Energiesparhäuser aus ökonomischer und ökologischer Persepktive. Wo lohnt sich der Aufwand einer Investition?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Energiesparhaustypen

3. Gesetzliche Grundlage

4. Mögliche Maßnahmen zum Energiesparen

5. Auswirkungen von Energiesparhäusern auf die Wirtschaft
5.1 Gesamtwirtschaftliche Wirkung
5.2 Auswirkungen staatlicher Förderungen auf den Arbeitsmarkt

6. Auswirkungen auf die Umwelt

7. Das Energiesparhaus aus privater Sicht
7.1 Allgemeine Betrachtung von Energiesparhäusern aus Sicht des Eigentümers
7.2 Ökonomische Evaluierung am Beispiel Hoheloogstraße

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Investition eines eigenen Hauses muss gut überlegt sein. Neben den Grundstückspreisen sowie den Baukosten spielen auch die anfallenden Energiekosten für Strom, Wärme etc. eine wichtige Rolle. Wer heutzutage ein Haus neu bauen oder renovieren möchte, muss sich an verschiedene Vorgaben halten, die für ein energiesparendes Bauen sorgen sollen. Neben den gesetzlichen Vorgaben gibt es aber auch private Gründe, die für ein Energiesparhaus sprechen. Für die einen geht es um die Umwelt, für die anderen um das Geld, vielleicht aber auch um beides. Es soll also Energie gespart werden, was sich zum einen positiv auf die Umwelt und das Klima auswirkt, da es Ressourcen und CO2-Emissionen einspart und zusätzlich sollen die jährlichen Energiekosten durch den geringeren Verbrauch gesenkt werden. Doch werden diese Hoffnungen auch erfüllt? Ein Energiesparhaus weist meist deutlich höhere Bau- bzw. Renovierungskosten auf als ein konventionelles Haus. Rentieren sich diese höheren Kosten? Trage ich einen Teil zum Klimaschutz bei, wenn ich mich für ein Energiesparhaus entscheide und ab wann rentiert es sich für mich finanziell?

Doch das ist nur der privatwirtschaftliche Blick. Wie sieht es aus gesamtwirtschaftlicher Sicht aus? Deutschlands Gebäude benötigen mehr als 40 % der einheimischen Endenergie (FVEE, 2008, S. 54). Das zeigt, dass der Gebäudesektor ein großes Potential zum Energiesparen darstellt. Mithilfe von Förderprogrammen der KfW Bank zur Modernisierung von Bestandsgebäuden und günstigen Krediten für Neubauten mit geringem Energieverbrauch möchte die Regierung für Hausbesitzer Anreize zum Energiesparen schaffen. Auch hier kann man sich fragen, lohnt sich dieser Aufwand?

Aus Sicht des Umweltschutzes stellt sich ebenfalls die Frage, ob - und wenn ja welche - energetischen Baumaßnahmen sinnvoll sind.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der allgemeinen Frage, wo sich der Aufwand eines Energiesparhauses lohnt. Als Betrachtungsrahmen dieser Fragestellung dient die Situation in Deutschland. Dafür werden zunächst die verschiedenen Typen der Energiesparhäuser vorgestellt, die sich prinzipiell nur durch ihre Menge an eingesparter Energie unterscheiden. Außerdem werden die rechtlichen Grundlagen von der EU über den Bund bis zu den Kommunen beleuchtet. Danach werden verschiedene bauliche Maßnahmen von Energiesparhäusern besprochen. Im nächsten Schritt werden Energiesparhäuser aus Sicht der Wirtschaft, des Umweltschutzes und des Eigentümers evaluiert, sowie ein konkretes Sanierungsprojekt analysiert. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem kurzen Fazit.

2. Energiesparhaustypen

Zunächst wird der Begriff Energiesparhaus näher betrachtet. Es herrschen dazu keine einheitlichen Definitionen. Der Begriff beschreibt im Allgemeinen ein Haus mit einem unterdurchschnittlichen Energieverbrauch, wobei als Referenz die aktuelle gesetzliche Vorgabe dient. Im nächsten Abschnitt werden die unterschiedlichen Typen kurz vorgestellt:

Das Niedrigenergiehaus

Der Begriff Niedrigenergiehaus ist heute nicht mehr aktuell. Vor der Einführung der EnEV 2002 (Energieeinsparverordnung, vgl. Kapitel 3) wurden diese Gebäude gefördert, sofern sie 30% unter den Anforderungen der Wärmeschutzverordnung (WSCHVO) von 1995 lagen. Da die Anforderungen der EnEV 2002 über denen der WSCHVO liegen, beschreibt das Niedrighaus also den heutigen Mindeststandard. (Volland, 2014, S. 8)

Das Niedrigstenergiehaus

Das europäische Parlament definiert in der Richtlinie 2010/31/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden den Begriff des Niedrigstenergiehauses als „ein Gebäude, das eine sehr hohe, nach Anhang I bestimmte Gesamtenergieeffizienz aufweist. Der fast bei Null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen — einschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen, die am Standort oder in der Nähe erzeugt wird — gedeckt werden.

Die KfW-Effizienzhäuser

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert mit Hilfe günstiger Darlehen und Tilgungszuschüssen Gebäude mit geringem Energieverbrauch (KfW, 2014a, S.1). Dabei unterteilt sie diese Gebäude anhand ihres Verbrauchs in sieben verschiedene Klassen von Effizienzhäusern: Das energiesparendste ist das KfW-Effizienzhaus 40, das die Vorgaben der EnEV an den Primärenergiebedarf um 60% unterschreitet. Danach geht es in Abstufungen von 15% weiter bis zum KfW-Effizienzhaus 115 und dem KfW-Effizienzhaus Denkmal, dessen Primärenergieverbrauch maximal 160% der zulässigen Werte der EnEV ausmacht (KfW, 2014b, S.1). Die Klassen des KfW-Effizienzhaus 40 gelten dabei nur für Neubauten, die weniger anspruchsvollen Klassen (KfW-Effizienzhaus Denkmal, 115 -85) gelten nur für bereits bestehende Gebäude.

Das Passivhaus

Feist (2001, S.17) beschreibt ein Passivhaus als „konsequente Weiterentwicklung des Niedrigenergiehauses: [Es] verbessere die Behaglichkeit und verringere den Energiebedarf durch ,passive‘ bauliche und technische Maßnahmen, die dafür sorgen, dass unnötige Wärmeverluste vermieden und freie Wärmegewinne optimal genutzt werden.― Nach Volland (2014, S. 7) ist ein Passivhaus ein Gebäude mit einem Heizwärmebedarf Qh von höchstens 15 kWh/(m[2] * a) und einem Primärenergiebedarf (einschließlich Warmwasser und Haushaltsstrom) von höchstens 120 kWh/(m[2] * a). Es benötigt im Vergleich zu konventionellen Gebäuden 80-90 % weniger Heizenergie (Volland, 2014, S.7).

Das Nullenergie- und Plusenergiehaus

Der Primärenergiebedarf eines Nullenergiehauses liegt bei null. Damit ist weder gemeint, dass es gar keine Energie benötigt, noch, dass es vollständig autark ist, sondern dass die von diesem Gebäude eingespeiste Energiemenge im Jahresmittel gleich seinem Energiebezug ist (Voss, 2010, S.1). Ist die Energiebilanz des Hauses positiv, so spricht man von einem Plusenergiehaus (Voss, 2010, S.1).

Das 3-Liter-Haus

Mit dem 3-Liter-Haus ist umgangssprachlich ein Haus gemeint, das jährlich einen Primärenergiebedarf von drei Litern Heizöl pro m[2] Nutzfläche aufweist, was circa 34 kWh entspricht (Fraunhofer Institut Bauphysik, 2014). Davon abgeleitet gibt es auch weitere Varianten wie das 4-Liter-Haus, das 7-Liter-Haus u.a. (Enseling & Hinz, 2006, S. 10).

Zusammengefasst kann man bei der Klassifizierung der verschiedenen Energiesparhäusern festhalten, dass die Einteilung nach ihrem Energieverbrauch erfolgt. Eine gängige Methode der Klassifizierung ist die der KfW. Eine weitere häufig verwendete Methode ist die Umrechnung des Energieverbrauchs in Liter Heizöl pro Quadratmeter.

3. Gesetzliche Grundlage

Nachdem die verschiedenen Energiesparhaustypen erläutert wurden, wird nun die gesetzliche Grundlage betrachtet. Sowohl die EU als auch die Bundesregierung haben verschiedene Richtlinien, Gesetze und Verordnungen erlassen, die den Energieverbrauch von Gebäuden regeln sollen. Damit soll der Energiebedarf gesenkt werden und gleichzeitig die Ziele des Umweltschutzes vorangetrieben werden. Den gesetzlichen Rahmen für die Modernisierung und den Neubau von Gebäuden hinsichtlich ihrer Energieeffizienz bilden in Deutschland das Energieeinsparungsgesetzt (EnEG 2013) zusammen mit der Energieeinsparungsverordnung (EnEV 2014), sowie das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG 2011) (Tuschinski, 2014, S. 9). Das Zusammenspiel dieser Gesetze und Verordnungen soll zu einer energetischen und ökonomischen Optimierung der Gebäude führen (Tuschinski, 2014, S. 9). Es folgen die Ziele der oben aufgeführten Gesetze bzw. Verordnungen:

Das EnEG 2013 schreibt vor, dass derjenige, der ein Gebäude errichtet, es so entwerfen und ausführen muss, dass beim Heizen und Kühlen vermeidbare Energieverluste unterbleiben (EnEG 2013, § 1, Absatz 1). Außerdem befähigt es die Bundesregierung dazu Verordnungen wie die EnEV zu erlassen oder zu ändern (EnEG 2013, § 1, Absatz 2).

Das Ziel der EnEV 2014 ist es, in Gebäuden Energie für Heizen, Lüften, Wasserwärmen, Kühlen und Beleuchten einzusparen. Außerdem dient sie der Umsetzung der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung (klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050) und der europäischen Richtlinie 2010/31/EU (ab 2021 nur noch Niedrigstenergiegebäude). (Tuschinski, 2014, S. 8).

Der Zweck des EEWärmeG 2011 ist es, „insbesondere im Interesse des Klimaschutzes, der Schonung fossiler Ressourcen und der Minderung der Abhängigkeit von Energieimporten, eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen und die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Wärme und Kälte aus Erneuerbaren Energien zu fördern― (EEWärmeG 2011, § 1, Absatz 1). Außerdem besteht für Besitzer neugebauter Gebäude eine anteilige Nutzungspflicht von erneuerbaren Ressourcen (EEWärmeG 2011, § 3, Absatz 1).

Diese drei Gesetze bzw. Verordnungen bilden somit in Deutschland den Rahmen für den Neubau bzw. die Modernisierung von Gebäuden. Das bedeutet, die Entscheidung für den Bau oder die Modernisierung eines Gebäudes, ist zwangsläufig an bauliche Maßnahmen zur Energieeinsparung gekoppelt. Diese Maßnahmen werden im folgenden Abschnitt besprochen.

4. Mögliche Maßnahmen zum Energiesparen

Bei einem Gebäude gibt es mehrere potentielle Möglichkeiten, um den Energieverbrauch zu senken. Dazu gehören die Dämmung von Außenwänden zur Verringerung von ungewollten Wärmeverlusten sowie zur Vermeidung eines zu starken Erwärmens, die Form der Wärmebereitstellung für Heizung und Warmwasser sowie das Produzieren von eigenem Strom durch Photovoltaikanlagen. Im nachfolgenden Absatz werden diese Möglichkeiten kurz erläutert.

Die Wärmedämmung ist ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht Energieverluste zu vermeiden. Mit einer geeigneten Dämmung können direkt die Heizkosten gesenkt werden (Haas, 2013, S. 31). Eine perfekte Dämmung sorgt für eine luftdichte Hülle um das Gebäude, da nur so die Wärmeverluste am geringsten sind (Haas, 2013, S. 31). Um dennoch einen geregelten Luftaustausch zwischen Raum- und Außenluft zu gewährleisten, ist die energetisch sinnvollste Variante eine Lüftungsanlage, da durch die Lüftung mit Fenstern zu viel Wärme entweichen würde (Haas, 2013, S. 32). Das wiederum zeigt, dass auch die Fenster, da sie Teil der äußeren Hülle des Gebäude sind, Wärmeverluste verhindern müssen. Entscheidend bei Fenstern sind der U-Wert [W/m[2]*K], der angibt wie viel Wärmeenergie nach außen fließt, und der g-Wert [%], der angibt wie viel Energie durch die Scheibe fließen kann (Metzger, 2013, S. 155). Es gilt, je niedriger der U-Wert, desto besser ist die Verglasung (Metzger, 2013, S. 155). Generell kann man zwischen einer Außendämmung und einer Innendämmung unterscheiden, wobei die Außendämmung zu bevorzugen ist, um den Taupunkt außerhalb der Wand zu halten (Stempel, 2008, S. 24). Zur Dämmung eines Gebäudes können sowohl synthetische Materialien wie Polystyrol und Polyurethan als auch organische Materialien wie Schafwolle, Holz- oder Zellulosefasern verwendet werden (Stempel, 2008, S. 23). Eine detaillierte Beurteilung würde an dieser Stelle zu weit führen. Eine mögliche Quelle hierfür bietet Stempel (2008).

Auch die Wahl der Heizung ist entscheidend, sowohl für die Heizkosten als auch für die CO2- Emissionen. Faktoren, die die Wahl beeinflussen, sind die Heizlast des Gebäudes, sein Verwendungszweck, die Ausrichtung und die Grundstücksgröße (BDH, 2013, S. 24). Die gängigen Heizungssysteme sind in absteigender Häufigkeit aufgelistet (Stand 2011): der Gas- Kessel, der Öl-Kessel, der Gas-Brennwertkessel, der Biomasse-Kessel, die Wärmepumpen, der Öl-Brennwertkessel und als Unterstützung thermische Solaranlagen (BDH, 2013, S. 24). Brennwertkessel sind eine weiterentwickelte Form der konventionellen Kessel mit einem verbesserten Wirkungsgrad. Aufgrund dessen sind sie bei einer Neuanschaffung zu empfehlen. Der Vorteil des Einsatzes von Biomasse besteht darin, dass er klimaneutral ist und gleichzeitig günstiger als Öl und Gas (DEPV, 2014, S.1). Diese Neuerungen haben zusammen mit dem EEWärmeG zu einer Verschiebung der Verteilung der Heizungssysteme geführt. Sieht man sich die Verteilung von Heizungssystemen in neuen Wohngebäuden an, ist ein Trend zu den erneuerbaren Energien zu erkennen. Laut Statistischem Bundesamt (2012, S.1) belegen die

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Details

Titel
Energiesparhäuser aus ökonomischer und ökologischer Persepktive. Wo lohnt sich der Aufwand einer Investition?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Umweltwissenschaften)
Veranstaltung
Umweltmanagement
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V321279
ISBN (eBook)
9783668205314
ISBN (Buch)
9783668205321
Dateigröße
904 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
energiesparhäuser, persepktive, aufwand, investition
Arbeit zitieren
Daniel Sigmund (Autor), 2014, Energiesparhäuser aus ökonomischer und ökologischer Persepktive. Wo lohnt sich der Aufwand einer Investition?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321279

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