Platons Höhlengleichnis. Die Funktion der Idee des Guten inner- und außerhalb der Höhle


Seminararbeit, 2015

16 Seiten, Note: Gut (in der Schweiz: 5,0)


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Der Begriff der Idee bei Platon

3 Platons Gleichnisse als Einheit

4 Das Höhlengleichnis
4.1 Darstellung und Bedeutung des Gleichnisses
4.2 Interpretation des Gleichnisses
4.2.1 Interpretation Platons
4.2.2 Eigene Interpretation

5 Die Funktion der Idee des Guten
5.1 Außerhalb der Höhle
5.2 Innerhalb der Höhle

6 Resümee

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Auf Platons Ideenlehre wird an vielen verschiedenen Stellen seiner Dialoge Bezug genommen. Die Idee des Guten, welche bei Platon als höchste Erkenntnis betrachtet werden kann, ist als ontologisches, erkenntnistheoretisches und ethisches Prinzip zu verstehen. Sie ist undefinierbar und steht über den anderen Ideen; im Hinblick auf Würde und Kraft übersteigt sie diese.[1] Die Idee des Guten zu definieren erweist sich als schwierig, da nicht alle Merkmale angegeben werden können - demzufolge wäre lediglich eine implizite Definition möglich.

Es bietet sich an, die Idee des Guten anhand von Bildern zu erläutern, diese Bilder werden sichtbar in den Gleichnissen. Gleichwohl ist zu beachten, dass Gleichnisse additiv zu Texten betrachtet werden müssen und sich mit diesen wechselseitig ergänzen - Gleichnisse können etwas zeigen, was traktatförmige Sätze nicht können[2].

Wesentlich an der Darstellung der Idee des Guten im Höhlengleichnis ist der praktische Aspekt: Hier steht nicht mehr der theoretische Status der Idee im Vordergrund, sondern es wird der praktische Fokus herausgestellt. Unter diesem Aspekt der Praxisbezogenheit stellt sich die Frage, welche Funktion die Idee des Guten an der genannten Stelle hat oder anders formuliert: welche Funktion der Idee des Guten in Platon Höhlengleichnis zugesprochen wird und zwar sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Höhle.

Die Beantwortung dieser Frage ist das Ziel dieser Seminararbeit. Hierzu soll zunächst nochmals grundsätzlich auf den Begriff der Idee des Guten eingegangen werden, bevor dann das Höhlengleichnis erläutert werden wird - sowohl in Bezug auf seine Stellung innerhalb der Gleichnistriologie, als auch separat. An die Interpretation des Gleichnisses wird sich dann die Beantwortung der Frage nach der Funktion der Idee des Guten anschließen; dabei wird sowohl der Bereich innerhalb, als auch der außerhalb der Höhle betrachtet.

2 Der Begriff der Idee bei Platon

Die Ideenlehre stellt einen wesentlichen Punkt der Philosophie Platons dar. Als ‚Idee‘ kann etwas Gemeinsames und Ewiges betrachtet werden, eine abstrakte Vorlage, die quasi ‚hinter‘ der mit den sprachlichen Begriffen bzw. den Dingen sein kann. Demzufolge können Ideen als Urbilder für begriffliche Abbildungen bezeichnet werden und alles Wahrnehmbare als eine Erscheinung der Ideen.

Graeser nennt die platonischen Ideen entsprechend „fundamental hybride Gebilde“ und bezeichnet Ideen als Bezugspunkte, welche der Sprache Sinn verleihen, Erkenntnisse ermöglichen, Handlungen reglementieren und die moralische Existenz der Menschen bestimmen.[3]

Platon selbst beschreibt zwar das Wesen der Ideen an verschiedenen Stellen seiner Werke; exemplarisch seien hier zwei Stelle des Phaidon und der Politeia genannt: „dass eine jede Idee existiere und die übrigen an ihr teilnehmenden Dinge ihre Benennung eben von diesen erhalten“ (102a-b)[4] sowie „wir pflegen doch im Falle der vielen Einzeldinge, die wir mit demselben Namen bezeichnen, jeweils eine bestimmte Idee anzusetzen“ (596a), doch muss hinzugefügt werden, dass Platon nirgendwo eine „Ideenlehre“ einführt.[5]

Graeser ist der Ansicht, dass es Platon nach eigener Meinung mit der Annahme der Existenz der Idee möglich war, auch für die Welt der Wahrnehmung eine Art Konzept zu präsentieren.[6]

Demzufolge kann festgehalten werden, dass Platon die Welt in zwei Bereiche unterteilt. „Du hältst also fest: es gibt diese zwei Reiche: das Sichtbare und das Erkennbare“ (509d)[7]. Die sichtbare bzw. sinnlich wahrnehmbare Welt, welche auch vergänglich ist, wird nach ihm strikt von dem ewigen und unveränderlichen Reich der Ideen unterschieden und besteht lediglich aus Abbildern von Ideen, die übergeordnet sind. Diese übergeordneten Ideen ordnet er der Welt des Sein bzw. der Erkenntniswelt zu, diese ist nur dem Verstand zugänglich und kann entsprechend nur durch Denken ‚betreten‘ werden.

Alle nachfolgenden Belegstellen beziehen sich auf diese Ausgabe sowie auf die Übersetzung von Schleiermacher.

Die Welt enthält demzufolge nur Abbilder von Ideen, diese Abbilder können durch die Sinne der Menschen erfasst werden. Über die Phänomene in der Sinneswelt können lediglich Meinungen gebildet werden; Wissen oder wahre Erkenntnis ist hier nicht möglich. Alleine durch Meinungen kann man die Wahrheit jedoch nicht erfassen und dies bedeutet, dass nach Ansicht Platons die Sinneswahrnehmung nicht zu Wissen führen kann. Weil sich konkrete Einzeldinge ständig verändern können, können sich auch die Sinne täuschen. Dies bedeutet, dass die Dinge der Sinneswelt keine allgemeine Gültigkeit haben können.

Ideen dagegen sind zeitlos, dauerhaft, unveränderlich und existieren unabhängig von den sinnlich wahrnehmbaren Dingen; aus diesem Grund ist die Ideenwelt nicht mit den Sinnen, sondern ausschließlich mit dem Verstand zu erfassen. Ideen sind entsprechend die Basis der Einzeldinge.[8]

In Bezug auf die Ideen unterscheidet van Ackeren verschiedene Aspekte, welche für Platon allerdings untrennbar zusammengehören: zu nennen sind hier der ontologische, der erkenntnistheoretische, der normative, der mimetische sowie der erotische Aspekt. Diese Aspekte können in aller Kürze wie folgt beschrieben werden: Ontologisch betrachtet bestehen Ideen außerhalb von Raum und Zeit und sind unveränderlich. Unter dem Aspekt der Erkenntnistheorie muss eine Idee zuerst erkannt werden, bevor die Einzeldinge in ihrer Bedeutung erfasst werden können. Wenn es keine Ideen gäbe, könnten konkrete Dinge nicht identifiziert werden. Der normative Aspekt meint den Sachverhalt, dass es nach Platon wesentliche Beziehungen zwischen den Ideen und den Dingen gibt; dieser Aspekt verbindet sich zusammen mit dem mimetischen mit der Urbildfunktion. Der mimetische Aspekt selbst beschreibt die Tatsache, dass Dinge den Ideen gleichzeitig ähnlich sind da sie unvollkommene Abbilder darstellen, aber dennoch auch unähnlich. Demzufolge sind sie seiend und nichtseiend zugleich.[9] Der erotische Aspekt soll an dieser Stelle nicht näher ausgeführt werden, da dieser Ansatz nicht in grundlegendem Zusammenhang zu der Fragestellung steht, unter der diese Arbeit geschrieben wird.

An der Spitze der Ideenwelt sieht Platon die Idee des Guten. Diese steht über allen; das Gute ist für Platon das finale Ziel allen Strebens, es ist der Orientierungspunkt für das praktische Handeln (510b).

[...]


[1] Vgl. Damschen, Gregor, Zitat im Rahmen des Hauptseminars „Platons Ideentheorie“ (eigene Mitschrift), Luzern HS 2015.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Graeser, Andreas, Platons Ideenlehre, Haupt, Bern 1975, 162.

[4] Vgl. Platon, Phaidon. Das Gastmahl, Bearbeitet von Dietrich Kurz, griech. Text von Léon Robin und Louis Méridier, dt. Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001 (Werke in acht Bänden, griech. und dt., Bd. 3). Zitiert wird, wenn nicht anders angegeben, nach der Übersetzung von Schleiermacher.

[5] Vgl. Van Ackeren, Marcel, Das Wissen vom Guten. Bedeutung und Kontinuität des Tugendwissens in den Dialogen Platons, Bochumer Studien zur Philosophie, Bd. 39, Grüner, Amsterdam 2002, 159.

[6] Vgl. Graeser, Platons Ideenlehre, 106.

[7] Vgl. Platon, Politeia. Der Staat, Bearbeitet von Dietrich Kurz, griech. Text von Émile Chambry, dt. Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001 (Werke in acht Bänden, griech. und dt., Bd. 4).

[8] Gaarder, Jostein, Sofies Welt. Roman über die Geschichte der Philosophie, Carl Hanser Verlag, München 1993, 103ff..

[9] Vgl. Van Ackeren, Das Wissen vom Guten, 160-164.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Platons Höhlengleichnis. Die Funktion der Idee des Guten inner- und außerhalb der Höhle
Hochschule
Universität Luzern  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar "Platons Ideentheorie"
Note
Gut (in der Schweiz: 5,0)
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V319587
ISBN (eBook)
9783668186828
ISBN (Buch)
9783668186835
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Höhlengleichnis, Idee des Guten
Arbeit zitieren
Judith Braun (Autor), 2015, Platons Höhlengleichnis. Die Funktion der Idee des Guten inner- und außerhalb der Höhle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319587

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