Unterrichtskonzept zum Thema Empathiebildung mithilfe des Films „Davids wundersame Welt“


Unterrichtsentwurf, 2014

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sachanalyse

3. Didaktische Analyse

4. Lernziele

5. Methodische Analyse

6. Verlaufsplan der Unterrichtseinheit

7. Fazit

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Menschen haben Vorurteile. Bereits in der Grundschule oder gar im Kindergarten kann man beobachten, dass bestimmte Kinder zu Außenseitern werden. Ausgrenzung und Diskriminierung sollte daher schon früh thematisiert und besprochen werden, damit Kinder und Jugendliche verstehen, dass sich Vorurteile gegenüber anderen Menschen oft nicht aus bestimmten Gründen entwickeln, sondern oftmals unhinterfragte Reaktion auf Anderes und Unbekanntes sind.

Der Film „Davids wundersame Welt“ zeigt, wie schwierig es sein kann, gegen herrschende Vorurteile und Intoleranz vorzugehen, eigene Ansichten zu entwickeln und im Endeffekt auch danach zu handeln. Der Regisseur Paul Morrison hat es geschafft, dieses schwierige Thema für Kinder und Jugendliche verständlich aufzuarbeiten, ohne es zu vereinfachen oder zu verflachen.

In dieser Hausarbeit wird eine Unterrichtskonzeption zum Thema Empathiebildung in Bezug auf Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung dargestellt. Der Film „Davids wundersame Welt“ wird einen großen Bestandteil der Unterrichtseinheit einnehmen und die Grundlage der Thematik schaffen. Der Unterricht soll in einer 5. Gymnasial Klasse in den Ethikstunden stattfinden und umfasst einen Zeitraum von zirka acht Schulstunden.

Im Folgenden wird eine Sachanalyse des Themas gegeben. Diese beinhaltet unter anderem eine kurze Inhaltszusammenfassung des Films sowie eine Analyse der Thematik. Außerdem werden eventuelle sprachliche Schwierigkeiten, Fachvokabular und zentrale Begrifflichkeiten geklärt. Im Anschluss folgt dann eine didaktische Analyse, wobei Überlegungen und Begründungen zur Auswahl der Inhalte, zum Beispiel unter Berücksichtigung des Lehrplans, angestellt werden. Daraufhin werden auf Grundlage der didaktischen Analyse die Lernziele genannt. Darauf aufbauend wird dann eine methodische Analyse, welche Überlegungen zum Lehr-Lern-Prozess beinhaltet, gegeben. Abschließend wird dann, um das Ganze zu verdeutlichen, ein genauer Verlaufsplan der Unterrichtseinheit in tabellarischer Form verfasst.

2. Sachanalyse

In der Schule und besonders im Ethik Unterricht ist es wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen[1] bestimmte Werte vermittelt bekommen. Laut Manfred Schneider haben „Werte […] primär eine Orientierungsfunktion für die Selektion bei der Einstellungsbildung und bei der Entscheidung über Handlungsalternativen“.[2] Ein wichtiger Wert, der den SuS tradiert werden sollte ist Empathie. Unter Empathie versteht man „die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen“[3], somit also die Kompetenz, Mitgefühl gegenüber anderen Menschen zu haben. Wenn man sich nun mit Themen wie Ausgrenzung und Diskriminierung, oder sogar konkreter mit Rassismus, beschäftigt, dann ist es wichtig, dass man sich in die Menschen, die Opfer solcher Grausamkeiten sind, hineinversetzen kann. Mit Sicherheit ist es niemals möglich, genauso zu fühlen wie andere Menschen, besonders dann nicht, wenn sie von solch schlimmen Schicksalen betroffen sind, doch man sollte es zumindest versuchen. Nur wenn man versteht, wie sich die Opfer von beispielsweise Ausgrenzung fühlen, kann man sich gegen bestehende Vorurteile stellen und sich ein eigenes Urteil bilden und somit versuchen, etwas gegen Ausgrenzung zu unternehmen.

Der Film, „Davids wundersame Welt“ thematisiert insbesondere Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung und zeigt, welche Folgen Antisemitismus oder Rassismus haben können. Paul Morrison hat Charaktere geschaffen, die dem Zuschauer deutlich ihre Gefühle zeigen und somit verdeutlichen, was in Menschen, die von Ausgrenzung in jeglicher Art betroffen sind, vorgeht.

Der Film spielt in den 1960er Jahren in London und erzählt die Geschichte eines elfjährigen, jüdischen Jungen mit Namen David Wiseman, dessen größte Leidenschaft das Kricketspielen ist. Er ist jedoch völlig unbegabt und wird somit nicht in die Schulmannschaft aufgenommen. Zuhause träumt David von Kricket-Turnieren mit den Stars dieses Sports, die er auf zahlreichen Sammelbildern um sich schart. Als Zuschauer bekommt man den Eindruck, diese Figuren auf den Sammelbildern seien Davids einzige Freunde. Auch in der Nachbarschaft bekommt Davids Familie nur Ablehnung aufgrund ihrer jüdischen Herkunft entgegengebracht. Als jedoch neben den Wisemans eine jamaikanische Familie einzieht ändert sich die Situation, denn die vorurteilsbeladenen Nachbarn können Afroamerikaner noch weniger leiden als Juden. Auch Davids Eltern verhalten sich anfangs reserviert gegenüber den neuen Nachbarn. Doch als David beobachtet, wie der jamaikanische Familienvater Dennis Samuels in seinem kleinen Hinterhof ein Kricketnetz aufbaut und mit seiner Tochter Judy trainiert, ist er völlig begeistert. Als er mit voller Kricket Ausrüstung zu den Samuels geht ist Dennis bereit, ihm das Kricketspielen beizubringen. Davids Eltern sind zwar nicht erfreut, dass ihr Sohn sich mit den neuen Nachbarn anfreundet, doch David beharrt darauf, trotz der Vorurteile von Nachbarn und Eltern, weiter Kricket mit seinen neuen Freunden zu spielen. Bald schon ist jedoch auch Davids Mutter Ruth von der Lebenslust der Samuels begeistert und hat nichts mehr dagegen, dass David sich mit Judy Samuels anfreundet.

Durch das Training mit Dennis und Judy schafft es David sogar in die Kricket-Schulmannschaft und wird nun, aufgrund seiner guten Leistungen, von seinen arroganten Schulkameraden anerkannt und sie kommen sogar allesamt auf Davids Geburtstagsfeier. Als Judy während dieses Fests an der Tür klingelt, um David zu gratulieren, schickt er seine einzige echte Freundin weg, weil sie schwarz ist. Die Freundschaft mit den Samuels scheint damit beendet, da Judy David danach nicht mehr sehen will.

In den folgenden Wochen spürt David die Konsequenzen seines Handelns und vermisst die Samuels sichtbar.

Als David jedoch eines Nachts ein Feuer im Haus der Samuels bemerkt, schafft er es, die Familie rechtzeitig zu wecken und rettet ihnen somit das Leben. Danach fasst er sich ein Herz und entschuldigt sich bei Judy. Sie nimmt die Entschuldigung an und David ist überglücklich, dass die Samuels ihn wieder als Freund aufnehmen. Als Dennis ihn und seine Familie zu einem großen Picknick einlädt, sagt David zu, obwohl am gleichen Tag ein großes Kricketspiel stattfindet. David hat sich also gegen Vorurteile und für seine neuen Freunde entschieden und konnte auch seine Eltern von seiner Haltung überzeugen. Selbst von seinen geliebten Kricket-Sammelbildern verabschiedet sich David am Ende des Films, was deutlich macht, dass David mit den Samuels nun echte Freunde gefunden hat und er ein Stück weit erwachsener geworden ist.

Der Film entlässt die Zuschauer und Zuschauerinnen mit einem optimistischen Gefühl. Er vermittelt klar und deutlich einen Appell an Zivilcourage und Toleranz gegenüber allen Menschen, egal von welcher ethnischen Herkunft. Besonders für das jüngere Publikum bereitet der Film diese schwierigen und vielfältigen Themen sehr gut und verständlich auf. Er macht deutlich, dass ein besseres, verständnisvolleres Leben möglich ist, wenn man sich gegen Vorurteile von anderen Menschen stellt und den Mut aufbringt, zu sich selbst, seinen Freunden und seinen eigenen Erfahrungen und Haltungen zu stehen.

Da der Film seine Geschichte aus der Perspektive des elfjährigen Jungen David erzählt, ist es für die SuS leichter, sich in sein Leben und in seine Gedanken hinein zu fühlen, da sie selbst ungefähr in diesem Alter sind.

Es ist wichtig, dass man, bevor man den Film mit den SuS schaut, die wichtigen Begriffe und Definitionen klärt. „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im weitesten Sinne sei die Diskriminierung bestimmter Personen oder Personengruppen aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion, ethnischen Zugehörigkeit, Kultur oder anderer Faktoren, die sie als fremd oder anders erscheinen lassen.“[4] Man muss den SuS deutlich machen, dass man die verschiedenen Formen von Diskriminierung, wie zum Beispiel Rassismus oder Antisemitismus nicht einfach zusammenfassen kann. Da der Unterricht für eine fünfte Jahrgangsstufe konzipiert wird, ist es von Vorteil, wenn man sich zuerst einmal allgemein auf die Begriffe Vorurteile, Fremdenfreundlichkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung konzentriert und noch nicht auf die spezifischen Themen wie Rassismus und Antisemitismus eingeht.

„In unserem Alltag funktionieren wir weitgehend über pragmatische Vorannahmen, die sich auf frühere Erfahrungen im Umgang mit Gegenständen und Menschen abstützen. […]. Unter Vorurteilen [im allgemeinen] versteh[e] man […] das Festhalten an einer Meinung, einem Eindruck, einer Wertung, einer selektiven Wahrnehmung und einer pseudoargumentativen Haltung, die jeweils hoch emotional besetzt [seien] und sich deshalb nicht durch neue Erfahrungen, also auf Nachprüfung angelegte, rationale Urteile belehren lassen wollen.“[5] Jeder kennt zum Beispiel die Vorurteile über „die Blondinen“, womit man den SuS spielerisch verdeutlichen könnte, wie absurd viele Vorurteile sind und dass man sich immer erst ein eigenes Bild von einem Menschen machen sollte, bevor man sich von den Meinungen anderer Menschen beeinflussen lässt.

[...]


[1] Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird „Schüler und Schülerinnen“ im Folgenden mit SuS abgekürtzt.

[2] Schneider, Manfred: Werteerziehung in der Schule, Berlin 2009, S. 15.

[3] https://www.duden.de/rechtschreibung/Empathie (24.02.2014).

[4] Fell, Karolina, Hornung, Jana, (Hrsg.: Landesinstitut für Schule und Medien Brandenburg): Davids wundersame Welt, Brandenburg 2004, S. 5.

[5] Tuor-Kurth, Christina (Hrsg.): Neuer Antisemitismus – alte Vorurteile?, Stuttgart 2001, S. 158.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Unterrichtskonzept zum Thema Empathiebildung mithilfe des Films „Davids wundersame Welt“
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V320492
ISBN (eBook)
9783668207707
ISBN (Buch)
9783668207714
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtskonzept, thema, empathiebildung, films, davids, welt
Arbeit zitieren
Svenja Schäfer (Autor), 2014, Unterrichtskonzept zum Thema Empathiebildung mithilfe des Films „Davids wundersame Welt“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320492

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