In der Lerngruppe lernen SchülerInnen mit unterschiedlicher kultureller, sprachlicher, religiöser und sozialer Herkunft gemeinsam und tägliche Konflikte innerhalb der Klasse sind mitunter auf diese individuellen Voraussetzungen zurückzuführen. Die thematische Behandlung eines Konfliktes, der auf Grundlage von fremden Verhaltensweisen entstanden ist, hat für die Schülerinnen damit eine Gegenwartsbedeutung.
Da die SchülerInnen auch in der Zukunft als Teil einer Gesellschaft mit anderen Menschen zusammenleben, hat die Stunde ebenfalls eine Zukunftsbedeutung für die Lerngruppe. Die Erfahrungen und Möglichkeiten verantwortungsbewusst am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen entwickeln dabei eine wichtige Qualifikation für das weitere Leben der SchülerInnen. Das Ziel ist es Vielfalt als Chance und als Herausforderung zu verstehen.
Durch das Eingehen auf die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse der SchülerInnen setzen sie sich aktiv mit dem Unterrichtsgegenstand auseinander und der Lerngegenstand erhält Bedeutsamkeit. Es entsteht ein Lebensweltbezug. Außerdem werden Soziale Lernprozesse initiiert und unverzichtbare Werte menschlichen Zusammenlebens erfahrbar gemacht. Die SchülerInnen bekommen die Chance neue Möglichkeiten des Umgangs miteinander zu erfahren und zu erproben (Soziales Lernen).
Inhaltsverzeichnis
1. Thema der Einheit
2. Ziel der Einheit
3. Sequenzen der Einheit
4. Lehrplanbezug
5. Thema der Stunde
6. Stundentyp
7. Ziel der Stunde
8. Teilziele der Stunde
9. Beschreibung der Lerngruppe
Sozialverhalten
Lern- und Arbeitsverhalten
10. Individualziel
Schüler D (10,7 Jahre)
Schüler C (10,6 Jahre)
11. Sachanalyse
12. Lernvoraussetzungen
Verfahrensbezogene Lernvoraussetzungen
Sachbezogene Lernvoraussetzungen
13. Didaktisch-methodisches-Konzept
Didaktische Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtsvorbereitung ist es, den SchülerInnen der 4. Klasse einer Förderschule den reflektierten Umgang mit Verschiedenheit und Ausgrenzung zu vermitteln. Die zentrale Forschungsfrage bzw. Zielsetzung besteht darin, das Verständnis für "Fremdes" als möglichen Konfliktverursacher zu schärfen, Empathie für Außenseiter zu entwickeln und diese Erkenntnisse für das eigene soziale Miteinander im Schulalltag nutzbar zu machen.
- Reflektion von Ausgrenzung und Verschiedenheit anhand des Bilderbuches "Irgendwie anders".
- Entwicklung von Empathiefähigkeit gegenüber Außenseitern durch einen Perspektivwechsel.
- Förderung der Impulskontrolle und des sozialen Verhaltens in einer heterogenen Lerngruppe.
- Stärkung der Reflexionskompetenz bezüglich des eigenen Lern- und Arbeitsverhaltens.
Auszug aus dem Buch
11. Sachanalyse:
Bei der Entstehung der Identität eines Menschen unterscheidet man zwischen der Ich-Identität, der personalen Identität und der sozialen Identität (vgl. Goffman 1967, S.133ff). Demnach bewegt sich ein Individuum in einer ständigen Wechselbeziehung zwischen Anpassung und individueller Abwandlung. Die personale Identität bezieht sich auf die Einmaligkeit eines Individuums. Die soziale Identität bezieht sich auf die Gesamtheit der Rollenerwartungen, die ein Individuum im Interaktionsprozess erfüllen muss. Die personale und die soziale Identität sind somit soziale Produkte(vgl. Goffman 1967, S.9f). Die Ich-Identität stellt ein Gleichgewicht zwischen sozialer und personaler Identität her. Diese Balance ist gestört, wenn die Rollenerwartungen der anderen verinnerlicht werden und sich so nicht mehr von der ihm zugeschriebenen sozialen Identität abhebt oder wenn das Individuum die Erwartungen der anderen zurückweist und somit die persönliche Identität in den Vordergrund tritt.
Damit ein Individuum eine Ich-Identität entwickeln kann, muss das Individuum (vgl. Schülerduden Philosophie S. 193 ff):
1. eigene Rollen und damit verbundene Rollenerwartungen erkennen und sich mit diesen kritisch auseinander setzen (Rollendistanz)
2. sich in die Rollen anderer Individuen versetzen (Empathie), um die eigene Rolle im Interaktionsprozess zu entwerfen zu können
3. Rollenkonflikte, die durch Rollenerwartungen verschiedenster Bezugsgruppen und -systeme entstehen (z.B. Rolle als Kind in der Familie, Rolle als Schüler in der Schule) zur Kenntnis nehmen und eine Balance zwischen den verschiedenen Normen und Erwartungen finden (Ambiguitätstoleranz)
4. in Interaktionsprozessen die eigene Identität einbringen (Identitätsdarstellung)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema der Einheit: Einführung in die Thematik "Anders sein" und die Situation von Außenseitern.
2. Ziel der Einheit: Beschreibung und Reflexion der Unterschiedlichkeiten zwischen Menschen und fiktiven Figuren.
3. Sequenzen der Einheit: Übersicht über die geplanten Unterrichtsschritte und Kompetenzschwerpunkte.
4. Lehrplanbezug: Einordnung in den Ethikunterricht der Klasse 4 mit Fokus auf Verschiedenheit.
5. Thema der Stunde: Konkrete Auseinandersetzung mit dem Thema "Irgendwie anders sein".
6. Stundentyp: Erarbeitungsstunde zur methodischen und inhaltlichen Bearbeitung.
7. Ziel der Stunde: Bewertung und Reflexion der Ausgrenzung der Bilderbuchfigur.
8. Teilziele der Stunde: Spezifische Lernziele bezüglich Regelverständnis, Interpretation und Reflexion.
9. Beschreibung der Lerngruppe: Charakterisierung der Klasse hinsichtlich Sozial- und Arbeitsverhalten.
10. Individualziel: Detaillierte Förderpläne für spezifische Schüler.
11. Sachanalyse: Theoretischer Hintergrund zur Identitätsentwicklung und zum Bilderbuch.
12. Lernvoraussetzungen: Analyse der verfahrens- und sachbezogenen Kompetenzen der Schüler.
13. Didaktisch-methodisches-Konzept: Darlegung der didaktischen Überlegungen und methodischen Entscheidungen.
Schlüsselwörter
Ethik, Förderschule, Sozial-emotionale Entwicklung, Identität, Inklusion, Außenseiter, Verschiedenheit, Konfliktlösung, Empathie, Bilderbuch, Unterrichtsplanung, Individualziel, Lernvoraussetzungen, Reflexion, Impulskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtsvorbereitung im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Planung einer Ethikstunde für eine 4. Klasse an einer Förderschule zum Thema "Anders sein" und der Reflexion von Ausgrenzung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Auseinandersetzung mit Verschiedenheit, der Umgang mit Außenseitern, die Identitätsbildung sowie soziales Lernen in einer heterogenen Gruppe.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Die SchülerInnen sollen lernen, die Ausgrenzung der Hauptfigur "Irgendwie anders" zu beschreiben und zu bewerten, um Fremdes als Konfliktursache zu erkennen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Planung zugrunde?
Die Planung folgt dem Konzept der Lernzielorientierung und nutzt das Bilderbuch als Medium zur handlungsorientierten und problemorientierten Auseinandersetzung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Lerngruppenbeschreibung, die theoretische Sachanalyse zur Identität, die Erfassung der Lernvoraussetzungen und die detaillierte didaktisch-methodische Konzeption der Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Dokument?
Typische Begriffe sind "Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung", "Rollendistanz", "Empathie", "Bilderbuch-Didaktik" und "Schülerorientierung".
Warum spielt das Bilderbuch "Irgendwie anders" eine so zentrale Rolle?
Es dient als identitätsstiftendes Medium, das es ermöglicht, über negative Aspekte wie Ausgrenzung und Vorurteile zu sprechen, ohne unmittelbar persönliche Konflikte der Kinder im Unterricht zu fordern.
Wie geht die Lehrkraft mit den individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler um?
Durch die Festlegung spezifischer Individualziele und differenzierte Förderangebote, unterstützt durch die pädagogische Mitarbeiterin, wird eine individuelle Lernbegleitung sichergestellt.
- Quote paper
- Maria Schmidt (Author), 2015, Andersartigkeit im Ethikunterricht thematisieren. "Irgendwie Anders" von Kathryn Cave und Chris Riddell in der 4. Klasse einer Förderschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321455