionsmodelle ... 17
2.3 Strukturanalytische Ansätze ... 19
2.4 Formulierung der Hypothesen ... 22

3 Methodenbeschreibung ... 25
3.1 Untersuchungsdesign ... 25
3.2 Auswahlverfahren des Filmmaterials ... 26
3.3 Entwicklung des Fragebogens ... 28
3.4 Durchführung der Befragung ... 31

4 Musik-/Filmbildanalyse des Filmmaterials ... 34
4.1 Methodische Kriterien für die Filmanalyse ... 34
4.2 Kurzbeschreibung des verwendeten Filmmaterials ... 35
4.2.1 Filmszene aus Django Unchained zu der Musik von Ludwig van Beethoven Klavierstück a-Moll WoO 59 „Für Elise“ ... 35
4.2.2 Filmszene aus Equilibrium zu der Musik von Ludwig van Beethoven – neunte Sinfonie, erster Satz ... 38
4.2.3 Filmszene aus Die Verurteilten zu der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart - Duettino - Sull'aria aus Die Hochzeit des Figaro ... 40

5 Ergebnisse der empirischen Untersuchung ... 43
5.1 Rücklauf und methodische Probleme ... 43
5.2 Soziodemographische Daten ... 44
5.3 Ergebnisse der Umfrage ... 46

6 Zusammenfassung ... 54

7 Literaturverzeichnis ... 56

8 Diskographie ... 60

9 Videographie ... 61

1 Einleitung

Von den Anfängen des Films bis zur heutigen Zeit wurde die Musik für den Film immer wichtiger. Dabei wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die die Wirkung der Filmmusik auf die Filmbilder ergründeten.[1] Weitaus seltener wurde dabei betrachtet, wie es sich umgekehrt verhält: wie die Musikwahrnehmung durch die Filmbilder beeinflusst wird.

Mit dieser Frage wird sich die vorliegende Arbeit beschäftigen. Die 1999 durchgeführte Studie Das Auge hört mit... von Susanne Keuchel[2] soll dabei als Vorbild dienen. Ziel der Arbeit soll es sein, einige der Ergebnisse Keuchels in einem moderneren Gewand zu überprüfen. Zu Beginn der Arbeit soll der derzeitige Forschungsstand dargelegt werden, um anschließend die Hypothesen aufzustellen. Zur Erforschung der Musikwahrnehmung durch den Einfluss von Filmbildern soll ein Fragebogen erstellt werden. Zuvor sollen geeignete Filmszenen gesucht werden, die klassische Musik enthalten. Da eine genaue Definition von klassischer Musik den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, soll in der vorliegenden Arbeit davon ausgegangen werden, dass der Begriff jegliche Musik umfasst, die vor dem Jahr 1900 entstanden ist und der abendländischen Kultur angehört.

Unter der Prämisse, dass klassische Musik in der Gesellschaft und gerade unter jüngeren Menschen eher unbeliebt ist[3], soll untersucht werden, ob die positive Assoziation mit den Filmbildern die Wahrnehmung und Beurteilung der Musik verändert. Der erstellte Fragebogen soll im Internet verbreitet werden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Zur Erstellung der Fragen soll das final ausgewählte Filmmaterial zunächst analysiert werden, um Zusammenhänge von Filmbild und Musik zu erkennen. Im Anschluss daran wird der Fragebogen erstellt und letztendlich online verbreitet. Nachdem der Fragebogen online für eine Zeit lang zugänglich war, sollen die Antworten auf Hinsicht der Hypothesen betrachtet und ausgewertet werden.

2 Forschungsstand mit daraus resultierender Hypothesenbildung

In den folgenden zwei Unterkapiteln erfolgen eine Übersicht über den bisherigen Forschungsstand unter Einbezug empirischer und experimenteller Untersuchungen, die sich mit der Wahrnehmung von Filmmusik beschäftigen, ein Abriss über die Funktionsmodelle von Filmmusik sowie die Hypothesenbildung. Unter Berücksichtigung des Forschungsziels soll hier die Wirkung der visuellen Informationsebene auf die musikalische Wahrnehmung untersucht werden, entgegen der Wirkung von Musik auf die visuelle Wahrnehmung. Basierend auf dem aktuellen Forschungsstand, werden im Anschluss entsprechende Hypothesen gebildet.

2.1 Darlegung des bisherigen Erkenntnisstandes

Die Frage, inwiefern sich das Filmbild auf die Wahrnehmung von Musik auswirkt, ist im Bezug auf wissenschaftliche Untersuchungen noch vergleichsweise jung, weshalb bisher nur wenige Resultate in der Wissenschaft existieren. Im Folgenden werden Ergebnisse experimenteller Forschungen zum Thema der audiovisuellen Musikrezeption vorgestellt, die im Zusammenhang mit dem Forschungsziel dieser Arbeit stehen.

Im Jahr 1969 nutzte Richard Gerrero die hautgalvanische Reaktion der Haut, um das Verhalten von Filmrezipienten auf Filmmusik zu untersuchen. Bei der hautgalvanischen Untersuchungsmethode werden verschiedene Hautleitwerte gemessen, die in Zusammenhang mit der Schweißdrüsenaktivität stehen. Beobachtet wird hierbei die Verarbeitung von Reizen durch den Körper. Ziel ist es herauszufinden, wie diese Reaktionen gedeutet werden können. In der Psychophysiologie wird diese Methode häufig zur Erfassung von Stress und Emotionen genutzt.[4][5] Versuchspersonen sahen in dem Experiment von Gerrero den gleichen Film mit unterschiedlichen Musikdarbietungen. Gerrero konnte während des Experiments unterschiedliche hautgalvanische Reaktionen im Zusammenhang mit der unterschiedlichen Musik messen. Als er die Versuchspersonen im Anschluss an das Experiment befragte, bemerkte er jedoch, dass den meisten Zuschauern nicht aufgefallen war, dass die zweite Filmvorführung von einer anderen Musik begleitet war als die erste.[6] Das Untersuchungsergebnis verdeutlicht, dass Musik im Film eher unbewusst wahrgenommen wird und in der audiovisuellen Rezeption eine untergeordnete Rolle spielt. Norbert Jürgen Schneider schreibt dazu, dass die „unter- und unbewußte Wahrnehmung von Filmmusik nichts über einen untergeordneten Stellenwert innerhalb der Filmdramaturgie“ besagt.[7] Je unterbewusster die Musik wirke, desto mehr kann sie den Bildbetrachter in einem vom Filmemacher gewünschten Sinne konditionieren und die Rezeption des Bildes stimulierend lenken, so Schneider.[8] Die Filmmusik verschwinde also im Hintergrund und erreiche das Bewusstsein des Zuschauers nicht. Helga de la Motte-Haber stellt fest, dass Musik in Film und Fernsehen die Funktion habe, Authentizität auszudrücken. So wie es Geräusche braucht, um eine Szene lebendig wirken zu lassen, könne auch die Musik zur Atmosphäre beitragen. Ein sich bewegendes Bild ohne Ton wirke schlicht realitätsfern. Die Musik habe dabei keine bestimmte Funktion, ihre Anwesenheit sei zufällig, so de la Motte-Haber. Gemeint ist funktionelle Musik, die die Atmosphäre einer Szene unterstreicht oder erst erzeugt. De la Motte-Haber bezieht sich damit auf die Austauschbarkeit der Musik, für den Fall, dass Musik genutzt wird, die nicht extra für eine bestimmte Szene geschrieben wurde. Eigens für den Film komponierte Filmmusik kann Bewegungen unterstreichen, die zeitlich so genau passen, dass eine Austauschbarkeit nicht so einfach möglich ist.[9]

Als in den 70er Jahren in Deutschland das Interesse der Musikwissenschaftler an Filmmusik stieg, wurden auch einige Untersuchungen in Deutschland zu dem Thema durchgeführt. Zwei dieser empirischen Studien zur audiovisuellen Musikrezeption wurden von Hans-Christian Schmidt 1976 realisiert. Schmidt untersuchte die „auditive und die audiovisuelle musikalische Wahrnehmung“ in einem experimentellen Vergleich. Seine grundlegende Fragestellung ist dabei, ob „das optisch-akustische Medium Fernsehen dem nur akustischen Medium Schallplatte (Tonband) überlegen“ ist. Er stellt die Frage, ob sich „die audiovisuelle Wahrnehmung durch eine größere Intensität des musikalischen Eindrucks und einer feineren Differenzierung gegenüber der auditiven“ auszeichne.[10] Laut Schmidt spreche die Interferenztheorie für diese Annahme:

„Während einer wiederholten Darbietung von Element A (Musik) würden nach dieser Theorie die Wahrnehmungsanteile von B (Bildfolge) mitassoziiert. Die Kombination von A und B würde also eine bessere Behaltensleistung garantieren.“[11]

In der Lernpsychologie konnte man in verschiedenen Untersuchungen nachweisen, dass die Verbindung einer Information mit einer anderen Information aus einer anderen Rubrik die Lernfähigkeit erhöht. Ist zum Beispiel die erste Information visueller und die andere akustischer Art, wird beim Aufrufen der ersten Information gleichzeitig auch die zweite Information aufgerufen – beide Informationen sind im Gehirn miteinander vernetzt.[12] Eine weitere Erklärung für das bessere Memorieren einer Information ist die, dass die Information über zwei verschiedene Wahrnehmungskanäle aufgenommen wird und damit eine doppelte Überprüfung an den Wahrheitsgehalt erfolgt. Doris A. Graber hat in diesem Zusammenhang eine Untersuchung mit einem interessanten Ergebnis durchgeführt. Sie zeigte ihren Probanden Nachrichtenbeiträge, einmal mit und einmal ohne Bild. An die Nachrichtenbeiträge mit Bild konnten sich die Versuchspersonen besser erinnern als an jene ohne Bild.[13] An diesem Punkt führt Susanne Keuchel einen – wie sie deutlich sagt – „populärwissenschaftlichen“ Vergleich an:

„der Mensch behält

20 Prozent von dem, was er hört

30 Prozent von dem, was er sieht

50 Prozent von dem, was er sieht und hört

70 Prozent von dem, worüber er redet

90 Prozent von dem, was er selbst tut“[14]

Als Gegenargument zu seiner Interferenztheorie hat Hans Christian Schmidt jedoch auch die These in Betracht gezogen, dass das Auge ein wichtigeres Empfangsorgan sei als das Ohr. Die optische Wahrnehmung sei also dominanter als die akustische und unterdrücke bei einer gleichzeitig stattfindenden optischen wie akustischen Wahrnehmung die akustische.[15]

Schmidt spielte einer Gruppe von jugendlichen Versuchspersonen Hörbeispiele in einer Video-Aufzeichnung vor, einer anderen Gruppe das gleiche musikalische Material, jedoch losgelöst vom Bild als reine Hörbeispiele. In einer Folgeuntersuchung acht Tage später wollte er herausfinden, welche der beiden Gruppen sich die Musikbeispiele besser eingeprägt hatte. Dabei fand er heraus, dass die „Video-Gruppe“ die Hörbeispiele schlechter in Erinnerung hatte, als die Gruppe der reinen Hörbeispiele. Er schlussfolgerte:

„Es besteht ein tatsächlicher Unterschied zwischen der auditiven und der audiovisuellen Rezeption von Musik, und zwar in folgender Hinsicht:[…]Die beiden heterogenen Informationssysteme Musik und Bildgeschehen scheinen sich gegenseitig zu stören, die Wahrnehmungsenergien sich gegenseitig aufzuzehren oder sich zumindest gegenseitig abzuschwächen.“[16]

Schmidt selbst deutet aber auf einen Schwachpunkt seines Versuchsaufbaus hin. Seine Videoaufzeichnungen waren Konzertmitschnitte. Jugendliche Fernsehzuschauer seien aber eine rasche Bildfolge mit hoher Informationsdichte gewohnt, die in den Aufzeichnungen nicht vorhanden war. Stattdessen sah man den Dirigenten, das Orchester oder spielende Hände.[17]

Bei der Auswahl eigener Erhebungsbeispiele sollte daher berücksichtigt werden, dass Filmbeispiele den heutigen Sehgewohnheiten entsprechen, um ein möglichst authentisches Ergebnis zu erhalten. Schmidt beobachtete eine Zunahme schnell wechselnder Bildfolgen bereits 1976. Man kann sich leicht vorstellen, dass sich dieses Phänomen über die Jahre noch intensiviert hat, weswegen noch mehr als damals auf eine geeignete Filmauswahl geachtet werden muss.

In einer anderen Studie stellte sich Schmidt 1976 die Frage, ob Musik die filmische Wahrnehmung beeinflussen kann.[18] Er nutzte einen Dokumentarfilm und unterlegte ihn mit verschiedenen Musikbeispielen. Damit wollte er die Wirkung der Musik auf die Filmwahrnehmung bei den jugendlichen Versuchspersonen überprüfen. Er gelangt zu dem Ergebnis, dass die emotionale Beteiligung bei der Filmrezeption von der Musik beeinflusst wird.

„Ein musikalischer Hintergrund…beeinflusst mittelbar – nicht unmittelbar – die filmische Rezeption insofern[…], als er dafür sorgt, daß die Affinität des Zuschauers zum filmischen Geschehen enger wird und daß aufgrund dieser engeren Film - Zuschauer - Relation die Filmwahrnehmung durch vermehrte Konzentration und erhöhte Urteilsbereitschaft angereichert wird. Nicht die filmischen Gegenstände erfahren in erster Linie eine Dynamisierung durch die Musik, vielmehr zielt ganz generell der Einfluß musikalischer Hintergründe darauf, den Wahrnehmungsvorgang des Zuschauers zu dynamisieren.“[19]

Ein Anstieg der Konzentration durch die Verbindung von Filmmusik und Filmbildern müsste demnach auch bedeuten, dass die Wirkung der Filmbilder auf die Musik ebenfalls von Bedeutung ist. Die Frage hierbei ist, ob die Symbiose aus Bild und Ton hilft, die Musik besser verstehen zu können und ob sich die emotionale Beurteilung der Musik durch das Bild ändert.

Heidemarie Strauch untersuchte 1980 mithilfe des Films Un Chien Andalou aus dem Jahr 1929 den Einfluss der Musik auf die filmische Wahrnehmung. Der Film gilt als Klassiker des surrealistischen Films und wurde von dem Regisseur Luis Buñuel und dem bekannten Maler des Surrealismus Salvador Dalí erdacht. Der Film weist dabei keine klare Handlung auf, sondern reiht mehr oder weniger willkürlich Bilder aneinander, denen der Bezug zur Realität fehlt und die eher Traumsequenzen ähneln. Strauch zeigte den Film einmal ohne und einmal mit Musik und wollte herausfinden, ob die Musik auf den unstrukturierten Film eine ordnende Wirkung haben kann. Als Musik nutzte sie unter anderem Wagners Tristan und Isolde.[20]

„Der Film erzählt keine Geschichte, der eine logisch und chronologisch geordnete Handlung zugrunde liegt, sondern kleine Episoden und Handlungsfragmente werden assoziativ aneinander gereiht. Die Musik dagegen besteht aus zwei sehr verschiedenen, in sich geschlossenen, deutlich voneinander getrennten Stücken, die symmetrisch angeordnet sind und fünf große Abschnitte bilden. Die Zäsuren, die durch den Wechsel dieser Abschnitte und ihre Binnenstruktur gebildet werden, stimmen in den seltensten Fällen mit den Zäsuren im Film überein. Die Musik verklammert gleichsam den Film.“[21]

Das Ergebnis war überraschend für Strauch. Sie stellte fest, dass die Gruppe, die den Film mit Musikuntermalung sah, häufiger eine Einteilung des Films in „5 bis 7 Abschnitte“ wahrnahm als die musiklose Gruppe. Sie zog den Schluss, dass die Musik mit ihrer Gliederung in fünf Teile auch Einfluss darauf hatte, wie die Versuchspersonen den Film zu unterteilen versuchten. Dieses Ergebnis wirft die Frage auf, ob nicht deutlich wahrnehmbare visuelle filmische Mittel z.B. der Wechsel des Ortes, die Wahrnehmung musikalischer Formabschnitte beeinflussen können.

Im Rahmen seiner Dissertation untersuchte Jürgen Tauchnitz 1990 die Werbewirksamkeit von audiovisueller Werbung und kommt zu dem Ergebnis, dass „die kognitive Wahrnehmung deutlich besser von der visuellen Ebene als von der auditiven stimuliert wird“.[22] Tauchnitz erkennt, dass Bilder Mitteilungen konkreter kommunizieren als Musik je dazu in der Lage sei. Die visuellen Reize werden vom Menschen bewusster verarbeitet als die musikalischen.[23]

Geht man davon aus, dass die musikalische Struktur durch die visuelle Ebene veranschaulicht werden kann, würde man dem audiovisuellen Medium die besondere Eignung zusprechen, Informationen zur Beschaffenheit der Musik zu vermitteln. Die optisch leicht zu erkennende Gliederung des Filmmaterials könnte also helfen, komplexe musikalische Strukturen besser zu erfassen. Tauchnitz geht davon aus, dass der visuelle Reiz stärker ist als der musikalische. Er teilt die verschiedenen Arten der Wahrnehmung jedoch in eine kognitive und eine affektive Wahrnehmung. Während das Bild demzufolge für Informationsvermittlung, bei der es um Fakten geht, besser geeignet sei, aktiviere der musikalische Reiz besonders die affektive Wahrnehmung.[24]

In einer Längsschnittstudie von Klaus-Ernst Behne, die zwischen 1991 und 1997 jährlich durchgeführt wurde, gelangte Behne quasi zufällig zu einem interessanten Ergebnis. War „der Wandel von Musikpräferenzen zwischen dem 11. und 17. Lebensjahr“[25] eigentlich das Thema seiner Untersuchung, stellte Behne bei wiederholter Präferenzmessung fest, dass der Bekanntheitsgrad von Tschaikowskys b-Moll Klavierkonzert während des Untersuchungszeitraums bei den Versuchspersonen stark anstieg. Die Ursache hierfür war eine Fernsehwerbung des Milchverarbeitungskonzerns Ehrmann, in der ein Auszug des Stücks genutzt wurde. Behne fand heraus, dass die Bekanntheit und Beliebtheit von Musik – und klassischer Musik speziell – zeitlich instabil ist. So war das klassische Stück Tschaikowskys eine Zeit lang sehr bekannt und beliebt bei vielen Fernsehzuschauern, doch vielen Menschen, die diese Werbung nicht kannten, blieb das Stück unbekannt. Oftmals wird klassische Musik in der Werbung verwendet, wodurch ihr Bekanntheitsgrad enorm steigt. So auch bei Also sprach Zarathustra von Richard Strauss, das in einem Werbespot des Bierunternehmens Warsteiner verwendet wurde und daher vielen Menschen bekannt ist – obwohl das Stück wohl hauptsächlich durch den Filmklassiker 2001 - Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick und den zahlreichen Parodien der „Knochen- Szene“ zu dem Bekanntheitsgrad gelangte, den es heute genießt.

Leon Crickmore führte 1983 eine empirische Studie mit dem Ergebnis durch, dass die Rezipienten durch die wiederholte Darbietung von Werbespots vertrauter mit der Musik wurden. Diese Rezipienten wiesen daraufhin eine erhöhte Hörbereitschaft auf. Bei mehrfachem Ansehen der Werbung verliert das Bild, das zuerst dominant ins Bewusstsein des Zuschauers tritt, mehr und mehr an Bedeutung und wird uninteressant. Dadurch erfolgt eine Aufmerksamkeitsverlagerung auf die Musik. Crickmore schlussfolgert daraus, dass die Rezipienten „den musikalischen Entwicklungsprozeß der Originalkomposition besser verfolgen“[26] könnten.[27]

„Die Notwendigkeit der ‚visuellen Brücke’ verschwände zunehmend und eine positive Einstellung zur auditiven Musikdarbietung wäre geweckt.“[28]

[…]


1 Vgl. hierzu Kapitel 2.1.
2 Vgl. Keuchel, Susanne: Das Auge hört mit.... Bonn 2000.
3 Vgl. hierzu Kapitel 2.1.
4 Vgl. http://www.ipn.at/ipn.asp?BTK (Letzter Zugriff: 30.12.2014)
5 Vgl. http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/galvanische-hautreaktion/4476 (Letzter Zugriff: 30.12.2014)
6 Vgl. Gerrero, Richard: Music as a film variable. Dissertation. Michigan State University 1969.
7 Schneider, Norbert Jürgen: Handbuch Filmmusik. München 1990, S ... 72.
8 Vgl. Ebd.
9 Vgl. Motte-Haber, Helga de la: Musikpsychologie. Köln 1972, S ... 133.
10 Schmidt, Hans-Christian: Auditive und audiovisuelle musikalische Wahrnehmung im experimentellen Vergleich. Mainz 1976, S ... 80-81.
11 Schmidt, Hans-Christian: Auditive und audiovisuelle musikalische Wahrnehmung im experimentellen Vergleich. Mainz 1976, S ... 82.
12 Vgl. Keuchel, Susanne: Das Auge hört mit.... Bonn 2000, S ... 15.
13 Graber, Doris A.: Seeing is remembering ... 1990, S ... 134-155.
14 Dörr, Günther: Fernsehen und Lernen – attraktiv und wirksam!? München 1997, S ... 49.
15 Vgl. Schmidt, Hans-Christian: Auditive und audiovisuelle musikalische Wahrnehmung im experimentellen Vergleich. Mainz 1976, S ... 83.
16 Schmidt, Hans-Christian: Auditive und audiovisuelle musikalische Wahrnehmung im experimentellen Vergleich. Mainz 1976, S ... 101.
17 Vgl. Ebd., S ... 102.
18 Vgl. Schmidt, Hans Christian: Musik als Einflussgröße für die filmische Wahrnehmung. Mainz 1976, S ... 126-169.
19 Schmidt, Hans Christian: Musik als Einflussgröße für die filmische Wahrnehmung. Mainz 1976, S ... 157.
20 Vgl. Strauch, Heidemarie: Der Einfluss von Musik auf die filmische Wahrnehmung am Beispiel von L. Buñuels „Un Chien Andalou“. Laaber 1980, S ... 112-126. (zit. nach Keuchel)
21 Ebd., S.113.
22 Keuchel, Susanne: Das Auge hört mit. Bonn 2000, S ... 19.
23 Vgl. Tauchnitz, Jürgen: Werbung mit Musik. Heidelberg 1990 (zit. nach Keuchel)
24 Vgl. Keuchel, Susanne: Das Auge hört mit. Bonn 2000, S ... 20.
25 Behne, Klaus-Ernst: Träumen und Tanzen - Zur Funktionalität von Musikpräferenzen ... 1997, S ... 205.
26 Keuchel, Susanne: Das Auge hört mit…. Bonn 2000, S ... 21.
27 Vgl. Crickmore, Leon: Eine Methode zur Messung der Musikeinschätzung. Darmstadt 1983, S ... 257-294.
28 Keuchel, Susanne: Das Auge hört mit…. Bonn 2000, S ... 21.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
„Django Unchained“ trifft Ludwig van Beethoven. Der Einfluss von Filmbildern auf die Musikwahrnehmung
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Department für Musikwissenschaft)
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
61
Katalognummer
V319523
ISBN (eBook)
9783668189478
ISBN (Buch)
9783946458647
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
musik, film, wirkung, django unchained, mozart, beethoven, equilibrium, für elise, neunte sinfonie
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, „Django Unchained“ trifft Ludwig van Beethoven. Der Einfluss von Filmbildern auf die Musikwahrnehmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319523

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