Mobilmachung und Friedenspropaganda. Die Außenpolitik Hitlers ab 1933


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die wesentlichen Etappen der NS-Außenpolitik (1933 – 1939)

3. Die propagandistischen Maßnahmen Hitlers und des NS-Regimes
3.1 Die Friedenspropaganda
3.2 Die Mobilmachung für den Krieg

4. Die Reaktionen des Auslands auf die außenpolitischen Ziele Hitlers

5. Die Friedenspropaganda = „Die Pforte zum Zweiten Weltkrieg“?

6. Schluss

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Vom 30. Januar an eroberte der Nationalsozialismus die Gedanken aller Menschen in diesem Volk. Das kam dem Reich im Kriege zugute. Wie man keine Armee zu Beginn des Krieges aufbauen kann, so kann man auch keine geistige Organisation schaffen, wenn der geistige Krieg bereits begonnen hat.“[1]

Dies verkündete Joseph Goebbels am 5. April 1940 vor Vertretern der deutschen Presse und machte damit den Inhalt der deutschen Propagandapolitik der 1930er Jahre und die damit verbundenen Absichten der nationalsozialistischen Regierung sehr deutlich.[2]

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll beleuchtet werden, welche Maßnahmen Hitler und das NS-Regime ergriffen haben, um das deutsche Volk für den Krieg mobil zu machen und wie sie gleichzeitig den Eindruck absoluter Friedensbefürwortung im Ausland erzeugen konnten. Die zentralen Fragen, die sich hierbei ergeben lauten, ob die Friedenspropaganda beziehungsweise die gute Tarnung der eigentlichen Absichten Hitlers die ausschlaggebende Ursache für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war. Außerdem, ob man davon sprechen kann, dass der Zweite Weltkrieg ein unnötiger Krieg war, weil er durch rechtzeitigeres Handeln des Auslandes, hätte vermieden werden können.

Im Folgenden wird kurz erläutert, was die Worte „Propaganda“ und „Mobilmachung“ überhaupt bedeuten und welche Rolle ihnen im Nationalsozialismus zugekommen ist. Daraufhin werden einige Angaben zu den verwendeten Quellen und dem aktuellen Forschungsstand gegeben.

Im Hauptteil der Arbeit werden zunächst ganz knapp die wichtigsten Etappen der NS-Außenpolitik von 1933 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beschrieben. Danach werden die propagandistischen Maßnahmen Hitlers und des NS-Regimes im Allgemeinen vorgestellt, woraufhin danach explizit auf die Friedenspropaganda sowie auf die Mobilmachung für den Krieg eingegangen wird. Anschließend wird beleuchtet, wie die Reaktionen des Auslands auf die außenpolitischen Maßnahmen des Deutschen Reiches ausgesehen haben, wobei besonders Frankreich und Großbritannien im Mittelpunkt stehen werden.

Danach wird die Frage, ob man die Friedenspropaganda als „Pforte“ für den Zweiten Weltkrieg bezeichnen kann, erörtert.

Im Schlussteil der Arbeit wird dann noch einmal explizit auf die Ursache für den Ausbruch des Krieges eingegangen und die Frage diskutiert, ob der Zweite Weltkrieg tatsächlich ein unnötiger Krieg war, weil er hätte vermieden werden können.

Die Richtlinien der Propaganda, so wie man sie im Nationalsozialismus verstand, hatte Hitler bereits 1925 in „Mein Kampf“ veröffentlicht. Hierbei wurde er jedoch unmittelbar durch die von Friedrich Schönemann 1924 entwickelte Propagandatheorie beeinflusst.[3] Für Schönemann war Propaganda „eine besondere Methode der Massenbeeinflussung“. Er verstand darunter die „Beeinflussung mit möglichst einfachen Mitteln. Je einfacher und praktischer [man] ans Denken herangehe[…], desto besser [sei] es für das Verständnis der Propaganda“. Nach seiner Auffassung steckte im Begriff Propaganda „alles drin vom Überzeugen bis zum bloßen Überreden, […], vom sachlichen, wenn auch geschickten, geschäftsmäßigen Darstellen bis zum bewussten Lügen und Betrügen, […]“.[4] Hitler nutzte den Propagandabegriff Schönemanns, hatte ihn jedoch radikal missbraucht. Für ihn war Propaganda „ausschließlich zu messen an ihrem wirksamen Erfolg“. Er sprach von einer „angepassten Greuelpropaganda, die in ebenso rücksichtsloser wie genialer Art die Vorbedingungen für das moralische Standhalten an der Front sicherte“. „Allein der Kampf um das Dasein des deutschen Volkes sollte die Propaganda bestimmen.“[5]

„Mobilmachung“ bedeutet im Allgemeinen, dass ein Staat auf einen Krieg vorbereitet werden soll. Im Nationalsozialismus wurden somit Maßnahmen ergriffen, die das deutsche Volk für den Zweiten Weltkrieg vorbereiten sollten. Welche Maßnahmen das waren, wird später noch erläutert.

Der Stand der wissenschaftlichen Forschung zur Außenpolitik ab 1933 ist ausgesprochen gut. Für das Verfassen dieser Hausarbeit waren unter anderem Werke von Jutta Sywottek und Lars Lüdicke besonders hilfreich. Speziell in Bezug auf die Reaktionen der Westmächte auf die Außenpolitik des Deutschen Reichs wurden viele Informationen durch Literatur von Holger Skor und Gustav Schmidt herangezogen. Außerdem haben sich Hitlers „Friedensrede“ sowie seine Rede vor den Spitzen der Reichswehr, beide von 1933, als ausgesprochen nützlich zur Verdeutlichung der gegensätzlichen Maßnahmen, Friedenspropaganda und Mobilmachung für den Krieg, erwiesen.

2. Die wesentlichen Etappen der NS-Außenpolitik (1933 – 1939)

Das Hauptziel der NS-Außenpolitik seit 1933 war die „Vergrößerung des deutschen Lebensraums in Europa“. Es herrschte von Anfang an Kriegspolitik im Sinne einer „kriegerischen Risikopolitik“.[6] In den ersten Jahren wurde jedoch der „Umschwung zum Diktaturstaat und die Wiederwehrhaftmachung im Innern durch Friedensparolen nach außen“ primär verfolgt.[7]

Im Juli 1933 schlossen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien einen „Viermächtepakt“, welcher das „Dritte Reich“ vor der Welt als eine „verhandlungsbereite und moderate Macht“ präsentierte, die sich – so die Bedingungen des Pakts – dazu verpflichtete, „alle Anstrengungen zu machen, um im Rahmen des Völkerbundes eine Politik wirksamer Zusammenarbeit zwischen allen Mächten zur Erhaltung des Friedens zur Anwendung zu bringen“.[8]

Am 14. Oktober 1933 verkündete Deutschland dann seinen Austritt aus dem Völkerbund sowie den Rückzug von der Abrüstungskonferenz. Dies rechtfertigte Hitler als Reaktion auf die Demütigung und Diskriminierung des Deutschen Reiches.[9]

Am 26. Januar 1934 wurde der deutsch-polnische Nichtangriffspakt unterzeichnet, welcher die friedliche Beilegung aller deutsch-polnischen Differenzen beteuerte. Hitler schaffte mit dem Pakt eine erneute Friedensbeteuerung nach dem Austritt aus dem Völkerbund.[10] Ein Jahr später erreichte Hitler durch den Erfolg bei der Abstimmung über die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich eine triumphale Bestätigung seiner Außenpolitik. Er gab die Abstimmung als „persönlichen Erfolg im Kampf gegen den Versailler Schandvertrag“ aus.[11]

Zur Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie zum Ausbau der Luftwaffe kam es im März 1935.[12] Im Juni desselben Jahres traf Hitlers außenpolitischer Berater Ribbentrop in London ein, um ein deutsch-britisches Flottenabkommen auszuhandeln, wobei er erfolgreich war.[13] Da Italien unter der Führung Mussolinis am 2. Oktober 1935 Äthiopien den Krieg erklärte und damit die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zog, konnte Hitler diese Schwäche des internationalen Systems nutzen. Er ließ am 7. März 1936 die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes besetzen.

Im Spanischen Bürgerkrieg, der von 1936 bis 1939 herrschte, beteiligte sich Deutschland zusammen mit dem faschistischen Italien auf Seiten der Putschisten unter der Führung Francos, wodurch Deutschland zum Bündnispartner Italiens wurde. Mit dem gemeinsamen Engagement Mussolinis und Hitlers im Spanischen Bürgerkrieg kam es zu einer größeren Kooperation zwischen Deutschland und Italien. Es war von einer „Achse Berlin-Rom“ die Rede, „um die sich alle anderen Staaten, die mit dem neuen Machtzentrum zusammenarbeiten wollten, bewegen könnten“.[14]

Desweiteren ernannte Hitler im Oktober 1936 Hermann Göring zum „Beauftragten für den Vierjahresplan“, welcher besagte, dass „die deutsche Armee […] in vier Jahren einsatzfähig sein“ sowie „die deutsche Wirtschaft in […] vier Jahren kriegsfähig sein [müsse]“.[15]

Im Jahr 1938 wurde dann mit dem „Anschluss Österreich“ an das Deutsche Reich und dem Münchner Abkommen, in dem die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland beschlossen wurde, der Weg in den Krieg geschaffen. Am 10. Februar 1939 erklärte Hitler in einer Geheimrede vor den Spitzen der Reichswehr rückblickend auf das Vorjahr, dieses habe „mit dem vielleicht größten Erfolg zunächst in unserer neueren Geschichte abgeschlossen“.[16] Desweiteren macht Hitler in der Rede deutlich, dass die seit dem Jahr 1933 verfolgten Pläne verwirklicht worden sind.[17]

Als Hitler dann im März 1939 unter Ausnutzung von Interessengegensätzen zwischen Tschechen und Slowaken und durch Drohung erreichte, dass der slowakische Landtag die staatliche Selbständigkeit der Slowakei erklärte, konnte er die sogenannte „Besetzung der Rest-Tschechei“ erreichen.[18]

Am 1. September 1939 kam es schließlich zum Angriff auf Polen durch das Deutsche Reich und somit zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

3. Die propagandistischen Maßnahmen Hitlers und des NS-Regimes

Nach Hitlers Regierungsübernahme im Januar 1933 herrschte zunächst in aller Welt Beunruhigung und die Befürchtungen der europäischen Nachbarn, „Hitler werde die internationalen Verträge zerreißen, Deutschland aufrüsten und Österreich an das Deutsche Reich anschließen“.[19] Es war also für die Regierung Hitlers ausgesprochen wichtig, dass er in der „ersten kritischen Phase der Außenpolitik die tatsächlichen Ziele verschleier[te]“.[20] Der Eindruck, dass es überhaupt keine „spezifische nationalsozialistische Außenpolitik“, sondern nur die „Fortsetzung der herkömmlichen Weimarer Revisionspolitik“ gab, sollte erzeugt werden.[21] Aus diesem Grund, nämlich die Kontinuität der Außenpolitik zu demonstrieren, gab es nach dem Regierungswechsel nur geringste Veränderungen im Auswärtigen Amt.[22]

Die dauerhaft wiederkehrenden Friedensbeteuerungen Hitlers brachten ihm jedoch teilweise starkes Befremden bei alten Nationalsozialisten sowie im „Lager der bürgerlichen Rechten“. Dieses innenpolitische Risiko erachtete er allerdings als gering im Vergleich zu dem erhofften außenpolitischen Effekt, den die Verschleierungspolitik erbringen sollte. Dies war nämlich „die Verhinderung militärischer Interventionen der europäischen Nachbarn gegen […] Deutschland.[23]

Die wahren außenpolitischen Vorstellungen hatte Hitler nach der Machtübernahme erstmals am 3. Februar 1933 in einer Rede vor den Spitzen der Reichswehr genannt. Er wollte die „Eroberung neuen Lebensraums im Osten“ und „rücksichtslose Germanisierung“, was so viel wie Verbreitung eines germanischen Volks und seiner Kultur und Verdrängung beziehungsweise Ausrottung anderer Kulturen bedeutete. Außerdem sei eine „vollständige innenpolitische Umgestaltung Deutschlands mit dem Ziel einer Ausrottung des Marxismus und einer Stärkung des Wehrwillens“ absolut erforderlich.[24] Hitler hatte bereits in der Rede die „erste Phase der Realisierung, die Zeit des Aufbaus der Wehrmacht“, als äußerst gefährlich bezeichnet.[25] Es stellte sich für die Propagandaführung eine „dreifache, in sich widersprüchliche Aufgabe, nämlich erstens „die Erzeugung des Eindrucks absoluter Friedensliebe des neuen Regimes im Ausland“, zweitens die „Tarnung der Aufrüstungsmaßnahmen“ und drittens die „Weckung und Steigerung des Wehrwillens in der Bevölkerung“.[26]

[...]


[1] Sywottek, Jutta, Mobilmachung für den totalen Krieg. Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, Opladen 1976, S. 23.

[2] Ebd.

[3] Dipper, Christof, Schieder Wolfgang, Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch sozialen Sprache in Deutschland, Stuttgart 1984, S. 108-111.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Wendt, Bernd-Jürgen, Großdeutschland. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung des Hitler-Regimes, München 1987, S. 7.

[7] Ebd.

[8] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft. Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933-1945, Berlin 2009, S. 37.

[9] Ebd., S. 43.

[10] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[11] Ebd.

[12] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft, Berlin 2009, S. 60-61.

[13] Ebd., S. 64.

[14] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[15] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft, Berlin 2009, S. 85.

[16] Wendt, Bernd-Jürgen, Großdeutschland, München 1987, S. 134.

[17] Ebd.

[18] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft, Berlin 2009, S. 103.

[19] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[20] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[21] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[22] Sywottek, Jutta, Mobilmachung für den totalen Krieg, Opladen 1976, S. 49.

[23] Ebd.

[24] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[25] Sywottek, Jutta, Mobilmachung für den totalen Krieg, Opladen 1976, S. 49.

[26] Ebd., S. 50

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mobilmachung und Friedenspropaganda. Die Außenpolitik Hitlers ab 1933
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V320483
ISBN (eBook)
9783668196391
ISBN (Buch)
9783668196407
Dateigröße
879 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NS-Regime, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Außenpolitik, Mobilmachung, Deutsches Reich, außenpolitischen Maßnahmen
Arbeit zitieren
Svenja Schäfer (Autor), 2013, Mobilmachung und Friedenspropaganda. Die Außenpolitik Hitlers ab 1933, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320483

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