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Kollaboratives Arbeiten an digitalen wissenschaftlichen Editionen. Alternative Methoden des Edierens im Web 2.0

Titre: Kollaboratives Arbeiten an digitalen wissenschaftlichen Editionen. Alternative Methoden des Edierens im Web 2.0

Thèse de Master , 2013 , 82 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Patrick Ewald (Auteur)

Lettres - Généralités
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Projekte wie die Wikipedia zeigen, wie eine Gesellschaft ihr erarbeitetes Wissen dokumentieren kann. In dieser kollaborativ erstellten Enzyklopädie bildet sich eine Art neuronales Netzwerk komplex miteinander verschalteten Wissens ab. Es ist das Wissen einer unbestimmten Anzahl von Menschen, die ihr angeeignetes Wissen weitergeben, ohne einen finanziellen Lohn oder Ruhm einzufordern. Die Art und Weise, wie diese Enzyklopädie seit nunmehr einem Jahrzehnt erarbeitet wird, wirft die Frage auf, ob Wissensverbreitung und -erarbeitung nicht komplett vergesellschaftet werden sollte. Ihr Erfolg lässt vermuten, dass ein von benennbaren Einzelpersonen vertretenes Expertenwissen nicht mehr zwingend gefordert wird. Stattdessen setzt sich in einer immer intensiver vernetzten Wissensgesellschaft eine Vorstellung durch, dass auch ein virtuelles Netzwerk für die Erarbeitung, Verbreitung und Bewahrung von Wissen sorgen kann.
Es wäre banal, in dieser Arbeit ausschließlich die Werkzeuge und bereits bestehenden kollaborativen Projekte zu beschreiben, die es Menschen ermöglichen kollaborativ zusammenarbeiten. Das können in Kollaborationsprojekte involvierte Forscher besser und detaillierter. In meiner Arbeit wird es stattdessen um Modelle der kollaborativen Zusammenarbeit gehen. Dazu werde ich zunächst, noch bevor ich zum eigentlichen Thema – die kollaborativen Arbeit an digitalen Editionen – komme, die mentalitätsgeschichtlichen Grundlagen beschreiben. Die wichtigste Grundlage für das kollaborative Arbeiten dürfte die Einsicht in die dynamischen Entwicklungsprozesse der Kategorien Text und Wissen sein: Zum einen scheint ein Text nichts zu sein das zu jeder Zeit immer auf dieselbe Weise verstanden wird. Wenn man einen Text also als etwas versteht, das maßgeblich von einem Leser abhängt, dann erhält dieser Leser eine Macht über diesen Text, durch welche seine einmal festgelegte Erscheinungsform nur noch zu einer Möglichkeitsform wird, die der Leser mitbestimmt (Kap. II.1). Wenn man diesen Gedanken weiterführt, dann gerät man zum zweiten dahin, die Natur von über Texte transportierte Wissen genauer zu untersuchen und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Produkt und Wissen, Wissen und Experte zu beleuchten (Kap II.2). Schließlich wird man zu der Einsicht gelangen, dass in den heutigen Tagen, da herkömmliche Produktions- und Distributionsstrategien von Text und Wissen einem fundamentalen Wandel unterliegen, weder einzelne Experten noch proprietäre Vereinnahmungen von Wissen als ...

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I.1 Allgemeine Einführung

I.2 Zu zwei Begriffen: Kollaboration und Text

I.3 Allgemeine Hinweise zum Zitieren und Referenzieren

II. Dynamik als Merkmal von Text und Wissen

II. 1 Text und Dynamik

II.1.a Über Zensur und die Frage wer in Texte eingreifen kann

II.1.b Text und Textur – Zu den Möglichkeitsformen eines Textes

II.1.c Zur Dynamik der Texturen – und wie man in sie eingreifen kann

II.1.d Hypertexte und der von ihnen angestoßene Wandel im Umgang mit Texten und Texturen

II. 2 Wissen und Dynamik

II.2.a Zur Unterscheidung von Wissen und Erkenntnis

II.2.b Erkenntnis und Wissensprodukte

II.2.c Etikettierung von Wissensprodukten

II.2.d Das Web 2.0 als neue Form der Vernetzung und Zusammenarbeit

II.2.e Zur Geschichte des freien Wissens

II.2.f Virtuelle Netzwerke als kollaborative Umgebungen

II.3 Zwischenfazit

III. Kollaboration im Bereich wissenschaftlicher Arbeit

III.1 Zur Kommunikationsfreiheit und neuen Rollenverteilungen

III.2 zu aktuellen Beteiligungsmustern

III.3 Methoden und Modelle

III.4 Modelle für das kollaborative Arbeiten an digitalen Editionen

III.5 Akquise von Kollaborateuren und Motivation für kollaboratives Arbeiten

III. 6 Grenzen und Freiheiten – Bedingungen und Regulierungssysteme für das kollaborative Arbeiten

IV. Fallbeispiele

IV.1 Transcribe Bentham

IV.1.a Zum Projekt

IV.1.b Beschreibung der Möglichkeiten zur Mitarbeit

IV.1.c Kritik

IV.2 Monasterium Collaborative Archive (MOM-CA)

IV.2.a Zum Projekt

IV.2.b Beschreibung der Möglichkeiten zur Mitarbeit

IV.2.c Kritik

V. Ausblick – Ein Desiderat

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale kollaborativer Arbeitsmodelle für die digitale Editionsphilologie im Kontext des Web 2.0. Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie gesellschaftlich verteilte Expertise in wissenschaftliche Editionsvorhaben integriert werden kann, ohne dabei wissenschaftliche Standards zu gefährden.

  • Transformation des Textbegriffs und der Textdynamik im digitalen Raum.
  • Analyse von Modellen der Wissensgenerierung und Beteiligung.
  • Herausforderungen der Qualitätssicherung und Reputation in kollaborativen Umgebungen.
  • Praktische Untersuchung anhand der Fallbeispiele "Transcribe Bentham" und "Monasterium Collaborative Archive".
  • Entwicklung von Strategien für das Management kollaborativer Editionsprojekte.

Auszug aus dem Buch

II.1.b Text und Textur – Zu den Möglichkeitsformen eines Textes

Die Diskussion um die kleine Hexe bringt mich zu der Erkenntnis, dass ein Text nicht unmittelbar erfahrbar, sondern nur über die Interpretation seiner Textur mittelbar zu erschließen ist. Sprache, die sich in der Textur eines Textes zeigt, veraltet. Die Gefahr, dass Texte dadurch falsch verstanden werden können, ist real und sollte nicht übergangen werden mit dem Hinweis, dass sich ein Leser genügend historische Kenntnisse aneignen müsse, um einen Text richtig zu verstehen. Das würde die Bedeutung des Sinn konstituierenden Lesers unzulässig auf die Rolle des Übersetzers der Gedanken eines Autors verkürzen. Tatsächlich ist er aber ein mit dem erzählenden Text kollaborierender Konstrukteur von Sinn. Diese Konstruktion kann nie endgültige sein, da sich die Bedingungen der Lektüre verändern. Moritz Bäßler weist in diesem Zusammenhang auf die Transsituativität des Lesens hin: Die Lektüre eines Textes sei nicht an eine bestimmte Situation gebunden, wodurch unterschiedliche Lesungen entstünden.

Die Bedeutung des Lesens als Sinnkonstitution und -konstruktion ist allgemein anerkannt. So schreibt etwa Gunter Martens, „daß der Prozeß des Lesens nicht [...] dem Text äußerlich ist, sondern ihn allererst konstituiert.“ Aus dieser Einsicht zieht er den Schluss, dass ein Text ein Zeichen sei, „dessen Struktur durch eine vom Zeichenbenutzer und vom jeweiligen situativen Umfeld bestimmte dynamische Wechselbeziehung zwischen Textträger und Textbedeutung gekennzeichnet ist.“ Radikaler sind die Vorstöße der Poststrukturalisten, welche die Produktivität des Textes auf der Seite des Lesers sehen. Dadurch entwickelte sich ein Textbegriff, der sich nicht mehr an einen Autor sondern am Leser orientiert. Solche Positionen tragen allerdings die Gefahr in sich, zu weit in ein neues Extrem abzudriften, welches dem Text- und Autorbegriff des 19. Jahrhundert lediglich diametral gegenübersteht, ohne ihn als Alternative ablösen zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenfelder der kollaborativen Wissensarbeit und die Relevanz für digitale Editionen ein und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit.

II. Dynamik als Merkmal von Text und Wissen: Das Kapitel beleuchtet theoretisch, wie sich das Verständnis von Texten und Wissen in digitalen Medien wandelt, weg von statischen Einheiten hin zu dynamischen Prozessen.

III. Kollaboration im Bereich wissenschaftlicher Arbeit: Hier werden die organisatorischen Aspekte der Zusammenarbeit, von Beteiligungsmustern bis hin zu Akquise und Motivation von Mitarbeitenden, erörtert.

IV. Fallbeispiele: Dieses Kapitel präsentiert die beiden praktischen Anwendungsbeispiele "Transcribe Bentham" und "Monasterium Collaborative Archive" und analysiert deren Arbeitsweisen.

V. Ausblick – Ein Desiderat: Der Ausblick formuliert Visionen für zukünftige kollaborative Editionen und reflektiert über notwendige technologische und strukturelle Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Kollaboration, Digitale Edition, Web 2.0, Textdynamik, Crowdsourcing, Wissensgesellschaft, Partizipation, Editionsphilologie, Transkription, Virtuelle Forschungsumgebung, Reputation, Qualitätssicherung, Open Access, Mediale Repräsentation, Wissensverbreitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Potenzial kollaborativer Arbeitsmodelle, bei denen die breite Öffentlichkeit oder fachfremde Experten an wissenschaftlichen, insbesondere editionswissenschaftlichen Projekten mitwirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen zählen die Dynamik von Texten und Wissen im digitalen Raum, das Web 2.0 als Arbeitsumgebung sowie Fragen der Motivation und Qualitätssicherung bei kollaborativen Vorhaben.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit analysiert, wie Modelle der kollaborativen Arbeit auf digitale wissenschaftliche Editionen übertragen werden können, ohne dabei wissenschaftliche Standards und die Qualität der Ergebnisse zu gefährden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Untersuchung, die durch Fallbeispiele (Transcribe Bentham und MOM-CA) ergänzt wird, um die Theorie mit praktischen Erfahrungen zu validieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Reflexionen über den Wandel des Textbegriffs durch digitale Medien, Analysen zu Beteiligungsmustern und Methoden kollaborativer Projekte sowie eine detaillierte Auswertung zweier konkreter Fallbeispiele.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kollaboration, digitale Edition, Web 2.0, Crowdsourcing, Textdynamik, Partizipation und Wissensgesellschaft.

Welche Bedeutung haben die Fallbeispiele Transcribe Bentham und MOM-CA?

Sie dienen als konkrete Beispiele für die Umsetzung kollaborativer Konzepte in der Praxis, wobei ihre Stärken und die technischen sowie organisatorischen Herausforderungen kritisch beleuchtet werden.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Editors in kollaborativen Projekten?

Der Editor wandelt sich zunehmend vom philologischen Experten zum Projektmanager, der den kollaborativen Prozess steuert, ohne dabei die inhaltliche Verantwortung abzugeben.

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Résumé des informations

Titre
Kollaboratives Arbeiten an digitalen wissenschaftlichen Editionen. Alternative Methoden des Edierens im Web 2.0
Université
Free University of Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Note
1,3
Auteur
Patrick Ewald (Auteur)
Année de publication
2013
Pages
82
N° de catalogue
V320263
ISBN (ebook)
9783668204812
ISBN (Livre)
9783668204829
Langue
allemand
mots-clé
Literaturwissenschaft Grundlagenforschung Texttheorie Kollaborativität Crowdsourcing
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Patrick Ewald (Auteur), 2013, Kollaboratives Arbeiten an digitalen wissenschaftlichen Editionen. Alternative Methoden des Edierens im Web 2.0, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320263
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Extrait de  82  pages
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