Die Investition eines eigenen Hauses muss gut überlegt sein. Neben den Grundstückspreisen sowie den Baukosten spielen auch die anfallenden Energiekosten für Strom, Wärme etc. eine wichtige Rolle. Wer heutzutage ein Haus neu bauen oder renovieren möchte, muss sich an verschiedene Vorgaben halten, die für ein energiesparendes Bauen sorgen sollen.
Neben den gesetzlichen Vorgaben gibt es aber auch private Gründe, die für ein Energiesparhaus sprechen. Für die einen geht es um die Umwelt, für die anderen um das Geld, vielleicht aber auch um beides. Es soll also Energie gespart werden, was sich zum einen positiv auf die Umwelt und das Klima auswirkt, da es Ressourcen und CO2-Emissionen einspart und zusätzlich sollen die jährlichen Energiekosten durch den geringeren Verbrauch gesenkt werden. Doch werden diese Hoffnungen auch erfüllt? Ein Energiesparhaus weist meist deutlich höhere Bau- bzw. Renovierungskosten auf als ein konventionelles Haus. Rentieren sich diese höheren Kosten? Trage ich einen Teil zum Klimaschutz bei, wenn ich mich für ein Energiesparhaus entscheide und ab wann rentiert es sich für mich finanziell?
Doch das ist nur der privatwirtschaftliche Blick. Wie sieht es aus gesamtwirtschaftlicher Sicht aus? Deutschlands Gebäude benötigen mehr als 40 % der einheimischen Endenergie. Das zeigt, dass der Gebäudesektor ein großes Potential zum Energiesparen darstellt. Mithilfe von Förderprogrammen der KfW Bank zur Modernisierung von Bestandsgebäuden und günstigen Krediten für Neubauten mit geringem Energieverbrauch möchte die Regierung für Hausbesitzer Anreize zum Energiesparen schaffen. Auch hier kann man sich fragen, lohnt sich dieser Aufwand?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Energiesparhaustypen
3. Gesetzliche Grundlage
4. Mögliche Maßnahmen zum Energiesparen
5. Auswirkungen von Energiesparhäusern auf die Wirtschaft
5.1 Gesamtwirtschaftliche Wirkung
5.2 Auswirkungen staatlicher Förderungen auf den Arbeitsmarkt
6. Auswirkungen auf die Umwelt
7. Das Energiesparhaus aus privater Sicht
7.1 Allgemeine Betrachtung von Energiesparhäusern aus Sicht des Eigentümers
7.2 Ökonomische Evaluierung am Beispiel Hoheloogstraße
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomische und ökologische Rentabilität von Energiesparhäusern unter Berücksichtigung der aktuellen deutschen Gesetzeslage und förderpolitischen Rahmenbedingungen. Der Fokus liegt dabei auf der Beantwortung der Frage, unter welchen Voraussetzungen sich der Mehraufwand für energetische Baumaßnahmen für private Eigentümer sowie für die Gesamtwirtschaft lohnt.
- Klassifizierung verschiedener Energiesparhaustypen
- Analyse des rechtlichen Rahmens in Deutschland
- Betrachtung der volkswirtschaftlichen Effekte und Arbeitsmarktfolgen
- Untersuchung der CO2-Minderungskosten durch Sanierungsmaßnahmen
- Wirtschaftlichkeitsanalyse am Praxisbeispiel Hoheloogstraße
Auszug aus dem Buch
7.2 Ökonomische Evaluierung am Beispiel Hoheloogstraße
Als nächstes wird eine ökonomische Evaluierung einer bereits durchgeführten Sanierung zum Energiesparhaus aufgezeigt. Die folgenden Angaben beziehen sich auf Kaufmann et al. (2010, S. 4 ff.). Es handelt sich dabei um ein saniertes Gebäude der GAG Ludwigshafen (siehe Abb. 2). Der Vorteil dieser Immobilie ist, dass es sich um eine zweigeteilte Sanierung handelt. Das Gebäude besitzt zwei „geometrisch identische Gebäudeteile“ mit gleicher Ausrichtung (Kaufmann et al., 2010, S. 7). Im Zuge der Sanierung wurde ein Teil zum Passivhaus (PHiB), der andere zum Niedrigenergiehaus (NEH) ausgebaut. Dadurch ist ein direkter Vergleich zwischen einer Modernisierung auf (annähernd) Passivhaus-Standard und auf Niedrigenergiehaus-Standard (nach EnEV 2002) möglich.
Beide Gebäudeteile wurden von 2005 bis 2006 mit „hoch energieeffizienten Komponenten“ (Wärmedämmung der Gebäudehülle, neue Fenster, verbesserte Luftdichtheit und kontrollierte Wohnungslüftung, sowie neue Heizkörper) saniert (Kaufmann et al., 2010, S. 4). Es ist dabei hinzuzufügen, dass es sich bei den verbauten Komponenten um die „preisgünstigen Produkte“ (Ebd., S. 6) handelt (z. B. keine Holz- oder Holz-Alu-Fenster, stattdessen Kunststoff). Dadurch sollten die Kosten möglichst gering gehalten werden, die Optik war dabei zweitrangig. Dennoch sind die Produkte als „hochwertig, langlebig und komfortabel“ eingestuft (Ebd.). Die Kosten der energetischen Sanierung summierten sich auf 406 EUR/m2 Wohnfläche (Wfl.) für das Passivhaus und 231 EUR/m2 Wohnfläche für das Niedrigenergiehaus. Daraus resultieren Mehrkosten für das PHiB von 175 (± 20) EUR/ m2 Wfl. Aufgrund nicht genau zuzuordnender Kosten bleibt eine Unsicherheit von ± 20 EUR/ m2 Wfl. Die höheren Kosten des PHiB entstanden vor allem durch die neue Lüftungsanlage. Diese kostete im PHiB 69 EUR/ m2 Wfl. mehr als im NEH. Auch die Kosten für Dämmung (Dämmung von Dach, Kellerdecke, Außenwände, Wärmebrücken; Perimeter; Luftdichtheit) und neue Fenster lagen beim PHiB um insgesamt 123 EUR/ m2 Wfl. höher als beim NEH. Alle weiteren Kosten differierten nur wenig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation für Energiesparhäuser zwischen Klimaschutz und ökonomischer Rentabilität und steckt den Rahmen der Arbeit in Deutschland ab.
2. Energiesparhaustypen: In diesem Kapitel werden gängige Standards wie Niedrigenergiehaus, Passivhaus, Nullenergiehaus und die KfW-Effizienzklassen definiert und voneinander abgegrenzt.
3. Gesetzliche Grundlage: Es wird der rechtliche Rahmen in Deutschland erläutert, insbesondere das EnEG, die EnEV und das EEWärmeG, die energetische Anforderungen an Neubau und Sanierung definieren.
4. Mögliche Maßnahmen zum Energiesparen: Dieses Kapitel behandelt bauliche Strategien wie Wärmedämmung, Fenstertausch und moderne Heizsysteme zur Reduzierung des Energieverbrauchs.
5. Auswirkungen von Energiesparhäusern auf die Wirtschaft: Hier werden die volkswirtschaftlichen Potenziale sowie die positiven Impulse für Beschäftigung durch staatliche Förderprogramme analysiert.
6. Auswirkungen auf die Umwelt: Das Kapitel befasst sich mit dem CO2-Einsparpotenzial durch Gebäudesanierung und dem Kosten-Nutzen-Verhältnis verschiedener technischer Maßnahmen.
7. Das Energiesparhaus aus privater Sicht: Neben allgemeinen wirtschaftlichen Betrachtungen für Eigentümer wird hier eine konkrete Evaluierung des Sanierungsprojekts Hoheloogstraße durchgeführt.
8. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass sich Energiesparhäuser ökologisch und gesamtwirtschaftlich lohnen, für den privaten Eigentümer jedoch eine individuelle Betrachtung der Amortisationsdauer erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Energiesparhaus, Energieeffizienz, EnEV, KfW-Effizienzhaus, Passivhaus, CO2-Minderung, Wärmedämmung, Sanierung, Lebenszykluskosten, Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz, Gebäudesektor, Fördermittel, Nachhaltigkeit, Energiekosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die energetische Sanierung und den Neubau von Gebäuden unter der Fragestellung, ob sich der finanzielle und technische Aufwand für Energiesparhäuser lohnt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, die Klassifizierung von Gebäudetypen, volkswirtschaftliche Auswirkungen, ökologische Bilanzierung sowie die ökonomische Analyse privater Sanierungsprojekte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wo und unter welchen Bedingungen sich der Aufwand für ein Energiesparhaus für den Eigentümer und die Gesellschaft aus ökonomischer sowie ökologischer Sicht rechtfertigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse aktueller gesetzlicher Verordnungen, wirtschaftlicher Kennzahlen und eine Fallstudienanalyse zur ökonomischen Evaluierung von Gebäudesanierungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Standards und Gesetze, die Darstellung baulicher Energiesparmaßnahmen, die Untersuchung makroökonomischer Effekte und eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung am Beispiel eines konkreten Projekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Energieeffizienz, EnEV, Wirtschaftlichkeit, Passivhaus, CO2-Minderung und Lebenszykluskosten.
Welches Ergebnis liefert die Fallstudie Hoheloogstraße?
Die Studie zeigt, dass zwar sowohl Passivhaus- als auch Niedrigenergiehaus-Sanierungen wirtschaftlich vorteilhaft gegenüber einem unsanierten Gebäude sind, jedoch das Niedrigenergiehaus in einem Zeitraum von 20 Jahren kosteneffizienter ist als der Passivhaus-Standard.
Warum lohnt sich eine Volldämmung laut der Arbeit teilweise nicht?
Die Arbeit verweist auf die Meinung von Experten, dass eine Volldämmung aufgrund der notwendigen zusätzlichen Lüftungsstrategien und potenzieller Investitionen in Klimatechnik in der Anschaffung sehr teuer sein kann, weshalb oft Teildämmungen ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen.
- Arbeit zitieren
- Daniel Sigmund (Autor:in), 2014, Energiesparhäuser aus ökonomischer und ökologischer Persepktive. Wo lohnt sich der Aufwand einer Investition?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321279