Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte Argentinien einen wirtschaftlichen Boom. Damit verbunden war ein kultureller Aufschwung, der ein Bedürfnis nach Unterhaltung weckte, das alle Klassen und Schichten betraf. Die so entstandene neue Populärkultur war von einem Hunger nach preiswertem Vergnügen durch Theater und Literatur geprägt. Für 10 bis 20 Centavos waren Heftchen zu erwerben, die aufgrund ihres geringen Umfangs im Bus, der Metro oder der Straßenbahn gelesen werden konnten: Unterhaltung für jedermann. Auch wenn die Herausgeber der Zeitschriften den Aufbau von Sammlungen durch die Leserschaft intendierten, überlebten nur wenige der auf billigem Papier gedruckten Hefte.
Ein im Seminar erarbeitetes Analysemodell bezieht dabei die außersprachliche Ebene (Zeitschrift, Autor, Struktur der Ausgabe etc.), die sprachliche Ebene (fingierte Mündlichkeit, regionale Varietäten, Sprachfehler etc.) und die funktionale Ebene (Entwicklung der Handlung, soziale Einordnung, Figurencharakterisierung etc.) ein. In der vorliegenden Arbeit wird verstärkt die sprachliche Ebene beleuchtet, da die Verwendung der fingierten Mündlichkeit - verstärkt durch beispielsweise regionale Varietäten - ein besonderes Merkmal von Theaterstücken ist und daher näher betrachtet werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entstehungskontext
2.1 Español rioplatense
2.2 Fingierte Mündlichkeit
2.3 Werk „Tierra Baja“
2.3.1 Autor
2.3.2 Inhalt des Stücks
2.3.3 Figuren und deren soziale Einordnung
3 Fingierte Mündlichkeit in „Tierra Baja“
3.1 Verwendung von regionalen Varietäten
3.2 Sprachliche Eigenarten von Figuren
3.3 Sprachliche Mittel der Mündlichkeit
3.4 Übersetzung aus dem Katalanischen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerá im Hinblick auf die Konstruktion fingierter Mündlichkeit und analysiert, inwieweit regionale argentinische Varietäten wie das español rioplatense, Lunfardo oder Cocoliche in dem Werk Anwendung finden.
- Kontextualisierung des español rioplatense und des Konzepts der fingierten Mündlichkeit.
- Analyse der Figurenkonstellation und der sozialen Einordnung innerhalb des Stücks.
- Untersuchung der sprachlichen Gestaltungsmittel zur Erzeugung von Mündlichkeit.
- Einfluss der Übersetzung aus dem katalanischen Original auf die sprachliche Struktur.
- Evaluation der Authentizität der verwendeten Sprachvarietäten.
Auszug aus dem Buch
3 Fingierte Mündlichkeit in „Tierra Baja“
Bei der sprachlichen Analyse des Werkes beziehe ich mich auf die spanische Übersetzung. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass nicht alle sprachlichen Merkmale im Original vorkommen und durch den Übersetzer den Text hinzugefügt wurden (mehr dazu im Kapitel 3.4).
Als Nachschlagewerke für den Lunfardo verwende ich die Wörterbücher der Academia Porteña del Lunfardo und der Seite El portal del tango.
3.1 Verwendung von regionalen Varietäten
In dem Werk gibt es insgesamt wenig Lexik aus regionalen Varietäten. Es wird hauptsächlich das Standard-Spanisch verwendet. Jedoch lassen sich einige Lexeme aus dem Lunfardo finden: tunda Marta: buena tunda me daba. (S. 8) → castigo a golpes, palos o azotes. cá pero cá. e e qué, e tú, e me dijo. hupa Manelich: ¡Hupa! ¡Hupa! (S. 13) → ¡arriba!; voz para levantar en brazos a los niños. tronado/a Manelich: Más quiero una tronada allá en los ventisqueros (S. 14) → persona que está sin dinero por completo. duro Manelich: El amo Sebastián me prometió un duro (S. 15) → moneda nacional. bobalicón Antonio: Un bobalicón. (S. 8) → Aumentativo de Bobolba. / idiota.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in den historischen Kontext des argentinischen Theaterwesens ein und formuliert das Ziel der Analyse von „Tierra Baja“ bezüglich seiner sprachlichen Gestaltung.
2 Entstehungskontext: Das Kapitel erläutert die Grundlagen des español rioplatense, definiert den Begriff der fingierten Mündlichkeit und gibt einen Überblick über das Werk sowie die beteiligten Akteure.
3 Fingierte Mündlichkeit in „Tierra Baja“: Dieser Hauptteil untersucht die tatsächliche Anwendung regionaler Varietäten, sprachlicher Eigentümlichkeiten der Figuren und spezifischer Mündlichkeitsmerkmale sowie den Einfluss der Übersetzung.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die untersuchten regionalen Varietäten kaum in das Werk integriert wurden und diese meist durch den Übersetzungsprozess hinzugefügt wurden, anstatt vom Autor intendiert zu sein.
Schlüsselwörter
Tierra Baja, Don Angel Guimerá, Fingierte Mündlichkeit, Español Rioplatense, Lunfardo, Cocoliche, Sprachanalyse, Theaterstück, Übersetzung, Katalanisch, Authentizität, Sprachvarietäten, Literaturwissenschaft, Kommunikation, Mündlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Theaterstück „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerá hinsichtlich der Darstellung fingierter Mündlichkeit und der Integration regionaler Sprachvarietäten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Mündlichkeit, der Kontext des spanischen Sprachgebrauchs im Argentinien des 20. Jahrhunderts und die Analyse sprachlicher Mittel in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob und inwieweit regionale Varietäten wie español rioplatense oder Lunfardo im Werk verwendet werden und welche Rolle der Übersetzer dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine exemplarische textnahe Sprachanalyse durchgeführt, die den Vergleich zwischen dem katalanischen Original und der spanischen Übersetzung nutzt.
Welche Inhalte prägen den Hauptteil?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Kategorisierung der Sprachgestaltung: Regionale Lexik, individuelle sprachliche Eigenheiten der Figuren und allgemeine Mündlichkeitsmerkmale wie Pausen und Umgangssprache.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Fingierte Mündlichkeit, español rioplatense, Tierra Baja, Lunfardo, Authentizität und literarische Sprachgestaltung sind die wichtigsten Kennbegriffe.
Warum spielt die Übersetzung für die Analyse eine wichtige Rolle?
Da der Autor Spanier war und das Stück auf Katalanisch verfasste, ist die untersuchte spanische Fassung lediglich eine Übersetzung, die oft erst durch den Übersetzer zusätzliche regionale Merkmale erhielt.
Führt die Verwendung des Lunfardo zu einer authentischen Darstellung?
Nein, da die Verwendung dieser Varietäten sehr gering ist und oft eher künstlich durch den Übersetzer ergänzt wurde, anstatt das natürliche Milieu der Figuren widerzuspiegeln.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Mündlichkeit in dem Stück?
Das Stück nutzt zwar erfolgreich allgemeine Mittel der fingierten Mündlichkeit, verzichtet aber weitgehend auf die spezifische lokale Färbung des argentinischen Spanisch.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerá. Eine exemplarische Analyse eines Theaterstücks als Medium der fingierten Mündlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319771