Fragen und Anworten zu "Metaphysik" (erstes Buch) von Aristoteles


Zusammenfassung, 2014
6 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Aristoteles: Metaphysik, Erstes Buch

Fragen mit (*) benötigen eine Literaturangabe (Autor, Titel, Verlag, Erscheinungsjahr) gegebenenfalls mit genauem Hinweis auf die Stelle.

1. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Aristoteles und Sokrates?(1P)

Ein konkreter Zusammenhang zwischen Aristoteles und Sokrates besteht darin, dass Sokrates Platons Lehrer war und Aristoteles wiederum Platons Schüler. Beide befassten sich mit der Naturphilosophie (Die Auffassung der Natur in ihrer Gesamtheit). Sokrates wandte sich aber von diesem Bereich ab, denn „[e]r habe aber erkannt, daß die Naturphilosophie für uns nichts tauge“. (Laertius, Diogenes (2008): Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Hamburg: Felix Meiner. S.77)

Sokrates befasste sich daher hauptsächlich mit ethischen Erkenntnisproblemen, während Aristoteles sich weiterhin mit der Naturphilosophie und anderen philosophischen ‚Disziplinen‘ befasste.

2. (*)Auf welche Weisen lässt sich der Titel „Metaphysik“ erklären?(2P)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(*) Eigene Übersetzung

Der Titel „Metaphysik“ stammt nicht von Aristoteles selbst, denn er spricht nicht von ‚Metaphysik‘, sondern in erster Linie von ‚Erster Philosophie‘. Nach Volkmann- Schluck wurde der Buchtitel vermutlich nur in ‚buchtechnischer‘ Bedeutung gebraucht, d.h. als die Werke von Aristoteles zu einem Sammelwerk zusammengefasst worden sind (vermutlich von Aristoteles Schülern u.a. von Andronikos), benannten sie den Titel nach der Position der Werke, also nach (metà) den Texten über die Naturphilosophie (physiká) stehenden Abhandlungen.

(*)Vgl. Volkmann- Schluck, Karl- Heinz (1976): Die Metaphysik des Aristoteles. Frankfurt a.M.: Klostermann Verlag. S.7

3. „Zum Zweck des Handelns“ ist laut Aristoteles Erfahrung offenbar wichtiger als Kunst oder Wissenschaft – warum? (1P)

Nach Aristoteles ist die Kunst/ Wissenschaft die Erkenntnis des Allgemeinen, d.h. sie besitzen allgemeine Begrifflichkeiten und haben für jede Sachlage eine Erklärung. Das ‚Allgemeine‘ jedoch, ist die Summe einzelner Erkenntnisse, d.h. ohne ‚Zweck des Handelns‘ würden keine individuellen Erkenntnisse entstehen und somit gäbe es auch nicht das ‚Allgemeine‘. Eine einzelne Erkenntnis aber, kann nicht immer auf das Allgemeine beruhen- daher ist nach Aristoteles „zum Zweck des Handelns“ wichtiger als die Kunst/ Wissenschaft, weil sie sich nicht nur auf theoretische Begrifflichkeiten stützt, sondern eine Praxiserfahrung jedes Einzelnen besitzt.

4. Der Arzt heile nicht einen Menschen überhaupt, „außer in einem akzidentiellen Sinn“ (981a18): Was heißt „akzidentiell“? (0.5P)

„[…]einen Menschen überhaupt“ ist der Mensch an sich als das ‚Seiende‘, bzw. als das Wesentliche. Wenn der Mensch jedoch nun ‚krank‘ ist, wird das Wesentliche an sich verändert, oder dem Wesentlichen wird etwas angehaftet/ hinzugefügt - in diesem Fall eine Krankheit bzw. ‚krank sein‘. Solche Veränderungen/ Anhaftungen des Wesentlichen nennt man „Akzidenzien/ akzidentiell“.

5. Was ist mit diesem Satz („Der Arzt ...“) gemeint? (1P)

Aristoteles verdeutlicht mit diesem Satz nochmal, dass der Arzt nicht einem Menschen überhaupt behandelt/ heilt-

eher heilt/ behandelt der Arzt, wie schon oben erwähnt, in einem akzidentiellen Sinn: also einen kranken Menschen. Doch darüber hinaus, weist er explizit auf die Wichtigkeit des Einzelnen hin, denn nicht alle Patienten die Fieber haben, leiden z.B. unter einer Mittelohrentzündung- auch nicht dann, wenn dasselbe Heilmittel bei einer anderen Person (die ebenfalls Fieber hat), Wirkung gezeigt, bzw. zur Genesung geführt hat. Die Ursachen für Fieber können in diesem Beispiel nämlich unterschiedlich sein und daher ist die individuelle Behandlung der Patienten von größter Notwendigkeit.

6. Wann besitzt jemand Weisheit (sophia), und was ist das „Zeichen“ des Wissens?

(1.5 P)

Weisheit ( sophia) besitzt jemand, der Kausalursachen erkennen und begründen kann. Im Gegensatz hierzu steht die Erfahrung, die nicht gelehrt, sondern nur individuell gesammelt werden kann- sie können höchstens Informationen weitergeben, aber nicht Wissen im Vollsinn. Zu den ‚Zeichen‘ des Wissens gehört der Grund (aitia): Das Erkennen des ‚Warum‘ und der Ursache. Folglich ist der Gegenstand der Weisheit die Prinzipien und Ursachen.

7. Warum halten wir – nach Aristoteles – diejenigen für weiser, deren „Wissen nicht auf den Nutzen gerichtet ist“ (981b20)? (1P)

Weil das Wissen, dass nicht auf den Nutzen gestützt ist, den Ursprung der Bewunderung hat, z.B. die Philosophie. Nach Aristoteles kommt die Bewunderung nicht mehr von praktisch nützlichen Künsten/ Wissenschaften, sondern eher nach der Bewältigung der Lebensnot und bei zunehmender Muße, Genuss oder Interesse. Beim ‚Ursprung der Bewunderung‘ meinen wir lediglich die Frage nach dem ‚Warum?‘, bzw. die Suche nach einer Kausalursache. Nach Aristoteles (wie schon oben erwähnt) ist der Gegenstand der Weisheit unter anderem die Ursache einer Gegebenheit und nicht das tatsächlich Gegebene, bzw. „wie jene leblosen Dinge nach einem natürlichen Vermögen das hervorbringen, was sie hervorbringen“(981b4).

8. Was möchte Aristoteles. in der mit „2.“ überschriebenen Passage (=A2) über A1 hinaus beweisen? (0.5P)

Aristoteles möchte in A2 beweisen, dass die Merkmale der Weisheit nach den herkömmlichen Ansichten und Bestätigungen, eine auf die erste Ursachen und Prinzipien gerichtete, theoretische Wissenschaft ist.

9. (*) Beschreiben Sie Aristoteles‘ argumentatives Vorgehen (seine „philosophische Methode“) in A2: Worauf stützt er und wie entwickelt er seine Argumentation? (2 P)

Aristoteles Methode ist nach Beisbart in zwei Teilen gegliedert: 1.) A. erläutert die Ausgangspunkte von „gewöhnlichen Annahmen“(Alltagsintuitionen)(982a6).

2.) A. deutet und problematisiert die Ausgangspunkte: z.B. könnten Alltagintuitionen falsch sein.

Die Alltagsintuitionen von denen Aristoteles ausgeht sind unter anderem (1.) der Weise, der alles weiß (das Allgemeine)- obwohl er die Details an sich nicht wissen muss. Zudem erkennt (2.) der Weise auch das, was schwer zu erkennen ist. Und eine letzte Intuition wäre, dass (3.) der Weise eine genaue Erkenntnis, ein genaues Wissen hat (Mit Genauigkeit ist dabei vermutlich nicht Detailgenauigkeit gemeint, denn laut (1.) muss der Weise die Details nicht kennen).

Die Deutungen dieser Intuitionen sehen nach Beisbart folgendermaßen aus (vgl. 982a20- 982b10):

(1.)Wer ein breites Allgemeinwissen hat, der weiß in gewisser Hinsicht alles, aber nicht jedes Detail. Somit wäre die Beschreibung der ersten Alltagsintuition erfüllt, denn nach Aristoteles ist die Bedeutung des Allgemeinen von hoher Wichtigkeit (im Gegensatz zu Erfahrung und Kunst).

(2.) Das Allgemeine an sich zu erkennen ist schwierig und um das zu erkennen, was eigentlich schwer zu erkennen ist, muss der Weise das Allgemeine kennen- erst dann gilt die Alltagsintuition.

(3.) Eine Wissenschaft erlaubt mehr Genauigkeit, je weniger Prinzipien/ Axiome sie enthält- Beisbart nennt hierbei das Beispiel Arithmetik vs. Geometrie und verdeutlicht damit, dass der Weise erst dann eine genaue Erkenntnis hat, wenn wenige Axiome gegeben sind (im sehr allgemeinen Bereich). Ein Beispiel hierzu wären z.B. Kühe, die man durch mehrere Prinzipien kennzeichnen kann, als Säugetiere im Allgemeinen.

Beisbart erläutert, dass nach Aristoteles jeder der Alltagsintuitionen zu dem Ergebnis führt, dass die Weisheit die Wissenschaft von den ersten, allgemeinsten Prinzipien und Ursachen ist und sich somit auch die Alltagsintuitionen gegenseitig stützen.

Zusammengefasst geht Aristoteles bei seinen Annahmen deduktiv vor, d.h. er stellt Annahmen, sucht kausale Ursachen, begründet diese und schließt ein Fazit daraus. Letztendlich sind im diesem Fall all seine Annahmen haltbar.

(*)Vgl. Beisbart, Claus(2010): Was ist Metaphysik? TU Dortmund: Zusammenfassung. S. 3-4.

NET: http://www.claus-beisbart.de/teaching/wi2010/mph/mph1.pdf

Zugriff am: 10.11.2013 um 20:24 Uhr.

10. In welchen Hinsichten ist die Wissenschaft „frei“? (1.5 P)

Wissenschaft ist in der Hinsicht ‚frei‘, wenn nicht mehr um ein praktisches Nutzen gesucht wird, sondern um ihrer Selbstwillen.

„Sowie der Mensch frei ist und um seiner selbst willen lebt“ anstatt im Dienste eines anderen zu stehen. (*)Vgl. Philosophische Bibliothek, [übrs.] Bonitz, Hermann(1989): Aristoteles [Metaphysik], Band 307.Hamburg: Felix Meiner. S.273.

11. Aristoteles spricht von (ersten) Ursachen: Wie viele gibt es bei Aristoteles? (0.5 P)

Ursachen haben nach Aristoteles wieder Ursachen, daher legt sich A. auf keine explizite Anzahl fest. Vielmehr kann man es als eine ‚Ursachenkette‘ ansehen, d.h. Es gibt X, es gibt aber eine Ursache von X aber auch eine Ursache von Ursache von X etc. Die Kette muss aber entweder bei der anfänglichen oder letzteren Ursache ein Ende haben, sonst gäbe es nämlich gar keine Erklärungen und X bliebe ungeklärt.

Erst in den weiterführenden Kapiteln spricht Aristoteles über 4. Ursachen, diese wären: (1.) Stoffursache = causa materialis; (2.) Formursache = cause formalis; (3.) Wirkursache = causa efficiens und (4.) Zweckursache = causa finalis.

12. Erklären Sie – wenn Sie möchten, an einem Beispiel – jede dieser Ursachen ganz kurz in Ihren eigenen Worten (2 P)

Zur ‚Ursachenkette‘ wie am Anfang oben beschrieben, wäre z.B. die Frage: Warum regnet es? Es gibt also Regen (X), die Ursache von X ist zunächst die Schwerkraft (Regen fällt auf die Erde), die Ursache hierfür wäre die Dichte des Wassers, denn Regen besteht aus Wasser und ist in den Wolken enthalten- und die Ursache hierzu wäre die Kondensation von Wasserdampf etc.. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der Ursachenkette, da der Regen an sich und ihre Kausalität sehr komplex ist, weil sie zusätzlich verschiedene Formen (z.B. Hagel, Schnee etc.) annehmen kann.

Ein Beispiel zu den 4 Ursachen, die erst in den späteren Kapiteln hervortreten, wäre das typische Beispiel der Bronzestatue:

(1.) Stoffursache (Aus welchem Material?)= Bronze; (2.) Formursache (Form und Modell)= z.B. Mensch; (3.) Wirkursache(Anstoß zum Wandel?)= Bildhauer (4.) Zweckursache(Weswegen?)= Accessoire im Zimmer.

13. (*) Aus der modernen Naturwissenschaft kennen Sie den Begriff „Kausalität“. Was heißt „kausal“? (0.5 P)

a) Bildungssprachlich: „auf dem Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung beruhend“, „ursächlich“.

b) Sprachwissenschaftlich: „begründet“.

Eine Ursache hat eine Wirkung- eine Wirkung ohne Ursache ist nicht möglich.

( *)Vgl.http://www.duden.de/rechtschreibung/kausal //Zugriff am 07. 11. 2013 um 22:40 Uhr.

14. Entspricht eine von Aristoteles‘ Ursachen diesen „Kausalursachen“? (Anders gefragt: Kannte er bereits diese Art der Verursachung, benutzte aber ein anderes Wort dafür?) (0.5 P)

A. kannte die Kausalität, nur verwendete er das Wort „Kausalität/ Kausalursache“ nicht. A. beschrieb es eher mit den Worten ‚dem Wissen des Warum‘. Letztendlich verwendete er für das Wort „Kausalität“ – „Wissen erster Ursachen und Prinzipien“.

(*)Vgl. Philosophische Bibliothek, [übrs.] Bonitz, Hermann(1989): Aristoteles [Metaphysik], Band 307.Hamburg: Felix Meiner. S.9.

15. Begründen Sie kurz Ihre Antwort! (1 P)

Siehe oben ↑

16. Wäre ein heutiger Naturwissenschaftler, der reine Grundlagenforschung betreibt, als „Freund der sophia“, als „Philosoph“, anzusehen oder nicht? (0.5 P)

Nein.

17. Warum (nicht)? (1 P)

Die Grundlagenforschung dient immer einem Nutzen, sei es im wirtschaftlichen oder sozialen Sinn. Sie enthält ihren Ursprung nicht durch die Bewunderung, wie z.B. in der Philosophie- weshalb die Grundlagenforschung nach Aristoteles nicht als philosophisch anzusehen wäre.

18. Folgende Gegenüberstellung findet man häufig in der Sekundärliteratur zu Platon und Aristoteles; erläutern Sie anhand der vorliegenden Texte, inwiefern diese Einschätzung zutrifft: Platons Vorstellung von Philosophie sei elitär, während Aristoteles auf den gesunden Menschenverstand setze. (2 P)

Nach Platons Werk ‚Der Staat‘, gehörten zu Platons elitärer Klasse die Philosophen und Regierenden. Die untersten Schichten jedoch, die des ‚Nährstandes‘ können nach Platon zur keiner Einsicht gelangen (z.B. Das Zügeln der Begierde durch die Vernunft) und müssen daher von der elitären Schicht beherrscht werden. Zudem erläutert er nie konkret seine Theorien, sondern hebt sie mit Hebammenstil oder Metaphern hervor- das verdeutlicht Platons Voraussetzung, dass seine Philosophie nicht für jedermann gedacht ist, sondern nur für diejenigen, die schon ein Wissen an sich besitzen- quasi als Appell an Geist und Verstand. Aristoteles jedoch baute seine Theorien logisch auf und baute wenn nötig, konkrete Beispiele in seine Werke ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Fragen und Anworten zu "Metaphysik" (erstes Buch) von Aristoteles
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
6
Katalognummer
V319677
ISBN (eBook)
9783668190368
ISBN (Buch)
9783668190375
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Metaphysik
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Fragen und Anworten zu "Metaphysik" (erstes Buch) von Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319677

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