Der 1. Weltkrieg in der politischen Literatur der Weimarer Republik. Ernst Jüngers "In Stahlgewittern" und Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues"


Seminararbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung

3. Der erste Weltkrieg in der zeitgenössischem Literatur
3.1 Ernst Jünger - In Stahlgewittern
3.2 Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues

4. Rezeption und Wirkung

5. Literatur

1. Einleitung

Die Weimarer Republik sieht sich in zeitgeschichtlicher Perspektive in bedeutsamer chronologischer Umgebung. Das mit dem ersten Weltkrieg verbundene Ende des Kaiserreiches vorausgehend und das aufstrebende nationalsozialistische Regime, das in Holocaust und zweitem Weltkrieg mündet im Folgenden. Die auf die Jahre 1918 bis 1933 verortete Zeitspanne zwischen diesen tiefgreifenden Ereignissen verliert durch die Voraussetzungen und Folgen nicht etwa an Bedeutung - vielmehr kann die erste deutsche Demokratie verstanden werden als ÄNotlösung“ (Kolb 2010: S. 3) zwischen dem im ersten Weltkrieg gescheiterten Kaiserreich und dem aufstrebenden Nationalsozialismus.

In dieser Arbeit soll die zeitgenössische Literatur, als Abbild gesellschaftlicher Strömungen und Entwicklungen, im Zentrum der Auseinandersetzung stehen. Dabei liegt der Fokus auf der Kriegsliteratur und insbesondere auf der Rezeption exemplarische dargestellter Werke.

Nach einer kurzgefassten Einordnung in die historischen Ereignisse soll der erste Weltkrieg in seiner literarischen Verarbeitung untersucht werden. Dazu finden kurze literaturwissenschaftliche Exkurse statt, um auch dem literarischen Gehalt des Untersuchungsgegenstandes gerecht zu werden.

Sowohl Ernst Jüngers In Stahlgewittern als auch Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues werden anschließend auf deren Rezeption und Wirkung hin untersucht und somit in die Weimarer Zeitgeschichte integriert.

2. Historische Einordnung

Die Weimarer Republik lässt sich in der zeitgeschichtlichen Betrachtung in drei Phasen differenzieren: Gründungsphase, Stabilisierungsphase und die Phase der Auflösung und des Zerfalls. Für die historische Einordnung führt kein Weg am ersten Weltkrieg vorbei, der in der zeitgenössischen Auseinandersetzung wie folgt beschrieben wird: Ä[Der Krieg, M.S.] ist heute längst keine militärische Angelegenheit mehr, er schließt alles technische und ökonomische Wissen in sich ein, er ist gleichzeitig ein Kreuzungspunkt sozialer, pädagogischer, ethischer, literarischer, metaphysischer Denkrichtungen. Er enthält alles, denn außer ihm gibt es ja nichts mehr.“ (Brod 1918: S. 15). Die Totalität des ersten Weltkrieges ist der zentrale Unterschied zu bisherigen kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich in alle Bevölkerungsschichten und sämtliches gesellschaftliches Leben auswirkt. Das Waffenstillstandsgesuch der Obersten Heeresleitung[1] vom 3. Oktober 1918 widersprach der durch den ausdifferenzierten Propagandaapparat geprägten öffentlichen Meinung über den Erfolg des Krieges diametral (Kolb 2010: S. 7). Die desillusionierte Öffentlichkeit wandte sich nun gegen Kaiser Wilhelm II. und forderte seine Abdankung. Anfang November verweigern Teile der Marine den Befehl, so dass es in den folgenden Tagen zu einer weiten Ausbreitung der Meuterei, der sich auch streikende Arbeiter anschließen. Ihren Höhepunkt findet diese Ärevolutionäre Welle“ (Kolb 2010: S. 10) in der Novemberrevolution, in deren Zuge der Sozialdemokrat Scheidemann die Republik ausrief. Die im Januar 1919 gewählte Nationalversammlung wählte am 11. Februar mit Ebert den ersten Reichspräsidenten und verabschiedete am 31. Juli die Weimarer Verfassung: Für die parlamentarische Republik wurde der Reichstag als Kontrollorgan der Exekutive eingesetzt, von dessen Vertrauen die Regierung abhängig war. Als Gegengewicht war das starke Amt des Reichspräsidenten gedacht, der die Regierung berief und entlassen konnte, den Reichstag auflösen und mit Artikel 48 den Ausnahmezustand erklären konnte (Kolb 2010: S. 27f).

In den folgenden Jahren sieht sich die Republik zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt: Der Friedensvertrag von Versailles 1920, insbesondere der Artikel 231, in dem die alleine Kriegsschuld dem Deutschen Reich zugesprochen wird und zum Ädeutschen Trauma der Weimarer Zeit wurde“ (Kolb 2010: S. 46). Misswirtschaft und die Reparationszahlungen führten die Weimarer Republik in die Inflation und über fünf Millionen Arbeitslose. Die politische Kultur sah sich mit der Ablehnung des Versailler Vertrages, der Dolchstoßlegende und terroristischen Akten wie der Ermordung von Erzberger und Rathenau konfrontiert, zudem Putschversuche von Kapp und Hitler in den Jahren 1920 bzw. 1923 (Kluge 2006: S. 466f).

Mit dem Young-Plan wurden im Jahre 1929 die Reparationszahlungen und deren Modalitäten neu geregelt, in Verbindung mit Sanktionen bei ausbleibender Zahlung. Obwohl die Jahresleistungen nun geringer ausfielen folgte ein ÄSchulterschluss“ (Kluge 2006: S. 335) von Alldeutschem Verband, Stahlhelm und der DNVP mit Hitlers NSDAP. Parallel dazu bekam die Weimarer Republik zum Ende des Jahres 1929 die Wirkungen der Weltwirtschaftskrise, insbesondere des New Yorker Börsenkrachs zu spüren. Kolb weist darauf hin, dass Ädie Furcht vor möglichen weiteren Folgen der Krise [] ein psychologisch ebenso bedeutsamer Faktor wie die tatsächlichen ökonomischen Konsequenzen der Krise selbst [wurde], und diese Furcht verschaffte den Radikalen Zulauf gerade auch aus dem Lager der wirtschaftlich weniger stark Betroffenen“ (Kolb 2010: S. 179f). Der Aufschwung der NSDAP spiegelt sich auch in den Wahlergebnissen der 5. Reichstagswahl 1930 wieder, die den Äentscheidenden Durchbruch der NS-Bewegung“ (Kolb 2010: S. 182) ausmachte. Im Vergleich zur Reichstagswahl 1928 verlieren beinahe alle Parteien, insbesondere SPD und DNVP bei leichten bzw. enormen Gewinnen bei KPD und NSDAP. Darüber hinaus zeigt sich eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als 1928 (Kolb 2010: S. 237).

In den folgenden drei Jahren wird die NSDAP zur stärksten parlamentarischen Kraft, wenngleich Kolb betont, dass Hitlers Machtergreifung nicht durch Wahlen erfolgte, sondern weil die

ÄDesintegration des politischen Systems der Weimarer Republik bis zur Jahreswende 1932/33 so weit vorangeschritten war, daß der Reichspräsident glaubte, jetzt nur noch die Wahl zu haben: Erklärung des Staatsnotstandes oder Beauftragung Hitlers mit dem Kanzleramt“ (Kolb 2010: S. 187).

3. Der erste Weltkrieg in der zeitgenössischem Literatur

3.1 Ernst Jünger - In Stahlgewittern

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahr 1914 melden sich im Zuge der allgemeinen Euphorie unzählige Freiwillige zum Kriegsdienst, oft führt der Weg von der Schulbank direkt an die Front. Einer dieser Freiwilligen ist Ernst Jünger, dessen Werk In Stahlgewittern[2] bereits 1920 erschien und den ersten bedeutsamen literarischen Beitrag zur Verarbeitung des ersten Weltkriegs darstellt (Ehrke-Rotermund 1984: S. 82). In Stahlgewittern ist als Teil der philosophischen Grundlage des zeitgenössischen Konservativismus zu verstehen, der sich unter anderem durch eine anti-demokratische Haltung auszeichnete (Streim 2009: S. 41).

[...]


[1] Nachfolgend mit ÄOHL“ abgekürzt

[2] Zitate aus dem Primärtext In Stahlgewittern werden nachfolgend abgekürzt mit ÄInS“ 5

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Details

Titel
Der 1. Weltkrieg in der politischen Literatur der Weimarer Republik. Ernst Jüngers "In Stahlgewittern" und Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues"
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V319537
ISBN (eBook)
9783668186965
ISBN (Buch)
9783668186972
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fachliche Einordnung ist schwierig, die Arbeit wurde in einem Zeitgeschichtlichen Seminar im Bereich Politikwissenschaften verfasst.
Schlagworte
weltkrieg, literatur, weimarer, republik, ernst, jüngers, stahlgewittern, erich, maria, remarques, westen, neues
Arbeit zitieren
Moritz Sehn (Autor), 2015, Der 1. Weltkrieg in der politischen Literatur der Weimarer Republik. Ernst Jüngers "In Stahlgewittern" und Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319537

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