Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Philosophie - Philosophie du XXe siècle

Der Ausnahmezustand. Die Konzeptionen Carls Schmitts und Giorgio Agambens im Vergleich

Titre: Der Ausnahmezustand. Die Konzeptionen Carls Schmitts und Giorgio Agambens im Vergleich

Dossier / Travail de Séminaire , 2015 , 16 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Anna Mimikri (Auteur)

Philosophie - Philosophie du XXe siècle
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

Für die vorliegende Arbeit ist der Bezug Agambens auf Schmitts Souveränitätskonzept von Relevanz. Vor dem Hintergrund der Konzeption des Ausnahmezustands bei Schmitt und Agamben sollen im Folgenden die Unterschiede zwischen den theoretischen Ansätzen erarbeitet werden. Dabei wird zunächst auf Schmitts Terminus des Ausnahmezustands eingegangen und die Funktionen des Begriffs in seinem Souveränitätskonzept dargelegt. Darauf aufbauend erfolgt die Auseinandersetzung mit Agambens Begriff des Ausnahmezustands. Anschließend werden die beiden theoretischen Ansätze einander gegenübergestellt.

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“. Diese Definition des Ausnahmezustands trifft der Staatsrechtler Carl Schmitt in seiner Schrift „Politische Theologie“. Schmitt verweist mit seiner prägnanten Definition darauf, dass der Ausnahmezustand kein Tatbestand ist, den die Rechtsordnung bestimmt, sondern dass er nur in Abhängigkeit von der Entscheidung des Souveräns über ihn existiert, gerade weil er eine Ausnahme vom Normalzustand darstellt, die nicht in Gesetzen geregelt werden kann.

Der Rechtsphilosoph Giorgio Agamben rekurriert auf Schmitts Konzeption des Ausnahmezustands in seinem Werk „Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben“. Er erweitert die Definition um eine biopolitische Perspektive: „In der modernen Biopolitik ist derjenige souverän, der über den Wert oder Unwert des Lebens als solches entscheidet“. Agambens Verständnis von Biopolitik steht in der Tradition Foucaults, wobei er den Anspruch erhebt, dessen Konzept eine neue Deutung zu verleihen: Die Biopolitik als historische Konstante der gesellschaftlichen Ordnung und in der Moderne in ihrer reinsten Form verwirklicht im Konzentrationslager des 20. Jahrhunderts. Agamben bezieht sich in seiner Rekonstruktion neben Foucault und Schmitt auf diverse weitere Philosophen wie Walter Benjamin.

Die Grundlage der vorliegenden Arbeit bilden Agambens Werk „Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben“, das 1995 erschienen ist, und die Schrift „Politische Theologie“, die Schmitt 1922 veröffentlichte.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ausnahmezustand nach Carl Schmitt

2.1 Der Ausnahmezustand als Anomie und Element der Rechtsordnung

2.1.1 Korrelation von Souveränität und Ausnahme

2.1.2 Paradox der Souveränität

2.2 Funktionen des Ausnahmezustands

2.2.1 Funktion der Konstitution der Souveränität

2.2.2 Juristische Funktion

2.2.3 Konzeptionelle Funktion

2.3 Kritische Reflexion Carl Schmitts im Kontext des Nationalsozialismus

3. Der Ausnahmezustand nach Giorgio Agamben

3.1 Die souveräne Macht und das nackte Leben

3.2 Ausnahmezustand und Biopolitik

3.3 Agambens Diagnose der Moderne

4. Vergleich der Konzeptionen Schmitts und Agambens

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die theoretischen Ansätze von Carl Schmitt und Giorgio Agamben zum Begriff des Ausnahmezustands vergleichend gegenüberzustellen und die Unterschiede in ihren Souveränitätskonzepten herauszuarbeiten.

  • Carl Schmitts Souveränitätsdefinition und der Ausnahmezustand als staatsrechtlicher Grenzbegriff.
  • Die Rolle der politischen Dezision und deren Verhältnis zur Rechtsordnung bei Schmitt.
  • Giorgio Agambens biopolitische Erweiterung des Ausnahmezustands und das Konzept des "nackten Lebens".
  • Die Transformation der Ausnahme zur permanenten Regierungstechnik in der Moderne.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die souveräne Macht und das nackte Leben

Agamben konzipiert seinen Begriff des Ausnahmezustands ausgehend von Schmitts Souveränitätskonzept. Er widerspricht Schmitts Begriff des Politischen, den dieser an der Unterscheidung Freund/Feind festmacht. Nach Agamben ist diesbezüglich vielmehr die Unterscheidung „von nacktem Leben/politischer Existenz, zoé/bíos, Ausschluss/Einschluss“ von grundsätzlicher Relevanz und bildet „das fundamentale Kategorienpaar der abendländischen Politik“ (Agamben 2002: S. 18).

Auf der Grundlage dieses Politikverständnisses ist Agambens Begriff der Souveränität zu verstehen. Dabei liegt Agambens Fokus auf dem „nackten Leben“, das die Figur des „Homo sacer“ verkörpert. Agamben leitet seinen Begriff des nackten Lebens von Aristoteles´ Unterscheidung von zoé als dem bloßen Lebendigsein und bíos als der Art der Lebensführung ab. Die zoé war bis zur Moderne aus den Bereichen des bíos ausgeschlossen und damit auch kein Subjekt der pólis, dem Bereich des Politischen. Die Figur des Homo sacer stammt aus dem archaischen römischen Recht und bezeichnet einen Menschen, dessen Tötung straffrei war, die aber gleichzeitig nicht geopfert werden durften. Der Homo sacer war ein aus dem politisch-rechtlichen und religiösen Gemeinwesen ausgeschlossener Mensch, dem jeglicher rechtliche Schutz verwehrt blieb. Damit bewegte er sich gewissermaßen auf einer Grenzlinie zwischen Leben und Tod (vgl. ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Ausnahmezustands bei Carl Schmitt und Giorgio Agamben ein und legt das Ziel der vergleichenden Untersuchung fest.

2. Der Ausnahmezustand nach Carl Schmitt: Dieses Kapitel erläutert Schmitts Souveränitätskonzept, in dem der Ausnahmezustand als juristischer Grenzfall das Wesen der staatlichen Autorität konstituiert.

2.1 Der Ausnahmezustand als Anomie und Element der Rechtsordnung: Dieser Abschnitt thematisiert die Notwendigkeit der Ausnahme für das Verständnis der Souveränität und die Unmöglichkeit, diese innerhalb des positiven Rechts zu definieren.

2.1.1 Korrelation von Souveränität und Ausnahme: Hier wird dargelegt, wie die souveräne Entscheidung die Grenze zwischen konstituierter Gewalt und dem rechtlichen Notfall definiert.

2.1.2 Paradox der Souveränität: Das Kapitel analysiert die widersprüchliche Stellung des Souveräns, der einerseits außerhalb der Rechtsordnung steht und andererseits in sie integriert ist.

2.2 Funktionen des Ausnahmezustands: Dieser Teil beschreibt die konstitutiven, juristischen und konzeptionellen Rollen der Ausnahme in Schmitts Staatslehre.

2.2.1 Funktion der Konstitution der Souveränität: Hier wird der Ausnahmezustand als das notwendige Entscheidungsmonopol zur Begründung der Staatsgewalt dargestellt.

2.2.2 Juristische Funktion: Dieser Abschnitt behandelt die Ausnahme als Element, das die Kohärenz zwischen der Souveränitätsentscheidung und der Geltung der Rechtsordnung aufrechterhält.

2.2.3 Konzeptionelle Funktion: Das Kapitel zeigt auf, wie Schmitt durch seine Definition die moderne rechtsstaatliche Entwicklung kritisiert.

2.3 Kritische Reflexion Carl Schmitts im Kontext des Nationalsozialismus: Diese kritische Einordnung beleuchtet Schmitts Werk vor dem Hintergrund seiner politischen Gesinnung und seines Engagements in der NS-Zeit.

3. Der Ausnahmezustand nach Giorgio Agamben: Hier wird Agambens Fokus auf die Biopolitik und die Reduktion des Menschen auf das bloße Leben analysiert.

3.1 Die souveräne Macht und das nackte Leben: Dieser Abschnitt erarbeitet Agambens Abgrenzung zu Schmitt und die zentrale Bedeutung der Figur des Homo sacer.

3.2 Ausnahmezustand und Biopolitik: Hier wird dargelegt, wie die Ausnahme bei Agamben zu einer permanenten Regierungstechnik und zum konstitutiven Element der Moderne wird.

3.3 Agambens Diagnose der Moderne: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess, in dem die Grenze zwischen Ausnahme und Regel in der Moderne zunehmend verschwimmt.

4. Vergleich der Konzeptionen Schmitts und Agambens: Die Zusammenführung der Analysen zeigt die grundlegenden Unterschiede zwischen Schmitts juristischer und Agambens biopolitischer Perspektive auf.

5. Fazit: Die abschließende Betrachtung resümiert die theoretische Widersprüchlichkeit zwischen den beiden Ansätzen und betont die Relevanz ihrer Analyse für aktuelle politische Fragestellungen.

Schlüsselwörter

Ausnahmezustand, Souveränität, Carl Schmitt, Giorgio Agamben, Biopolitik, Homo sacer, nacktes Leben, Rechtsordnung, Dezision, Politische Theologie, Rechtsphilosophie, autoritärer Etatismus, moderne Politik, Staatsrecht, Grundrechte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Begriff des Ausnahmezustands durch einen Vergleich der Konzepte von Carl Schmitt und Giorgio Agamben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Souveränität, das Verhältnis von Recht und Gewalt, Biopolitik sowie die historische Entwicklung politischer Ordnungsmodelle.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Gegenüberstellung der theoretischen Ansätze von Schmitt und Agamben, um ihre unterschiedlichen Verständnisse von Ausnahmezustand und Souveränität aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Ideengeschichtliche Analyse der primären Werke von Schmitt ("Politische Theologie") und Agamben ("Homo sacer").

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Schmitts Definition des Souveräns als Entscheider über den Ausnahmezustand sowie Agambens biopolitische Erweiterung, bei der die Ausnahme zur permanenten Norm wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind insbesondere Ausnahmezustand, Souveränität, Biopolitik, Homo sacer und das nackte Leben.

Wie unterscheidet sich Agamben in seiner Interpretation von Schmitt?

Während Schmitt den Ausnahmezustand als juristischen Grenzfall zur Rettung der Ordnung begreift, sieht Agamben ihn als dauerhafte, biopolitische Regierungstechnik, die das nackte Leben in den Fokus rückt.

Welche Rolle spielt der Nationalsozialismus für die Analyse?

Der Nationalsozialismus dient als historisches Beispiel für Agambens These der Materialisierung des Ausnahmezustands und ist gleichzeitig notwendiger Kontext für die kritische Einordnung von Schmitts politischem Denken.

Fin de l'extrait de 16 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Der Ausnahmezustand. Die Konzeptionen Carls Schmitts und Giorgio Agambens im Vergleich
Université
University of Passau  (Soziologie)
Cours
Kulturtheoretisches Kolloquium
Note
1,7
Auteur
Anna Mimikri (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
16
N° de catalogue
V319790
ISBN (ebook)
9783668186002
ISBN (Livre)
9783668186019
Langue
allemand
mots-clé
Carl Schmitt Giorgio Agamben Souverän Souveränitätskonzept Ausnahmezustand
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anna Mimikri (Auteur), 2015, Der Ausnahmezustand. Die Konzeptionen Carls Schmitts und Giorgio Agambens im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319790
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint