Die Bilanzierung latenter Steuern bei Steuerumlageverträgen


Seminararbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,0

S. Lim (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Begriff der ertragsteuerlichen Organschaft
2.2 Begriffsdefinition Steuerumlagevertrag
2.3 Begriffsdefinition der latenten Steuern

3 Grundlagen der Bilanzierung latenter Steuern bei Organschaften
3.1 Ansatz latenter Steuern
3.2 Bewertung latenter Steuern
3.3 Ausweis latenter Steuern
3.4 Ausschüttungs-/Abführungssperre

4 Fallbeispiele Organschaftsverhältnisse
4.1 Ausgangssituation
4.2 ohne Steuerumlagevertrag
4.3 mit Steuerumlagevertrag ohne Ausübung des Bilanzierungswahlrechts
4.4 mit Steuerumlagevertrag mit Ausübung des Bilanzierungswahlrechts

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Zusammenfassung der Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung der OG

Tab. 2: Zusammenfassung der Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung der OT

1 Einleitung

Mit Einführung des BilMoG und insbesondere mit Verabschiedung des Deutschen Rechnungslegungs Standards Nr. 18 (DRS 18) ist die Bilanzierung latenter Steuern im Rahmen von Organschaftsverhältnissen wieder in den Vordergrund gerückt. DRS 18 konkretisiert zwar die Auslegungsmöglichkeiten zur Bilanzierung latenter Steuern nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB), lässt aber dennoch Fragen offen und Bilanzierungsspielräume zu. Für die steuerliche Anerkennung einer Organschaft ist jedoch die korrekte Darstellung der latenten Steuern bei Steuerumlageverträgen für die ordnungsgemäße Durchführung des Gewinnabführungsvertrages (GAV) erforderlich.1 Ziel dieser Arbeit ist es, die Bilanzierung latenter Steuern bei Organschaften mit Steuer- umlageverträgen darzulegen. Hierzu werden in Kapitel 2 die Begriffe ertragsteuerliche Organschaft, Steuerumlagevertrag und latente Steuern definiert. Anschließend werden die Grundlagen der Bilanzierung latenter Steuern bei Organschaften erläutert. Zur besseren Veranschaulichung der Bilanzierungsmöglichkeiten werden sodann in Kapitel 4 drei Fallbeispiele vorgestellt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Fallbeispielen bildet den Abschluss dieser Arbeit.

2 Begriffliche Grundlagen

2.1 Begriff der ertragsteuerlichen Organschaft

Grundsätzlich gilt im deutschen Steuerrecht das Individual- und Trennungsprinzip, wonach jedes Rechtssubjekt einzeln und getrennt voneinander steuerpflichtig ist. Hiervon ausgenommen ist die Organschaft, bei der steuerliche Sonderregelungen hinsichtlich der Körperschafts- und Gewerbesteuer gelten.2 Die Organschaft setzt sich zusammen aus mindestens zwei rechtlich selbständigen Unternehmen: einem Organträger (OT) und mindestens einer Organgesellschaft (OG). So wird zwischen den Unternehmen eine Verrechnung der Gewinne und Verluste ermöglicht.3 Die Organschaft setzt den Abschluss eines GAV für mindestens fünf Jahre und die finanzielle Eingliederung der OG beim OT, das heißt die Stimmrechtsmehrheit der OT, voraus.4

2.2 Begriffsdefinition Steuerumlagevertrag

Ein Steuerumlagevertrag stellt eine zivilrechtliche Vereinbarung zwischen dem OT und den OG dar. Dieser ermöglicht es, den beim OT im Rahmen der Ergebnisverrechnung entstehenden Steueraufwand oder Steuerertrag den wirtschaftlichen Verursachern, nämlich den OG, zuzurechnen. Dementsprechend trägt die OG durch Zahlung der Steuerumlage die Steuern für ihr steuerliches Ergebnis.5 Dennoch stellen Steuerumlagen nach § 3 Abs. 1 AO keine Steuern dar, sodass auch keine latenten Steuern gemäß § 274 HGB und IAS 12.16 gebildet werden dürfen. Zulässig ist allerdings die zusätzliche Umlage der latenten Steuern, die ausdrücklich im Steuerumlagevertrag zu vereinbaren ist. Handelsrechtlich betrachtet sind Steuerumlagen Vorweg-Gewinnabführungen und können als Verpflichtung gegenüber der OT verstanden werden.6

2.3 Begriffsdefinition der latenten Steuern

Latente Steuern ergeben sich aus den unterschiedlich möglichen Wertansätzen - entstehend aus der Durchbrechung des Maßgeblichkeitsprinzips - von Vermögensgegenständen, Schulden und Rechnungsabgrenzungsposten nach IFRS bzw. HGB und Steuerrecht.7 Aus den Wertabweichungen resultierende temporäre Ergebnisdifferenzen verzerren das Bild der Vermögens- und Ertragssituation im Jahresabschluss. Mit Hilfe der Bildung fiktiver Steuerent- oder Belastungen, sog. aktiver und passiver latenter Steuern, wird die Fehldarstellung korrigiert, sodass die Informationsfunktion hinsichtlich des adäquaten Gewinnausweises sowie der periodengerechten Abgrenzung im Jahresabschluss gewährleistet ist.8

3 Grundlagen der Bilanzierung latenter Steuern bei Organschaften

3.1 Ansatz latenter Steuern

Temporäre Differenzen zwischen den handels- und steuerrechtlichen Wertansätzen, die in künftigen Geschäftsjahren zu einer Steuerbelastung führen, sind in der Bilanz als passive latente Steuer anzusetzen. Hierbei gilt nach § 274 Abs. 1 Satz 1 ein Passivierungsgebot für die Gesamtdifferenz, d.h. für den Überhang der passiven über den aktiven latenten Steuern.9 Führen die temporären Differenzen insgesamt zu einer Steuerentlastung, kann der daraus resultierende Aktivüberhang, d.h. der Überhang der aktiven über den passiven latenten Steuern, als aktive latente Steuer in der Bilanz angesetzt werden. Insofern gilt bei der aktiven latenten Steuer ein Aktivierungs- wahlrecht für die Gesamtdifferenz gemäß § 274 Abs. 1 Satz 2 HGB. Bei Ausübung des Ansatzwahlrechtes gilt das Stetigkeitsgebot nach § 246 Abs. 3 HGB. Darüber hinaus besteht nach § 274 Abs. 1 Satz 4 HGB ein Aktivierungsgebot für Steuerentlastungen aus der Verrechnung von steuerlichen Verlustvorträgen in Höhe der zu erwartenden Verlustverrechnung innerhalb der nächsten fünf Jahre.10 Obgleich eine ertragsteuerliche Organschaft vorliegt, können latente Steuern sowohl bei der OT als auch bei den OG entstehen.11

3.2 Bewertung latenter Steuern

Die Höhe der latenten Steuerschuld bzw. latenten Steuerforderung lässt sich aus den unternehmensindividuellen Steuersätzen des Steuersubjekts, d.h. der OT, im Zeitpunkt des Abbaus der Differenzen ableiten. Ist der OT eine Kapitalgesellschaft besteht der Steuersatz aus Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer. Bei einer gewerblichen Personengesellschaft als OT hingegen wird lediglich die Gewerbesteuer einbezogen. Eine Abzinsung des ermittelten Betrags ist nicht zulässig.12

Zusätzlich sind steuerliche Verlustvorträge gemäß § 274 Abs. 1 Satz 4 bei der Bewertung mit einzubeziehen. Dieses bezieht jedoch bei einer Organschaft nur auf die Verlustvorträge des OT. Vororganschaftliche Verlustvorträge der OG bleiben für den Zeitraum des Organschaftsverhältnisses unberücksichtigt. Erst nach Beendigung der Organschaft können diese bei der OG wieder zu latenten Steuern führen.13 Ist die Beendigung einer Organschaft geplant, so erfolgen der Ansatz und die Bewertung latenter Steuern, deren Realisation erst nach Beendigung der Organschaft eintritt, auf Ebene der OG mit ihren individuellen Steuersätzen.14

3.3 Ausweis latenter Steuern

Nach DRS 18 kann beim Ansatz latenter Steuern bei Organschaften zwischen der formalen (DRS 18.32) sowie der wirtschaftlichen Betrachtungsweise unterschieden werden (DRS 18.35).15 Die formale Betrachtungsweise richtet sich nach der zivilrechtlichen Verpflichtung, für künftige Steuerent- oder Belastungen aus temporären Differenzen aufzukommen. Da bei einer Organschaft der OT und nicht die OG gegenüber der Finanzbehörde steuerpflichtig ist, sind latente Steuern - unabhängig davon, ob diese wirtschaftlich bei der OT oder bei den OG verursacht werden - nur beim OT zu bilanzieren und dort zulässig.16 Dahingegen orientiert sich die wirtschaftliche Betrachtungsweise an dem sog. push-down accounting nach US-GAAP, welches die Bilanzierung latenter Steuern zusätzlich bei den OG ermöglicht. Voraussetzung hierfür ist ein bestehender Steuerumlagevertrag zwischen OT und OG. Durch diese Annäherung an die international gebräuchliche Vorgehensweise ist ein verursachungsgerechter Ausweis der latenten Steuern möglich.17

Der Ausweis von latenten Steuern erfolgt im Bilanzgliederungsschema nach § 266 HGB. Diese können verrechnet oder unverrechnet ausgewiesen werden. Bei der Auswahl der Bilanzierungsmethode ist das Gebot der Stetigkeit zu beachten.18 Sofern die Bilanzierung auch auf Ebene der OG erfolgt, ist dieses gemäß DRS 18.61 in der Bilanz, z.B. als aktive/passive latente Steuerumlage vom Organträger, sowie in der Gewinn- und Verlustrechnung innerhalb des Postens Steuern vom Einkommen und Ertrag gesondert auszuweisen. Eine Saldierung der originären latenten Steuern mit den latenten Steuerumlagen bei der OT ist nicht zulässig.19

[...]


1 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 329; vgl. Melcher, W., Murer, A. (2011), S. 2329.

2 Vgl. Darkow, J. (2014), S. 13 ff.; vgl. Dinkelbach, A. (2015), S. 425 ff.

3 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 330.; vgl. Darkow, J. (2014), S. 14.

4 Vgl. Binnewies, G. (2010), S. 166 ff.

5 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 333 ff.; vgl. Meyer, M. et al. (2010), S. 150.

6 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 334 f.; vgl. Meyer, M. et al (2010), S. 150 f.

7 Vgl. § 274 HGB; Meyer, M. et al. (2009), S. 34; vgl. Auer B., Schmidt P. (2012), S. 391.

8 Vgl. Auer B., Schmidt P. (2012), S. 391 ff.

9 Vgl. Dreixler, T., Ernst, C. (2011), S. 127.

10 Vgl. Dreixler, T., Ernst, C. (2011), S. 126 f.; vgl. Auer B., Schmidt P. (2012), S. 398.

11 Vgl. Dreixler, T., Ernst, C. (2011), S. 126 f.

12 Vgl. § 274 Abs. 2 Satz 1 HGB; Vgl. DRS 18.41; vgl. Dreixler, T., Ernst, C. (2011), S. 132; vgl. Auer B., Schmidt P. (2012), S. 398.

13 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 332; vgl. Meyer, M. et al (2010), S. 151.

14 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 333; vgl. Dreixler, T., Ernst, C. (2011), S. 132

15 Vgl. Liekenbrock, B., Vossel, S. (2012), S. 753.

16 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 330.; vgl. Meyer, M. et al (2010), S. 153.

17 Vgl. Schindler, J. (2011), S. 330, f.; vgl. Liekenbrock, B., Vossel, S. (2012), S. 753 ff.

18 Vgl. DRS 18.56, 18.57 und 18.58.

19 Vgl. Melcher, W., Murer, A. (2011), S. 2331.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bilanzierung latenter Steuern bei Steuerumlageverträgen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V320636
ISBN (eBook)
9783668199064
ISBN (Buch)
9783668199071
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzierung, Latente Steuern, Organschaft, ertragsteuerliche Organschaft, Steuerumlage, Steuerumlageverträge, Organgesellschaft, Organträger, DRS 18, Ausschüttungssperre, Abführungssperre, Fallbeispiele
Arbeit zitieren
S. Lim (Autor), 2015, Die Bilanzierung latenter Steuern bei Steuerumlageverträgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320636

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