Ist die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt weiblich? Zum Wiedereinstieg nach der Karenz


Seminararbeit, 2008
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Familie und Arbeitswelt – ist die Vereinbarkeit weiblich?

2. Die Mutterrolle und ihre Einflussfaktoren

3. Psychische Belastungen
3.1 Erwerbsarbeit / Hausfrauenarbeit
3.2 Innerfamiliäre Arbeitsteilung
3.3 Psychisches Befinden / Zeit für Freunde/sich/Partner / Belastungsempfinden
3.4 Ehezufriedenheit / Partnerschaft
3.5 Konklusion

4. Lösungsansätze im Vergleich
4.1 Österreich – Lösung in Sicht oder kommt der nächste Flop?
4.2 Andere industrialisierte Länder

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

Anhang: Präsentation

1. Familie und Arbeitswelt – ist die Vereinbarkeit weiblich?

Mädchen und junge Frauen entscheiden sich immer mehr öfter für eine weiterführende Ausbildung. Der Anteil der weiblichen Studenten an österreichischen Hochschulen betrug im WS 2001/02 über 70%, die Absolventen sind zu über 50% weiblich (BMSSGK, 2006).

Folglich stieg auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen innerhalb der letzten Jahrzehnte stark an: von etwa 30% vor 30 Jahren auf über 43% im Jahr 2001 (Statistik Austria 2007). Zusätzlich hat sich das Selbstbild der Frauen sehr verändert, zumal sich bereits 46% der Frauen mit Matura vorwiegend über den Beruf und nicht über die Hausfrauenrolle definieren (BKA:F 2007). Dieser Bildungseffekt scheint aber keinen nennenswerten Einfluss auf die Aufgabenteilung im Haushalt und in der Kinder- und Altenbetreuung zu nehmen (BMSSG, 2002). Des Weiteren ist die Anzahl der alleinerziehenden Väter, die noch tendenziell am ehesten von der Vereinbarkeit „Beruf und Familie“ betroffen sind, verschwindend gering und beträgt 1,2% (Mütter 6%) der österreichischen Bevölkerung (Statistik Austria 2007).

Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt somit weiterhin eine hochaktuelle Herausforderung, vor der praktisch nur Frauen stehen, zumal die gesellschaftliche Akzeptanz von „Hausmännern“ und Vätern in Karenz noch immer praktisch nicht existent ist.

2. Die Mutterrolle und ihre Einflussfaktoren

Eine Reihe von Faktoren beeinflussen sowohl das Selbst- als auch das Fremdbild von Müttern.

Die Religion, ihre Werte und die Rolle des Glaubens im öffentlichen Leben einer Gesellschaft stellen quasi die Basis für den Umgang einer Population mit ihren Mitgliedern dar (Kurscheid 2005). Dabei wird oft das Argument vorgebracht, es sei „gottgewollt“ oder „entspräche der Natur“, dass Frauen die Kinderbetreuung zu Teil kommt. Die wichtige Rolle des Vaters scheint erst seit kurzem Einzug in wissenschaftliche Untersuchungen gefunden zu haben (Scarr 1988, Schneider 1995, Fellner 1992).

Das Bild, das eine Gesellschaft von ihren Kindern hat, beeinflusst die Einstellung zur Mutter und ihren Aufgaben maßgeblich. Durch die steigende Hygiene im 18./19. Jahrhundert sank die Kindersterblichkeitsrate und damit stieg auch der Wert jedes einzelnen Kindes. Später folgte die Konzentration auf die Psyche der Kinder. So hat Sigmund Freud darauf hingewiesen, dass für eine gesunde Entwicklung der kindlichen Seele die Mutter jede Verletzung vom Kind abweisen müsse (Schneider 1995, Scarr 1988).

Frauen sind nicht zuletzt aufgrund ihrer Sozialisation, welche sich aus den oben genannten Faktoren ergibt, viel eher bereit, unentgeltlich Arbeit zu verrichten, vor allem für die Familie und die Gemeinschaft. Zahlreiche Zeitverwendungsstudien zeigen, dass berufstätige Frauen im Schnitt über 19 Stunden pro Woche weniger Freizeit haben als Männer, da sie ihre verbleibende Zeit unentgeltlich dem Haushalt, der Kinderpflege bzw. Pflege älterer Familienmitglieder zur Verfügung stellen (Kurscheid 2005, Fellner 1992, Schneider 1995). Das Ausmaß der Mithilfe von Männern bei diesen Aufgaben ist von der Bildung der Frau(!) abhängig (Paetzold 1996).

Die gesellschaftliche Meinung über arbeitetende Mütter korreliert weiters sehr stark mit dem aktuellen Arbeitsangebot. Werden Frauen als Arbeitskräfte dringend benötigt, wie dies im Kommunismus oder während der Kriegsjahre der Fall war, wird die Berufstätigkeit von Müttern keinesfalls angeprangert, im Gegenteil: diese Frauen werden bewundert und geachtet; auch Kinderbetreuungseinrichtungen sind oftmals in ausreichender Zahl vorhanden. In den 50-ger Jahren des 20. Jahrhunderts, als das Arbeitsangebot nach dem Wiederaufbau zu sinken begann, legte man den Frauen nahe, ihre Jobs doch nicht ihren Männern wegzunehmen und sich auf die Familie zu konzentrieren. Pseudo-wissenschaftliche Studien über psychische Schäden bei fremdbetreuten Kindern erleichtertern diesen Prozess (Scarr 1988, Kurscheid 2005, Paetzold 1996, Schneider 1995).

Auf Basis dieser Faktoren – Religion/Werte, Frauen- und Kinderbild sowie Ökonomie und Gesellschaft – entwickelt jede Frau selbst Erwartungen an ihre Mutterrolle; auch ihr Partner/Mann konfrontiert seine Frau/Partnerin mit seinen Vorstellungen über ihre Aufgaben und Pflichten hinsichtlich der Familie. Verinnerlichte Glaubenssätze, wie z.B. dass eine gute Mutter zu den Kindern gehöre, tragen dazu bei, dass gerade berufstätige Frauen enormen psychischen Belastungen ausgesetzt sein können.

3. Psychische Belastungen

Viele Frauen verspüren die negativen Auswirkungen dieser eben genannten Einflussfaktoren sehr stark, denn sie haben die Anforderungen, welche die Gesellschaft an sie stellt, aufgrund der Sozialisation sehr schnell internalisiert (Kurscheid 2005). Nicht wenige versuchen sich als Super-Mama, die alles schaffen kann, wenn sie nur will (Scarr 1988).

So verwundert es nicht, dass zahlreiche Ratgeber zum Thema Vereinbarkeit am Markt erhältlich und praktisch ausschließlich an Frauen gerichtet sind. Ihr Stil ist humorvoll (Fellner 1992), anprangernd (Roland-Schellack 1994), bestimmt und einfordernd (Schneider 1995), wissenschaftlich (Paetzold 1996), Mut machend und aufklärend (Scarr, 1988) sowie zum Verzicht auf Berufstätigkeit animierend (Schulz 2000).

Eine Mehrzahl der Frauen ist allerdings nicht zufrieden oder sogar überlastet. Der Begriff „ Burn-out “ hat das Terrain der Spitzenmanager längst verlassen und ist mittlerweile auch im häuslichen Bereich anzutreffen, wo er allerdings noch immer ein Tabu darstellt (Farbach 2007).

Die Ergebnisse von Untersuchungen zum psychischen Erleben von berufstätigen und nicht-berufstätigen Müttern (Kalb 1992, Klugger 1996, Kurscheid 2005) zeigen, entgegen der Erwartungen der Autorin, enorm positive Auswirkungen der Berufstätigkeit von Müttern auf ihre Elternrolle und ihre Zufriedenheit. Anhand von vier Aspekten sollen die Unterschiede zwischen berufstätigen und nicht-berufstätigen Müttern herausgearbeitet werden.

3.1 Erwerbsarbeit / Hausfrauenarbeit

Viele Frauen, welche zu Hause bleiben und sich dem Erwerbsleben entziehen, leiden zunehmend an einem mangelndem Selbstbewusstsein (Schulz 2000). Definierten sich früher viele Frauen über ihren sozialen Status, der zumeist durch ihren Ehemann bedingt war (Paetzold 1996, Roland-Schellack 1994, Fellner 1992), sind Frauen heute rein theoretisch keine Grenzen mehr gesetzt, wenn sie beruflich erfolgreich sein wollen; die Praxis sieht naturgemäß anders aus (Stichwort: gläserne Decke).

Der Beruf der „ Hausfrau “ und die Hausfrauentätigkeit per se besitzen ein sehr geringes soziales Prestige (Klugger 1996). Obwohl diese Arbeit enorm wichtige Aufgaben für die Gesellschaft erfüllt, wird sie nicht entlohnt, nicht respektiert und auch nicht anerkannt. Soziale Isolation sowie ein eingeschränkter finanzieller Handlungsspielraum sind weitere negative Aspekte. Die positiven Seiten, wie freie Zeiteinteilung, Zeit für die Kinder und soziale Kontakte wiegen die oben erwähnten Nachteile nicht unbedingt auf. Kein Wunder also, dass kaum Männer in Karenz gehen.

Bezüglich der Anzahl der Kinder zeigte Klugger (Klugger 1996), dass erwerbstätige Frauen signifikant seltener zwei oder mehr Kinder haben. Diese wollen auch nach der Karenzzeit (diese betrug während der Durchführung der Studie gesetzlich 12 Monate) wieder berufstätig sein, denn sie schätzen die Anerkennung im Beruf und den Kontakt zu Arbeitskollegen.

Ihre Motive der Berufstätigkeit lauten wie folgt:

1) eigenes Einkommen
2) Selbstbestätigung durch den Beruf
3) Selbständigkeit
4) finanzielle Notwendigkeit
5) Wunsch nach Kontakt zu Kollegen
6) berufliche Weiterbildung

Hier zeigt sich bereits ein erster potentieller psychischer Konflikt: diverse Studien legen nahe, dass berufstätige Mütter von Kindern unter 2 Jahren die geringste (ca. 2%) Akzeptanz ihrer Berufstätigkeit durch die Gesellschaft /öffentliche Meinung erfahren (Kurscheid 2005, Paetzold 1996, Fellner 1992). Lediglich finanzielle Notwendigkeit wird als einziger Grund für die Wiederaufnahme des Berufes trotz kleiner Kinder „verziehen“.

Die mütterliche Berufstätigkeit ist meist auf Teilzeitbasis und entspricht damit dem Wunsch der Frauen. Dennoch ist, nach dem aktuellen Arbeitszufriedenheitsindex der Arbeiterkammer auch die Zufriedenheit mit dieser Beschäftigungsform sehr stark gesunken (AK 2007).

3.2 Innerfamiliäre Arbeitsteilung

Nicht ganz überraschend übernehmen Männer von nicht-berufstätigen Frauen weniger Pflichten im Haushalt als jene von berufstätigen (Kalb 1992, Klugger 1996). Das Ausmaß der Mithilfe von Männern im Haushalt korreliert dabei sehr stark positiv mit dem Ausbildungsniveau der Frau (Paetzold 1996). Dennoch kann auch bei berufstätigen Frauen keinesfalls von einer egalitären Aufteilung der Hausarbeit gesprochen werden. In diesem Zusammenhang überrascht die Zufriedenheit der Frauen mit dieser Situation (Klugger 1996).

3.3 Psychisches Befinden / Zeit für Freunde/sich/Partner / Belastungsempfinden

Nicht-berufstätige Mütter haben ein höheres psychisches Wohlbefinden als ihre berufstätigen Kolleginnen. Allerdings zeigen Mütter mit Berufsbelastung eine tendenziell günstigere Adaptation hinsichtlich der Elternrolle (Kalb 1992).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ist die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt weiblich? Zum Wiedereinstieg nach der Karenz
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Angewandte Psychologie: Gesundheit, Entwicklung und Förderung)
Veranstaltung
Lebenslanges Lernen im familialen Kontext
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V319859
ISBN (eBook)
9783668232761
ISBN (Buch)
9783668232778
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wiedereinstieg, Karenz;, Vereinbarkeit Beruf - Familie;, Gleichstellung Mann - Frau, Zufriedenheits, Hausarbeit, Mutterrolle, Zufriedenheit in der Karenz
Arbeit zitieren
Marta Agnieszka Drelichowski (Autor), 2008, Ist die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt weiblich? Zum Wiedereinstieg nach der Karenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319859

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