„Spurlos verschwunden?“. Die Spuren eines Kriminalfalls deuten und in eine spannende Geschichte einbauen (Deutsch, Klasse 7)


Unterrichtsentwurf, 2014

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit

2. Lernvoraussetzungen
2.1 Allgemeine Lernvoraussetzungen
2.2 Institutionelle Lernvoraussetzungen
2.3 Spezielle Lernvoraussetzungen

3. Sachanalyse

4. Didaktische Überlegungen

5. Methodische Überlegungen

6. Angestrebter Kompetenzzuwachs

7. Verlaufsplan

8. Literatur- und Quellenangaben

9. Anhang

1. Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit

Die Lernenden erweitern ihre Lese- und Rezeptionskompetenz, indem sie textsortenspezifi-sche Merkmale von Kriminalgeschichten erarbeiten, Indizien deuten, Handlungsmotive der Personen analysieren und beurteilen. Auf dieser Grundlage erweitern sie ihre Schreibkom-petenz, indem sie eigene Kriminalgeschichten zu einer gesammelten Ideenkartei verfassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Lernvoraussetzungen

2.1 Allgemeine Lernvoraussetzungen

Die heutige Stunde findet in der Klasse 7 statt. Diese Lerngruppe setzt sich aus dreizehn Schülerinnen und zehn Schülern zusammen. Ich unterrichte die Klasse eigenverantwortlich seit Februar 2013 in vier Stunden Deutsch pro Woche. Die Gesamtschule ist eine integrierte Gesamtschule, eine Differenzierung in A-, B- und C-Kurse findet im Fach Deutsch ab der achten Jahrgangsstufe statt. Die Kurseinstufung der Lerngruppe wurde bereits festgelegt und besprochen. Sieben der Lernenden werden in einen A-Kurs, dreizehn in einen B-Kurs und drei in einen C-Kurs eingestuft. In der Lerngruppe fällt dementsprechend eine starke Heterogenität bezüglich der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft auf.

Das Verhältnis zwischen der Lerngruppe und mir schätze ich als positiv ein. Die Lernenden sind mir gegenüber freundlich und aufgeschlossen. Ich fühle mich als Lehrperson akzeptiert und angenommen.

Der Großteil der Lernenden ist am Fach Deutsch interessiert und zeigt im Unterricht Enga-gement. Leistungsstärkere Schülerinnen sind (…). Sie zeigen im mündlichen und schriftlichen Bereich gute bis sehr gute Leistungen. Am Unterricht beteiligen sie sich oft und bereichern Unterrichtsgespräche mit durchdachten Beiträgen. Einige der Lernenden sind in Unterrichtsgesprächen jedoch eher zurückhaltend. Vor allem (…) nehmen kaum am Unterrichtsgespräch teil. Sie profitieren jedoch von Partner- und Gruppenarbeit, da sie sich in diesen Arbeitsphasen mit ihren Mitschülern austauschen und aktiver werden.

Zu den leistungsschwächeren Schülern zählen (…). nimmt aufgrund seiner Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten an einer außerschulischen Therapie teil. Ich habe bereits Kontakt zu der verantwortlichen Lerntherapeutin aufgenommen, um ihn bestmöglich unter-stützen zu können. Auch die anderen benötigen während selbstständiger Unterrichts-phasen häufig Hilfestellungen.

Vor allem (…) fallen durch ihr Arbeits- und Sozialverhalten auf. Sie halten sich häufig nicht an vereinbarte Regeln, wie das Melden oder Zuhören, und stören den Unterricht durch unpassende Kommentare. Ihnen fällt es vor allem in selbstständigen Arbeitsphasen schwer, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu bleiben. Sie erledigen ihre Aufgaben häufig nicht mit der nötigen Sorgfalt, sodass sie durch entsprechende Hinweise zur Arbeit motiviert werden müssen.

2.2 Institutionelle Lernvoraussetzungen

Die heutige Unterrichtsstunde findet im Klassenraum der 7 statt. Die Lernenden sitzen in einer U-Form. Zur Ausstattung des Raumes gehören eine Tafel und ein Overheadprojektor. Für diese Unterrichtsstunde wird außerdem der Nebenraum genutzt.

2.3 Spezielle Lernvoraussetzungen

In dieser Unterrichtseinheit haben die Lernenden bereits die Merkmale und den Aufbau von Kriminalgeschichten entdeckt, die Handlungsmotive der Personen beurteilt und ein eigenes Ende zu einer Kriminalgeschichte geschrieben. Außerdem wurden in der vorherigen Stunde gestalterische Mittel zur Erzeugung von Spannung besprochen, welche die Lerngruppe zur Gestaltung ihrer spannenden Geschichten in dieser Stunde nutzen kann. Der Schwerpunkt der vorherigen Unterrichtsstunden lag daher, vor allem auf einer Erweiterung der Lese- und Rezeptionskompetenz der Lernenden.

Die darauffolgenden Stunden sollen die Schreibkompetenz der Lernenden fördern, um sie an das Schreiben eigener Kriminalgeschichten heranzuführen, was gleichzeitig die Lernauf-gabe der Unterrichtseinheit ist. Die Lerngruppe wird am Ende der Unterrichtseinheit die besten selbst verfassten Kriminalgeschichten für die Veröffentlichung auf der eigenen Schul-homepage auswählen.

Die Lernenden zeigten sich bisher sehr interessiert am Thema. Auch eher leistungsschwä-chere Lernende brachten sich dabei vor allem bei der Ideenfindung und Diskussion über mögliche Tatmotive und Tatverdächtige engagiert ein.

Der Großteil der Lerngruppe weist kaum Schwierigkeiten beim Verfassen eigener Texte auf. Vor allem die Mädchen schreiben sehr gerne eigene Texte und stellen diese der Klasse vor. Die Jungen benötigen meist einen interessanten Anreiz, um in den Schreibprozess hineinzu-finden. Schwierigkeiten beim Schreiben haben vor allem (…). Sie brauchen oft einige Zeit, bis sie mit dem Schreiben beginnen und fassen sich dann meist sehr kurz. Ihnen stehen daher Hilfekarten mit verschiedenen Hilfestellungen zum Schreiben zur Verfügung.

Eigene Geschichten haben die Lernenden schon häufiger verfasst. Dabei wurde ihnen meist freigestellt, ob sie die Geschichte alleine oder zu zweit verfassen wollen. Einige haben sich dabei für das gemeinsame Schreiben entschieden.

3. Sachanalyse

Eine Kriminalgeschichte ist eine „Geschichte, bei der ein Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt stehen“.[1] Ein bestimmtes Genre sind „Detektivgeschichten“, welche eher auf die Aufklärungsarbeit des Detektivs gerichtet sind. Dabei ist das Verbrechen zu Beginn der Geschichte bereits geschehen. Dem Leser stehen hier in der Regel nur die Informationen zur Verfügung, welche auch der Detektiv weiß. Erst am Ende wird der Täter genannt.[2]

Der Hörspielanfang dieser Stunde ist von Sir Arthur Conan Doyles Detektivgeschichte „Der vermisste Rugbyspieler (Sherlock Holmes)“. Die Zuhörer erfahren in diesem Abschnitt, dass Godfrey Staunton, ein Rugby-Spieler der Universitätsmannschaft Cambridge, zwei Tage vor einem wichtigen Spiel gegen Oxford verschwunden ist. Sherlock Holmes wird von Godfreys Trainer gerufen, um das mysteriöse Verschwinden aufzuklären.[3]

Die Geschichte, welche die Lernenden in dieser Unterrichtsstunde verfassen werden, basiert zum einen auf dem Beginn der Sherlock Holmes Geschichte, zum anderen jedoch auf ihren eigenen Ideen und Vermutungen zu Spuren im Zimmer des Vermissten[4], welche Hinweise auf mögliche Ursachen des Verschwindens geben sollen.

Es handelt sich dabei um eine Form des Handlungs- und Produktionsorientierten Literatur-unterrichts, bei der die Förderung der Vorstellungskraft als Notwendigkeit für die Analyse und Interpretation literarischer Texte angesehen wird. Die Lernenden werden dabei vor allem in ihrer Phantasie angesprochen.[5] Produktionsorientierte Verfahren beinhalten beispielsweise Schreibaufgaben, bei denen Lernende etwas in der Textvorlage Weggelassenes ergänzen sollen („Ergänzungen“) oder bei denen nur einzelne Elemente vorgegeben werden („Ausge-staltungen“).[6] In dieser Unterrichtsstunde basieren die Geschichten sowohl auf Ergänzun-gen, als auch auf Ausgestaltungen, welche von den Lernenden vorgenommen werden.

Geschichten gehören zur Gattung der Erzählung, welche Fix folgendermaßen definiert:

„In einem fiktiven Raum wird ein erzählwürdiges Ereignis reproduziert, das - vermeintlich real - in der Vergangenheit stattgefunden hat.“[7]

Eine Erzählung kann vor allem durch wörtliche Rede und eine spannende Gestaltung der äußeren und inneren Handlung lebendig gestaltet werden. Diese beinhaltet auch die Schil-derung von Handlungsmotiven und Stimmungen des Protagonisten.[8] Erzählungen dienen vor allem der Unterhaltung des Lesers, wobei sich der Schreibende direkt in das Geschehen hineinversetzt, um es den Leser miterleben zu lassen. Dabei wird auf Erlebtes sowie Erfun-denes zurückgegriffen.[9] Beim Rückgriff auf Erlebtes, Gelesenes und Gesehenes, welches in der Vorstellung konkretisiert wird, spricht man auch von einer „Fantasieerzählung“.[10]

4. Didaktische Überlegungen

In den Bildungsstandards und Inhaltsfeldern für den Mittleren Schulabschluss beinhaltet das Inhaltsfeld „Lesen und Rezipieren“ den Teilbereich „Texte/Medien rezipieren“, zu welchem folgende Aspekte zählen: „individuelle Vorstellungen und Empfindungen, die beim Lesen/ Rezipieren entstehen, zum Ausdruck bringen“, „sich mit anderen über lebendige Vorstellun-gen, eigene Gedanken und Deutungen zu Texten/Medien verständigen“ sowie „Verhalten und Handlungsmotive von Figuren/Personen in Texten/Medien beurteilen“.[11]

In dieser Unterrichtsstunde spielt jedoch auch das Schreiben eine Rolle, da die Lernenden ihre Vermutungen und Ideen in eine spannende Geschichte verfassen. Es handelt sich um eine Form des Integrativen Deutschunterrichts. Dieser zeichnet sich durch eine funktionale Wechselbeziehung von verschiedenen fachbezogenen Fähigkeiten und Teilbereichen aus,[12] in diesem Fall die Bereiche Lesen und Schreiben.

Gleichzeitig dient diese Unterrichtstunde der Vorbereitung auf das Schreiben eigener Krimi-nalgeschichten. Hierzu werden in der darauffolgenden Stunde Ideen für eine Kriminalkartei gesammelt, die sie für ihre eigenen Geschichten nutzen können.

Der Großteil der Lerngruppe hat bereits Erfahrungen mit Kriminalgeschichten bzw. Kriminal-fällen in ihrem Alltag gemacht, da sie bereits selbst Krimis gelesen oder im Fernsehen ge-sehen haben, beispielsweise Sendungen, Dokumentationen oder Thriller. Außerdem werden Kriminalfälle sehr häufig in den Medien thematisiert. Kriminalgeschichten in den Deutsch-unterricht zu integrieren, kann dabei das Interesse der Lernenden am Lesen von Kriminal-romanen oder Hören von Kriminalhörspielen wecken.

Indem die Lernenden innerhalb dieser Unterrichtsstunde Vermutungen aufstellen und kreati-ve Denkprozesse vollziehen, schulen sie gleichzeitig ihre Fähigkeit, Hypothesen zu bilden. Dies ist nicht nur wichtig für ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, sondern spielt auch in anderen Fächern in Zukunft eine Rolle, wie in der Mathematik, Physik oder Chemie.

Eine didaktische Reduktion wurde beim vorgespielten Hörspiel vorgenommen, da der Hör-spielanfang zusammengeschnitten wurde, um den Fokus der Lerngruppe auf wichtige Informationen zu legen und genug Raum für die Vorstellungskraft der Lernenden zu lassen.

Eine Differenzierung findet zum einen hinsichtlich der eher offenen Schreibaufgabe statt, da die Vorgabe, eine spannende Geschichte zu schreiben, den Lernenden genug Freiraum lässt, um ihre Geschichte individuell nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Außerdem können die Lernenden selbst entscheiden, ob sie alleine oder zu zweit schreiben möchten. Sollten noch weitere Hilfestellungen beim Schreiben benötigt werden, stehen der Lerngruppe darüber hinaus Hilfekarten zur Verfügung,[13] welche verschiedene Geschichten-und Satzanfänge sowie spannende Adjektive beinhalten. Diese sollen Anregungen zum Schreiben geben. Falls jemand noch einmal die zuvor interpretierten Spuren benötigt, werden auch diese in Form einer Hilfekarte bereitgestellt (siehe Anhang 9.3).

5. Methodische Überlegungen

Zum Unterrichtseinstieg bekommen die Lernenden den Beginn einer Kriminalgeschichte in Form eines Hörspiels präsentiert. Dies soll vor allem das Interesse der Lernenden wecken und ihre Motivation steigern. Da in Hörspielen, neben den einzelnen Sprechern, Geräusche und Klänge eine große Rolle spielen, wird beim Zuhören meist eine bestimmte Stimmung erzeugt.[14] In diesem Fall soll eine gespannte Atmosphäre geschaffen werden, welche die Lerngruppe neugierig auf den weiteren Verlauf des Falls machen soll. Außerdem kann dies dabei behilflich sein, sich noch besser in die Situation einzufühlen. Auch das Hörverstehen der Lernenden kann bei dieser Methode gefördert werden.

[...]


[1] http://www.duden.de/rechtschreibung/Kriminalgeschichte.

[2] http://www.begriff-definition.de/krimis.htm.

[3] Doyle, Arthus Conan: Sherlock Holmes (27) Der vermisste Rugbyspieler.

[4] Dieses Zimmerist von mir unabhängig vom Inhalt des Hörspiels gestaltet worden.

[5] Praxis Deutsch 123: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht. S.17ff.

[6] Spinner, Kaspar: Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren im Literaturunterricht. S.191.

[7] Fix, Martin: Texte schreiben. S.94.

[8] Ebd. S.96.

[9] Beste, Gisela: Deutsch Methodik. S.79f.

[10] Fix, Martin: Texte schreiben. S.96.

[11] Hessisches Kultusministerium. Bildungsstandards und Inhaltsfelder. S.20.

[12] Klotz, Peter: Integrativer Deutschunterricht. S.59f.

[13] Fix, Martin: Texte schreiben. S.134.

[14] Beste, Gisela: Deutsch Methodik. S.188.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
„Spurlos verschwunden?“. Die Spuren eines Kriminalfalls deuten und in eine spannende Geschichte einbauen (Deutsch, Klasse 7)
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V319615
ISBN (eBook)
9783668189522
ISBN (Buch)
9783668189539
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
spurlos, spuren, kriminalfalls, geschichte, deutsch, klasse
Arbeit zitieren
Jennifer Raab (Autor), 2014, „Spurlos verschwunden?“. Die Spuren eines Kriminalfalls deuten und in eine spannende Geschichte einbauen (Deutsch, Klasse 7), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319615

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