Geldpolitik der Bundesbank und der EZB. Unterschiede und Gemeinsamkeiten


Studienarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Einführung zur Geldpolitik
2.1 Quantitätstheorie des Geldes
2.2 Transmissionsmechanismen der Geldpolitik

3. Die geldpolitische Strategie: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
3.1 Die vormalige Strategie der Deutschen Bundesbank
3.2 Die Zwei-Säulen-Strategie der Europäischen Zentralbank

4. Die geldpolitischen Instrumente der Bundesbank und der EZB im Vergleich
4.1 Offenmarktgeschäfte
4.2 Ständige Fazilitäten
4.3 Mindestreservepolitik

5. Abschließende Beurteilung anhand der Taylor-Regel
5.1 Die Reaktionsfunktion von John B. Taylor
5.2 Vergleich der Geldpolitik von Bundesbank und EZB anhand der Taylor-Regel..

6. Zusammenfassung und Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit einem Vergleich zur Geldpolitik der Deut- schen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. Die These, wonach die geldpoliti- sche Ausrichtung der EZB in Tradition der Bundesbank steht, bildet eine viel diskutierte Thematik in der Forschungsliteratur. Die „Entmachtung“ der Bundesbank als geldpoliti- sche Institution im Jahr 1999 stellte einen gravierenden Veränderungsprozess dar, wel- cher insbesondere in Deutschland für großes öffentliches Interesse sorgte. In den Jahren zuvor hatte es die Bundesbank geschafft, sich im Bereich der geldpolitischen Kompetenz international eine hohe Reputation zu erarbeiten.1 Gerade vor dem Hintergrund der geld- politischen Erfolge der Bundesbank stellt sich daher die Frage, in welchem Umfang die Struktur der Bundesbank die neu gegründete Zentralbank der Eurozone beeinflusst hat. Eine hohe Aktualität der Thematik ergibt sich zudem aus den Entwicklungen im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2009, insbesondere die unkonventionellen geldpolitischen Reaktionen der EZB und die öffentliche Kritik durch Repräsentanten der Bundesbank haben zu einer Intensivierung der öffentlichen Diskussion geführt.2 Das Thema bietet zusätzlich den interessanten Ansatzpunkt, die grundsätzliche Funktion der Zentralbanken unter makroökonomischen Gesichtspunkten zu analysieren.

Ziel der Arbeit ist es zu erörtern, ob die Geldpolitik der EZB grundsätzlich in Konti- nuität zur Deutschen Bundesbank steht und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Bereich der strategischen Ausrichtung sowie praktischen Durchführung auftreten. Zur Beantwortung dieser Kernfrage wird in der Ausarbeitung auf Grundlage einer Literatur- recherche analysiert, unter welchen Kriterien die Europäische Zentralbank gebildet wurde und was die EZB im Vergleich zur Bundesbank verändert hat. Zur Themeneingrenzung bildet der Zeitraum um das Jahr 1999, in welchem die geldpolitische Kompetenz von der Bundesbank auf die EZB übertragen wurde, einen Schwertpunkt der Analyse. Hierdurch soll die Grundlage für eine möglichst neutrale Beurteilung unter zeitnahen und vergleich- baren Rahmenbedingungen gebildet werden. Als weiterer Kernpunkt wird die geldpoliti- sche Struktur der EZB ab 1999 erörtert und Parallelen zur vormaligen Geldpolitik der Bundesbank analysiert. Zur Ergänzung werden zusätzlich prägnante Änderungen und As- pekte in der EZB-Politik im Zuge der Finanzkrise dargelegt. Als Begriffsdefinition wird die Geldpolitik in der Eurozone nicht unmittelbar durch die EZB, sondern durch das Eu- ropäische System der Zentralbanken ausgeführt.3 Das sogenannte „Eurosystem“ besteht aus der EZB und den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten.4 Für die prakti- sche Analyse werden die Begriffe „EZB“ und „Eurosystem“ nachfolgend jedoch syno- nym verwendet.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Ausarbeitung beginnt mit einer theoretischen Einführung zur Geldpolitik, in welcher zunächst die grundlegenden Begrifflichkeiten erläutert werden. Zusätzlich erfolgt eine allgemeine Vorstellung theoretischer Ansätze und Modelle, die eine Ausgangsbasis für die nachfolgende Analyse bilden. Im Anwendungsbereich werden anschließend im zwei- ten Kapitel die geldpolitischen Strategien von Bundesbank und EZB erörtert und die grundsätzlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten dargelegt. Nachfolgend werden die konkreten geldpolitischen Instrumente beider Zentralbanken aufgezeigt und voneinander abgegrenzt. Auf dieser Grundlage wird anschließend eine finale Beurteilung anhand des theoretischen Modells der Taylor-Regel vorgenommen. Zum Schluss werden die relevan- testen Ausprägungen im Fazit zusammenfassend dargestellt und die wichtigsten Erkennt- nisse abschließend erläutert.

2 Theoretische Einführung zur Geldpolitik

2.1 Quantitätstheorie des Geldes

Die Quantitätstheorie des Geldes bildet ein grundlegendes Modell der neoklassischen Theorie zur Abbildung des Zusammenhangs zwischen der Geld- und Gütermenge inner- halb einer Volkswirtschaft. Die Anfänge der Quantitätstheorie reichen bis ins 19. Jh. zu- rück, maßgeblich geprägt wurde sie durch den britischen Ökonomen Irving Fisher. Aus der Quantitätstheorie resultiert die Quantitätsgleichung des Geldes, welche auch als „Fis- hersche Verkehrsgleichung“ bezeichnet wird.5 Die Gleichung wird definiert als:6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Variable (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten) stellt das Preisniveau dar und (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten) kennzeichnet das reale Bruttoinlands- produkt, der Ausdruck (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten) definiert somit den Wert der gesamten jährlichen Produk- tionen einer Volkswirtschaft, welche mit den vorhandenen Zahlungsmitteln finanziert werden müssen. Das vorhandene Zahlungsvolumen resultiert aus der Geldmenge (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten) und der realen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten). Im Rahmen der Quantitätsgleichung führt eine Änderung der Geldmenge zu einer proportionalen Anpassung des nominalen BIP und definiert somit den nominalen Wert der volkswirtschaftlichen Güterproduktion. Diese Änderung resultiert wiederum in einer Anpassung des Preisniveaus, da die Produk- tionsfaktoren das reale BIP definieren. Das Preisniveau verhält sich somit proportional zur Geldmenge, deren Wachstum wiederum die Inflationsrate beeinflusst.7

Auf Grundlage der Quantitätsgleichung definierte Irving Fisher den sogenannten „Fis- her-Effekt“, wonach eine Erhöhung der Inflationsrate zu einem proportionalen Anstieg der Nominalzinsen führt.8 Grundsätzlich bilden die Inflationskontrolle und Einfluss- nahme auf das BIP wichtige Zielgrößen für die Geldpolitik der Zentralbanken.9 Die Quan- titätsgleichung bietet hierfür eine wichtige theoretische Grundlage, welche auch für die Analyse der Geldpolitik des Eurosystems und der Bundesbank im Allgemeinen gut ge- eignet ist.10 Zur Erreichung der wirtschaftspolitischen Ziele können Zentralbanken ent- weder die Geldmenge im Rahmen einer expansiven Geldpolitik ausweiten, oder in Form von restriktiven Maßnahmen das Geldangebot reduzieren.11 Die Rolle des Geldes und die Möglichkeiten zur Einflussnahme der Zentralbanken sind innerhalb der verschiedenen volkswirtschaftlichen Schulen im Allgemeinen jedoch umstritten, daher werden im nachfolgenden Abschnitt die grundlegenden Ansätze im Bereich der geldpolitischen Transmissionsmechanismen näher erläutert.12

2.2 Transmissionsmechanismen der Geldpolitik

Der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik wird definiert als Übertragungsprozess geldpolitischer Impulse und beinhaltet die Möglichkeiten zur Einflussnahme auf das Preisniveau und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft.13 Inner- halb der Volkswirtschaft nimmt Geld eine bedeutende Rolle als zentrales Zahlungs- und Werterhaltungsmittel ein und definiert eine allgemeingültige Recheneinheit. Nur durch Sicherstellung einer dauerhaften Geldwertstabilität können diese Funktionen optimal er- füllt werden. Die Stabilität liegt vor, wenn die Güterpreise innerhalb der Volkswirtschaft stabil bleiben und somit das Preisniveau keine deutlichen Veränderungen ausweist.14

Die Steuerung der geldpolitischen Rahmenbedingungen erfolgt durch die Zentralban- ken, welche die alleinigen Emittenten von Banknoten sind und die Kreditinstitute inner- halb der Volkswirtschaft refinanzieren. Die Zentralbanken besitzen hierdurch das Mono- pol für die Bereitstellung der monetären Basis innerhalb der Volkswirtschaft und können somit die Bedingungen am Geldmarkt beeinflussen.15 Grundsätzlich existieren im Be- reich der Geldpolitik verschiedene Transmissionskanäle, ein Hauptkriterium bildet der sogenannte Zinskanal, welcher die Übertragung geldpolitischer Impulse durch Verände- rungen im Bereich der Notenbankzinsen umfasst.16 Die Zentralbanken können jedoch im Allgemeinen nicht direkt auf die konkreten Zielgrößen einwirken, aus diesem Grund er- folgt die Steuerung über vorgelagerte Variablen und sogenannte Zwischenziele.17 Zur Funktion und Wirkungsweise der geldpolitischen Transmission existieren unterschiedli- che wirtschaftstheoretische Ansätze, zwei grundlegende Modelle bilden hierbei der key- nesianische sowie der neoklassische Transmissionsansatz.18

Nach der neoklassischen Theorie beeinflussen Veränderungen der Geldmenge langfristig nur die nominalen Variablen, während die realen Variablen grundsätzlich unbeeinflusst bleiben. Anpassungsmaßnahmen im Bereich der Geldmenge haben somit keine langfris- tigen Effekte auf realwirtschaftliche Faktoren wie Produktion, Beschäftigung oder auch den Realzins.19 Dieser wirtschaftstheoretische Ansatz wird als „Theorie der Neutralität des Geldes“ bezeichnet und ist in der Fachliteratur weitgehend anerkannt. Nach dieser geldpolitischen Theorie können die Zentralbanken somit langfristig das Wirtschafts- wachstum nicht unmittelbar durch eine Steuerung der Geldmenge beeinflussen. Auf die- ser Annahme basiert eine grundsätzliche These der neoklassischen Theorie, wonach In- flation letztlich ein monetäres Phänomen darstellt.20 Nach dem neoklassisch-monetaristi- schen Ansatz führt eine Erhöhung der Geldmenge lediglich zu einem proportionalen An- stieg des absoluten Preisniveaus und somit zu einer Inflationszunahme.21

Im Gegensatz hierzu steht der keynesianische Transmissionsansatz, der britische Öko- nom John Maynard Keynes analysierte die Effizienz einer staatlichen Zentralbank bereits vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Unter Berücksichti- gung der instabilen Tendenzen innerhalb einer Volkswirtschaft erarbeitete Keynes die These, dass die gesamtwirtschaftliche Stabilität im Allgemeinen zu einem Marktversagen tendiert, welches die Zentralbanken mittels geldpolitischer Impulse eingrenzen oder be- heben können. Keynes geht somit, im Gegensatz zur neoklassischen Theorie, von real- wirtschaftlichen Konsequenzen der Geldpolitik aus.22 Die Nachfragepolitik im Sinne von Keynes bildet heute für viele Zentralbanken einen Schwerpunkt der geldpolitischen Aus- richtung, mit dem angestrebten Ziel, durch Anpassungsmaßnahmen zur gesamtwirt- schaftlichen Stabilität innerhalb der Volkswirtschaft beizutragen.23

Im Allgemeinen bildet die Sicherung der Preisniveaustabilität ein elementares Ziel der Geldpolitik, da hiermit den negativen Effekten einer Inflations- oder Deflationsentwick- lung entgegengewirkt werden kann. Hierdurch wird eine effiziente Ressourcenallokation gefördert, da die Signalfunktion der relativen Preise stabilisiert und somit das Vertrauen auf einen dauerhaften Kaufkrafterhalt innerhalb der Volkswirtschaft gestärkt werden kann.24

[...]


1 Vgl. Rotondi, Vaciago (2007), S. 147.

2 Vgl. Schönwitz (2013), S. 243.

3 Vgl. Smant (2002), S. 327.

4 Vgl. o.V.: Deutsche Bundesbank (2008), S. 15-16.

5 Vgl. Anderegg (2007), S. 159.

6 Vgl. Dorman (2014), S. 171.

7 Vgl. Gerdesmeier (2011), S. 91.

8 Vgl. Anderegg (2007), S. 108.

9 Vgl. Anderegg (2007), S. 304.

10 Vgl. Laser (2000), S. 91.

11 Vgl. Laser (2000), S. 98.

12 Vgl. Anderegg (2007), S. 3.

13 Vgl. o.V.: Europäische Zentralbank (2011), S. 62.

14 Vgl. Gischer, Herz, Menkhoff (2012), S. 252.

15 Vgl. o.V.: Europäische Zentralbank (2011), S. 59.

16 Vgl. Gerdesmeier (2011), S. 212.

17 Vgl. Gerdesmeier (2011), S. 144.

18 Vgl. Edling (2010), S. 394.

19 Vgl. Gerdesmeier (2011), S. 144.

20 Vgl. o.V.: Europäische Zentralbank (2011), S. 59-60.

21 Vgl. Gerdesmeier (2011), S. 92.

22 Vgl. Gischer, Herz, Menkhoff (2012), S. 41.

23 Vgl. Bibow, J. (2013), S. 612.

24 Vgl. Gischer, Herz, Menkhoff (2012), S. 275.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Geldpolitik der Bundesbank und der EZB. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Veranstaltung
Wirtschaftspolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V320158
ISBN (eBook)
9783668194021
ISBN (Buch)
9783668194038
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geldpolitik EZB Bundesbank Unterschiede Gemeinsamkeiten Hausarbeit Wirtschaftspolitik EZB Bundesbank
Arbeit zitieren
Tobias Kanthak (Autor), 2016, Geldpolitik der Bundesbank und der EZB. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320158

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