Die Wirkungsdimensionen von Eigenkapitalanforderungen. Auswirkungen auf Effizienz, Marktanteile und wirtschaftliche Stabilität von Banken


Seminararbeit, 2016

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Eigenkapitalanforderungen im Vergleich
2.1 Internationaler Überblick
2.2 Vergleich ausgewählter, wirtschaftlich relevanter Länder

3 Auswirkungen von Eigenkapitalanforderungen
3.1 Effizienz
3.2 Marktanteil
3.3 Wirtschaftliche Überlebensfähigkeit
3.4 Systemstabilität
3.5 Soziale Kosten

4 Conclusio

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Veränderung des Eigenkapitalregulierungsindexes zwischen den Umfragen 1-4

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Internationaler Überblick regulatorische Eigenkapitalquote

Tab. 2: Überblick regulatorische Eigenkapitalquote nach Einkommensgruppen

Tab. 3: Überblick regulatorische Eigenkapitalquote für ausgewählte Länder

Tab. 4: Überblick der zurechenbaren Eigenmittelaggregate für ausgewählte Länder

Tab. 5: Überblick der erlaubten Kreditrisikoansätze für ausgewählte Länder

1 Einleitung

Seit Gründung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht wird das Thema Eigenkapitalanforderungen an Banken verstärkt diskutiert. Mit der Veröffentlichung von Basel I in 1988 wurde erstmals eine Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken gefordert. Im Rahmen von Basel II wurde die Eigenkapitalunterlegung mit der Hereinnahme eines Standardansatzes zur Berechnung der Unterlegung von Marktrisiken weiter ausgebaut. Um den Banken entgegenzukommen, durften jedoch die Banken, die ein fortgeschrittenes Risikomanagementsystem aufwiesen, eigene Ansätze nutzen. Darüber hinaus wurde mit Basel II die Möglichkeit eröffnet, die Kreditrisiken nun ebenfalls mit einem eigenen Ansatz zu bewerten. Dadurch war es möglich, die Eigenkapitalunterlegung weitestgehend zu optimieren und sehr gering zu halten. Diese Anpassungen führten dazu, dass insbesondere internationale Banken begannen, ihr regulatorisch benötigtes Eigenkapital so stark zu reduzieren, dass einige große Banken am Anfang der Finanzkrise von 2007 nur eine Eigenkapitalquote in Höhe von 2% aufwiesen.1 Durch die milliardenschweren staatlichen Rettungsaktionen von angeschlagenen Banken wird das Thema Eigenkapitalanforderungen nun wieder stärker diskutiert. Auf der einen Seite stehen unter anderem Politiker und Aufsichtsbehörden, die eine strengere Regulierung bereits umgesetzt haben und auch weiterhin fordern, damit Banken während Krisen über genügend Eigenkapital verfügen, um auch große Verluste selbst auffangen zu können.2 Unterstützt werden sie von Wissenschaftlern wie dem Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Hellwig, der die Meinung vertritt, dass alleine über eine deutliche Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen viele Probleme gelöst werden können.3 Auf der anderen Seite stehen die Banken, die durch immer schärfere regulatorische Anforderungen belastet werden, und zur Erfüllung der regulatorischen Anforderungen gewaltige Ressourcen, sowohl finanziell als auch personell, aufwenden müssen. So warnen verschiedene Vertreter der Branche, aber auch vereinzelt Politiker vor einer Überregulierung der Banken durch ausufernde Regulierungsmaßnahmen seitens der Politik und Aufsichtsbehörden.4

Durch die Aktualität und hohe Relevanz ist das Thema Eigenkapitalanforderungen ein interessantes Gebiet für wissenschaftliche Untersuchungen. Da das Thema jedoch sehr komplex ist, gibt es keine einfache Antwort auf die Frage, wie die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Banken idealerweise ausgestaltet sein sollten. Die Forschung untersucht derzeit die verschiedenen Wirkungsdimensionen der Eigenkapitalanforderungen auf Banken und den Finanzsektor. So werten beispielsweise die Autoren Barth, Caprio und Levine seit Jahren Umfragen der Weltbank zum Thema Regulierung aus und publizieren die Ergebnisse in verschiedenen Arbeiten. Berger und Bouwman forschen ebenfalls zur Regulierung. Sie untersuchen in einer viel beachteten Arbeit die Auswirkungen von Eigenkapital auf die Performance von Banken während Krisen. Darüber hinaus gibt es noch diverse weitere Arbeiten zu diesem Thema, von denen ausgewählte in dieser Arbeit diskutiert werden.

Um die Auswirkungen der Eigenkapitalanforderungen besser zu verstehen, strukturiert diese Arbeit den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema. Dazu wird im zweiten Abschnitt ein internationaler Überblick über die Eigenkapitalanforderungen gegeben und die Unterschiede in den wichtigsten Ländern aufgezeigt. Im dritten Abschnitt werden die Wirkungsdimensionen der Eigenkapitalanforderungen dargestellt. Hierbei wird auf die Auswirkungen von Eigenkapital auf die Effizienz, den Marktanteil und die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit einer Bank sowie auf die Systemstabilität und auf die durch eine Bank verursachten sozialen Kosten eingegangen. In der Conclusio werden die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und auf Basis der vorgestellten Literatur ein Fazit zu der Frage gezogen, ob höhere Eigenkapitalanforderungen insgesamt einen positiven Effekt auf Banken und das Finanzsystem haben oder ob die negativen Effekte den Nutzen der Regulierung übersteigen. Abschließend werden einige Fragen formuliert, deren Beantwortung neue Erkenntnisse für Diskussion um das Thema Eigenkapitalanforderungen bringen können.

2 Eigenkapitalanforderungen im Vergleich

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Internationale Währungsfonds und die Weltbank arbeiten seit vielen Jahren an effektiven Reformstrategien für den Finanzsektor. Gegenüber den Ländern kommunizieren sie diese Strategien und helfen ihnen, die Effizienz und Stabilität ihrer Finanzsysteme zu erhöhen. Deshalb wurde 1999 eine Umfragereihe gestartet, um systematisch den Status quo der Regulierung des Bankensystems in den einzelnen Ländern zu erheben, und auf Grundlage dieser Umfragen, Reformvorschläge zu formulieren. In den Folgejahren wurde die Umfrage insgesamt dreimal wiederholt und somit liegen Umfrageergebnisse aus den Jahren 1999, 2003, 2006 und 2011 vor. Dabei stand die Frage im Vordergrund, ob die Reformvorschläge übernommen wurden und ob sie die Effizienz und Stabilität des Finanzsystems erhöhen konnten.5 Die Daten sind für Forschungszwecke gut geeignet, da die Ergebnisse untereinander vergleichbar sind und es eine hohe Teilnehmerzahl6 gibt. Die folgenden Ausführungen basieren auf den Daten der 4. Umfrage und bilden den letzten erhobenen Stand der Eigenkapitalanforderungen im internationalen Vergleich ab.

2.1 Internationaler Überblick

In diesem Unterabschnitt wird ein internationaler Überblick über den Stand der Eigenkapitalanforderungen gegeben. Dabei wird die regulatorische Eigenkapitalquote7 betrachtet und zusätzlich gezeigt, ob die Eigenkapitalanforderungen im Zeitverlauf restriktiver oder weniger restriktiv geworden sind.

Tabelle 1 bietet eine internationale Übersicht über die regulatorischen Eigenkapitalquoten von 135 Ländern.8 Es wird ersichtlich, dass die von den Aufsichtsbehörden am häufigsten vorgeschriebene regulatorische Eigenkapitalquote 8% beträgt. Dies entspricht den Vorgaben von Basel II.9 Darüber hinaus ist festzustellen, dass besonders hohe Eigenkapitalquoten (Nigeria: 19%; Botswana, Sierra Leone und Tonga: 15%) vorwiegend in weniger entwickelten Ländern zu finden sind. In dem Datensatz gibt es außerdem zwei Ausreißer mit einer regulatorischen Eigenkapitalquote von 0%. Dabei handelt es sich um Angola, bei dem die Daten darauf schließen lassen, dass die Umfrage nur teilweise bearbeitet wurde, und um die Dominikanische Republik, bei der es nur eine risikoungewichtete Eigenkapitalquote in Höhe von 10% gibt.10

Tab. 1: Internationaler Überblick regulatorische Eigenkapitalquote

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach World Bank (Hrsg.) (2012).

Aus Tabelle 2 geht hervor, dass die Gruppe der OECD-Länder sich stark an die Vorgaben von Basel II hält, wohingegen die Nicht-OECD-Länder im Durschnitt höhere regulatorische Eigenkapitalquoten aufweisen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Gruppen der Nicht-OECD-Länder mit hohem Einkommen und denen mit geringerem Einkommen nur gering ausgeprägt. Bei der Betrachtung der Spanne zwischen Minimal- und Maximalquote ist feststellbar, dass in den Gruppen mit Ländern mit geringerem Einkommen die Spanne größer ist als bei der Gruppe der Nicht-OECD-Länder mit hohem Einkommen. Die Gründe für den großen Unterschied zwischen OECD-Ländern und Nicht-OECD-Ländern können in weiteren Arbeiten untersucht werden. Eine erste These wäre, dass Nicht-OECD-Länder aufgrund der geringeren historischen Erfahrungen mit dem Finanzsektor aus Vorsichtsprinzip höhere Eigenkapitalquoten vorschreiben.

Tab. 2: Überblick regulatorische Eigenkapitalquote nach Einkommensgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach World Bank (Hrsg.) (2012).

Durch den Datensatz der Weltbank lassen sich die Veränderungen in der Regulierung der Eigenkapitalanforderungen betrachten. Die Daten reichen von 1999 bis 2011. Das bedeutet, dass sie den Zeitraum von Basel I bis zum Ende von Basel II bzw. den Zeitraum vor dem Platzen der Dotcom-Blase bis nach der Finanzkrise abdecken. Abbildung 1 zeigt, dass die Mehrheit der Länder die Eigenkapitalanforderungen an die Banken verschärft hat. 65 der 107 über die Umfragen im Zeitverlauf beobachtbaren Länder haben ihre Eigenkapitalanforderungen verschärft. 28 Länder haben ihre Eigenkapitalanforderungen verringert und weitere 14 Länder haben ihre Anforderungen nicht verändert. Bemerkenswert ist, dass das Großbritannien und Österreich die Eigenkapitalanforderungen deutlich gelockert haben, wohingegen Länder wie Deutschland oder die USA ihre Eigenkapitalanforderungen verschärft haben. Dieser Punkt gewinnt in der kurzfristigen Sicht zusätzlich an Relevanz, da zwischen der 3. und 4. Umfrage sowohl Großbritannien als auch Österreich ihre Eigenkapitalanforderungen an Banken gelockert haben. Die Betrachtung dieser beiden Umfragen lässt Rückschlüsse zur Reaktion der Länder auf die Finanzkrise zu, da sie mit den Untersuchungsjahren 2006 und 2011 vor bzw. nach der Finanzkrise liegen. Sie stehen damit einer Gruppe von 79% aller Länder gegenüber, die als Reaktion auf die Finanzkrise ihre Eigenkapitalanforderungen verschärft haben. Einschränkend muss auf das Alter der Umfragen hingewiesen werden. Durch die anlaufende Basel III-Implementierung können sich die Verhältnisse wieder verschoben haben.11

Zusammenfassend können zwei zentrale Erkenntnisse aus dem internationalen Überblick abgeleitet werden. Zum einen orientieren sich viele Länder an den Vorgaben des Basler Ausschusses, wobei vor allem die Nicht-OECD-Länder eher zu höheren Eigenkapitalanforderungen tendieren. Zum anderen hat die Finanzkrise von 2007 dazu geführt, dass die Mehrzahl der Länder ihre Eigenkapitalanforderungen verschärft hat.

Abb. 1: Veränderung des Eigenkapitalregulierungsindexes zwischen den Umfragen 1-4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Barth et al. (2013a), S. 146.

2.2 Vergleich ausgewählter, wirtschaftlich relevanter Länder

Für einen tiefergehenden Vergleich wird eine Auswahl von zehn Ländern getroffen, die für die Welt- und Finanzwirtschaft von besonders großer Bedeutung sind. Es handelt sich hierbei um Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Russland, Südkorea und die USA.12 Sie decken zusammen ca. 52% des kumulierten weltweiten Bruttoinlandsprodukts ab.13 Indien fehlt in der Auswahl, weil es finanzwirtschaftlich eine eher untergeordnete Rolle spielt, und Japan fehlt, weil es nicht auf die Umfragen der Weltbank geantwortet hat. Mit Ausnahme von Afrika befindet sich pro Kontinent mindestens ein Vertreter in der Auswahl. Durch ihre Größe sind sie besonders relevant für Untersuchungen zum Thema Regulierung, weil eine Krise ihrer Finanzmärkte Auswirkungen auf ihre Region und potenziell auf das gesamte Weltfinanzsystem haben könnte. Es werden noch einmal die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen genauer betrachtet. Darüber hinaus werden der Umfang der Eigenmittelaggregate, die zu dem regulatorischen Eigenkapital hinzugerechnet werden dürfen, und die erlaubten Ansätze zur Berechnung des für Kreditrisiken benötigten Eigenkapitals dargestellt.

Bei einer genaueren Betrachtung der regulatorischen Eigenkapitalanforderungen wird die Annahme verstärkt, dass die OECD-Länder eine (relativ) homogene Gruppe bei der Regulierung der Eigenkapitalanforderungen bilden. Aus Tabelle 3 geht hervor, dass die OECD-Länder Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und die USA eine gleichhohe regulatorische Eigenkapitalquote in Höhe von 8% haben. China und Südkorea weisen ebenfalls eine Eigenkapitalquote von 8% auf, während Brasilien und Russland, die in der Auswahl zu den weniger entwickelten Ländern gehören, eine höhere Eigenkapitalquote aufweisen.

[...]


1 Vgl. Hellwig (2010), S. 42f.

2 Vgl. unter anderem Enquete-Kommission (2013), S. 563ff und Schäuble (2013), S. 6.

3 Vgl. Hellwig (2010), S. 46.

4 Vgl. unter anderem Fitschen (2015), Macias (2015) und Börsen-Zeitung (Hrsg.) (2014), S. 5.

5 Vgl. Barth et al. (2012), S. 2.

6 1. Umfrage: 117 Teilnehmer; 2. Umfrage: 152 Teilnehmer; 3. Umfrage: 142 Teilnehmer; 4. Umfrage: 125 Teilnehmer; vgl. Barth et al. (2012), S. 2.

7 Prozentsatz, zu dem die risikogewichteten Aktiva mit regulatorischem Eigenkapital unterlegt werden müssen.

8 Ohne Japan, da Japan an keiner Umfrage der Weltbank teilgenommen hat sowie ohne nicht von der Weltbank-klassifizierte Länder.

9 Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2004), S. 12.

10 Vgl. dazu World Bank (Hrsg.) (2012).

11 Vgl. Barth et al. (2013a), S. 145ff.

12 Die Auswahl wurde auf Grundlage der Wirtschaftsdaten der Weltbank und der Daten zu den internationalen Finanzzentren von Z/Yen getroffen. Vgl. World Bank (Hrsg.) (2015) und Z/Yen (Hrsg.) (2015), S. 4.

13 Vgl. World Bank (Hrsg.) (2015).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Wirkungsdimensionen von Eigenkapitalanforderungen. Auswirkungen auf Effizienz, Marktanteile und wirtschaftliche Stabilität von Banken
Hochschule
Universität Leipzig  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V319806
ISBN (eBook)
9783668194441
ISBN (Buch)
9783668194458
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Banken, Regulierung, Eigenkapital, Finanzmarktregulierung, Eigenkapitalregulierung, Effizienz, Marktanteil, Wirtschaftliche Überlebensfähigkeit, Systemstabilität, Soziale Kosten, Nutzen der Regulierung, Finanzsystem, Bankensystem
Arbeit zitieren
Lennart Benedict Wagner (Autor), 2016, Die Wirkungsdimensionen von Eigenkapitalanforderungen. Auswirkungen auf Effizienz, Marktanteile und wirtschaftliche Stabilität von Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319806

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