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Kulturtranfer in Alejo Carpentiers frühem Roman "El reino de este mundo"

Über die reziproken Dynamiken während transkultureller Phasen

Titre: Kulturtranfer in Alejo Carpentiers frühem Roman "El reino de este mundo"

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2015 , 13 Pages , Note: 2,0 (11 Punkte)

Autor:in: Mario-Francisco Zodl (Auteur)

Romanistique - Philologie espagnole
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Ordnet man die heutige Zeit nach Grundcharakteristika epochal ein, so muss man diese als Zeit der unaufhaltsamen Globalisierungsprozesse charakterisieren, in der Entfernungen nicht mehr zu existieren scheinen. Geografische Grenzen sind längst überholt. In den sogenannten imperialen Zentren entstehen Gesellschaften der Multikulturalität. Während Philanthropen einen humanen Fortschritt in dieser Entwicklung erkennen, assoziiert eine andere Gruppe von Menschen diese kulturelle Disparität mit dem Aussterben des nationalen Kulturerbes, weshalb ihrerseits eine Agenda der Abschreckung verfolgt wird.

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Gedanke der Globalisierung zwar aufgegriffen, jedoch werden hierfür andere lokale als auch temporale Koordinaten verwendet: Es wird im Zentrum dieser diskursiven Ausarbeitung um den karibischen Raum gehen, genauer gesagt um Haiti, da dieser Ort in vormoderner Zeit ebenfalls Schauplatz unzähliger Menschenbewegungen war, aus der Kulturtransfers auf unterschiedlichen Ebenen zustande gekommen sind.

Orientiert an den soeben genannten Kulturtransfers macht sich die hier vorliegende Seminararbeit zum Ziel, Aufschluss über die reziproken Dynamiken innerhalb transkultureller Phasen zu geben, indem der Roman „El reino de este mundo“ von Alejo Carpentier herangezogen wird. Wie wird jene Transkulturation fiktional beschrieben? Vor allem die Annahme einer reziproken Dynamik soll kritisch durchleuchtet werden, da sich das vom kubanischen Anthropologen Fernando Ortiz geprägte Theoriegebäude der Transkulturation nicht auf alle Gesellschaften – wenn nicht sogar auf keine – übertragen lässt. Somit bildet folgende These die Quintessenz dieser Arbeit: Kolonialismus und Imperialismus stehen nicht für einen reziproken Kulturaustausch.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Kontextualisierung: Sklaverei als Annäherungsversuch?

3 Transkulturation und Exotismus: Eine definitorische Bestimmung

4 Ebenen der Transkulturation in El reino de este mundo

5 Figuren als Repräsentanten der Transkulturation

6 Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die reziproken Dynamiken innerhalb transkultureller Prozesse kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit das von Fernando Ortiz geprägte Transkulturationskonzept auf den kolonialen Kontext und den Roman El reino de este mundo von Alejo Carpentier anwendbar ist. Dabei wird insbesondere die These untersucht, dass Kolonialismus und Imperialismus keinen reziproken Kulturaustausch darstellen, sondern von einseitigen Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen geprägt sind.

  • Kritische Analyse des Transkulturationsbegriffs nach Fernando Ortiz
  • Historische Kontextualisierung der Sklaverei im karibischen Raum
  • Untersuchung von Ebenen der Transkulturation in literarischen Werken
  • Analyse der Rolle literarischer Figuren als Repräsentanten kultureller Dynamiken
  • Diskussion von Identitätskonstruktionen und Exotismus im kolonialen Diskurs

Auszug aus dem Buch

3 Transkulturation und Exotismus: Eine definitorische Bestimmung

Der Begriff Transkulturation, der vom kubanischen Anthropologen Fernando Ortiz geprägt wurde, lässt sich in die folgenden zwei Konstituenten aufteilen, die in ihrer linguistischen Verbindung auf eine Art der Mobilität zwischen den Kulturen verweisen möchte: Trans (lat. Trans: über…hin) und kulturation (lat. cultura: die Kultur). Nach Nünning et al. handelt es sich bei dem Begriff genauer gesagt um einen ethnologischen Terminus, „[…] der in kritischer Auseinandersetzung mit dem Begriff Akkulturation […] entstanden ist, der ethnozentrisch, politisch mit kolonialistischen Herrschaftsansprüchen beladen war und den Kontakt zweier Kulturen nur in eine Richtung erfasste“ (2013, 760). Vor allem der Ansatz des von Nünning beschriebenen politisch motivierten Ethnozentrismus ist insofern von Bedeutung, als dadurch die Frage aufgeworfen werden kann, inwieweit eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff Akkulturation überhaupt erforderlich ist. Lässt sich denn der Kolonialismus in seiner anfänglichen Phase nicht gerade durch diese Überlegenheitsmentalität der westlichen Mächte, die eine klare geopolitische Agenda verfolgten, charakterisieren?

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik globaler Kulturtransfers ein und stellt die kritische Forschungsfrage nach der Reziprozität von Transkulturation im Kontext kolonialer Machtstrukturen anhand von Carpentiers Roman.

2 Historische Kontextualisierung: Sklaverei als Annäherungsversuch?: Dieses Kapitel beleuchtet die Unterdrückungsmentalität der europäischen Kolonisatoren im karibischen Raum und argumentiert, dass diese einseitige Distanzhaltung eine kulturelle Konvergenz verhinderte.

3 Transkulturation und Exotismus: Eine definitorische Bestimmung: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung der Begriffe Transkulturation und Exotismus, wobei die Kritik an ethnisch einseitigen Konzepten wie Akkulturation im Zentrum steht.

4 Ebenen der Transkulturation in El reino de este mundo: Das Kapitel analysiert verschiedene Ebenen des alltäglichen Lebens im Roman, wie Sprache, Architektur und Namen, um aufzuzeigen, wie einseitige Dominanz Identitäten prägt.

5 Figuren als Repräsentanten der Transkulturation: Anhand ausgewählter Figuren wie Pauline Bonaparte oder Henri Christophe wird untersucht, ob diese tatsächlich als authentische Ergebnisse einer Transkulturation oder vielmehr als Produkte einseitiger Anpassungsprozesse gelten können.

6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Konzept von Ortiz im kolonialen Kontext nur schwer haltbar ist, da die notwendige zweiseitige kulturelle Verbindung in der historischen und literarischen Realität des Romans meist ausbleibt.

Schlüsselwörter

Transkulturation, Akkulturation, Kolonialismus, Exotismus, Haiti, Alejo Carpentier, Identität, Sklaverei, Fernando Ortiz, Kulturtransfer, Eurozentrismus, El reino de este mundo, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen dem theoretischen Konzept der Transkulturation nach Fernando Ortiz und der tatsächlichen historischen sowie fiktionalen Realität des karibischen Kolonialismus.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit befasst sich mit Kolonialgeschichte, Literaturwissenschaft (speziell Alejo Carpentier), postkolonialer Theorie und der kritischen Analyse von Identitätskonstruktionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die These zu überprüfen, ob Kolonialismus und Imperialismus als reziproker Kulturaustausch gewertet werden können oder ob sie durch einseitige Unterdrückung geprägt sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Arbeit, die bestehende Theoriekonzepte mit einer kritischen Analyse eines primärliterarischen Werkes (Roman) konfrontiert.

Was ist der inhaltliche Schwerpunkt im Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine definitorische Klärung, eine historische Einbettung der Sklaverei und eine detaillierte Analyse von transkulturellen Ebenen und Figuren im Roman.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Transkulturation, Akkulturation, Identitätskonstruktion, koloniale Dominanz und der eurozentrische Blick.

Wie bewertet der Autor das Konzept der Transkulturation nach Ortiz?

Der Autor steht dem Konzept von Ortiz kritisch gegenüber, da es die einseitige Machtdynamik kolonialer Systeme bei der praktischen Anwendung oft unterschätzt.

Inwieweit spielt der Begriff der „terra nullius“ eine Rolle?

Der Begriff dient als Argument, um zu zeigen, dass Kolonisatoren Land als „leer“ betrachteten und somit keine notwendige Verbindung zu den vorhandenen Kulturen eingingen, was das Transkulturationskonzept in Frage stellt.

Warum wird Malcolm X als Referenz in der Arbeit angeführt?

Malcolm X wird genutzt, um die Problematik der willkürlichen Namensgebung durch Sklavenhalter und die daraus resultierende Auslöschung präkolonialer Identitäten zu veranschaulichen.

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Titre
Kulturtranfer in Alejo Carpentiers frühem Roman "El reino de este mundo"
Sous-titre
Über die reziproken Dynamiken während transkultureller Phasen
Université
Justus-Liebig-University Giessen  (Romanistik)
Cours
Carpentiers frühe Romane
Note
2,0 (11 Punkte)
Auteur
Mario-Francisco Zodl (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
13
N° de catalogue
V319838
ISBN (ebook)
9783668197763
ISBN (Livre)
9783668197770
Langue
allemand
mots-clé
kulturtranfer alejo carpentiers roman über dynamiken phasen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Mario-Francisco Zodl (Auteur), 2015, Kulturtranfer in Alejo Carpentiers frühem Roman "El reino de este mundo", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319838
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Extrait de  13  pages
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