Bildungsbenachteiligung bei Kindern mit Migrationshintergrund aufgrund der Entwertung des kulturellen und sozialen Kapitals


Bachelorarbeit, 2016

38 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesellschaftspolitische Theorien im Kontext der Chancengleichheit für Jugendliche mit Migrationshintergrund
2.1. Illusion der Chancengleichheit
2.1.1. Bourdieus Kapitalkonzept
2.1.2. Soziale Ungerechtigkeiten bei Boudon
2.2. Die Vererbung der sozialen Position der Eltern
2.2.1. Die Vererbung der sozialen Position der Eltern bei Migrationshintergrund
2.2.2. Bildungsbenachteiligung als Folge der Entwertung des sozialen und kulturellen Kapitals

3. Institutionelle Diskriminierung in der Schule
3.1. SpracheundMacht
3.2. Exklusion und Inklusion
3.3. Die deutsche Standardsprache als kulturelles Kapital in der Schule
3.4. Mechanismen der Institutionelle Diskriminierung in der Schule
3.5. Schulsegregation
3.6. PISAundMigrantionskinder
3.7. Das schwedische und österreichische Schulsystem

4. Österreich und die kulturelle Identität
4.1. Nationale Sprachenpolitik in Österreich

5. MehrsprachigkeitalsKapital
5.1. Die ökonomischen Gründe für den Fremdsprachenerwerb 26
5.2. Kann Mehrsprachigkeit bei Menschen mit Migrationshintergrund also als kulturelles Kapital gelten? 26
5.3. Transkulturalität
5.4. Sprache und Identität
5.4.1. Identität
5.4.2. Sprache und Identität im Kontext Migration

6. Conclusio

7. Literaturverzeichnis
7.1. SelbstständigeWerke
7.2. UnselbstständigeWerke
7.3. HerausgegebeneWerke
7.4. AkademischeArbeiten
7.5. Internetquellen

1. Einleitung

ln der vorliegenden Arbeit soll eine Antwort auf die Forschungsfrage „Inwiefern ist Bourdieus Konzept der Chancengleichheit auf die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund anzuwenden?“ gefunden werden. Zuerst wird auf Bourdieus Theorie der Chancengleichheit eingegangen. Die verschiedenen Formen des Kapitals werden aufgelistet und erklärt. Danach wird das Thema mit Boudons Theorie noch weiter ausgeführt und es soll erläutert werden, wie das kulturelle Kapital in der Familie weitergereicht wird. Anhand einer Tabelle wird aufgezeigt, wie die Bildungsungerechtigkeiten vom Schulsystem reproduziert werden.

Um etwas genauer darzustellen, inwiefern der Bildungsweg von Migrant/innen der zweiten Generation von dem Bildungsweg ihrer Eltern abhängig ist, wird eine Studie von Michaela Sixt und Marek Fuchs angeführt. Die Ergebnisse dieser Studie werden anhand der institutionellen Diskriminierung in der Schule erklärt. Es soll die Frage geklärt werden, inwiefern Migrant/innen in der zweiten Generation der Bildungsweg erschwert wird.

Im nächsten Kapitel werden die Mechanismen der institutionellen Diskriminierung angeführt. Es wird erläutert, inwiefern die deutsche Sprache in der Schule als kulturelles Kapital eine große Rolle spielt und eine kurze Erklärung zum transkulturellen Ansatz geliefert. Um einen produktiven Ansatz im Bezug auf Transkulturalität und Mehrsprachigkeit anzuführen, wird kurz auf das schwedische Schulsystem eingegangen und dieses mit dem österreichischen System verglichen.

Im darauffolgenden Kapitel wird eine geschichtliche Analyse zum österreichischen Kulturbegriff geliefert und aufdie nationale Sprachenpolitik eingegangen.

Der letzte Teil der Arbeit soll Antwort darauf geben, ob Mehrsprachigkeit bei Menschen mit Migrationshintergrund als kulturelles Kapital gelten kann und welche Folgen die Entwertung dieses Kapitals aufdie Identitätsbildung haben kann.

2. GesellschaftspolitischeTheorien im KontextderChancengleichheit für jugendliche mit Migrationshintergrund

Es ist in vielen Studien belegt, dass der Prozentanteil der Kinder, die nach der Volksschule in eine Hauptschule wechseln, bei Kindern aus Migrantionsfamilien viel höher ist als bei autochthonen deutschen Kindern. Viele müssen eine Klasse wiederholen oder werden bei der Einschulung zurückgestellt. Es kommt zur institutioneilen Diskriminierung, die auf bestimmten Mechanismen beruht.[1] Die interkulturelle Pädagogik, welche die Diversität der einzelnen Schüler/innen zwar als positiv ansieht, ihnen jedoch ihren Migrationshintergrund als Identifikationsmerkmal zuschreibt, kann diesen Missstand nicht beheben, sondern nur in eine andere Richtung bewegen.

Es kommt zu einer Entwertung des sozialen und kulturellen Kapitals und führt zu Bildungsbenachteiligungen. Migrant/innen werden als Personen mit einem Defekt, den es zu reparieren gilt, wahrgenommen und diskriminiert. Sichtbar wird das nicht vor allem in der Verwendung der Sprache. Der politische Diskurs läuft im Moment darauf hinaus, dass Migrantionsfamilien sich über Generationen hinweg ihrer Erstsprache entledigen und die vorherrschende Leitsprache verinnerlichen müssen. Die Tatsache, dass Bi- und Mehrfachbezüge in den Familien aber nicht einfach so verschwinden, lässt unser Bildungssystem an seine Grenzen stoßen. Dass mehrsprachiger Unterricht, nicht wie in unserer monokulturellen Gesellschaft behauptet wird, eine Überforderung für Schüler/innen, sondern eher eine Bereicherung darstellen könnte und sich positiv auf Lernprozesse auswirken kann, wird leider nicht wahrgenommen.[2] Natürlich geht es in dieser Debatte nicht um die seit der Klassik nur vom Adel gesprochenen Weltsprachen wie Französisch oder gar Englisch, sondern um jene Sprachen, die in unserer Gesellschaft eine weite Verbreitung finden und für viele Menschen eine alltägliche Komponente darstellen. Anstatt diese Tatsache zu akzeptieren und durch die Anerkennung dieser Sprachen vielen Menschen, zu denen auch deutschsprachige Personen zählen, den Alltag zu erleichtern, wird das Sprechen dieser Sprachen in Schulen sogar verboten, weil das Lehrpersonal diese nicht beherrscht. Sprache bedeutet Macht und fungiert in unserem System als Schablone zur Eingliederung und Charakterisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

2.1. Illusion der Chancengleichheit

Nachdem es in der Aufklärung seitens des Bürgertums zu der Bestrebung gekommen war, das Feudalwesen zu überwinden und dem Adel die Vormachtstellung abzunehmen, kam es zur Ablösung des Geburtsprinzips durch das Leistungsprinzip. Die Gesellschaftsmitglieder sollten sich ihre Position durch eine „nachvollziehbare und im Sinne des Gemeinwohls interpretierten Leistung“[3] erstehen. Seit den 60ern und 70ern des 20. Jahrhunderts wird versucht die kulturelle Barriere zu bewältigen und auch Personen aus bildungsferneren Schichten höhere Bildungsabschlüsse zu ermöglichen.[4] Die Ansätze von Herder, Schlegel und Kant zielen darauf ab, den Bildungsbegriff mit einer Theorie zu verbinden, die es dem Menschen ermöglicht, das Menschenbild der Aufklärung mit der Selbstinterpretation in Einklang zu bringen. Der Bildungsbegriff bildete jedoch vor allem im deutsche Sprachraum, aus dem Resultat einer misslungenen Revolution, die einen Bruch der politischen Machtverhältnisse bringen hätte sollen. Es sollte durch eine Idealisierung des Menschen, der sich ohne Leistung eines anderen, nur indem er sich seines Verstandes bedient, zu einem Bruch der politischen Verhältnisse kommen.[5] Tatsächlich kam es auch im deutschsprachigen Raum zu einer Umgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung nach der Vorstellung des Bürgertums. Diese wurde jedoch durch die Herrschenden initiiert und beinhaltete den Wunsch der fortschreitenden Bildung der Bevölkerung nicht. Dem deutschen Bildungsbegriff fehlt also das politische Element.[6] Durch den Übergang von dem feudalen in das bürgerlich-kapitalistische System kam es zu einer Bedeutungsveränderung des Bildungsbegriffs. Die objektive Vernunft der Aufklärung wurde zu einer instrumentellen Vernunft, welche den Menschen nicht mehr im Wohle einer Gemeinschaft agieren lässt, sondern das Fetischsystem des Selbst(erhaltungs)interesses an die Stelle der Religion stellte.[7] Die Tatsache, dass der Mensch dadurch völlig auf sich selbst zurückgeworfen wird, lässt ihn jede andere Person als Bedrohung empfinden. Vernunft wird dabei zum Machtinstrument des Konkurrenzkampfes. Vernünftiges Verhalten wird nur mehr in Aufwand-Erfolgs­Relationen berechnet und in Gelddimensionen dargestellt. Durch den Konkurrenzkampf kommt es zu der Vorstellung, dass die Basis eines guten Lebens mit der Verringerung der Lebensmöglichkeiten andere einhergeht. Es muss einen Verlierer geben.[8] Mit der Anhäufung von Bildungsabschlüssen wird in das Humankapital investiert und es werden die Arbeitsmarktchancen des Individuums gesteigert.[9] Der Bildung wird hier statt dem eigentliche Gebrauchswert ein Tauschwert zugestanden, weswegen sie als untauglich angesehen werden muss, da sie eigentlich dazu dient, sich in der Welt auszukennen.[10] Wegen des immer stärker werdenden Konkurrenzkampfes zwischen Nationalstaat und dem transnationalen Kapitalismus wird in der Politik die Tatsache, dass der Bildungsbereich auch unter die Marktlogik gestellt wurde, nicht weiter diskutiert.[11]

2.1.1. Bourdieus Kapitalkonzept

Bourdieu führt das Elend der Welt, die Produktion und Reproduktion von sozialem Leid und die wachsende Ungleichheit und Ausgrenzung nicht auf die zunehmende Modernisierung, sondern auf die kapitalistische Ökonomie und die dementsprechende Staatenpolitik zurück. Die Wirtschaft wird vom Finanzkapital beherrscht, welches nur dem einen Selbstzweck folgt: dem Streben nach maximalem Profit. Die neue Form der Herrschaft stützt sich dabei auf die soziale Bedingung der Anwendung. Das heißt, dass Macht auf der Weitergabe von kulturellem Kapital und der Intelligenz des Rassismus fußt. Laut Bourdieu trägt unser Bildungssystem zur Reproduktion der sozialen Herkunft bei. Dafür ist ein Kapitalkonzept verantwortlich, dass nicht mehr nur auf dem ökonomischen Kapital aufbaut, sondern auch das kulturelle, das soziale und das symbolische Kapital beinhaltet. Auf diese Kapitalformen wird die politische und gesellschaftliche Macht aufgeteilt.[12]

- ökonomisches Kapital: messbar anhand von Eigentum
- kulturelles Kapital: Besitz von Bildung und Wissen, wird durch schulische Abschlüsse, Zertifikate etc. zum Ausdruck gebracht
- soziales Kapital: hilfreiche soziale Netzwerke, die vor allem auch durch die Familie bereits von Geburt an bestehen
- symbolisches Kapital: Status und Prestige

Die Reproduktion von Ungleichheiten passiert vor allem über das kulturelle Kapital, welches jedoch nicht vom ökonomischen trennbar ist. Familien die ein höheres Einkommen haben, fällt es oft aus finanziellen Gründen leichter ihren Kindern einen weiterführenden Bildungsweg zu ermöglichen. Ein Sammeln von Bildungsabschlüssen führt wiederum zur Aufwertung des symbolischen Kapitals. Die verschiedenen Formen des Kapitals besitzen also eine Verbindung untereinander. Laut Bourdieu und Passeron basiert die Weitergabe des Bildungsstatus in Familien auf dem Unterrichtssystem einer Gesellschaft, der Sozialisation und dem Habitus. Unter dem Habitus versteht Bourdieu ein inkorporiertes Anlagensystem das zu einem bestimmten Verhalten (Dispositionen)[13] in bestimmten Situationen führt. Dazu zählen auch Sprache und Auftreten, sowie unbewusste Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata.[14] Eine sozioökonomisch günstige Situation qualifiziert Kinder in ihrem weiteren Leben einen Bildungsweg zu gehen, der wiederum eine gute sozioökonomische Struktur mit sich bringt.[15] Das kulturelle Kapital ist also sozusagen vererbbar. Laut Bourdieu gibt es verschiedene Ausprägungen des kulturellen Kapitals. Die Inkorporation bedeutet die Verinnerlichung, die erforderlich ist, wenn kulturelles Kapital angeeignet wird. Diese Aneignung verläuft auf keinen Fall bewusst, braucht Zeit und wird von Individuen immer wieder vollzogen. Häufig wird kulturelles Kapital auch objektiviert, indem zum Beispiel Gemälde von berühmten Maler/innen gekauft werden. Die dritte Ausprägung ist die Institutionalisierung, die vor allem in schulischer Form passiert.[16] Das ökonomische und das kulturelle Kapital eines Individuums korrelieren miteinander.

„Weil der Titel das Produkt einer Umwandlung von ökonomischem in kulturelles Kapital ist, ist die Bestimmung des kulturellen Werts eines Titelinhabers im Vergleich zu anderen unauflöslich mit dem Geldwert verbunden, mit dem er auf dem Arbeitsmarkt getauscht werden kann; denn die Bildungsinvestition hat nur Sinn, wenn die Umkehrbarkeit der ursprünglichen Umwandlung von ökonomischem in kulturelles Kapital zumindest teilweise objektiv garantiert ist.“[17]

Dieses kulturelle Kapital wird in der Familie weitergegeben.

„Das beste Maß für kulturelles Kapital ist zweifellos die Dauer der für seinen Erwerb aufgewendeten Zeit. D.h., die Umwandlung von ökonomischem in kulturelles Kapital setzt einen Aufwand an Zeit voraus, der durch die Verfügung über ökonomisches Kapital ermöglicht wird. Oder, genauer gesagt, das kulturelle Kapital, das in Wirklichkeit ja in der Familie weitergegeben wird, hängt nicht nur von der Bedeutung des in der häuslichen Gemeinschaft verfügbaren kulturellen Kapitals ab, das nur um den Preis der Verausgabung von Zeit akkumuliert werden konnte, es hängt vielmehr auch davon ab, wieviel nutzbare Zeit (vor allem in Form von freier Zeit der Mutter) in der Familie zur Verfügung steht, um die Weitergabe des Kulturkapitals zu ermöglichen und einen verzögerten Eintritt in den Arbeitsmarkt zu gestatten. Das in der Familie verfügbare ökonomische Kapital spielt dabei eine entscheidende Rolle.“[18]

Symbolisches oder auch soziales Kapital kann beispielsweise durch Heirat in eine angesehene Familie erreicht werden und wird von Bourdieu als Produktion bestehender Beziehungen bezeichnet. Diese Kapitalform ist die einzige, welche auch schon in vorkapitalistischen Gesellschaften eine Rolle spielte und in allen Gesellschaften dazu dient, ökonomische Machtzu verschleiern.[19]

„Sanft und verschleiert ist die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen immer dann, wenn die direkte und brutale Ausbeutung unmöglich ist.“[20]

Durch diese Form des Kapitals kommt es zu Distinktionsprozessen der Anerkennung durch eine Gruppe.[21]

2.1.2. Soziale Ungerechtigkeiten bei Boudon

Auch Boudon beschreibt Effekte die aus der sozialen Herkunft ableitbar sind und Auswirkungen auf den Schulerfolg der Kinder haben. Auch bei ihm wird das soziale und kulturelle Kapital in der Familie weitergegeben.[22] „The lower the social status, the poorer the cultural background - hence the lower the school achievement and so on.“[23] Diesen Effekt beschreibt er als den primären. Der sekundäre Effekt stellt die Bildungsentscheidung als Resultat des Bedürfnisses eines Subjekts dar, das darauf abzielt, den sozialen Status der Eltern zu erhalten. Deswegen scheint es Personen aus niedrigeren Bildungsschichten auch nicht nötig, den Bildungsweg fortzuführen.[24] Dieser sekundäre Effekt wird vom österreichischen Bildungssystem noch zunehmend verstärkt, weil schon im zehnten Lebensjahr eine Entscheidung über den weiteren Bildungsweg getroffen werden muss. Einem Individuum wird laut Boudon ein gewisser Handlungsspielraum, der durch die Herkunft definiert ist, vorgegeben, in dem es agieren kann.[25]

2.2. Die Vererbung der sozialen Position der Eltern

Inwiefern die soziale Position der Eltern vererbt wird zeigt Bacher anhand eines Balkendiagramms, welches die berufliche Position der Eltern und den Schulbesuch der Kinder in Relation zueinander zeigt. Laut der Presse steht Österreich auf der Liste der Länder mit sozialer Gerechtigkeit beim Bildungszugang auf Platz 24 von 31.[26] [27] Die Faktoren für diese soziale Ungerechtigkeit beim Bildungszugang sind vielseitig. Sie reichen von der Bildungsnähe der Eltern, über geschlechterspezifische Faktoren, bis hin zum Migrationshintergrund.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bildungskarriere Heranwachsender korreliert mit sozialer Lage der Eltern

Viele Kinder schlagen denselben Bildungsweg ein wie die Eltern, weil sie verunsichert sind oder auch Angst vor neuen Erfahrungen, die in der Familie noch nicht gemacht wurden, haben. Es ist auch immer eine Frage der Zeit. Eltern, die nicht die Zeit haben, sich mit den schulischen Erfahrungen ihrer Kinder auseinanderzusetzen, vereinfachen deren weiteren Bildungsweg nicht unbedingt. Natürlich ist in den letzten Jahrzehnten ein Aufstieg im Bildungssystem seitens der unteren sozialen Schicht geschehen. Trotzdem kann hier noch lange nicht von Chancengleichheit gesprochen werden, da das österreichische Bildungssystem unfaire Voraussetzungen schafft.

2.2.1. Die Vererbung der sozialen Position der Eltern bei Migrationshintergrund

Sixt und Fuchs führten eine Studie durch, mit der sie zeigen wollten, dass die Bildungsbenachteiligung von Migrant/innen mit der Entwertung des sozialen und kulturellen Kapitals zu erklären ist. Als Datengrundlage für ihre Analyse diente das Sozioökonomische Panel, welches vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zur Verfügung gestellt wurde. Dieses gibt nicht nur Information über die Bildungsabschlüsse der selbst migrierten Personen und autochthonen Deutschen, sondern auch über deren Kinder. Berücksichtigt wurde der Zeitraum von 1984 bis 2004, in welchem drei Generationen befragt wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Bildung derselbst Migrierten

In der ersten Tabelle wird ersichtlich, wie unterschiedlich das Bildungsniveau der ersten Generation in den beiden Gruppen ausfällt. Die Stufe 1 steht dabei für keinen schulischen bzw. beruflichen Abschluss, Stufe 2 bedeutet Hauptschul- oder Realschulabschluss bzw. keinen beruflichen Abschluss, Stufe 3 heißt Fachoberschulabschluss oder Hochschulreife bzw. abgeschlossene Lehre, Berufsfachschule, Schule des Gesundheitswesens, Beamtenausbildung oder[28] sonstiger Abschluss. Unter Stufe 4 fallen alle, die einen Fachoberschulabschluss oder die Hochschulreife bzw. eine abgeschlossene Lehre, eine Berufsfachschule, eine Schule des Gesundheitswesens oder einen sonstigen Abschluss haben. Stufe 5 steht für einen Fachoberschulabschluss oder die Hochschulreife bzw. eine Beamtenausbildung oderfürMeisterund Techniker. Die 6. Stufe stellt die letzte Stufe dar und steht für einen Fachhochschulabschluss oder einen Hochschulabschluss.[29]

Während der Anteil der autochthonen Deutschen bei den Stufen 1 und 2 insgesamt 19,5% ausmacht, sind es bei den Personen mit Migrationshintergrund 38,8%. Der Prozentanteil der Personen, die einen Hochschulabschluss besitzen liegt bei Migrant/innen nur bei 1,3% unter dem der nicht Zugewanderten. Allgemein ist zu sagen, dass die Prozentanteile sich vor allem im unteren und mittleren Bildungsbereich stark unterscheiden. Im unteren sind mehr Migrant/innen vertreten, im Mittleren mehr nicht Migrierte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Generationenmobilität-Bildung (zweite Generation, abgeschlossene oder laufende Bildung[30]

Die zweite Tabelle veranschaulicht den Bildungsabschluss der Kinder der ersten Generation, da diese noch zu jung sind, um einen finalen Bildungsabschluss erreicht zu haben. Ich möchte diese Tabelle trotzdem anführen, da der derzeitige Schulbesuch als Basis für diese Interpretation gilt.[31] Zu erkennen ist, dass der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund bei der zweiten Kategorie Kinder mit (Fach-) Hochschulreife

[...]


[1] Vgl. Sixt/Fuchs (2009), S.265.

[2] Vgl. Mecheril/Quehl (2006), S.1f.

[3] Ribolits(2015), S.169.

[4] Vgl. Ribolits(2000), S.467.

[5] Vgl. Ribolits (2015), S.171.

[6] Vgl. Mann (1960), S.111.

[7] Vgl. Ribolits(2015), S.175.

[8]Vgl.ebd.,S.176ff.

[9] Vgl. Ribolits (2000), S.15.

[10] Vgl. Garesée (1993), S.1.

[11] Vgl. Ribolits (2004), S.1-2.

[12] Vgl. Erler (2007), 39ff.

[13] Vgl. Treibei (2006), S.226

[14] Vgl. Mikl-Horke: (2011), S.359.

[15] Vgl. Bourdieu/Passeron (1971), 15f.

[16] Vgl. Treibei (2006), S.230.

[17] Bourdieu (1983), S.190.

[18] Ebd., S.196f.

[19] Vgl. Bourdieu (1979), S.335.

[20] Bourdieu (1979), S.370.

[21] Vgl. Bourdieu (1983),S.22f.

[22] Vgl. Boudon (1974), S.11

[23] Ebd. S.29.

[24] Vgl. ebd., S.11.

[25] Vgl. Bellin (2009), S.33.

[26] Vgl. http://diepresse.com/home/bildung/schule/622934/Osterreichs-Bildungssystem-ist- unfair?from=suche.intern.portal, 25.03.2016.

[27] Bacher (2003), zit. nach Ribolits: http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:VYzbA4l1cpUJ:homepage.univie.a c.at/erich.ribolits/php/web/m/archive/download/5944+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=at

[28] Sixt/Fuchs, S. 275.

[29] Vgl. ebd. S.274.

[30] Ebd., S.276.

[31] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Bildungsbenachteiligung bei Kindern mit Migrationshintergrund aufgrund der Entwertung des kulturellen und sozialen Kapitals
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
38
Katalognummer
V321172
ISBN (eBook)
9783668205215
ISBN (Buch)
9783668205222
Dateigröße
878 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungsbenachteiligung, kindern, migrationshintergrund, entwertung, kapitals
Arbeit zitieren
Nora Blöchl (Autor:in), 2016, Bildungsbenachteiligung bei Kindern mit Migrationshintergrund aufgrund der Entwertung des kulturellen und sozialen Kapitals, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321172

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