Die militärische Strategie des delisch-attischen Seebundes unter Perikles. Hintergründe und Entstehung


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Gliederung

1 Kriegführung in der Antike zu See und zu Lande

2 Der Aufstieg des Perikles
2.1 Politischer Aufstieg und führender Stratege
2.2 Der Weg in den Peloponnesischen Krieg

3 Das militärische Konzept des Perikles
3.1 Hintergründe und Konzeption
3.2 Die Anwendung der periklesischen Kriegsstrategie
3.3 Die Seuche in Athen und die Absetzung des Perikles

4 Eine erfolgreiche Strategie auf längere Zeit für einen Sieg Athens?

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Kriegführung in der Antike zu See und zu Lande

Die Austragung militärischer Konflikte in der Antike lässt sich in so gut wie keiner Hinsicht mit heutigen oder zeitgeschichtlichen Kriegführungen und taktischen Möglichkeiten vergleichen, auch wenn vor allem die alten Griechen gewisse Grundelemente der Kriegskunst und Erkenntnisse entwickelten, die heute noch bedacht und anerkannt werden. Die Seekriegsführung und die taktische Austragung einer Landschlacht in der Zeit des 5. bis grob in die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. muss man sich wie im Folgenden vorstellen:

Die Grundformation einer Landschlacht in der Antike bildete die so genannte Phalanx. Sie war eine dichtgeschlossene, lineare Kampfformation schwerbewaffneter Infanterie, sogenannten Hopliten, mit mehreren Gliedern.[1] Die Hopliten bildeten die zentrale Kampftruppe der griechischen Heere in Griechenland und der gesamten antiken Welt der archaischen und der klassischen Zeit. Ihre Bewaffnung wurde „Panoplie“ genannt.[2] Wichtigste Schutzwaffe eines Hopliten war der große, runde Schild, welcher den gesamten Oberkörper decken konnte. Die Angriffswaffen waren eine Stoßlanze mit stählerner Spitze (im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. zum Teil durch einen kürzeren Wurfspeer ergänzt) und ein Schwert mit Stahlklinge für den Fall, dass die Lanze brach. Sie konnte eine Länge von bis zu sechs Metern erreichen. Trotz anderer ebenfalls relevanter Truppengattungen entschied die Phalanx in der Regel den Kampf.

Die Gemeinsamkeit der griechischen Heere in diesen Gewohnheiten führte dazu, dass sich während der Schlacht beide Phalangen parallel gegen den Uhrzeigersinn drehten. Der wegen seiner elitären Besetzung kampfkräftigere rechte Flügel siegte gewöhnlich gegen den ihm gegenüberstehenden, entsprechend weniger kampfstarken linken Flügel des Gegners. Deshalb trug auch in der Schlacht die Armee den Sieg davon, der es als erster gelang, auf ihrem rechten Flügel zu siegen. Sobald dies geschehen war, räumte der Unterlegene in der Regel freiwillig das Feld.[3]

Wenn nun eine Verfolgung durch die gegnerische Seite einsetzte, war die Schlacht in der Regel entschieden. Jedoch konnte es durch die Verfolgung der geschlagenen sich auflösenden Phalanx zu weiteren bedeutenden Verlusten kommen , da viele Kämpfer auf der Flucht ihren schweren Schild wegwarfen, ohne den ein weiterer Kampf nicht mehr möglich war. Die Schlachten wurden dadurch verbissener, aber wohl auch kürzer. Sie wurden auch meist eindeutig entschieden. Eine Verfolgung geschah aber durchaus nicht zwangsläufig.

Die Kriegführung zur See verhielt sich anfangs ähnlich. „Wie die Infanteristen auf dem Wege zum Schlachtfeld, so rückten auch die Galeeren in einer der Marschkolonne vergleichbaren Formation an. So wie sie Berührung mit dem Feind aufnahmen oder in Verteidigungsstellung gingen, entwickelten sie sich - wie die Infanterie - zu einer breiten Formation, in der gewöhnlich mehrere Dwarslinien hintereinander standen; gewissermaßen wie eine seefahrende Phalanx.“[4]

Wenn die feindlichen Formationen zusammenstießen, „rammten sich metallbeschlagene Rammsporne unter der Wasserlinie in hölzerne Schiffsleiber“[5] und versuchten den Bug des Gegners aufzureißen. Ziel war es, das gegnerische Schlachtschiff manövrierunfähig zu machen und schließlich zu versenken. Die Bogenschützen schossen unterdessen pausenlos Pfeilsalven auf die gegnerische Mannschaft. Letzten Endes konnten die Schwert- und Speerkämpfer der einen Seite das andere Schiff entern und sich ein Gefecht mit der verbliebenen Resten der gegnerischen Mannschaft liefern.

Wie auch an Land lag die Schwäche dieser Taktik in der Beweglichkeit und in der Geschwindigkeit. Um diese und auch die Kampfkraft zu erhöhen, wurden für diese Art der Seekriegsführung Spezialgaleeren entwickelt. Die bekannteste ist sicherlich die so genannte „Triere“. Sie wurde bis knapp über das 5. Jahrhundert hinaus das dominante Großkampfschiff des Mittelmeers. Sie war - im Vergleich mit späteren Schiffen - relativ klein und hatten eine Länge von ca. 22 Metern und eine Breite von ca. vier Metern. Die Besatzung bestand in der Regel aus ca. 34 Mann.[6]

2 Der Aufstieg des Perikles

2.1 Politischer Aufstieg und führender Stratege

Perikles schloss sich gleich zu Beginn der Opposition um Ephialtes gegen den neuen starken Mann nach den Perserkriegen, Kimon, an.[7] Er zeigte keine Eile sich politisch in vorderer Reihe zu etablieren und trat erst wirklich 463 v. Chr. in einem größeren Prozess gegen Kimon als Mitankläger auf.

Als 462/61 v. Chr. ein gewaltiger Umsturz in Athen erfolgte, der zur Entmachtung des Areopags und zur Verbannung Kimons führte, wurde in den Wirren auch Ephialtes ermordet. Über die Rolle, die Perikles bei all dem spielte, existieren derart unterschiedliche und zweifelhafte Angaben, dass darauf nicht gebaut werden kann.[8] Dennoch trat er nun die Nachfolge des Ephialtes an. Damit stand seinem politischen Aufstieg nicht mehr viel im Wege.

Es war die Stellung eines so genannten Strategen, in der Perikles schließlich zur bedeutendsten und machtvollsten Führungspersönlichkeit in Athen wurde. Das Strategenamt nahm unter dem Aspekt der Sicherheit, Außenpolitik und Machtstellung Athens einen sehr herausragenden Platz ein. Auch war es das letzte einflussreiche Wahlamt im Gegensatz zu dem der ansonsten vorherrschenden Losverfahren bei der Ämtervergabe.[9] Als Stratege mit dem Oberbefehl über eine Militäroperation ist Perikles zum ersten Mal 454 v. Chr. bei einer Seeoperation im Bereich des Golfs von Korinth erwähnt. Einige sind jedoch der Auffassung, dass Perikles bereits seit 463 dem Strategenkollegium angehörte, und dort militärische Erfahrungen sammelte.[10]

Auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn wurde Perikles ab 443 v. Chr. ohne Unterbrechung 15 Jahre in Folge zum Strategen gewählt. Auf Grund dieser langen Regierungszeit, aber auch seiner Fähigkeiten, besonders seiner Redekunst, schuf er sich eine Machtfülle, die faktisch der Herrschaft eines Einzelnen gleichkam.[11]

2.2 Der Weg in den Peloponnesischen Krieg

Perikles war prinzipiell der Auffassung, dass der Krieg mit Sparta unvermeidlich war. Daher versuchte er bereits in den Jahren vor dem großen Peloponnesischen Krieg, den Attisch-Delischen Seebund zu stärken. Für Perikles war hierbei die Verstärkung der Kontrolle über die Bündner, sowie die Konsolidierung der maritimen Hegemonie im ägäischen Raum vorderrangig. Weitausgreifende Pläne sollten dagegen vermieden werden.[12] „Die Verlagerung des Wehrpotentials verfolgte ein nach innen und außen gerichtetes Ziel: Athen schuf sich einerseits Militärstützpunkte, um bei günstiger Gelegenheit in das Gebiet des Seebundes vorzustoßen und andererseits der Flotte zusätzliche Anlaufpunkte zu verschaffen, von denen aus sie Nachschub, frische Ruderer und Materialien aufnehmen und in der Ägäis aktiv werden konnten.“[13]

Um die Schlagkraft der Flotte, auf der die gesamte Hegemonie im Seebund ruhte und das militärische Machtmittel und Rückgrat von Athen bildete, zusätzlich zu erhöhen, verfügte Perikles, dass bereits in Friedenszeiten jährlich mindestens zehn weitere Schiffe gebaut wurden. Zudem war ein Übungsgeschwader von 60 Trieren zu jeder Zeit unterwegs und sofort einsatzbereit.[14]

Ende der 430er Jahre kam es dann zu einem an mehreren Stellen eskalierenden Dauerkonflikt Athens mit der Handelsmacht Korinth, die als ein Mitglied im Peloponnesischen Bund auf die Unterstützung der Führungsmacht Spartas zählte. Das gleichfalls in diesem Bund verankerte Megara wurde wenig später durch einen von Perikles energisch betriebenen Handelsboykott, das so genannte Megarische Psephisma, wirtschaftlich stark unter Druck gesetzt. Die Spartaner drohten im Falle der Aufrechterhaltung dieser Maßnahme den Athenern nun offen mit Krieg. In der athenischen Volksversammlung waren die Meinungen über das spartanische Ultimatum geteilt. Hier aber hielt Perikles eine Rede, in der er betonte, dass der Megara-Beschluss vielleicht nicht als sehr bedeutsam erscheine, aber tatsächlich der Prüfstein athenischer Standfestigkeit sei. Gebe man hier nach, werde dies als eine Angstreaktion ausgelegt und mit weiteren Forderungen seitens Spartas quittiert. Eine Furcht der Athener vor einem kommenden Krieg sei aber absolut unbegründet angesichts der Vorteile, die der von Perikles entwickelte Kriegsplan aufweise. Zwar könnten die Spartaner und ihre Verbündeten es in einer Landschlacht mit allen übrigen Hellenen aufnehmen, doch der von den Athenern zu verfolgenden Gegenstrategie seien sie nicht gewachsen.[15]

Perikles beendete seine Rede auch mit der Versicherung, dass Athen einen Krieg nicht beginnen werde und es auch bereit sei, sich einem Schiedsgericht zu stellen, um die Differenzen zu klären.[16] Doch vergaß er in dieser Rede letztlich nicht, am Endes noch eines deutlich zu machen: „Noch manche andere Hoffnung habe ich, daß wir gewinnen, wenn ihr euch entschließt, euer Reich nicht zu erweitern, solang ihr Krieg habt, und nicht freiwillig noch mehr Gefahren sucht. Fürchte ich doch weit mehr unsre eigenen Fehler als die Anschläge unserer Gegner.“[17]

Angesichts dieser Rede und Vorschläge konnte Perikles die Volksversammlung in allen Punkten überzeugen. Der Peloponnesische Krieg begann im folgenden März des Jahres 431 v. Chr.

3 Das militärische Konzept des Perikles

3.1 Hintergründe und Konzeption

Seine umfassende Kriegskonzeption erläuterte Perikles dabei ebenfalls in seinen Reden vor der Volksversammlung. Er analysierte darin auch sehr genau die Stärken und Schwächen Athens und wog sie gegen die Spartas und seiner Verbündeten ab. Er betrachtete aber nicht nur die rein militärischen Aspekte sondern auch die ökonomische Stärke beider Seiten. „Perikles hatte offenbar die Anwendung einer Ermattungsstrategie im Auge, und er kalkulierte dabei schon ein, dass sich die Athener gegenüber den Peloponnesiern als die härteren Dauerkämpfer herausstellen würden, daß also zuerst den Gegnern die Kriegsmühen unerträglich werden müßten.“[18]

[...]


[1] Vgl. http://www.livius.org/pha-phd/phalanx/phalanx.html (Jona Lendering for Livius.Org, 2005, Revision: 20 Nov. 2008, Zugriffsdatum: Dienstag, 26. April 2011)

[2] Vgl. ebenda

[3] Vgl. Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Das Altertum. Von den Perserkriegen bis Caesar. Nachdruck der ersten Auflage von 1900, Hamburg 2003, S. 143.

[4] Potter, Elmar B., Nimitz, Chester W.: Seemacht. Eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, Bernard & Graefe, München 1974, S.2, Z. 35 ff.

[5]. Potter, Elmar B., Nimitz, Chester W.: Seemacht. Eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, Bernard & Graefe, München 1974, S.2, Z. 58 ff.

[6] Vgl. ebenda, S.2, Z. 68 ff.

[7] Vgl. Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen, C.H. Beck, München 2008, S. 88, Z. 19 ff.

[8] Vgl. Will, Wolfgang: Perikles, Reinbek 1995, S. 45

[9] Vgl. ebenda S. 70

[10] Vgl. Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen, C.H. Beck, München 2008. S.163f.

[11] Vgl. Landmann, G. Peter (Hrsg. und übersetzt): Thukydides: Der Peloponnesische Krieg, Düsseldorf 2002, II, 65.

[12] Vgl. Schulz, Raimund: Athen und Sparta, in: Brodersen, Kai (Hrsg.): Geschichte kompakt – Antike, Darmstadt 2003, S.19, Z.12 ff.

[13] ebenda S.29, Z.6-11.

[14] Vgl. Schachermeyer, Fritz: Perikles, Stuttgart, Berlin, Köln 1969, S.114, Z.35 ff.

[15] Vgl. Landmann, G. Peter (Hrsg. und übersetzt): Thukydides: Der Peloponnesische Krieg, Düsseldorf 2002, II, 140 ff.

[16] Vgl. Landmann, G. Peter (Hrsg. und übersetzt): Thukydides: Der Peloponnesische Krieg, Düsseldorf 2002, II, 144

[17] Ebenda II, 144, Z.1-5.

[18] Schachermeyer, Fritz: Perikles, Stuttgart, Berlin, Köln 1969, S.220, Z.1 ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die militärische Strategie des delisch-attischen Seebundes unter Perikles. Hintergründe und Entstehung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Department für Geschichte)
Veranstaltung
Griechenland im Zeitalter der Pentekontaetie
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V319810
ISBN (eBook)
9783668190900
ISBN (Buch)
9783668190917
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
strategie, seebundes, perikles, hintergründe, entstehung
Arbeit zitieren
Christian Rucker (Autor), 2010, Die militärische Strategie des delisch-attischen Seebundes unter Perikles. Hintergründe und Entstehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319810

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