Inwiefern trägt der Tourismus auf dem pazifischen Inselstaat der Cookinseln zur dortigen Wirtschaftsentwicklung bei?


Seminararbeit, 2016
25 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Tourismus in Entwicklungsländern
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Entwicklungstheorien
2.3 Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung durch Tourismus
2.4 Grenzen wirtschaftlicher Entwicklung durch Tourismus

3. Tourismus auf den Cookinseln
3.1 Sozioökonomische Einführung
3.2 Entwicklungsstand
3.3 Begünstigende Ressourcen für den Tourismus
3.4 Wirtschaftlicher Entwicklungseffekt des Tourismussektors
3.5 Ursachen und Zusammenhänge

4. Ausblick für die Zukunft des Tourismussektors auf den Cookinseln
4.1 Risikofaktoren
4.2 Perspektiven
4.3 Prognosen

5. Abschließende Bewertung

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Karte der Cookinseln (The Cook Islands 2015: 10;

Abb. 2: Bruttoinlandsprodukt und Bruttoinlandsprodukt/Kopf (Ozeanien) (Hezel 2012: 6).

Abb. 3: Besucherzahlen der Cookinseln 1984-2014 (Asian Development Bank 2015: 56).

Abb. 4: Tourismusprognose bis 2013 (nach Regionen) (UNWTO, 2015: 15).

Abbildung 5: Tourismusprognose für die Cookinseln (Pro Quartal; 2013/14 bis 2018/19) (Brown 2015: 41).

1. Einführung

„The islands of the Pacific, located in the Pacific Ocean between Australia, New Zealand, South America and Asia, often conjure up the image, in the minds of many Western tourists at least, of swaying tropical palm trees, white sand beaches, warm crystal clear waters and, possibly, dusky maidens in grass skirts welcoming visitors with fronds of flowers and performing traditional dance.“ (Treloar/Hall 2005:165)

Der Südpazifik - ein traumhaft schönes Inselparadies, idyllisch wehende Palmen, abgelegene weiße Sandstrände und traditionelle Tänze. Peter Treloar und C. Michael Hall treffen in diesem Zitat die allgemeine Wahrnehmung durch die westliche Welt gut. Und tatsächlich - den genannten Idealtypus kann man auf zahllosen ozeanischen Inseln und Atollen wiederfinden. Doch der Großteil der 24 unabhängigen und abhängigen bewohnten Inseln reihen sich in die Liste der sogenannten Small Island Development States ein – Entwicklungsländer, welche durch ihre geographische Lage sowie ihre besonders kleine (Land-) Fläche speziellen Gefahren ausgesetzt sind und während des Entwicklungsprozesses besondere Hürden auf sich nehmen müssen. Doch gerade Länder wie Vanuatu, Fidschi oder die Cookinseln haben sich in den letzten drei Dekaden zu immer beliebteren internationalen Reisezielen entwickelt. Unter der Prämisse, dass die Zunahme des Fremdenverkehrs in Teilen der südpazifischen Region Einfluss auf die Ökonomien der einzelnen Länder nimmt, stellt sich die Frage: Inwiefern trägt der Tourismus auf dem pazifischen Inselstaat der Cookinseln zur dortigen Wirtschaftsentwicklung bei?

Grundsätzlich soll in der vorliegenden Arbeit herausgestellt werden, wie und warum internationaler Tourismus das Inselentwicklungsland der Cookinseln in seinem wirtschaftlichen Entwicklungsprozess positiv oder negativ beeinflusst. Um den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, soll zunächst erläutert werden, welche Rolle Tourismus im Allgemeinen in der Wirtschaft eines Entwicklungslandes spielt – darauf folgend sollen die dadurch gewonnenen Erkenntnisse in Teilen auf das regionale Fallbeispiel der Cookinseln projiziert werden. Als Einstieg wird hierfür ein Überblick über den Entwicklungsstand und die gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Lage des Landes geschaffen, sowie auf etwaig begünstigende Ressourcen für den Tourismus eingegangen. Anschließend soll der durch den Tourismus entstandene Entwicklungseffekt herausgearbeitet und analysiert werden, worauf letztlich eine Prognose für die Zukunft sowie die abschließende Bewertung folgt. Einen Anhaltspunkt beziehungsweise Maßstab für den Begriff „Entwicklung“ werden die im September 2015 ausgelaufenen Millennium Development Goals darstellen.

Den Analyserahmen wird die Auseinandersetzung mit fachspezifischer Primär- und Sekundärliteratur sowie die Auswertung von Primär- und Sekundärstatistiken darstellen. Insgesamt betrachtet ist es notwendig auf zwei verschiedene Forschungsschwerpunkte zurückzugreifen: Zum einen wird der wissenschaftliche Forschungsstand hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Tourismus und Entwicklung benötigt. Die theoretische Basis hierfür sollen die beiden einflussreichsten Entwicklungstheorien der letzten Jahrzehnte bilden: Die Modernisierungstheorie, begründet von Walt W. Rostow, sowie die Dependenztheorie[1]. Ebenfalls Erwähnung sollten die beiden Publikationen Tourism and Development – Concepts and Issues (2002) und Tourism and Development in the Developing World (2008) von Richard Sharpley und David J. Telfer finden, welche sich ausgiebig mit dem Verhältnis von Tourismus und Entwicklung befassen. Der zweite relevante Forschungsstand befasst sich mit Erkenntnissen über die Cookinseln. Ein Großteil der Literaturrecherche zu diesem Schwerpunkt bezieht sich daher auf Artikel aus ausgewählten Fachzeitschriften und Länderberichte sowie regierungsbeauftragte Studien beziehungsweise Berichte durch größere Institutionen, wie beispielsweise der United Nations World Tourism Organisation[2] (UNWTO).

2. Tourismus in Entwicklungsländern

2.1 Begriffsbestimmungen

Entwicklung und Tourismus – beide Begriffe unterliegen einer Vielzahl von verschiedenen Definitionen und Eingrenzungsversuchen. Um die Nachvollziehbarkeit der folgenden Analyse zu erhöhen, werden zunächst einige Begriffsbestimmungen vorgenommen.

In den 1950er und 1960er Jahren, wurde der Entwicklungsbegriff zunächst lediglich an wirtschaftliche Bedingungen geknüpft, typischerweise an das Bruttoinlandsprodukt beziehungsweise das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Im Laufe der Jahre wurde argumentiert, dass ein hohes Bruttoinlandsprodukt nichts über den weiteren Entwicklungsstand eines Landes aussagt und mittlerweile unterliegt der Begriff einem deutlich breiteren Entwicklungskonzept mit mindestens fünf Dimensionen – wirtschaftlich, sozial, politisch, kulturell und ökologisch (Telfer/Sharpley 2008: 6). Das Millenniumsprojekt der Vereinten Nation dehnt das Konzept noch weiter aus und bezieht acht verschiedene Entwicklungsdimensionen in ihr Modell ein: Bekämpfung extremer Armut und Hunger (Ziel 1), Primärschulbildung für alle (Ziel 2), Geschlechtergleichstellung (Ziel 3), Senkung der Kindersterblichkeit (Ziel 4), Verbesserung der Gesundheitsvorsorge der Mutter (Ziel 5), Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten (Ziel 6), Ökologische Nachhaltigkeit (Ziel 7) und Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung (Ziel 8). Trotz enormer Komplexitätszunahme des Entwicklungsbegriffs, soll in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung durch Tourismus gelegt werden - unter der Berücksichtigung, dass wirtschaftliche Entwicklung allein, keinen ausreichenden Indikator für eine angemessene Entwicklung aller soziokulturellen Dimensionen eines Landes darstellt.

Telfer und Sharpley unterteilen die Definition für Tourismus in zwei interdependenten Kategorien: Die technische und die konzeptionelle Dimension. Die technische Dimension versucht für statistische oder legislative Zwecke, verschiedene Kategorien des Touristen zu identifizieren. Sie berufen sich dabei auf Parameter der UNTWO (1994), welche einen Reisenden dann als Reisenden klassifiziert, wenn er sich mindestens einen Tag beziehungsweise maximal ein Jahr im Zielland aufhält und mindestens 150 Kilometer seines Wohnorts entfernt ist. Außerdem wird zwischen den Absichten des Reisenden unterschieden – Geschäfts- oder Urlaubsreise (Telfer/Sharpley 2008: 5). Die zweite Dimension stellt die konzeptionelle Ebene dar, welche die Bedeutung und die Funktion des Tourismus betont und ihn als soziale Institution betrachtet. In der Regel hebt die konzeptionelle Ebene den Tourismus als Freizeitaktivität hervor, als Aktivität die im Kontrast gegenüber dem Alltag steht. Sie soll einen Zugang zu Verhalten und Gesinnung der Touristen schaffen (Telfer/Sharpley 2008: 11).

2.2 Entwicklungstheorien

Das Repertoire an Entwicklungstheorien hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm gewandelt. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Theorien, im Folgenden werde ich auf die beiden einflussreichsten, die Modernisierungs- und der Dependenztheorie, eingehen. Allgemein kann man jedoch von einer Verlagerung von traditionellen Top-down-Theorien[3] mit Basis auf wirtschaftlichem Wachstum sprechen, hin zu einem breiteren Ansatz, welcher den Fokus auf eine Bottom-up-Planung[4] legt und die Schaffung menschlicher Grundbedürfnisse und nachhaltiger Entwicklung beinhaltet (Telfer/Sharpley 2008: 11). David J. Telfer hat sich unter anderem mit den beiden obigen Entwicklungstheorien befasst und sie in ein grobes Verhältnis zum Tourismus gesetzt (Telfer/Sharpley 2008: 11).

In den 1950er und 1960er Jahren wurde das wohl größte Gewicht der von W. Rostow begründeten, ökonomisch ausgerichteten Modernisierungstheorie beigemessen (vgl. Rostow 1961). Sie basiert auf dem Konzept, dass alle Gesellschaften einem evolutionär unausweichlichen Weg vom Traditionellen in die Moderne zu durchlaufen haben. Charakterisiert wird das Konzept als Transformationsprozess von landwirtschaftlichem zum industriellen, ländlichem zum urbanen und von traditionellen zu modernen (zum Beispiel westlichen) Werten und Institutionen. Unter diesem Kontext nimmt die Bedeutung der Familie beispielsweise ab und Institutionen werden differenzierter (Telfer/Sharpley 2002: 40). Der Prozess ist weiterhin stark an wirtschaftliches Wachstum gekoppelt, welches die Basis für Entwicklung darstellen soll (Telfer/Sharpley 2008: 11). Das Modernisierungsparadigma umfasst zudem eine Reihe an weiteren Theorien und Strategien, der Fokus liegt jedoch gewöhnlich auf der Einführung eines Wachstumspols (industriell oder wirtschaftlich), welcher Wachstumsimpulse verbreiten und die Modernisierung anregen soll. Die Entwicklung zum Touristenziel könnte beispielsweise einen solchen Wachstumspol darstellen (Telfer/Sharpley 2008: 12). Laut Telfer und Sharpley (2008: 218) existiert jedoch ein Dilemma in Bezug auf die Modernisierungstheorie und den Tourismus: Auf der einen Seite, wird die Notwendigkeit der Modernisierung fokussiert, um die Nachfrage an „luxuriösen“ Touristengüter zu befriedigen - auf der anderen Seite wird von manchen Gemeinschaften erwartet, dass sie sich gerade nicht verändern, bleiben wie sie sind, damit Touristen erfahren können, wie Leute dort in der Vergangenheit gelebt haben, beziehungsweise den „unterentwickelten“ Teil der Erde „erleben“ können. Negativ betrachtet, diktiere der Tourismus somit in diesem Fall den Gemeinschaften, in einem nicht-modernen Status zu verweilen, um als Touristenattraktion zu fungieren.

Während die (vermeintlichen) wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus langsam in Frage gestellt wurden, bildete sich parallel dazu Mitte der 1960er Jahre ein Gegenpol zur Modernisierungstheorie: Die Dependenztheorie. Grundsätzlich behauptet sie, dass Unterentwicklung nicht aus den spezifischen sozioökonomischen Charakteristika der Entwicklungsländer resultiert (wie bei der Modernisierungstheorie), sondern aufgrund der externen und internen politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Strukturen, welche sie in einer abhängigen Position im Vergleich zu den Industriestaaten hält. Das globale politische und wirtschaftliche System ermöglicht es den wohl- und machthabenden Nationen die schwächeren, peripheren Nationen auszubeuten und behindern dadurch ihre Entwicklungschancen (Telfer/Sharpley 2008: 12). Unterentwicklung kann laut Dependenztheorie also durch ein ungleiches, internationales, kapitalistisches System erklärt werden, unter welchem Entwicklungsländer nicht aus ihrem Status von wirtschaftlicher Abhängigkeit gegenüber den kapitalistischen Industriemächten herauskommen. Unter der Prämisse, dass Tourismus als Form einer - größtenteils durch den Westen regierte - globale Industrie betrachtet wird, wurden Touristen lange als Ausprägung dieses Paradigmas verstanden (Telfer/Sharpley 2008: 12).

2.3 Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung durch Tourismus

Die Idee der Entwicklungsförderung durch Tourismus kursiert bereits seit den 1950er und1960er Jahren durch die Entwicklungsagenturen (Nuscheler 2012: 277). Bis heute wird, besonders durch die UNWTO, stetig versucht, den Tourismussektor so anzupassen, dass die Entwicklung der Zielländer gefördert beziehungsweise in erster Linie nicht nachhaltig geschädigt wird. Einen Überblick über die Vielzahl der wirtschaftlichen Entwicklungseffekte, die durch internationalen Tourismus in Entwicklungsländern geschaffen werden können, geben Telfer und Sharpley in ihrem Buch Tourism and Development in the Developing World (Telfer/Sharpley 2008: 19-20). Im Folgenden werde ich die vier größten und relevantesten Effekte kurz erläutern:

Tourismus ist eine Wachstumsbranche: Der internationale Tourismus hat in der letzten Jahrhunderthälfte ein bemerkenswertes und beständiges Wachstum gezeigt: Seit 1950 ist die Branche pro Jahr um durchschnittlich 6,2 Prozent gewachsen. Zu beachten gilt jedoch, dass die Wachstumsrate kontinuierlich zurückgeht (1950-1960: 10,6 Prozent jährliches Wachstum; 1990-2000: 4,2 Prozent jährliches Wachstum). Ungeachtet dessen, bleibt Tourismus eine der am schnellsten wachsenden Industrien weltweit und wird es den Prognosen zufolge auch vorerst bleiben (Telfer/Sharpley 2008: 19. Tourismus verteilt Wohlstand um: Der internationale Tourismus bietet prinzipiell eine effektive Möglichkeit, Geldmittel neu zu verteilen. Zum einen, durch direkte Ausgaben der Touristen im Zielland selbst, zum anderen durch internationale Investitionen in touristische Einrichtungen oder Infrastruktur durch reiche, entwickelte Staaten (Telfer/Sharpley 2008: 19). Verkettungseffekte[5] durch Tourismus: Aufgrund der vielfältigen Bedürfnisse an Waren und Dienstleistungen durch Touristen (von Unterkunft über öffentlichem Nahverkehr bis hin zu Souvenirs), bietet der Tourismussektor für Verkettungseffekte in der lokalen Wirtschaft potentiell mehr Möglichkeiten als andere Industrien. Die Effekte können sowohl durch die direkte Versorgung der Touristenbedürfnisse (beispielsweise die Bereitstellung von Lebensmitteln für Hotels) entstehen, als auch durch indirekte Verknüpfung mit Branchen wie dem Baugewerbe. Das Ausmaß der Verkettungseffekte hängt von verschieden Faktoren ab, zum Beispiel von der Verfügbarkeit von Finanzmitteln, der Vielfalt und Reife der lokalen Wirtschaft und der Qualität der lokal produzierten Güter (Telfer/Sharpley 2008: 19). Tourismus nutzt „natürliche“, „freie“ Infrastruktur: Die Entwicklung des lokalen Tourismus basiert häufig auf den vorhandenen künstlichen oder natürlichen Attraktionen (Strände, Wildnis, Natur- oder Kulturerbe). Dementsprechend werden die Anlaufkosten für Tourismus als gering erachtet (im Vergleich zu anderen Industrien), da der Ressourcen „frei“ sind. Etwaige Kosten können lediglich durch Schutz, der Instandhaltung und die Verwaltung der Ressourcen auftauchen (Telfer/Sharpley 2008: 19). Keine Handelsbarrieren im Tourismussektor: Um interne Märkte zu schützen, existieren in einzelnen Ländern oder Handelsblöcken oftmals Restriktionen für wirtschaftliches Handeln. Der internationale Tourismus weist im Prinzip keine solcher Restriktionen beziehungsweise Barrieren auf, sodass Zielländer einen freien und gleichen Zugang zum internationale Tourismusmarkt haben (es gibt einzelne Ausnahmen, wie beispielsweise ausgesprochene Reisewarnungen oder Kosten/ Beschränkungen für Visa) (Telfer/Sharpley 2008: 19). Der Umfang, in welchem einzelne Länder an diesem „barrierefreien Markt“ teilnehmen können, ist erneut von sekundären Faktoren abhängig, wie dem internationalen Wettbewerb oder speziell der Struktur des internationalen Tourismussystems selbst (Telfer/Sharpley 2008: 20).

2.4 Grenzen wirtschaftlicher Entwicklung durch Tourismus

Die obige Darstellung der möglichen Vorteile des Tourismus zeigt, dass hinter der Branche ein immenses Potential steckt. Die ungewollten Nebeneffekte sind jedoch nicht zu unterschätzen, nach Franz Nuscheler gibt es in wirtschaftlicher Hinsicht vier wesentliche negative Begleiterscheinungen, die im Tourismussektor auftreten können (Nuscheler 2012: 278):

1. Nach Erkenntnissen der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) kommt den Zielländern im Durchschnitt nur etwa ein Viertel der durch den Tourismus erwirtschafteten Brutto-Devisen zu Gute, der Rest verbleibt bei ausländischen Reiseunternehmen und Fluggesellschaften, die etwa 80 Prozent des Geschäftes mit Pauschalreisen kontrollieren. Zudem müssen für den Bau von Infrastruktur noch Devisen investiert werden – je nach Entwicklungsstand des Landes kann dies auch zu einer negativen Devisenbilanz führen (Nuscheler 2012: 278).
2. Investitionen im Tourismussektor schaffen in der Regel mehr Arbeitsplätze als Investitionen in andere Wirtschaftszweige[6]. Von dem Arbeitsmarkteffekt können zwar vor allem bevölkerungsreiche Länder mit struktureller Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung profitieren, problematisch ist jedoch, dass oftmals unter sehr schlechten Bedingungen gearbeitet werden muss. Gerade Frauen werden schlecht bezahlt und müssen häufig erniedrigende Arbeiten ausüben. Zudem können saisonal bedingte Nachfrageschwankungen in Touristengebieten zu langen Ausfallzeiten führen (Nuscheler 2012: 278).
3. Durch den Tourismus werden neue Einkommen geschaffen. Die Bewertung dieser Einkommen fällt durch die Experten jedoch höchst unterschiedlich aus – je nachdem ob für oder gegen den Ferntourismus argumentiert wird. Wachstumseffekte für die Landwirtschaft erweisen sich als jedenfalls gering – gleichzeitig steigen die lokalen Preise für Nahrungsmittel, was auch diejenigen belastet, die nicht vom Tourismus profitieren können. Infrastrukturell werden nicht selten entlegene Regionen erschlossen, davon profitiert die Bevölkerung jedoch nur, wenn Leitungen nicht ausschließlich durch „Touristenghettos“ geführt werden (Nuscheler 2012: 278).
4. Der Tourismus führt in neue Abhängigkeiten. In Zielländern kann es zu politischen Krisen wie Bürgerkriegen, Terroranschläge, Unruhen oder hoher Kriminalität kommen, welche die Touristen abschrecken und für leere Hotelbetten sorgen. Aber auch in den Herkunftsländern kann es zu Konjunkturschwankungen oder Bedürfnisveränderungen kommen, worunter die Tourismusbranche enorm leiden kann. (Nuscheler 2012: 278).

[...]


[1] Wichtige Vertreter der Dependenztheorie sind unter anderem Raúl Prebish, Andre Gunder Frank und Henrique Cardoseo.

[2] UNWTO (amtliche Abkürzung WTO, zur Unterscheidung gegenüber der World Trade Organization offiziell UNWTO): Die United Nations World Tourism Organisation ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit dem Ziel zur Entwicklung eines verantwortlichen, nachhaltigen und universell zugänglichen Tourismus beizutragen.

[3] Top-down-Planung: Hierarchisches Planungsprinzip; von oben nach unten.

[4] Bottom-up-Planung: Hierarchisches Planungsprinzip; von unten nach oben (Springer Gabler Verlag a).

[5] Verkettungseffekte geben an, inwieweit sich wirtschaftliche Aktivitäten eines Sektors auf andere Sektoren auswirken (Springer Gabler Verlag b).

[6] Experten schätzen, dass ein Hotelbett je nach Hotelklasse 1,5 bis 2,5 Arbeitsplätze im Hotelservice bringt, und einen noch stärkeren Beschäftigungseffekt in vorgelagerten Sektoren wie Landwirtschaft, Fischerei etc. (Nuscheler 2012: 278).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Inwiefern trägt der Tourismus auf dem pazifischen Inselstaat der Cookinseln zur dortigen Wirtschaftsentwicklung bei?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Regionale Dynamiken in Ozeanien
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V320610
ISBN (eBook)
9783668198883
ISBN (Buch)
9783668198890
Dateigröße
922 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ozeanien, Entwicklungspolitik, internationale Beziehungen, Tourismus und Entwicklungspolitik, kleine Inselstaaten, Small Islands Developing States, SIDS
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Inwiefern trägt der Tourismus auf dem pazifischen Inselstaat der Cookinseln zur dortigen Wirtschaftsentwicklung bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320610

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