Thema dieser Arbeit ist der Vergleich der beiden Grundtypen von Wahlsystemen, Verhältniswahl und Mehrheitswahl am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland und Großbritanniens. Untersucht wird, welches System „gerechter“ ist.
Mit der Entwicklung der Demokratie im rechtsstaatlichen Sinne und im Sinne effektiver Partizipation nimmt die Bedeutung des Wahlsystems für die Demokratie zu. Das Wahlsystem besitzt in der repräsentativen Demokratie eine hohe Relevanz. Die Bevölkerung entscheidet auf diese Weise über die Zusammensetzung des Parlaments. Deutschland und Großbritannien werden als vergleichende Untersuchungsobjekte dargelegt, da sie zum einen ausgereifte parlamentarische Demokratien sind und zum anderen ihre Wahlsysteme bislang dauerhaft und erfolgreich durchgesetzt haben. Ihre Wahlsysteme haben Vorbildcharakter für viele andere Länder.
Zunächst wird der Begriff des Wahlsystems erörtert. Im Anschluss werden Verhältnis- und Mehrheitswahl sowie deren theoretische Eigenschaften erläutert. Weiterhin wird ein Bewertungskatalog von Eckhard Jesse vorgestellt, der für die Bewertung der beiden Systeme übernommen wird. Anhand dieser Kriterien wird der vage Begriff der „Gerechtigkeit“ festgemacht. Vorerst wird empirisch auf das Verhältniswahlrecht der Bundesrepublik Deutschland und das Mehrheitswahlrecht Großbritanniens in der Praxis eingegangen. Die Entwicklung der Wahlsysteme im jeweiligen Land wird erläutert und anschließend der tatsächliche Aufbau des Systems ausführlich beschrieben. Berücksichtigt wird ebenso das jeweilige Parteiensystem und eventuell herrschende Wechselwirkungen zwischen Wählerverhalten und Wahlsystem. Die Bewertung der Wahlsysteme erfolgt im 5. Kapitel der vorliegenden Arbeit.
Ziel dieser Arbeit ist es, die beiden Wahlsysteme miteinander zu vergleichen und abschließend in Anlehnung an Jesse zu bewerten. Im letzten Kapitel wird aus den gewonnenen Erkenntnissen ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wahlsysteme
2.1 Verhältniswahlrecht
2.2 Mehrheitswahlrecht
2.3 Bewertungskriterien
3. Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Historische Entwicklung
3.2 Aufbau des Systems
3.3 Parteiensystem und Wählerverhalten
3.4 Reformdebatten
4. Das Wahlsystem Großbritanniens
4.1 Historische Entwicklung
4.2 Aufbau des Systems
4.3 Parteiensystem und Wählerverhalten
4.4 Reformdebatte
5. Bewertung der Wahlsysteme
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit vergleicht die Wahlsysteme der Bundesrepublik Deutschland und Großbritanniens, um zu untersuchen, welches System als „gerechter“ einzustufen ist. Dabei werden die theoretischen Grundlagen der Verhältnis- und Mehrheitswahl unter Anwendung eines spezifischen Bewertungskatalogs auf die jeweiligen nationalen Praxisbeispiele übertragen.
- Grundlagen der Wahlsysteme (Verhältnis- vs. Mehrheitswahl)
- Entwicklung und Aufbau der Wahlsysteme in Deutschland und Großbritannien
- Einfluss von Wahlsystemen auf Parteienlandschaften und Wählerverhalten
- Anwendung des Bewertungskatalogs von Eckhard Jesse auf beide Systeme
- Analyse der Reformdebatten und der Bedeutung traditioneller Verankerung
Auszug aus dem Buch
2.1 Verhältniswahlrecht
In der Mehrzahl der westlichen Industrieländer (16) gilt heute das Prinzip der Verhältniswahl. Dem Verhältnis- oder Proportionalwahlsystem liegt der Gedanke zugrunde, dass der Anteil der zugeteilten Mandate proportional zum Stimmenanteil einer Partei sein soll. Die Berechnung der Anzahl, der auf die jeweilige Partei entfallenden Mandate, wird mit mathematischen Methoden durchgeführt oder geschieht nach „automatischem“ Verfahren, wobei ein bestimmter Stimmenanteil für die Zuteilung eines Mandats gesetzlich festgelegt wird. Letzteres war in der Weimarer Republik der Fall. Bei der Verhältniswahl wird nach Proporz entschieden; das Entscheidungsprinzip bedeutet die Vergabe der Mandate nach dem Verhältnis der Stimmen zueinander. Das Ziel des Repräsentationsprinzips ist die proportionale Vertretung der politischen Parteien im Parlament. Somit soll ein (partei-) politisches Abbild des Parlaments getreu der Wählerschaft wiedergegeben werden. Jede Stimme besitzt den gleichen Erfolgswert. Die Hauptfunktion dieses Wahlsystems besteht in einer möglichst getreuen Wiederspiegelung der in der Wählerschaft bestehenden gesellschaftlichen Kräfte.
Der Verhältniswahl werden laut Woyke Wichard folgende Vorteile zugesprochen:
- Gerechtigkeit: Das Verhältniswahlsystem zeichnet sich durch große Gerechtigkeit aus, da a) jede Stimme den gleichen Erfolgswert aufweist, b) Minderheitengruppen entsprechend ihrer tatsächlichen Stärke repräsentiert werden und c) kein Wähler durch einen Abgeordneten repräsentiert wird, den er nicht gewählt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und Erläuterung der Motivation für den Vergleich der Wahlsysteme von Deutschland und Großbritannien.
2. Wahlsysteme: Darstellung der theoretischen Grundlagen von Verhältnis- und Mehrheitswahl sowie der Kriterien zur Bewertung politischer Wahlsysteme.
3. Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland: Analyse der historischen Entwicklung, des Aufbaus der personalisierten Verhältniswahl sowie der spezifischen Parteiensystem-Dynamiken und Reformdiskurse.
4. Das Wahlsystem Großbritanniens: Untersuchung des relativen Mehrheitswahlrechts, seiner historischen Wurzeln, der Struktur und der Auswirkungen auf den Parteienwettbewerb.
5. Bewertung der Wahlsysteme: Komparative Analyse beider Wahlsysteme anhand der Kriterien Verständlichkeit, Repräsentation, Regierungswechsel und Stabilität.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Frage nach dem „gerechteren“ System kontextabhängig ist und auf einer Balance verschiedener Kriterien beruht.
Schlüsselwörter
Wahlsysteme, Verhältniswahlrecht, Mehrheitswahlrecht, Deutschland, Großbritannien, Mandate, Repräsentationsprinzip, Parteiensystem, Sperrklausel, Regierungsbildung, Wählerverhalten, Politische Gerechtigkeit, Wahlrechtsreform, Demokratie, Regierungswechsel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Vergleich zwischen dem deutschen Verhältniswahlsystem und dem britischen Mehrheitswahlsystem, um die Frage nach deren „Gerechtigkeit“ zu beantworten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die theoretischen Konzepte von Wahlsystemen, deren historische Entwicklung in Deutschland und Großbritannien, sowie die Bewertung dieser Systeme anhand von Kriterien wie Repräsentation und Regierungsstabilität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Auswirkungen der unterschiedlichen Wahlsysteme auf die politische Kultur und parlamentarische Zusammensetzung zu analysieren und sie nach einem Kriterienkatalog von Eckhard Jesse zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende deskriptive Analyse durchgeführt, die historische Entwicklungen mit theoretischen Bewertungskriterien für Wahlsysteme verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Wahlsysteme beider Länder, inklusive ihrer historischen Entstehung, ihres Aufbaus, der Parteiensysteme und der geführten Reformdebatten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht, Demokratie, Mandatsverteilung, Parteiensystem sowie die Kriterien der Gerechtigkeit und Stabilität.
Was sind die wesentlichen Unterschiede bei der Regierungsbildung?
Deutschland ist durch das Verhältniswahlsystem meist auf Koalitionsregierungen angewiesen, während das britische Mehrheitswahlsystem tendenziell ein stabiles Zweiparteiensystem und Alleinregierungen fördert.
Warum spielt die „Traditionelle Verankerung“ eine so große Rolle für die Briten?
Die britische Bevölkerung hält trotz Kritik an der Disproportionalität am bewährten Mehrheitswahlsystem fest, wie das Referendum von 2011 zeigt, was auf eine hohe Akzeptanz des historisch gewachsenen Systems hindeutet.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2015, Verhältniswahlsystem und Mehrheitswahlsystem der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien im Vergleich. Welches Wahlsystem ist "gerechter"?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320847