Die Reproduktion der Eliten. Die Funktionsweise des sozialen Raums und der sozialen Felder nach Bourdieu

Das Beispiel der Elitenrekrutierung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

31 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Erster Teil Heranführung an Pierre Bourdieus Werkzeuge zur Untersuchung der gesellschaftlichen Ordnung
1. Die Kapitalsorten
1.1. Objektives Kapital
1.2. Subjektives Kapital
2. Sozialer Raum und Klassen
3. Soziale Felder
3.1. Das Feld der Macht
4. D er Habitus
5. Elite
5.1. Defi n itio n der Elite
5.2. Klassische Elitesoziologie
5.2.1. Die Psychologie der Masse n
5.2.2. Die herrsche n de Klasse
5.2.3. Das eher n e Gesetz der Oligarchie
5.3. Die Fu n ktio n selite n
5.3.1. Masse u n d Fu n ktio n selite n
5.3.1. Fu n ktio n selite n u n d Demokratie
5.4. Kritische Elitesoziologie: Elite u n d Klasse n

Zweiter Teil Elitenrekrutierung in D eutschland, Frankreich und Groß-Britannien in den Feldern der Wirtschaft, Politik und Verwaltung
1. Bourdieus Werkzeuge in der kritischen Elitesoziologie К
1.1. Die Bildu n gsexpa n sio n u n d die Elitebildu n gsi n stitutio n e n
2. D ie französische Elite
2.1. Die fra n zösische n Elitehochschule n
2.2. Herausbildu n g ei n es Adels
2.3. Elitecorps
2.4. Die Homoge n ität u n d Mobilität der fra n zösische η Elite
3. Elite in Groß-Britannien
3.1. Die britische n Elitebildu n gsei n richtu n ge η
3.2. Elite n rekrutieru n g i n Groß-Brita n n ie n
4. D ie deutsche Elite
4.1. Bildu ngsei n richtu nge n i n Deutschla n d
4.2. Elite n rekrutieru n g i n Deutschla n d
4.3. Wa n del n de Elite n rekrutieru n g i n Deutschla n d
5. Fazit
7. Quellen
5.1. O n li n e Quelle n
5.2. Grafik-Quelle n

Prolog

Die Chancengleichheit gehört in unserer modernen Gesellschaft offiziell zu einem erstrebenswerten Grundwert. Diese stellt die Wertvorstellung und zugleich politische Forderung dar, dass „allen Menschen die gleichen Möglichkeiten für die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten zu gewähren" (Hillmann 2007: S. 120) ist. Erziehung und Bildung sollen dahingehend ausgerichtet werden, dass - getreu dem Leitsatz ,Erfolg durch Leistung‘ - bei genügend Anstrengung ein jeder die gleiche Aussicht auf Wohlstand, Aufstieg und Führungspositionen hat. Eine Bildungsreform jagt die nächste, nur um endlich mehr Chancengleichheit zu schaffen. Das diese Chancengleichheit eine, wenn auch schöne, Illusion ist deckt Bourdieu in seinem Buch ,Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreichs‘ auf. (vgl. Graf von Kruckow 1972). In diesem Werk setzt sich Bourdieu kritisch mit dem Bildungswesen in Frankreich auseinander und weist auf, das in diesem die Unterschiede zwischen den Individuen nicht aufgehoben, sondern vielmehr manifestiert werden. Der Glaube an eine steigende Chancengleichheit in der deutschen Gesellschaft, vor allem befördert durch das staatliche Schulsystem, ist auch in Deutschland fest verankert. Dieses Paradigma wurde aber durch den Elitesoziologen Michael Hartmann ins Wanken gebracht. (vgl. Hartung 2006). Er hat die Rekrutierung der Eliten in Deutschland, sowie in einem späteren Werk der internationalen Eliten, erforscht und die Mechanismen des sozialen Feldes der Eliten aufgezeigt.

Auch diese Hausarbeit verabschiedet sich von der Illusion der Chancengleichheit. Anhand der Leitfrage „Wie reproduzieren sich Eliten?" soll aufgezeigt werden, dass keineswegs Fleiß und Leistung die Hauptfaktoren sind, die einem jeden Zugang zu Erfolg und Spitzenpositionen verschaffen. Hierzu werden im Folgenden Pierre Bourdieus Theorien des sozialen Raums und des soziale Feldes erarbeitet. Anhand dieser werden gesellschaftliche Selektionsmechanismen erkenntlich die sich vor allem im Verborgenen und unbewusst abspielen. Anhand der Länder: Frankreich, Groß­Britannien und Deutschland werden schließlich beispielhaft die Reproduktionsmechanismen der Eliten in den Feldern der Wirtschaft, Politik und Verwaltung diskutiert.

Erster Teil Heranführung an Pierre Bourdieus Werkzeuge zur Untersuchung der gesellschaftlichen Ordnung.

"Mein Ziel besteht darin, mit zu verhindern, daß beliebig über die soziale Welt gesprochen werden kann. Schönberg sagte einmal, daß er komponiere, damit die Leute nicht mehr in der Lage sind, Musik zu schreiben. Ich schreibe, damit die Leute, und zunächst einmal jene, die das Wort haben, die Wortführer, nicht mehr in bezug auf die soziale Welt Lärm produzieren können, der den Anschein von Musik vermittelt."

(Bourdieu 1993: S.18)

1. Die Kapitalsorten

Pierre Bourdieu führt als Grundlage für seine Arbeiten den Kapitalbegriff wieder ein. Dabei konstatiert er eine „allgemeine Wissenschaft von der Ökonomie der Praxis“ (Bourdieu 1992: S.53), mit der er den Marx‘schen Kapitalbegriff, der sich auf den ökonomischen Aspekt beschränkt, um weitere Dimensionen ergänzt. Diese Erweiterung ermöglicht es ihm die zwei Kräfte, die vis insita, also die „Kraft, die den objektiven und subjektiven Strukturen innewohnt" (Bourdieu 1992: S.49), als auch die lex insita, als „grundlegendes Prinzip der inneren Regelmäßigkeiten der sozialen Welt" (Bourdieu 1992: S.49) zu erklären und somit zu veranschaulichen, dass die Wirtschaftswelt kein Glückspiel, sondern vielmehr ein Strategiespiel mit ungleich verteilten Chancen, zu sein scheint. Die Kapitalformen prägen die Wahrnehmung der sozialen Welt und lassen sich in objektives und subjektives Kapital differenzieren. (vgl. Bourdieu 1985: S. 16)

1.1. Objektives Kapital

Bourdieu unterscheidet auf der objektiven Ebene zwischen dem ökonomischen, dem kulturellen und dem sozialen Kapital.

Das ökonomische Kapital „ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts" (Bourdieu 1992: S.52) Es ist die Form die zwar „allen anderen Kapitalarten zugrundeliegt" (ebd.: S.71), auf die dennoch niemals ganz reduziert werden kann.

Das kulturelle Kapital unterteilt Bourdieu weiterhin in drei Unterkategorien. (1) Im inkorporierten Zustand ist es personengebunden und kann nicht weitergegeben werden. Es kann mit der Bildung gleichgesetzt werden, die sich nur durch persönlich investierte Lernzeit aneignen lässt und nicht kurzfristig übertragbar ist. Messen lässt es sich anhand der „Dauer des Bildungserwerbs“ (Bourdieu 1992: S.56), wobei es nicht nur in Bildungsinstitutionen, sondern auch durch den exklusiven Wissenstransfer innerhalb der Verwandtschaft und Beziehungen, erworben wird. Letztere exklusive Aneignung spielt im Prozess der Aneignung des inkorporierten, kulturellen Kapitals eine besonders wichtige Rolle. Ihr eigenes kulturelles Kapital entscheidet über die Wertschätzung und Weitergabe von Bildung an die Nachkommen. Der Prozess des Wissenstransfers und der sozialen Vererbung vollzieht sich zumeist unbewusst und entzieht sich somit der öffentlichen Debatte. Durch ihn werden auch spezielle Eigenschaften wie „z.B. die typische Sprechweise einer Klasse oder Region" weitergegeben. Somit umfasst das inkorporierte, kulturelle Kapital nicht nur die Anhäufung von Qualifikationen und Fachwissen sondern die Sozialisation im Ganzen, die sich nach Bourdieu in ihrem speziellen Habitus[1] äußert. Gleichzeitig wird es von Kindesalter an different verteilt, sodass, durch die folgenden, gesellschaftlichen Selektionsprozesse, vielen der Zugang zu Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt wird. (vgl. Bourdieu 1992: S.55-59) (2) Das objektivierte Kulturkapital umfasst materialisierte Kulturgüter (z.B. Gemälde, Antiquitäten etc.), die zwar durch ökonomisches Kapital angeeignet werden können, während jedoch die Fähigkeit der sinngemäßen Verwendung und der speziellen Wertschätzung, also die symbolische Aneignung, nur durch das zugehörige, inkorporierte Kulturkapital möglich wird. (vgl. Bourdieu 1992: S.59-61) (3) Das institutionalisierte Kapital entspricht der „Objektivierung von inkorporiertem Kulturkapital in Form von Titeln“ (Bourdieu 1992: S.61). Mit schulischen Titeln wird die kulturelle Kompetenz formal konserviert, sodass sein Träger sich nicht mehr allezeit bewähren muss. Dabei kritisiert Bourdieu, dass so „eine Form von kulturellem Kapital geschaffen (wurde), dessen Geltung nicht nur relativ unabhängig von der Person seines Trägers ist, sondern auch von dem kulturellen Kapital, das dieser tatsächlich zu einem gegebenen Zeitpunkt besitzt." (Bourdieu 1992: S.62)

Das soziale Kapital hingegen umfasst das Beziehungsgeflecht einer Person, das auf „dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens" (Bourdieu 1992: S.63) beruht. Die einzelne Person zieht ihren Nutzen aus dem Rückgriff auf diese Kontakte, der Austausch basiert hierbei sowohl auf materieller, als auch auf symbolischer und sozialer Ebene. Die sozialen Beziehungsnetze können auch in einer institutionalisierten Form (z.B. Familie, Klasse, Partei, elitärer Club etc.) auftreten, die durch bestimmte Aufnahmevoraussetzungen verschiedenen Individuen verschlossen sind. Während in diesem Fall das Auswahlverfahren noch offensichtlich ist, vollzieht es sich oft eher verdeckt. Insbesondere ein ähnlicher Habitus führt zum gegenseitigen Anerkennen und Wohlbefinden. Auf diese Weise finden sich Menschen, wie von unsichtbarer Hand geführt, zusammen. Das Beziehungsnetz sieht Bourdieu als ein „Produkt individueller oder kollektiver Investitionsstrategien, die bewußt oder unbewußt auf die Schaffung und Erhaltung von Sozialbeziehungen gerichtet sind, die früher oder später einen unmittelbaren Nutzen versprechen" (Bourdieu 1992: S.65) Es kann somit nicht mit dem ökonomischen Kapital erworben, jedoch vom Nutzen her als gleichwertig angesehen werden. (vgl. Bourdieu 1992: S.63-70)

1.2. Subjektives Kapital

Eine übergeordnete und zugleich abstrakte Rolle nimmt das symbolische Kapital ein; als subjektive Reaktion auf die „immaterielle Gewalt, die andere Kapitalformen auf das Bewusstsein ausüben“ (Rehbein 2011: S.192).

Das symbolische Kapital verleiht den objektiven Kapitalstrukturen ihre Legitimation. Durch die Sozialisierung und Inkorporierung der Kapitalstrukturen eignet sich das Individuum die herrschenden Wahrnehmungskategorien an. (vgl. Bourdieu 1985 S.22) Es reproduziert die Denk- und Handlungsmuster, die den Herrschenden ihre Distinktion und Macht verleiht und gleichzeitig von den Beherrschten als legitim anerkannt wird. So nimmt das symbolische Kapital in Bourdieus Soziologie eine wichtige Stellung ein: Es ist der subtile, doch massive Zwang, der die bestehenden Herrschaftsstrukturen aufrechterhält. (vgl. Rehbein 2011: S.192-193)

Insgesamt zeigt Bourdieu eindeutig auf: Das ökonomische Kapital ist zwar die sichtbare, jedoch nicht die einzige Kapitalform. Stattdessen existieren mit dem kulturellen und dem sozialen Kapital Austauschbeziehungen, die im öffentlichen Diskurs oft als uneigennützig verkannt und wohl auch bewusst verschleiert werden und deren Aufdeckung zum Verständnis der Machtstrukturen daher umso dringender ist. (vgl. Bourdieu 1992: S.51-52)

2. Sozialer Raum und Klassen

Für seine Analyse der sozialen Welt lehnt Bourdieu das starre, vertikale Klassenmodell ab und erweitert dieses stattdessen zu einem dreidimensionalen, dynamischen Raum. Die gesellschaftlichen Gruppierungen und Akteure sind demnach je nach ihrer Kapitalausstattung, die ihnen Stärke und Macht verleiht, im Verhältnis zueinander in diesem Raum angeordnet. (vgl. Bourdieu 1992: S.9-10)

Dem geht voraus, dass Bourdieu die reale Existenz „von Klassen in Form homogener Ensembles ökonomisch und sozial differenzierter, objektiv zu Gruppen konstituierter Individuen (Bourdieu 1997: S.105) abstreitet und andererseits gleichzeitig „die Existenz eines auf einem ökonomischen und sozialen Differenzierungsprinzip basierenden Raumes von Unterschieden" (ebd. S.105) begründet. Dies ist ein klarer Bruch mit dem traditionellen Klassenverständnis nach Karl Marx. Die Positionen der Akteure im Raum sind nicht statisch sondern relational. (vgl. ebd.: S.104-106) Dadurch können zwar „Klassen im Sinne der Logik" (Bourdieu 1985: S.12) ausgearbeitet werden, die sich durch die Stellung im sozialen Raum, Interessen, Weltanschauungen, Ideologien etc. sehr ähneln, dennoch stellen diese nur theoretische Klassen auf dem Papier dar. Eine unvermeidliche Transformation der Klasse auf dem Papier zur homogenen, kampfbereiten bezweifelt er. (ebd.: S.12-14)

Um diesen Gedankengang besser nachvollziehen zu können, wird an dieser Stelle weiter auf das Konzept des sozialen Raums eingegangen. Die „soziale Realität" (Bourdieu 1997: S.106) besteht aus relationalen Positionen und der „Gesamtheit konstanter Beziehungen die oft unsichtbar sind" (Bourdieu 1997: S. 106). Nach Bourdieu soll die Wissenschaft sich dementsprechend nicht auf die Konstruktion von sozialen Klassen, sondern auf die Erfassung und Konstruktion des gesamten sozialen Raums konzentrieren, um somit die Unterschiede zwischen den Individuen beobachten, erklären und prognostizieren zu können. Die Differenzen im sozialen Raum entstehen durch die Kräfte der Kapitalformen: Das ökonomische, das kulturelle, das soziale und das symbolische Kapital verleihen den Besitzern Macht und werden als Waffen gegeneinander eingesetzt. Daher hat Bourdieu diese als Grundlage des sozialen Raums herangezogen. (vgl. ebd.: S.106-107)

Der soziale Raum besteht aus drei Dimensionen: In der ersten, horizontalen ist das Gesamtvolumen des Kapitals, aufsteigend nach oben, angeordnet. Die zweite beschreibt auf der Vertikalen die verhältnismäßige Zusammensetzung des Kapitals; auf der linken Seite dominiert das kulturelle, rechts hingegen das ökonomische Kapital. Die dritte Dimension erfasst die mögliche soziale Laufbahn im sozialen Raum in Hinsicht der Kapitalentwicklung und -Zusammensetzung. So ergibt sich schließlich ein mehrdimensionales Gebilde, dem Bourdieu, je nach Lage, spezifische Berufsgruppen angeordnet hat und denen er gleichzeitig typische Lebensstile zuschreibt. In diesem Raum kann jedes Individuum verortet werden. (vgl. ebd.: S.107- 110) Es entstehen „konstruierte Klassen [...] als Ensembles von Akteuren [...], welche aufgrund des Umstandes, daß sie ähnliche Positionen im sozialen Raum (d.h. in der Kräfteverteilung) einnehmen, ähnlichen Existenzbedingungen und konditionierenden Faktoren unterworfen und demzufolge mit ähnlichen Dispositionen ausgestattet sind.“ (ebd.: S.111)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1 : Der soziale Raum (Bourdieu 2004)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2: Raum der Lebensstile (Bourdieu 1998

Letztendlich beschreibt Bourdieu die sozialen Felder als Abbild der gesamten Geschichte: Diese ist materiell in den Institutionen, den Verwaltungsstrukturen, den Organisationen als auch latent in den Wahrnehmungskategorien der Individuen festgeschrieben. (vgl. Bourdieu 1985: S.35)

3. Soziale Felder

In hochdifferenzierten Gesellschaften besteht der soziale Raum aus vielen, relativ autonomen Mikrokosmen, den sozialen Feldern, die gesellschaftliche Teilbereiche umschließen. (vgl. Bourdieu 1996: S.127) Diese Felder verfügen jeweils über eigene Gesetze und Regeln und unterscheiden sich im Grad ihrer Unabhängigkeit, der sogenannten Brechungsstärke. Je mehr sie in der Lage sind, sich von äußeren Zwängen des Makrokosmos loszulösen, desto stärker und autonomer sind diese. (vgl. Bourdieu 1998: S.15-19) Des Weiteren besitzt jedes Feld seine eigene Logik und spezifische Regeln, nach denen es funktioniert. Diese Felder entsprechen Kräftefeldern, innerhalb derer zwischen den Akteuren Kämpfe stattfinden. Wie in einem Spiel kämpfen die verschiedenen Individuen und Institutionen unter Einsatz ihres Kapitals gegeneinander. Es existieren sowohl Herrschende als auch Beherrschte, die um die Hierarchie der Kapitalsorten (ökonomisch, kulturell, sozial & symbolisch), als auch um die Erhaltung bzw. die Verbesserung ihrer eigenen Position, kämpfen. (vgl. Bourdieu 1996: S.130-138) Im Endeffekt geht es auch hier stets um die Macht über die „Durchsetzung der legitimen Sicht von der sozialen Welt" (Bourdieu 1985: S.22) und den Einfluss über deren Reproduktionsmechanismen. Dadurch ist das Feld ein Ort von dauerhaften „Kämpfen um die Veränderung dieser Verhältnisse, und folglich ein Ort des permanenten Wandels" (Bourdieu 1996: S. 134-135)

3.1. Das Feld der Macht

Die Untersuchung der Gesetzmäßigkeiten und Rekrutierungsmechanismen der Spitzenpositionen in den spezifischen Feldern der Politik, Wirtschaft und Verwaltung bewegt sich im Feld der Macht. Auch dieses wird durch „den Zustand des Kräfteverhältnisses zwischen Machtformen oder verschiedenen Kapitalsorten definiert" (Bourdieu 1989: S.321), wobei die Akteure hier bereits über ein beträchtliches Kapitel (insbesondere ökonomisch oder kulturell) verfügen müssen, um jene herrschenden Positionen zu erreichen. Die Akteure kämpfen um das gültige Herrschaftsprinzip, also den Wechselkurs der verschiedenen Kapitalsorten. Damit das Feld der Macht nicht als „willkürliche Gewalt" (Bourdieu 1989: S.322) erscheint, bedarf es seiner Legitimation. Mit symbolischen Strategien zielen deshalb die Eliten darauf ab „die sozialen Grundlagen ihrer Herrschaft zu legitimieren" (Bourdieu S.322) was mit Reproduktionsstrategien einhergeht, die vordergründig Chancengleichheit

[...]


[1] Die Funktionsweise des Habitus wird im weiteren Verlauf näher erklärt.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die Reproduktion der Eliten. Die Funktionsweise des sozialen Raums und der sozialen Felder nach Bourdieu
Untertitel
Das Beispiel der Elitenrekrutierung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,3
Autoren
Jahr
2013
Seiten
31
Katalognummer
V319623
ISBN (eBook)
9783668186781
ISBN (Buch)
9783668186798
Dateigröße
931 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elite, Soziologie, Elitesoziologie, Kapitalsorten, Habitus, Sozialer Raum, Klassen, Bourdieu, Objektives Kapital, Subjektives Kapital, Elitenrekrutierung, Eliteschule, Elitehochschule, Elitecorp, Elitebildungseinrichtung, Selektionsmechanismus, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital, Bildungsungleichheit, Lebensstile, Soziale Felder, Oligarchie, Funktionselite, Kritische Elitesoziologie
Arbeit zitieren
Tobias Schneider (Autor)Steffen Berchtenbreiter (Autor), 2013, Die Reproduktion der Eliten. Die Funktionsweise des sozialen Raums und der sozialen Felder nach Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319623

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